Volkstrauertag 2014 in Kaliningrad

Volkstrauertag 2014 in Kaliningrad

Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges vorgeschlagen. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Am heutigen Sonntag wurde der Opfer aller Kriege auch in Kaliningrad gedacht.

Foto: Denkmal für die 1200 Gardisten in Kaliningrad

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1948 in den drei westlichen Besatzungszonen die Tradition des Volkstrauertages in alter Form aufgenommen und durch die Bundesrepublik 1949 fortgeführt. In der DDR wurde ein „Internationaler Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“ eingeführt. Mit dem 3. Oktober 1990 begeht das vereinigte Deutschland den Volkstrauertag. Gedacht wird der „Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat“, an die Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

Traditionell wird dieser Tag auch durch das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad genutzt, um durch Kranzniederlegungen am Denkmal für die 1200 Gardisten am Gwardejski Prospekt und auf dem Internationalen Friedhof in der ul. A. Newskogo der Toten zu gedenken.

In diesem Jahr hatte der deutsche Generalkonsul in Kaliningrad Dr. Dr. Krause zur Kranzniederlegung an beiden genannten Gedenkstätten eingeladen. Der Einladung folgten Vertreter des öffentlichen Lebens in Kaliningrad, der Stadtverwaltung und Gebietsregierung, Mitarbeiter des Generalkonsulats, ein Vertreter des deutschen Militärattaché an der Botschaft in Moskau, Vertreter der deutschen Kriegsgräberfürsorge, sowie in Kaliningrad  ansässige deutsche Bürger. Kaliningrader Massenmedien haben die beiden Gedenkveranstaltungen begleitet.

Foto: Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Kaliningrad

 

Der deutsche Generalkonsul Dr. Dr. Krause hielt eine Gedenkrede am Denkmal der 1200 Gardisten, bei schon winterlichen Temperaturen, in deutscher und russischer Sprache.

Wir zitieren die Worte des deutschen Generalkonsuls vor dem Denkmal der 1200 Gardisten:

Ich danke Ihnen, dass Sie auch in diesem Jahr wieder mit uns zusammen der Opfer von Krieg und Verfolgung gedenken.

Das Totengedenken hat in diesem Jahr eine besondere Symbolkraft – vor 100 Jahren versank die Welt im Inferno des 1. Weltkrieges. Jetzt, im Abstand von fast mehr als einem Menschenalter, befällt uns nach wie vor Fassungslosigkeit.

Wenn wir zurückschauen, was die Ursache für diese Katastrophen waren, so kommen wir sehr schnell an zwei Grundfragen menschlichen Denkens: Was ist Wahrheit und Was ist Recht.

Foto: Generalkonsul Dr. Dr. Krause am Denkmal der 1200 Gardisten in Kaliningrad

 

Beide Fragen sind in bewaffneten Konflikten, vor allem auch mit Blick auf die Opfer, von besonderer Relevanz. Denn nur auf der Basis dessen, was – zumindest nach Überzeugung der Betroffenen – „Recht“ ist, kann Pflichterfüllung verlangt werden – Pflichterfüllung als zentrale Aufgabe des Soldaten.

Gerade im bewaffneten Konflikt, im Krieg, sind Wahrheit und Recht für die aktiv Beteiligten kaum jemals eindeutig zu erfassen. Propaganda, Emotionen, die Dämonisierung, gelegentlich sogar geradezu Ent-Menschlichung des Gegners sind Begleiter des Krieges wie die Furien der griechischen Tragödie. Sie tragen unheilvoll dazu bei, dass die Wahrheit selbst häufig das erste Opfer des Krieges wird.


Foto: Kranzniederlegung durch den deutschen Generalkonsul, Vertreter des Kaliningrader Gouverneurs und Vertreter der deutschen Kriegsgräberfürsorge

 

All das ist nicht neu, und die, derer wir heute gedenken, waren in erschreckend großem Umfang auch schon Opfer dieser Phänomene.

Aber dieser Trend hat sich noch verstärkt und vor allem beschleunigt. Heute ist jedermann nahezu in Echtzeit nicht nur für Propaganda in jeglicher Form spielend leicht erreichbar, sondern kann sich über die sogenannten sozialen Netzwerke selbst in die globale Kommunikation einschalten – ohne Filter, ohne nachdenken zu müssen, ohne Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt oder auch nur ihre Wahrscheinlichkeit überprüfen zu können – und oft wohl auch, ohne dies auch nur zu wollen.

Das Gedenken an die toten, an die Opfer von Krieg und Gewalt, ist kein Selbstzweck – es ist auch Mahnung an die Lebenden, an uns, an spätere Generationen.

Gerade hier in Kaliningrad, in der Stadt, die mit voller Berechtigung stolz ist auf den Weltbürger Immanuel Kant, muss die Mahnung von Kant, es zu wagen, sich selbst ein Bild zu machen, ein besonderes Gewicht haben.

Wenn wir das nicht beherzigen, werden uns, uns allen, spätere Generationen zu Recht vorwerfen, aus der Geschichte nichts gelernt zu haben, nichts lernen zu wollen. Und das wäre, das ist meine feste Überzeugung, Verrat an denen, derer wir heute gedenken.

Wir respektieren den Mut all derer, die für ihr Vaterland in den Krieg zogen. Wir verneigen uns in Ehrfurcht vor denen, die Opfer des Krieges wurden, die aus dem Krieg nicht zurückkamen.

Foto: Kranzniederlegung am Internationalen Friedhof in Kaliningrad

Uwe Niemeier

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