Privatfolter in russischem Gefängnis

Privatfolter in russischem Gefängnis

In der vergangenen Woche wurde in den russischen Medien ein Video veröffentlicht. Es zeigt in einer Länge von zehn Minuten, wie in einem russischen Gefängnis ein Häftling durch Personal des Gefängnisses gefoltert wurde. Jetzt nimmt diese Angelegenheit Fahrt auf.

Gezeigt wurde, wie mindestens zehn Mitarbeiter der Strafvollzugsanstalt den Häftling abwechselnd mit Stöcken auf die nackten Fußsohlen schlugen. Als er das Bewusstsein verlor, wurde ihm ein Eimer Wasser über den Körper geschüttet. Danach wurden die Schläge fortgesetzt.

Die Aufnahmen wurden versteckt aufgenommen und gelangten in die Hände des Anwalts des Verurteilten.

Grund für die Folterungen sollen beleidigende Äußerungen des Gefangenen an die Adresse des Wachpersonals gewesen sein.

Die russische Gesetzgebung sieht aber für derartige Fälle keine Folterungen vor. Für Vergehen von Insassen der Strafvollzugsanstalten gibt es ein festgelegtes Reglement, so dass die Handlungen des Wachpersonals gegen den Insassen gesetzlich nicht sanktioniert und somit als „Privatfolter“ bezeichnet werden müssen.

In der Zwischenzeit wurde durch die russische Staatsanwaltschaft bzw. das russische Untersuchungskomitee reagiert. Viele Aufsichtsbeamte der Strafvollzugsanstalt wurden vom Dienst suspendiert, mindestens sechs Beamte wurden verhaftet.

Die Rechtsanwältin des Gefolterten, die das Video in den russischen Medien veröffentlicht hatte, hat in der Zwischenzeit Russland verlassen – so informieren russische Medien.

Hier hat sich ebenfalls das russische Untersuchungskomitee eingeschaltet, welches die Drohungen, die gegenüber der Anwältin ausgestoßen worden sind, untersucht. Sollten sich die Fakten als wahr herausstellen, erhält die Rechtsanwältin sowie sämtliche ihrer Familienmitglieder staatlichen Personenschutz.

Der Vorfall passierte in der Strafvollzugskolonie Nr. 1 in Jaroslawl. Hier war es bereits in der Vergangenheit zu mehreren ähnlichen Zwischenfällen gekommen, wo die Rechte der Insassen nicht beachtet worden waren.

Uwe Niemeier

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