Kaliningrader Gouverneur Zukanov – Gefühlter 48. Rücktritt

Kaliningrader Gouverneur Zukanov – Gefühlter 48. Rücktritt

Am 28. September 2014, auf den Tag genau vor vier Jahren, wurde Nikolai Nikolajewitsch Zukanov durch den damaligen russischen Präsidenten Medwedjew in die Funktion als Gouverneur des Kaliningrader Gebietes eingesetzt. Pünktlich zu diesem Jahrestag erfolgt eine weitere Meldung zu seiner Ablösung.

Am gestrigen Montag meldete die Zeitung „Iswestija“, dass die Ablösung des Kaliningrader Gouverneurs Nikolai Zukanov unmittelbar bevorsteht. Als Begründung wird genannt „Vertrauensverlust durch den Präsidenten“.

Screenshort zur Meldung

Unsere Informationsagentur hat überlegt, welchen der vielen Artikel, die wir in den vergangenen Monaten zu diesem Thema bereits geschrieben haben, wir kopieren, mit ein paar Wortkorrekturen und einem frischen Datum versehen, wir wieder veröffentlich sollen. Vier Jahre ist der Kaliningrader Gouverneur im Amt und in dieser Zeit gab es gefühlte 48 Rücktrittsinformationen – natürlich immer von „gut unterrichteten Quellen“, natürlich immer aus der Verwaltung des russischen Präsidenten.

Als der Vertreter des russischen Präsidenten für das Kaliningrader Gebiet Stanislaw Sergejewitsch Woskresenski noch in Kaliningrad anwesend war, hatten all diese Informationen immer noch eine gewisse Realität, denn alle wussten ganz genau, dass Woskresenski nach Kaliningrad geschickt wurde um sich, nach einer Warmlaufphase, dann als Gouverneur durch das Volk wählen zu lassen. Und die Art und Weise wie der Kaliningrader Gouverneur seine Amtsgeschäfte führte, begleitet von einer Unzahl von Personalrotationen im unmittelbaren Führungsbereich, Skandalen in der von ihm geführten Regierung, persönlichen Skandalen bis hin zu moralisch angreifbaren Vorfällen – all das war Grundlage genug, an eine unmittelbar bevorstehende Ablösung zu glauben.

Aber diese Ablösung passierte nicht und nun hat Kaliningrad auch keinen Vertreter des russischen Präsidenten mehr, denn Stanislaw Woskresenski ist wieder nach Moskau in sein altes Ministerium zurückberufen worden und ist nun für die neue strategische Ausrichtung Russlands verantwortlich – also Asien. Auch Woskresenski hat ein Interview gegeben – im Zusammenhang mit seinem Wechsel nach Moskau. Die „Abstimmung“ des Interviews hat etwas länger gedauert, deshalb ist es bei unserem Medienpartner „newkaliningrad.ru“ auch erst am Wochenende erschienen.

Wir haben das sehr lange Interview mit Stanislaw Woskresenski durchgearbeitet und fassen zusammen: Es ist ein ganz normales Schlusswort unter einen kurzen Lebensabschnitt – Punkt. Mehr gibt es nicht zu zitieren. Außer vielleicht die Frage von Alexej Milowanow (Chefredakteur): „Hatten Sie während Ihres Aufenthaltes in Kaliningrad Gouverneurs-Ambitionen?“  

Woskresenski: „Ich wurde in Kaliningrad mit einer sehr interessanten und anspruchsvollen Aufgabe betraut und fühlte mich wie ein Samurai – Einerseits muss man bereit sein, jeden Tag zu sterben, andererseits erwartet man, dass sie jede Aufgabe auf unbestimmte Zeit ausführen. (…) Die beste Formel für russische Politik hat einmal Wiktor Zoi formuliert: „Ist jemand ehrlich, dann kann man ihm alles verzeihen, sogar das er unfähig ist ein Musikinstrument zu spielen.“

Ehrlich, ich habe lange über diesen (von mir leicht gekürzten) Abschnitt nachgedacht und habe ihn weder verstanden, noch irgendeinen Hinweis gefunden, ob er denn nun Ambitionen auf den Gouverneursposten hatte oder nicht. Aber Woskresenski ist politischer Beamter – da erwartet man wohl auch keine direkte Antwort auf eine direkte Frage.

Aber wir reden nicht über Woskresenski, wir reden über Zukanov und seiner angeblich kurz bevorstehenden Ablösung. Wie immer werden solche Informationen im „Paket“ verbreitet. Schon in der vergangenen Woche hatte ein föderales Medium über diesen Fakt berichtet. Gleichzeitig fühlte der Duma-Abgeordnete Andrej Kolesnik, dass irgendjemand anfing, kompromittierendes Material gegen ihn zu veröffentlichen, wofür er keine Erklärung fand. Jetzt hat er eine Erklärung, denn er wird als Nachfolger auf den Posten des Kaliningrader Gouverneurs genannt.

Russland ist groß, aber nicht groß genug, um bestimmte Dinge geheim zu halten und so greift ein Rädchen ins andere. Denn einen Gouverneur kann man nur ablösen, wenn man gleichzeitig einen anderen einsetzen kann. Und einfach mal nur so jemanden übergangsweise einsetzen, das geht vielleicht bei einer Toilettenfrau auf dem Südbahnhof in Kaliningrad, vielleicht auch mal bei einem Minister in der Gebietsregierung, aber auf keinen Fall bei so einer herausragenden Funktion. Und wenn kein Nachfolger vorhanden ist, so kann man den aktiven Gouverneur auch nicht ablösen. Mögliche Nachfolger müssen also bekämpft, kompromittiert werden …

Andrej Kolesnik kommentierte die aktuellen Ereignisse wie folgt:

„Ich erfülle meine Aufgaben als Abgeordneter und glaube, dass wir das tun sollten, was zu tun ist. Wir sollten arbeiten und uns nicht mit Intrigen beschäftigen.“

Bereits vor einem halbem Jahr wurde als Nachfolger(in) für Zukanov eine Staatsduma-Abgeordnete genannt. Sie ist dort für Finanzfragen zuständig und wurde in den Massenmedien rührend als Waisenkind geschildert, mit einer schwierigen Kindheit – also bestens geeignet …

Nun ist Andrej Kolesnik der neue Kandidat und er hatte auch auf sich und seine Ambitionen auf den Gouverneursposten schon seit einigen Monaten aufmerksam gemacht. In den „dafür zuständigen Medien“ wurden entsprechende Artikel und Interviews veröffentlicht. Es besteht also kein Zweifel, dass er in Bereitschaft steht und die gegen ihn eingeleitete Schmutzkampagne scheint dies zu bestätigen und hätte für ihn eigentlich nicht überraschend sein dürfen, denn als Politprofi weiß er, was ihm bevorsteht.

Andrej Kolesnik ist Mitglied von „Einheitliches Russland“ und Vorsitzender der Assoziation der Veteranen von SpezNas und der Spezialeinheit „Alpha-Wimpel-Sicherheitsdienst des Präsidenten“ (Organisation für Spezialaufgaben).

Da Andrej Kolesnik mit seinen Gouverneurs-Aktivitäten 2014 begann, machen auch das Verhalten von Woskresenski und sein Weggang vor wenigen Tagen, Sinn. Wie mir ein Bekannter sagte: „Es gibt keine Zufälle im Leben“, und insbesondere was das politische Leben in Russland anbelangt, bin ich zutiefst überzeugt, dass hier wirklich die Räder ineinandergreifen.

Experten kommentieren die aktuellen Ereignisse:

  • Der Kampf um den Kaliningrader Gouverneursposten hat schon lange begonnen,
  • Es ist klar, dass Zukanov keine zweite Amtszeit Gouverneur sein wird,
  • Es ist klar, dass diese Region einen stärkeren Gouverneur braucht, welcher das Vertrauen der Bevölkerung besitzt,
  • Für einen Gouverneur, in so einer strategischen Schlüsselregion wie Kaliningrad, einem Vorposten Russlands, ist er nicht effektiv genug,
  • Ein neuer Gouverneur muss in der Lage sein, effektiv zu führen und muss ein Patriot Russland sein.

Und der Kaliningrader Gouverneur kommentiert:

„Ich kommentiere das nicht.“

Somit bestätigte er weder seinen Rücktritt, noch dementierte er ihn.

Tja, was soll er auch anderes tun? Er ist genau so müde geworden, ständig diese Meldungen zu kommentieren. Und was erwartet man von ihm – soll er vorauseilenden Gehorsam zeigen? Jetzt steht erst einmal ein Treffen mit dem russischen Premierminister D. Medwedjew an, also demjenigen der ihn am 28. September 2010 in das Amt eingesetzt hat und danach … schau´n wir mal.

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