Gibt es nun eine Transportblockade Kaliningrads oder nicht?

Gibt es nun eine Transportblockade Kaliningrads oder nicht?

Noch vor wenigen Monaten gehörte das Wort „Blockade“ als Pflichtwort in jeden Artikel russischer Medien, der sich mit der Sicherheit des Gebietes Kaliningrad beschäftigte. Auf fast allen Gebieten drohte sie.

Es drohte eine Energieblockade – die baltischen Staaten wollen kompromisslos aus dem Stromverbund mit Russland und Weißrussland ausscheiden.

Es droht eine Lebensmittelblockade – Kaliningrad ist nicht in der Lage sich selbst zu versorgen und ist auf Lieferung von Grundnahrungsmittel „von außen“ angewiesen.

Es droht eine Transportblockade – die baltischen Staaten und Polen könnten ihr souveränes Recht nutzen und die Grenzen zum Kaliningrader Gebiet schließen. Auch der Luftraum könnte geschlossen werden. Als Ausweg wäre noch der Seeweg. Aber hierfür gibt es nicht genügend Fähren.

Die Darlegung der Bedrohungsszenarien durch die russische Seite war sehr logisch und nachvollziehbar. Die Landwirtschaft wurde angekurbelt und man sieht Fortschritte. Auch in der Energieversorgung gibt es erhebliche Fortschritte.

Aber das Transportproblem scheint wohl doch nicht so schlimm zu sein, denn die ehemals großen Pläne zum Bau von sechs neuen Fähren, wurden schon vor einigen Monaten zusammengeschrumpft auf nur drei Fähren. Jetzt wurde bekannt, dass die Fähren viel teurer werden als geplant, deshalb schrumpfte man die Anzahl auf zwei Fähren. Und der Bau dauert auch länger – man hat keine Erfahrung mit dem Bau derartiger Fähren in Russland.

Und alle Berechnungen, die man jetzt gemacht hat, sind nur vage, denn in Abhängigkeit, wie sich die allgemeine Lage entwickle, werden die Schiffe vielleicht noch teurer. Die Anfangskalkulation für die Schiffe belief sich auf 4,7 Mrd. Rubel. Jetzt wurden die Kosten für die Schiffe mit sechs Milliarden Rubel neu berechnet. Da die Bauzeit sich aber auch auf über vier Jahre hinzieht (und nicht mehr zwei, bzw. drei Jahre), kann es sein, dass die Kosten auf acht Milliarden Rubel steigen.

Leider handelt es sich bei diesen Informationen nicht um ein Gerücht, denn die Informationen wurden durch die Kaliningrader Gebietsregierung bestätigt. Schon im März sei die Entscheidung gefallen, im Rahmen der ehemals geplanten Summe, mit dem Bau der Fähren zu beginnen. Somit ist klar, dass eine Fähre bis 2020 gebaut wird und die zweite Fähre nach 2020. Der Bau der zweiten Fähre wird aber nur durchgeführt, wenn sich erweist, dass der Transportbedarf wirklich vorhanden ist.

Es steht aber die Frage, wie man diesen Transportbedarf feststellen will, wenn doch die Landverbindungen bisher immer noch funktionieren? Die Planung für die Fähren waren doch davon ausgegangen, dass es zu einer Blockade kommen könnte. Vermutlich muss wirklich erst der Kriegszustand ausgerufen werden um festzustellen, wie groß die Isolationsgefahr für das Kaliningrader Gebiet im Ernstfall ist.

Gegenwärtig verkehren zwei veraltete Fähren auf der Linie „Kaliningrad – Ust-Luga“. Davon befindet sich eine gegenwärtig zu einer „unerwarteten“ Instandsetzung in einer Werft auf unbestimmte Zeit.

Uwe Niemeier

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Kommentare ( 2 )

  • Hauke

    Veröffentlicht: 23. April 2018 19:16 pm

    Mal bei der Volkswerft Stralsund an fragen für den Preis können die sich auch Fähren bauen
    und schneller würde es auch gehen, denn die haben Erfahrungen

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. April 2018 19:33

      ... im Rahmen der Importablösungen, insbesondere bei derartig strategisch wichtigen Objekten, wird keine deutsche Firma einen derartigen Auftrag erhalten. Ich hatte neulich mal ein Gespräch mit einem Kaliningrader Bauern. Der sucht noch einen Spaten in guter Qualität, um seinen Garten umzugraben. Wenn Sie hier eine Empfehlung haben ... da könnte man noch was machen.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 23. April 2018 21:23 pm

    Da die Bauzeit sich aber auch auf über vier Jahre hinzieht ???Wie kann so etwas angehen ,bei der Brisanz der Lage?Sind hier nicht erhöhte Prioritäten zu setzen?Vielleicht werden die Fähren ja aus Qualitätsgründen handgedengelt,bei 4 Jahren Bauzeit?Oder arbeiten die dort noch nach 4 Jahresplan?Gebt Kindern Hammer und Nägel.Die kriegen das schneller hin.Man kann nur hoffen dass der Fall einer Blockade nicht eintritt,denn dann ist es zu spät für Alternativen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. April 2018 21:28

      ... nicht vier Jahre Bauzeit. Die erste Fähre wird bis 2020 gebaut (also zwei Jahre) und die zweite Fähre wird ab 2020 gebaut - oder habe ich im Artikel etwas falsch formuliert?

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