Altdeutsche Ziegelsteine erleben eine zweite Geburt?

Altdeutsche Ziegelsteine erleben eine zweite Geburt?

Die von uns gewählte Überschrift assoziiert etwas Positives. In diesem Fall besteht das Positive aber nur darin, dass die Qualität der vor hundert Jahren gebrannten Ziegel so gut ist, dass dafür altdeutsche Bausubstanz in Kaliningrad sterben muss, damit  sie in neurussische Bausubstanz in Kaliningrad eingebracht werden kann.

Foto: Altdeutsche Bausubstanz in Schelesodoroschnoje - Restaurierung oder Abriss?

In der Nähe von Prawdinsk gibt es den Ort „Schelesodoroschnoje“, zu deutschen Zeiten „Gerdauen“. Ein leidgeprüfter Ort, der bis vor kurzem noch zur Grenzzonenregelung gehörte und für Nicht-Kaliningrader ohne besondere Genehmigung nicht betreten werden durfte. Und befand sich das Gebiet in einem Gebiet, was man nach westdeutscher Lesart von vor 1989 in Deutschland mit „Zonenrandgebiet“ bezeichnete. Allerdings wurden diese Zonen wirtschaftlich gefördert um ein „Sterben“ zu verhindern.

Foto: Altdeutsche Bausubstanz in aktueller Nutzung

In Kaliningrad sieht das wohl etwas anders aus. Hier stirbt der Ort, obwohl er alles Potential hat, um genau dem Stereotyp zu entsprechen, den der deutsche Generalkonsul Dr. Krause vor einiger Zeit mit „dem Charme von Schleswig-Holstein in den 50er Jahren“ umschrieb.

Unser Medienpartner „Klops.ru“ bezeichnete diesen Ort in seinem Beitrag als „Perle Ostpreußens“, in der man enge mittelalterliche Gassen findet mit einzigartigen Häusern, einem Schloss des teutonischen Ordens, eine Gotische Kirche auf einem Hügel …

Viele der dort vorhandenen Gebäude haben die Kämpfe des Jahres 1945 unbeschadet überstanden und fielen der Sowjetunion als „Erbe“ zu. Bis zum Jahre 1990 kümmerte man sich auch um das Erscheinungsbild der Stadt, aber nach 1990 begann man das Schloss abzureißen um zu Baumaterial zu kommen, Ende 2000 liquidierten die örtlichen Bewohner die riesigen Gebäude der ehemaligen deutschen Brauerei. Und jetzt wurde vor wenigen Tagen begonnen, zwei Häuser im Fachwerkstil, die ehemals als Lager dienten, abzureißen. Gerade diese beiden Gebäude waren in den letzten Jahren das Symbol für Gleichgültigkeit und häufig fotografierte Objekte für eine Veröffentlichung dieser Gleichgültigkeit im Internet.

Foto: Teile der Lagergebäude im Fachwerkstil

Jetzt beginnen verantwortungsbewusste Kaliningrader auf die Barrikaden zu gehen. Boris Bartfeld, bekannter Schriftsteller, Heimatforscher und Unternehmer in Kaliningrad, veröffentlichte auf seiner Internetseite den traurigen Zustand des Städtchens. Seine Tochter war ein ganzes Wochenende dort, um alles zu dokumentieren.

Örtliche Bewohner zerstörten initiativreich die Gebäude, die vielleicht mit dazu beitragen könnten, die vom Gouverneur N. Zukanov erträumten 7 Millionen Touristen anzulocken. Aber eine der Eigenschaften der örtlichen Bevölkerung scheint zu sein, nur sehr kurzfristig zu denken, denn der Verkauf von einem altdeutschen Ziegelstein bringt im Durchschnitt ein Euro – je nach Erhaltungszustand auch mehr. Das Geld hat man gleich in der Kasse – relativ problemlos. Auf Touristen und auf langfristiges Geldverdienen scheint man nicht eingestellt zu sein.

Die örtlichen Verantwortlichen haben bisher noch keinerlei Reaktion auf diesen Vandalismus gezeigt. Der örtliche Bürgermeister Warleri Belorusski erzählte früher mit einer Begeisterung über des Projekt „Stadt der Meister“, welches er in der Gemeinde umsetzen wollte. „Unsere Gemeinde ist die einzige Gemeinde im Gebiet, welche drei Epochen der Entwicklung vorzeigen kann: die mittelalterliche Stadt mit dem Ordensschloss, die Schlosskirche und die Stadt an sich“, - sagte Belorusski. „Ich hoffe, die Gebietsregierung wird auf uns aufmerksam“.

Foto: Ansicht der Lagergebäude im aktuellen Zustand

Aber die Gebietsregierung wurde nicht aufmerksam und der Vandalismus setzt sich fort.

Journalisten der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ suchten Kontakt mit den Besitzern dieser beiden Gebäude. Ihnen gelang das Gespräch mit einem der Besitzer, der die Informationen über einen Abriss als „falsch“ bezeichnet. Man ist sich bewusst, dass es sich bei beiden Gebäuden um Baudenkmäler handelt die staatlich geschützt sind und will jetzt den Bauschutt wegräumen, notwendige Sicherungsarbeiten vornehmen, um anschließend diese Gebäude wieder aufzubauen und einer neuen Zweckbestimmung zuzuführen, z.B. als Museum, Ausstellungsraum, Hotel oder Restaurant.

In einem Telefongespräch, welches die Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“ mit Boris Bartfeld am Dienstag führte, verwies dieser darauf, dass man diesen Worten vielleicht Glauben schenken kann, jedoch wichtig ist, den weiteren Verlauf der dortigen Arbeiten zu beobachten. Allerdings, so seine Überzeugung, werden die dortigen Verantwortlichen nach dieser Aufmerksamkeit nun schon nicht mehr gegen diese Gebäude vorgehen können, um eventuell daraus neues Baumaterial zu gewinnen.  

Uwe Niemeier unter Verwendung von Quelle: http://klops.ru/news/obschestvo/86755-pod-pravdinskom-razbirayut-na-kirpich-znamenitye-fahverkovye-sklady

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