Kaliningrad und seine Studenten

Kaliningrad und seine Studenten

 

Ständige Leser des „Königsberger Express“ wissen, dass es einen ständigen „Trefftisch Deutschsprachiger“ in Kaliningrad gibt. Über diesen Trefftisch wurde dann auch der Kontakt zum „Club der Liebhaber der deutschen Sprache hergestellt. Er findet wöchentlich in der Technischen Universität statt. Auch dort versammelt sich ein bunter Mix – Studenten, Lehrer, Geschäftsleute – eben einfach Menschen die Freude haben an der deutschen Sprache. Traditionell im April findet jedes Jahr auch eine Olympiade der ausländischen Sprache an der Universität statt. In diesem Jahr wurde ich gebeten in der Jury mitzuarbeiten. 

Foto: Technische Universität Kaliningrad, Treffpunkt
des Clubs der Liebhaber der deutschen Sprache

 

Jeder Student konnte sich ein Thema aussuchen und darüber sieben Minuten vor dem Publikum und der  Jury auftreten. Bei einigen Studenten war es schon recht schwer festzustellen, dass Deutsch eigentlich nicht ihre Muttersprache ist. Einige StudentInnen suchten sich auch ausgesprochen schwere Themen aus. Anastasia sprach über „Erneuerbare Energiequellen statt Atomkraft“ – ein mit technischen Fachbegriffen voll besetzter Beitrag. Olga referierte zu „Deutschland – dem Land der Ideen“. Ihre eigene Idee ist, in Deutschland zu studieren und dann mit ihren, in Deutschland als Ärztin gesammelten Erfahrungen nach Kaliningrad zurückzukehren und beim Aufbau des hiesigen Gesundheitssystems zu helfen. Äußerst originell trat Alexander auf. Er fiel mir schon im Vorgespräch auf. Meine Frage, warum er ausgerechnet Deutsch studiere und nicht z.B. Chinesisch, beantwortete er verblüffend: „Ich studiere ja chinesisch, deutsch ist meine Zweitsprache.“ Das provozierte natürlich meine nächste Frage nach seinen Zukunftsplänen. „Ich will Präsident werden“ – ganz locker, ganz selbstverständlich. Sein Beitrag über „Ungewöhnliche Berufe“ rief viele Emotionen im Publikum hervor – er war einfach „Molodez“ (Prachtkerl).  Insgesamt machten alle Teilnehmer einen sehr guten Eindruck. Alle sprachen vollkommen frei und ungezwungen – vielleicht ein wenig aufgeregt – deutsch. Sie kamen nicht nur aus Kaliningrad, sondern auch aus anderen Städten des Kaliningrader Gebietes.

Foto: Deutsch-Russisches Haus in Kaliningrad

 

Wenige Tage später fand dann der zweite Teil dieser Olympiade im Deutsch-Russischen-Haus in Kaliningrad statt: Ein Sängerwettstreit. Bei der Vorbesprechung zu diesem Liederwettbewerb wurden mir einige deutsche Volkslieder genannt, die die Russen lieben und auch vortragen wollten. Mir kamen da doch einige Bedenken, denn oftmals wissen die Russen nicht, dass einige dieser „Volkslieder“ in Deutschland aus der Vergangenheit resultierend, vorbelastet sind. Meine Besorgnis rief bei den Russen Unverständnis hervor. Tja, so unterschiedlich sind die Ansichten.

Aber meine Sorgen waren unbegründet, denn für den Sängerwettstreit wählten sich die Studenten doch modernere Lieder aus. Der Sängerwettstreit fand in englischer und deutscher Sprache statt. Dieter Bohlen von DSDS hätte sicher an jedem einzelnen Sänger etwas auszusetzen gehabt, aber wir, die Jury und auch das Publikum waren begeistert. Es gehört doch schon eine Portion Mut dazu vor Publikum aufzutreten und in einer anderen Sprache zu singen. Der Jury fiel es nicht leicht, die ersten drei Plätze festzulegen. Jeder hatte eben seine eigenen Favoriten, aber letztendlich entschied das mathemische Mittel. Viktor Hofmann vom Deutsch-Russischen-Haus schlug vor – noch unter Emotion stehend – nun jedes Jahr einen Sängerwettstreit durchzuführen. Ich glaube, da wird es keine unterschiedlichen Meinungen geben. Also dann, bis zum nächsten Mal.

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Kommentare ( 1 )

  • Jenenser

    Veröffentlicht: 17. April 2013 10:07 pm

    Natürlich würde mich interessieren, welche deutschen Volkslieder Dir in der Vorbesprechung genannt wurden. Und welche Lieder tatsächlich gesungen wurden. Dass die Russen in der Regel deutschfreundlich sind, trotz der geschichtlichen Erfahrung, weiß jeder, der sich aktiv mit diesem Land und seinen Menschen beschäftigt. Und so gehen sie auch mit unseren „Volksliedern” um. Ein Lied verbindet - heißt es. Und auch russische Volkslieder besingen die Schönheit der Natur, die Liebe zur Heimat und die Liebe unter den Menschen. Da fällt mir ein, vor vielen Jahren sang bei uns während eines Auftrittes im Theater ein russischer Militärchor das deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde”. Für mich war das sehr bewegend ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. April 2013 22:50

      Priwjet und Guten Abend Jan,
      also das Sortiment deutscher Volkslieder begann bei "Schwarzbraun ist die Haselnuss und setzte sich fort über das "Heino-Sortiment". Ich bin in diesen Fragen nun mal sehr konservativ und vielleicht auch überempfindlich ... was solls.
      Gesungen wurden dann aber moderne Lieder und keine Volkslieder. Da auch die Englischgruppe auftrat - mit hochaktuellen Hits und dazu noch Tanzeinlagen waren die Teilnehmer eindeutig im Vorteil.

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