IT-Firmen: Strafe für Krim-Boykott?

IT-Firmen: Strafe für Krim-Boykott?

Die russische Regierung sucht nach Wegen, den Boykott der Krim durch westliche Unternehmen zu brechen. Wie die englischsprachige Moscow Times meldet, sollen westliche Hersteller von Informationstechnologie künftig nur dann zu Staatsaufträgen in Russland zugelassen werden, wenn sie ihre Produkte und Leistungen auch Kunden auf der Krim anbieten. Von einem solchen russischen Gegenboykott betroffen wären auch die lokalen Distributoren der entsprechenden Unternehmen.

Die diskutierte Maßnahme zielt vor allem auf US-amerikanische Gesellschaften wie Oracle oder Microsoft. Seit dem vergangenen Dezember dürfen amerikanische Unternehmen keine Waren und Dienstleistungen und auch keine Technologie auf die Krim liefern.

Die großen ausländischen IT-Firmen, zu denen auch die deutsche SAP gehört, machen ihr Russlandgeschäft zu rund 70 Prozent mit staatlichen Kunden. Ihr Marktanteil in den entsprechenden Sektoren in Russland liegt bei 80 Prozent. Allein die russischen Staatsaufträge für Oracle und Microsoft summieren sich auf rund 230 Mio Euro im Jahr.

Der Pferdefuß einer solchen Maßnahme ist, aus russischer Sicht, die Frage nach den Alternativen. In weiten Bereichen der globalen Hitech-Infrastruktur besitzt Amerika fast so etwas wie ein technologisches Monopol. Dieser Umstand betrifft bei weitem nicht nur die Informationstechnologie – und auch nicht nur in Russland.

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Kommentare ( 2 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 24. März 2015 21:28 pm

    Es beschäftigt mich nicht erst seit heute, warum die russischen IT - Unternehmen, und da gibt es doch schließlich sehr gute und weltbekannte, nicht selbst solche Programme wie Betriebssysteme oder Schreib- und Rechenprogramme entwickeln, die zwar mit den amerikanischen kompatibel sind, aber die Abhängigkeit von den US-Produkten im Grunde genommen brechen.
    Das wäre doch meinetwegen eine heraus ragende Aufgabe im Rahmen von BRICS. Rußland, China und Indien haben doch meines Wissens nach die geistigen Koryphäen, so etwas zu schaffen.
    Diese Programme dann so anzulegen, daß sie in vielen Sprachen zur Verfügung stehen, dürfte wohl dann das kleinste Problem sein.
    Ich hätte auf jeden Fall daran Interesse.

  • Dietrich Völker

    Veröffentlicht: 26. März 2015 01:09 pm

    Wenn Firmen dieser Forderung nachkaemen, dann wuerden sie diese voelkerrechtswidrige Aktion goutieren. Fuer Fans dieser Politik der RF mag das ja das Mittel der Wahl sein.
    Sodann: Geld soll ja nicht stinken.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. März 2015 08:50

      ... niemand zwingt irgendwelche IT-Firmen irgendetwas anzuerkennen. Wenn diese Firmen aus diesem Grunde auf geschäftliche Aktivitäten in Russland verzichten wollen, so sollen sie es tun.

      Die Amerikaner verhängen übrigens auch nur dort Sanktionen, wo sie selber nicht betroffen sind. Sie importieren seit vielen Jahren zwei Arten von Raketenantrieben aus Russland (einen zivilen und einen militärischen), wo sie selber keinerlei Alternative für amerikanische Antriebe haben. Konsequenterweise müssten die Amerikaner doch hier auch verzichten - oder? ... aber wie Sie so richtig bemerkt haben: Geld stinkt nicht.

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