Aktien: Gewinnerbranchen locken

Aktien: Gewinnerbranchen locken

Angesichts der bereits zwei Monate andauernden Stabilisierung der russischen Währung sowie einiger ermutigender Wirtschaftsdaten klingen inzwischen sogar die Stimmen vieler ausländischer Beobachter zuversichtlicher als die grau in grau gehaltenen Stellungnahmen aus dem russischen Ministerium für Wirtschaftsentwicklung.

An zwei Kenngrößen lässt sich ablesen, dass zumindest das tiefe Tal nach dem Rubeleinbruch Mitte Dezember durchschritten ist. Sowohl die Währung als auch die Börse haben in den zurückliegenden Wochen wieder den Status quo ante vor dem Dezember 2014 erreicht.

Die russische Agentur lenta.ru zitiert den französischen Hedgefonds-Manager Pierre Anduran, der zwei Faktoren nennt, die sich seiner Ansicht nach positiv auf die Entwicklung der russischen Wirtschaft auswirken: die im zweiten Halbjahr 2015 zu erwartende Steigerung der Ölpreise und die vergleichsweise geringe Verschuldung sowohl des russischen Staates als auch der russischen Wirtschaft.

Welchen Branchen nützen Sanktionen und Rubelverfall?

Für internationale Investoren sind jene Branchen interessant, die von den politischen Umständen profitieren. Dazu gehört die heimische Lebensmittelwirtschaft. Das seit August 2014 geltende Importembargo für westliche Lebensmittel hat sowohl die verbrauchten Mengen aus einheimischer Produktion als auch die Verbraucherpreise nach oben getrieben. An beiden Entwicklungen sind ausländische Investoren ebenso beteiligt wie russische.

Sorgfältig hat die Regierung bislang darauf geachtet, dass ausländische Unternehmen, die in Russland produzieren oder Handel treiben, trotz aller Emotionen nicht benachteiligt werden. So sind auch die populistischen Forderungen nach einem Verbot klassischer „westlicher“ Marken wie McDonald’s oder Coca-Cola weitgehend wirkungslos verhallt. Im Fall von McDonald’s kam es im Vorjahr allenfalls zu vorübergehenden Schließungen einiger Restaurants aus Hygienegründen.

IT: schwerer Stand für Amerikaner

Anders schon im IT-Bereich: Dort leiden vor allem die großen amerikanischen Anbieter wie Oracle oder Microsoft darunter, dass staatliche Stellen und staatsnahe Firmen die Abhängigkeit von amerikanischer EDV bewusst senken. Ziel ist, sensible Daten so weit wie möglich dem Zugriff durch Systeme aus amerikanischer Produktion zu entziehen. Davon profitieren russische Anbieter wie Jandex und andere.

Oleg Duschin von der Bank WTB 24 erwartet daher auch eine nachhaltige Trendwende im russischen Aktienmarkt. Die Kurs/Gewinn-Verhältnisse bewegten sich auf dem Niveau zum Höhepunkt der Finanzkrise 2009. Auch wenn die derzeitige Krise zweifelsohne von nachhaltigerem Charakter sei, gebe es Branchen, die sich positiv entwickelten.

Duschin nennt die Öl-und Metallwirtschaft, die Mineraldüngerherstellung, die Kohlewirtschaft und einige landwirtschaftliche Bereiche. Einen weiteren Rubelanstieg erwartet er nicht, sondern sieht den Dollar gegen Jahresende geringfügig schwächer bei 56 Rubel.

Im übrigen weist Duschin darauf hin, dass in der gegenwärtigen Situation auch ein Einbruch der amerikanischen oder europäischen Aktienmärkte keine nachhaltig negativen Auswirkungen auf Russland hätte.

Die niedrige Bewertung des russischen Marktes wird auch in den Anleiherenditen deutlich. Staatliche und korporative Papiere bringen derzeit gut sieben Prozent Rendite im Dollar. Die amerikanische Agentur Bloomberg erinnert daran, dass seit dem katastrophalen Jahr 2014 fast 80 Prozent der Unternehmen im Moskauer MMWB-Index besser abschnitten als der internationale Durchschnitt. Laut Bloomberg handelt es sich dabei im wesentlichen um Unternehmen, die entweder vom Export oder von der wachsenden Nachfrage nach heimischer Produktion profitieren.

Russischer Einzelhandel profitiert

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