Meine Meinung gestern, die Meinung eines Ministers heute

Meine Meinung  gestern, die Meinung  eines Ministers heute

Die ingenieurtechnische Vorbereitung des Sumpfteiles  der Insel in Kaliningrad für den Bau des  Stadions zur  Fußball-Weltmeisterschaft 2018 kostet 12,7 Mrd. Rubel.

Natürlich war der gestrige Artikel «Meine Meinung ... mit deutschem akzent» kein Zufall. Ich gebe es zu, der Besuch der Regierung auf der Baustelle des Stadions am Montag war uns bekannt und wir nutzten den Umstand um eigene Gedanken vor dem Besuch zu äußern. Natürlich haben wir nicht das Recht auf Wahrheit gepachtet, aber manchmal reicht einfach nur der gesunde Menschenverstand.

Der für die Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft zuständige Vizepremier Rolbynow erklärte den anwesenden Journalisten, dass alleine für die Vorbereitung des  Baugrunds (Grundverdichtung) acht Milliarden Rubel (182 Mio. Euro) benötigt werden. Rechnet man noch alle anderen ingenieurtechnischen Arbeiten hinzu, kommt man auf die gigantische Summe von 12,7 Mrd. Rubel (289 Mio. Euro) alleine für die Vorbereitung des Baugrunds.

Foto: Baugrund für das Stadion zum jetzigen Zeitpunkt

Alle Arbeiten sollen in drei Etappen durchgeführt werden. Die erste Etappe ist die Erschließung des Grundstückes mit 70 Hektar und der Bau des Stadions auf diesem Flecken Erde bis zum Jahre 2018. Alle anderen Arbeiten werden später durchgeführt. Für diese «anderen Arbeiten» werden Investoren benötigt. «Investoren haben wir bisher keine», erklärte der Minister Alexander Rolbynow.

Foto: Minister Rolbynow - verantwortlich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018

Und nun erinnern wir uns in Reihenfolge, was einzelne Instanzen zu den Kosten gesagt haben:

  • Im Februar 2013 erklärte der föderale Sportminister Witali Mutko, dass die Summen für alle Regionen für den Bau von Stadien einheitlich sein müssen und nicht mehr als 12 Mrd. Rubel pro Stadion überschreiten dürfen.
  • Im März erklärte der Generaldirektor der Projektierungsfirma für das Kaliningrader Stadion «Mostowik», Oleg Schischkow, dass die Kosten für das Stadion auf keinen Fall die Summe von 10 Milliarden Rubel überschreiten werden.
  • Im Juni 2013 erklärte der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes, dass nach zurückhaltenden Berechnungen, das  Stadion in Kaliningrad mindestens 15 Mrd. Rubel kosten wird.
  • Und im August 2013 erklärte der Premier der russischen Regierung, Dmitri Medwedjew, dass sieben Regionen, die die Weltmeisterschaft 2018 ausrichten, je 2,9 Milliarden Rubel für den Bau und die Rekonstruktion der Stadien zur Verfügung gestellt bekommen.

Der Minister Rolbynow erklärte nun am Montag: «Ohne die genannten 12,7 Mrd. Rubel für die Erschließung des Grundstückes können wir das Stadion nicht bauen. Wir werden uns bei der Föderalen Regierung um diese Gelder bemühen.» Auf die Frage von Journalisten, was Kaliningrad zu tun gedenkt, wenn die Zentralregierung diese Gelder nicht zur Verfügung stellt, antwortete er: "Ach, lassen Sie uns doch nicht rumvermuten."

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Premier Medwedjew seine prinzipielle Meinung ändern wird. Wenn Kaliningrad eine Extra-Wurst gebraten bekommt, dann werden alle anderen auch Nachforderungen haben und wir wissen, dass der russische Haushalt mehr als angespannt ist.

Und, zum Schluss noch angemerkt: Die mit der Projektierung des Stadions beauftragte und hier schon erwähnte Firma «Mostowik» hat zwischenzeitlich Bankrott angemeldet. Allerdings, so die Verantwortlichen dieser Firma, hat diese Bankrotterklärung keinerlei Auswirkungen auf den Bau des Stadions. Das verstehe wer will – ich verstehe es nicht.

Uwe Niemeier

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