Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so erschrocken bin

Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so erschrocken bin

Im Falle einer Blockade durch die NATO wird das Kaliningrader Gebiet zu einer neuen Arche Noah werden. Mit einer, für mich erschreckenden Offenheit, informiert der russische General Wladimir Usmanow das russische Informationsportal „REGNUM“ über mögliche Folgen einer Isolierung des Kaliningrader Gebietes.

Am vergangenen Freitag veröffentlichte „REGNUM“ ein Interview mit einem Militärexperten. Generalmajor der Reserve Wladimir Usmanow kommentierte die aktuellen Ereignisse rings um Kaliningrad im Zusammenhang mit der Verstärkung der NATO-Gruppierung.

Kaliningrad-Domizil versucht eine möglichst korrekte Übersetzung der wichtigsten Thesen:

Screenshot: General d.R. Wladimir Usmanow im Interview

 

REGNUM: Wladimir Wiktorowitsch, die größte NATO-Übung an der westlichen Grenze Russlands zwingt zu ernsthaften Überlegungen. Was glauben Sie, wird die Allianz gewaltsame Schritte gegen das Kaliningrader Gebiet unternehmen? Im einzelnen eine Blockade, Energieblockade, Lebensmittelblockade der Region organisieren?

Wladimir Usmanow: Eine solche Entwicklung der Ereignisse würde ich als hinterhältig bezeichnen wollen. In der letzten Zeit hat der Westen jegliche Zurückhaltung verloren. Nehmen wir ein ganz frisches Beispiel. Der deutsche Außenminister Steinmeier hat einen Artikel aus Anlass des 75. Jahrestages des Beginns des Großen Vaterländischen Krieges veröffentlicht. Ein ausgezeichneter Artikel. Wenn nicht sein Name als Autor darunter gestanden hätte, ich hätte geglaubt, dass der Artikel von einem unserer russischen modernen Patrioten stammt. Aber dann erfahren wir, dass Steinmeier für die Ukraine einen etwas korrigierten Artikel vorbereitet hat – und dort kritisiert er den Anschluss der Krim. Das bedeutet also, dass der Westen eine Sache abschaltet und eine andere Sache zuschaltet. Und so ist das auch mit Kaliningrad – einerseits tritt man auf für die territoriale Unverletzlichkeit eines Staates und andererseits probt man die Erwürgung russischen Territoriums mit einer „Anakonda“.

REGNUM: Müssen also die einfachen Kaliningrader sich auf das Schlimmste vorbereiten – müssen wir uns mit Salz und Streichhölzern bevorraten?

Wladimir Usmanow: Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird. Unsere Vorfahren haben sich in solchen Fällen immer bevorratet, wenn sie glaubten, dass ein Krieg bevorsteht. Meine Schwiegermutter hat dies auch in sowjetischer Zeit so gemacht, als sie bei uns zu Gast war.

REGNUM: Aber in Kaliningrad hatten wir schon zwei Blackout´s …

Wladimir Usmanow: Die unlängst in Kaliningrad stattgefundene Sitzung des russischen Sicherheitsrates sagt uns, dass die Führung unseres Landes daran arbeitet, eine Isolierung der Region nicht zuzulassen. Als Militär sage ich Ihnen – der Umstand, dass sich im Kaliningrader Gebiet die Ostseeflotte befindet garantiert der Region, dass sie nicht isoliert wird. Dies ist eine Frage der nationalen Sicherheit! Und im Falle derartiger Bedrohungen wird ein Ultimatum gestellt – direkt und geradezu. Und es werden Maßnahmen genannt die Russland ergreifen wird, um eine Million seiner Bürger zu schützen.

REGNUM: Was sind das für Maßnahmen?

Wladimir Usmanow: Um unsere Bürger zu schützen und die Lebensfähigkeit der Region zu garantieren könnte man Objekte der Infrastruktur, die die Stromversorgung Kaliningrads gewährleisten, unter Kontrolle nehmen.

REGNUM: Aber diese Infrastrukturobjekte befinden sich in NATO-Ländern.

Wladimir Usmanow: Aber wir haben nicht die Absicht NATO-Länder zu okkupieren. Wir antworten nur auf eine Aggression und unternehmen Maßnahmen zur Rettung unserer russischen Bürger. Ich bin überzeugt, dass selbst bei der schlimmsten Russenphobie die Polen und Litauer verstehen, dass der Versuch einer Blockade Kaliningrads eine Sünde ist, für die man gerechterweise bezahlen muss. Ein Volk, welches die Blockade Leningrads durchlebt hat, wird sehr scharf auf irgendetwas in der Art im Zusammenhang mit Kaliningrad reagieren. Ein Rückzug irgendwohin ist einfach nicht möglich. In diesem Fall ist Kaliningrad für uns Königsberg. Wir sprechen von Kaliningrad, aber erinnern uns an Königsberg als eine uneinnehmbare Festung welche wir eingenommen haben und niemals wieder hergeben werden. Und die Krim ist ein Beweis dafür, wie man in Russland vom Wort zur Tat schreitet. Hier sprechen wir Klartext.

REGNUM: Aber dann ist es nicht mehr weit bis zur „heißen“ Phase

Wladimir Usmanow: Warum sollten wir mit Europa kämpfen? Unter modernen Bedingungen gibt es keine Notwendigkeit eine hypothetische Armee-Angriffsoperation in westlicher Richtung durchzuführen. Wir haben nicht die Absicht unsere Soldaten zu opfern. 27 Millionen Gefallener – unser Interview findet gerade heute am 22. Juni statt – hat uns vieles gelehrt. Schauen Sie, hier ist Europa (Usmanow zeichnet einen Kreis auf dem Tisch), und es ist dicht von verschiedenen Wasserläufen durchzogen. Wir wissen über Europa alles. Wir wissen, wo sich was befindet – Brücken, Stege, Flüsse, Schaltstellen. Wir kennen sogar jede einzelne Kanalisationsluke. Und im Falle des Beginns von Kampfhandlungen könnten alle europäischen Flüsse über die Ufer treten und der Wasserspiegel könnte sich um bis zu 800 Kilometer vergrößern. Dazu brauchen wir keine Grenze zu überschreiten. Wir sitzen einfach mit einem Fernglas und beobachten. Es gibt Satelliten und selbst ein Fernglas brauchen wir nicht. Das sind harte Worte? Nun, Kaliningrad zu blockieren – ist das nicht hart?

Gegen unsere „Kalibr“ gibt es keinen Schutz. Das amerikanische Raketenabwehrsystem – das ist bestimmt für die Rumänen und Polen. Für Dummköpfe. Ja, die westlichen Militärs prahlen mit ihrer Kraft und Entschlossenheit, aber nach meiner Ansicht tun sie dies um mehr Geld aus dem Budget zu erhalten, um ihre Generalsstellungen zu erhalten und um letztendlich sogar noch einen persönlichen Fahrer zu erhalten. Aber um einen Konflikt mit Russland zu gewinnen müssten sie schon unsterblich sein.

REGNUM: Wichtig ist, dass Kaliningrad nicht unter Wasser gesetzt wird.

Wladimir Usmanow: In diesem Fall wird Kaliningrad eine neue Arche Noah.

 

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Kommentare ( 5 )

  • Dietrich Völker

    Veröffentlicht: 28. Juni 2016 10:47 pm

    Man kan durchaus darüber streiten, ob die Krim zu Recht oder zu Unrecht annektiert wurde.
    Fakt ist wohl, dass a) diese zu Sowjetzeiten der Ukraine zugeschlagen wurde, b) die territoriale Integrität der Ukraine auch durch die RF garantiert wurde, als die Ukraine ihre Atomwaffen aus Sowjetzeiten abgab. Fakt ist auch, dass dieses noch anerkannt wurde, als zu Janukowitsch's Zeiten noch die Verlängerung des Stationierungspachtvertrages verhandelt wurde.
    Bei allem Verständnis zu dieser misslichen Situation bzw auch zu der Bereinigung dieser misslichen Situation, was hier erfolgte war durchaus mit einem Geruch der Aggression behaftet.
    Ich kann auch die Enttäuschung in der RF über die erfolgte NATO-Osterweiterung verstehen. Ich persönlich hätte mir diese auch nicht so gewünscht. Aber man wird es gewissen Staaten wohl kaum verwehren können, wenn diese so gerne unter einen vermeintlichen Schutzschirm krabbeln wollen.
    Das Militärbündnisse gerne im Sandkasten oder in der Heide spielen, braucht auch niemandem erklärt zu werden. Also sollten wir derartige Manöver, auch mit so martialischem Namen wie "Anakonda" so sehen, was sie einfach sind, eine Art Leistungsschau des Militärs, gedacht zur Beruhigung von Volk und Politik.
    Dass Kaliningrad der RSFSR seinerzeit zugeschlagen wurde, hatte ohnehin rein militärische Erwägungen, diese rächen sich nun nach Auflösung der Sowjetunion. Dieser Zerfall hatte auch die Probleme mit der Ukraine zur Folge. Aber da sollten sich die Leute bei den Herren Kutschma, Jelzin und Lukaschenko bedanken, die das ohne irgend eine Not, ausser zur Befriedigung ihrer eigenen Profilneurose losgetreten hatten.
    Erschrecken kann ich nur über das vorsätzliche Vergessen dieser Handlungen, die genau diese Probleme als Konsequenz haben.
    Erschrecken auch über diesen Professor, also einen akademischen Lehrer, anscheinend frei von jeglicher Selbstreflexion. Dieser sollte bei verständiger Würdigung geopolitischer Fakten nicht noch Öl in das Feuer giessen!

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 28. Juni 2016 10:47 pm

    Musste mich erstmal vergewissern, nicht auf einer schlechten Satire Seite gelandet zu sein ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 28. Juni 2016 13:29

      ... nein, nein, wir sind weiter humorlos - insbesondere bei solchen Themen. In dieser Woche veröffentlichen wir noch einen weiteren Artikel - da kann einem das Lachen völlig vergehen.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 28. Juni 2016 11:14 pm

    Ich frage mich bei dem Interview ja: Warum kommt eine Nachrichtenagentur auf die Idee einen pensionierten General in der südsibirischen Steppe nach einem "was wäre wenn-Szenario" in Kaliningrad zu befragen? Und warum lässt der sich darauf ein?
    Zum Inhalt: Eigentlich endet das Interview mit der Antwort auf die zweite Frage "Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird." Wäre der General noch im Dienst, wäre hier Schluß. Der Rest ist Geschwafel fürs Zeilenhonorar.
    Auf der Webseite des Oblast Kurgan gibt es eine Biografie des Generals, überschrieben mit "KRIEGER. BÜRGER. PATRIOT" Da weis man als Agentur halt was man bekommt wenn man fragt.
    Einen Tag früher gab es bei Regnum ein gehaltvolleres Interview mit Igor Korotchenko, das die Strategie der Anaconda/SaberStrike Übung analysiert «Die NATO probt die Eroberung des Kaliningrader Gebiets»
    Da weiß ich was soll es bedeuten.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 28. Juni 2016 11:20 pm

    @trm
    Wenn ich seine jetzige Postion auf ein Großunternehmen projiziere, dann nennt man das Elefantenfriedhof. Für Führungskräfte, die man nicht los wird und man hofft, dass sie dort zumindest keinen Schaden mehr anrichten.

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 28. Juni 2016 12:06 pm

    @ trm:
    Heute ist der Faschismus neu verpackt und wird clever mit PR verkauft. Es gibt im Westen eine Elite, die wir nicht wählen oder aussuchen können, die für uns entscheidet und natürlich nur “zu unserem Wohl” alles bestimmt. Die Faschisten haben immer schon das Ziel angestrebt, ein Weltreich zu etablieren, die Neue Weltordnung. Diese NATO-Ostexpansion, die Raketenaufstellung in Polen und Rumänien, die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland, und jetzt aktuell, die massive amerikanische Aufrüstung in Osteuropa zeigen es deutlich.

    Die polnische Regierung ist scharf darauf vor den USA zu buckeln und sie sieht dies auch noch als Auszeichnung (wie Litauen). Korrupte (ost)europäische Polithuren kann man übrigens besonders leicht für ein paar Dollar kaufen. Viele aber schämen sich dafür und hätten es vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten, dass ihr Land jemals so tief fallen würde!

    Vergangenheitsbewältigung war noch nie die große Stärke jener europäischen Länder, die sich wiederholt und massiv an Völkermorden (auch in Namibia, Armenien, Balkan), beteiligten hatten. Und damit ist auch Deutschland gemeint. So schwerwiegende Fehler sollte man höchstens einmal machen...

    Entweder man will aus der Vergangenheit lernen und verstehen, oder man will eben nicht, und versucht erneut mit allen Mitteln nach Macht und Einfluss in fremden Regionen streben... Wenn man die Worte eines russischen "Herrn Professor General" nicht verstehen kann (will) - aus welchen Gründen auch immer - gibt es da gewöhnlich auch noch den Hausverstand, welcher einem hilft 'zwischen den Zeilen' etwas erkennen lässt (wenn man will).

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