Projekt «Herz der Stadt» - Reale Konzepte oder theoretische Phantasien?

Projekt «Herz der Stadt» - Reale Konzepte oder theoretische Phantasien?

Unser gestriger Beitrag unter  der Rubrik «... mit deutschem akzent» rief bei unseren Usern ein großes Interesse hervor. Nun veröffentlichen wir auszugsweise einen Beitrag unseres Medienpartners «kaliningrad.ru» mit Fotos der umstrittenen Projekte.

Nach Meinung unseres  Medienpartners nehmen die Pläne zur Umgestaltung Kaliningrads nun Schritt für Schritt reale Formen an. Zwei Schlüsseldaten für die  etappenweise Umgestaltung der Stadt werden genannt: das Jahr 2018, dem Jahr der Fußballweltmeisterschaft und das Jahr 2024, dem 300. Todestag des deutschen Philosphen Kant.

In der letzten Zeit wurde viel Arbeit und Kraft durch die Verantwortlichen des Projektes «Herz der Stadt» investiert, um die Vergangenheit zu erforschen, um Möglichkeiten für eine Wiedererrichtung oder Restaurierung zu finden. Ziel ist, die  Stadt für  Touristen attraktiver zu machen und damit sowohl der Stadt wie  auch dem Gebiet den wirtschaftlichen Kollaps zu ersparen, der von vielen im Jahre 2016, im Zusammenhang  mit dem Auslaufen der Sonderwirtschaftszone erwartet wird.

Architekten und Kulturschaffende stellten am 02. August nun ihre Sichtweise für ein neues «Königsgrad» vor. Gezeigt wurden mögliche Bebeauungskonzepte auf dem riesigen Gebiet mitten im Stadtzentrum zwischen «Kaliningrad-Plasa» - Hochzeitspalast» - Fischdorf – und Königsberger Börse».

Die Vorschläge der Kaliningrader Spezialisten werden nun in ein «Technisches Anforderungsprofil» eingearbeitet und im Herbst dieses Jahres im Rahmen einer internationalen Ausschreibung zur weiteren Diskussion gestellt. Erst danach wird es konkreter. Die jetzigen Modelle sind «Ideensammlungen».

In allen «Ideensammlungen» dominiert natürlich das wiedererrichtete Königsschloss. Bisher ist nicht klar, ob es  eine Wiedergeburt gibt. Die bereits ausgegrabenen Reste werden auf alle Fälle schon einmal mit einer Glaskuppel geschützt. Sollte das  Schloss wieder errichtet werden, dann könnte es so aussehen:

Auch das Schicksal des bekanntesten Kaliningrader Gebäudes – des «Hauses der Räte» ist noch nicht entschieden. Die Meinungen sind widerstreitend. Immerhin, so hässlich wie das Gebäude ist, ist es doch ein Symbol der sowjetischen Epoche. Und es wäre sicher auch nicht richtig, wenn aus dieser Epoche nichts «Mahnendes» erhalten bliebe.

Das nächste Modell zeigt die ehemalige «Altstadt». Hier wurde in den siebziger Jahren auf Weisung aus Moskau die Stadtstruktur völlig zerstört. Quer durch die Altstadt führt jetzt der Moskauer Prospekt mit den Zu- und Abfahrten. Hier sollen nun kleine Häuschen und historische Gebäude errichtet werden, eingeteilt in Straßenviertel und Plätze.

Anhand von historischen Fotos will man möglichst der historischen Wahrheit nahekommen. Als Beispiel wurde die Stadt Warschau genannt, der man nacheifern möchte. Als Straßenbelag werden hier in diesem Projekt alte deutsche Pflastersteine verwendet. 

Im Weiteren wird nun gezeigt, wie ein Teil des Moskauer Prospektes «begraben» werden soll, um Platz für das alte Königsberg zu schaffen – ein insgesamt mehr als teures Vergnügen. Zu sehen ist wie ein Teil des Moskauer Prospektes unterirdisch verlegt wird (Tunnel) und auf dem Tunnel wird die Altstadt wieder errichtet.

Die Ausfahrt aus dem Tunnel befindet sich auf Höhe der «Holzbrücke» auf der «Insel»

Den Brücken wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es wird geplant alle Brücken, die im Kriege zerstört wurden sind, wieder aufzubauen. So z.B. die Schmiedebrücke.

Dieses Foto wird sicherlich vielfältige Diskussionen auslösen. Es handelt sich um die Wiederherstellung des Stadtteils «Kneiphof», genau an der Stelle, wo sich jetzt eine Parkanlage befindet.

Heute ist der Königsberger Dom eine Parkanlage (Modell zeigt den Blick von der Brücke über den Moskauer Prospekt). Zukünftig soll der Park liquidiert und dort wieder der Kneiphof errichtet werden. Verschandelt wird natürlich das Bild durch den bereits gebauten 17-Etagigen Wohnblock in der ul. Epronowskaja.

Im nachfolgenden Modell wird die Bebauung am Ufer des Moskauer Prospektes gezeigt.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Hochbrücke werden Hotels errichtet. Hier steht schon das Hotel «IBIS» und zukünftig das Hotel «Lostadie». Hier sind die Entscheidungen schon gefallen.

Die auf der Kant-Insel neu zu errichtenden Gebäude werden harmonisieren mit dem Baustil, der bereits beim Bau des Fischdorfes angewandt wurde.

Das Fischdorf wird nun auch erweitert. Die Grundstücksstreitigkeiten mit dem Verteidigungsministerium sind begelegt und der Bau kann von der Jubiläumsbrücke bis zum Veteranenufer fortgesetzt werden. Den Abschluss dieses zweiten Bauabschnittes wird der Turm «Lomse» bilden.

Die Bebauung der «Insel» ist nach wie vor nicht endgültig entschieden. Es gibt viele baufällige Häuser die schon längst hätten abgerissen werden müssen. Aber die örtlichen Bewohner wollen sich nicht so einfach von ihrem angestammten Wohnsitz trennen – egal aus welchen Gründen.

Diese Variante zeigt die Bebauung der «Insel» mit kleinen Wohnhäusern und der «Verkleidung» des Supermarkes «Viktoria».

Ein Projekt, welches keiner Diskussion mehr bedarf, ist die Wiedererrichtung der Synagoge. Hier sind bereits alle Vorbereitungen für einen baldigen Baubeginn getroffen.

Ein Extra-Thema ist die Bebauung des angrenzenden Teiles der «Altstadt». Es geht um die Uferbebauung entlang des Pregel. Das unten abgebildete Modell entspricht nicht den Vorstellungen der Architekten und der Verantwortlichen der Stadt. Da hier keine Namen genannt werden, kann man vermuten, dass es sich hier um das «in der Luft zerrissene Projekt» des Arthur Sanitz handelt. Dieses Projekt ignoriert vollständig die Pläne der Stadt zur Wiederherstellung der Bernsteinmanufaktur am Ufer des Pregel.

Gegenüber der Bernsteinmanufaktur liegt das neue Modell des Meeresmuseums. Auch dieser Bau ist bereits beschlossene Sache und die dafür notwendigen Vorarbeiten sind getroffen und das Geld ist vorhanden. Das links, neben der «Weltkugel» befindliche Gebäude wird ein Doppelgesicht haben: Richtung Fluss erhält das Gebäude eine Glasfassade und die gegenüberliegende Fassade wird in der Architektur des 19. Jahrhunderts gestaltet. Gegenüber dem Hauptgebäude wird ein Yachthafen angelegt. Die  sich jetzt dort befindlichen Schiffe und das  U-Boot erhalten einen neuen Liegeplatz.

Das nächste Modell zeigt die Wiederherstellung der Brücke. Diese wird dann das Meeresmuseum direkt mit der Bernsteinmanufaktur verbinden.

Zum Schluss noch eine Zeichnung der Kaliningrader Paradestraße – dem Lenin-Prospekt. Nach den letzten Äußerungen des Stadtarchitekten wird es hier keine «Vergewaltigung» der sowjetischen Einheitsarchitektur geben. Man wird die Fassaden der bestehenden Gebäude neu gestalten, jedoch keinen Wert auf «Königsberger Original» legen. Dieser Versuch würde, nach den Worten des Chefarchitekten Genne «Lächerlich» werden.

Quelle: http://kaliningrad.ru/news/item/29346-korolevskij-zamok-muzej-shar-i-moskovskij-prospekt-pod-zemljoj-kak-predlagayut-zastroit-centr-kaliningrada-cherez-10-let

 

.

 

Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung