Es geht um des Kaiser´s Wurst – Deutsches in Kaliningrad

Es geht um des Kaiser´s Wurst – Deutsches in Kaliningrad

Kaliningrad bemüht sich seinem Ruf als westlichste Stadt Russlands in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gerecht zu werden. Gerade im Restaurant-Business ist in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung zu verzeichnen.

Besucher Kaliningrads kennen natürlich das „Europa-Center“ im Zentrum Kaliningrads. Nun hat vor wenigen Wochen der zweite Bauabschnitt seine Pforten geöffnet und man fühlt sich wirklich wie in Europa.

Einer der wohl angenehmsten Momente für Deutsche, die sich langfristig in Kaliningrad aufhalten und die auf viele deutsche Produkte verzichten müssen, ist wohl die Eröffnung eines echt bayrischen Restaurants im Europa-Center – dem Restaurant „Kaiser Wurst“.

Das „echt“ wird nicht nur in der Ausstattung gezeigt, sondern auch durch einen Bayern, der das Restaurant im Auftrage der russischen Besitzer aufbaut und das Personal anleitet und ausbildet.

Kaliningrad-Domizil nutzte die Möglichkeit für ein Gespräch, sowohl mit dem Besitzer Dmitri Antonow, wie auch mit dem deutschen Brand-Manager und Chef-Koch Axel Rehle.

KaDo: Dmitri, wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet ein bayrisches Restaurant im alten Ostpreußen zu eröffnen? Die „Saupreuß´n“ sind ja nicht die besten Freunde der Bayern?

Dmitri: Wir waren in Deutschland und besuchten auch Bayern mit seinen Restaurants und Bierbrauereien und waren einfach begeistert von dieser einzigartigen Atmosphäre und der Gastfreundschaft. Und wir waren beeindruckt von den köstlichen und herzhaften Speisen. Und eigentlich möchte man immer wieder solche Restaurants besuchen. Aber deswegen immer nach Deutschland zu fahren ist sehr zeitaufwendig. Und so entschieden wir, unser eigenes Restaurant in Kaliningrad zu schaffen.

KaDo: Die bayrische Küche ist sehr spezifisch, sehr deftig. Hattet ihr nicht Sorge, dass sie eventuell nicht den Geschmack der Kaliningrader trifft?

Dmitri: Nein, die Sorgen hatten wir nicht, denn der Russe liebt viel und gut zu essen und die Grundlagen der bayrischen Küche sind den Russen bekannt. Hierzu gehört Sauerkraut, Fleisch,  Würste und natürlich Kartoffeln.

KaDo: Die Ausstattung des Restaurants ist sehr hochwertig und vermutlich auch teuer, aber die Preise in der Karte durchaus „demokratisch“, wie man in Russland zu sagen pflegt. Rechnet sich das Restaurant?

Dmitri: Natürlich wollen wir Geld verdienen und wir werden auch Geld verdienen. Jetzt stand aber erst einmal die Aufgabe ein Stück deutscher Restaurantkultur nach Kaliningrad zu bringen, ein Stück Bayern weit weg von Deutschland – damit sich die Kaliningrader so fühlen, als wären sie in Bayern. Aber natürlich möchten wir auch Deutsche bei uns begrüßen, wenn diese als Touristen zu uns kommen.

KaDo: Und Ihr habt auch gleich noch einen waschechten Bayern mit nach Kaliningrad geholt?

Dmitri: Ja, es war uns von Anfang an klar, dass wir für ein richtiges bayrisches Restaurant auch einen erfahrenen und qualifizierten Manager und Chefkoch aus Bayern brauchen. Immerhin handelt es sich um eine nationale Küche und nationale Gerichte kann eben nur jemand zubereiten, der diese Küche „mit der Muttermilch“ angefangen hat zu kosten … Wir haben lange gesucht und letztendlich den richtigen Mann für uns gefunden.

KaDo: Tja Axel, das war wohl jetzt ein Kompliment für Dich. Wir kennen uns nun auch schon einige Monate. Bekannt gemacht haben wir uns am „Trefftisch Deutschsprachiger“, der jeden Mittwoch bei Eurer Konkurrenz stattfindet.

Axel: Richtig, ich fühle mich aber auch bei unseren Mitwettbewerbern wohl. Wir arbeiten zusammen und helfen dort, wo es nötig ist. Wir sind also eigentlich nicht so richtige Konkurrenten. Es ist auch genug Platz für zwei deutsche Restaurants in Kaliningrad. Ich fühle mich in der „Kaiser Wurst“ sehr wohl. Und in Dmitri habe ich den richtigen russischen Partner für die Entwicklung des deutsch-bayrischen Geschäftsgedankens in Kaliningrad gefunden.

KaDo: Was kannst Du mir denn nun als ostelbisch Geborenen in Eurem Restaurant anbieten?

Axel: Nun, Du siehst, die Speisekarte hat einen vernünftigen Umfang und wie es sich gehört, ist sie auch auf Deutsch. Wenn Du also so richtig bayrisch essen willst, so bestelle „Obatzda“, „Käsespatzen“  „Schweinebraten“ „oder „Kaiserschmarrn“. Natürlich haben wir auch eine sehr breite Auswahl an traditionellen bayrischen Würstchen. Und das wir deutsches Bier ausschenken, ist auch selbstredend.

KaDo: War es eigentlich schwer, dieses Restaurant zu organisieren? Wie schaut es mit Deinen Sprachkenntnissen aus?

Axel: Es ist natürlich ein Unterschied ob ich ein Restaurant in Deutschland oder in Russland aufbaue. Viele Dinge die in Deutschland selbstverständlich sind, müssen hier erst einmal von Grund auf gesucht und erarbeitet werden. Das beginnt eben bei der Ausstattung der Küche mit Technik, des Gastraums mit Traditionsmöbeln und endet bei der Ausbildung des Personals in der Küche und auch des Personals, welches im Restaurant bedient. Wer einen leichten Job sucht, der sollte nicht nach Russland kommen. Wer einen interessanten Job sucht und auch nicht vor Schwierigkeiten zurückschreckt – der ist in Kaliningrad genau richtig. Russisch spreche ich kaum, aber dafür englisch. Und Dmitri spricht auch englisch. Und so finden wir immer eine gemeinsame Sprache.

Dmitri: Das Verhältnis mit Axel ist sehr gut, wir verstehen uns und lösen Probleme gemeinsam. Zusammen arbeiten wir an der Perfektionierung des Restaurants. Ein Restaurant ist ein lebender Organismus und der will am Leben erhalten sein.

KaDo: Im Restaurant, gleich über der Bar hängt eine eigenartige Uhr. Erklärt bitte einem Preußen aus Sachsen-Anhalt, was es damit auf sich hat.

Dmitri: Es gibt ein Sprichwort, das in Bayern die Uhren anders gehen und deshalb läuft auch in unserem Restaurant die Uhr rückwärts. Warum? Nun, die Bayern lieben das essen, trinken und lustig zu sein. Das hält die Bayern aber nicht von harter Arbeit und dem Wunsch nach Ordnung ab. Und deshalb haben sie sich diese Uhr einfallen lassen. Wenn es also nicht mehr möglich ist die Zeit festzustellen – dann muss man aufhören und nach Hause gehen.

KaDo: Besten Dank Euch beiden für das Gespräch. Kommen wir nun zum praktischen Teil meines Besuches bei Euch – meiner Bestellung und Prost!

Nach meinem deftigen Essen gönnte ich mir noch einen Spaziergang durch das neue EuropaCenter im Zentrum Europas. Folgen Sie einfach meinen Spuren und holen sich Appetit auf einen Kaliningrad-Besuch.

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