Russland bald ohne Visa und MasterCard?

Russland bald ohne Visa und MasterCard?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Beunruhigende und beruhigende Informationen füllten am gestrigen Freitag die Spalten der russischen Medien. Berichtet wurde über einen neuen Gesetzentwurf der defacto dazu führt, dass Visa und MasterCard ihre Tätigkeit in Russland einstellen müssen. Die Informationen zeigen aber auch, dass das russische Selbstbewusstsein seit 2014 gewachsen ist.

Es würde wahrscheinlich zu keinem derartigen Gesetzentwurf gekommen sein, wenn Russland nicht zur Überzeugung gelangt wäre, dass man ohne Visa und MasterCard leben könnte.

Im Jahre 2014 hatten die USA und eine Reihe westlicher Staaten Sanktionen im Bankensektor gegen Russland verhängt. Dies führte zu zeitweiligen Problemen bei einigen Banken in Russland, so dass Russland gezwungen war, ein eigenes elektronisches Bezahlsystem einzuführen. Die Umsetzung des Systems „MIR“ erfolgte innerhalb kürzester Zeit und es hat seine Funktionstüchtigkeit bewiesen.

Danach hat Russland seine Gesetzgebung derart geändert, dass ausländische Zahlungssysteme, also Visa, MasterCard und andere, nur noch vom Boden der Russischen Föderation aus operieren dürfen. Mit anderen Worten, die Organisationen waren gezwungen, Tochtergesellschaften in Russland zu gründen oder den russischen Markt zu verlassen. Die US-Zahlungssysteme entschieden sich, den Forderungen Russlands nachzukommen.

Nun geht Russland den nächsten qualitativen Schritt und dieser ist anscheinend mit allen Schalthebeln der finanziellen Macht in Russland abgesprochen. Man scheint sich seiner Sache sicher zu sein und wohl auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Visa und MasterCard den russischen Markt verlassen. Und man muss somit vermuten, dass Russland einen Ersatz hat.

Es geht darum, dass den Tochterfirmen ausländischer Zahlungssysteme per Gesetz verboten wird, russische Banken zu boykottieren oder Zahlungen russischer Banken über Kartensysteme nicht zuzulassen. Aber genau dies tun gegenwärtig Visa und MasterCard auf der Grundlage von US-Gesetzen zur Umsetzung der Sanktionen gegen Russland. Beugen sich Visa und MasterCard dem neuen russischen Gesetz, verstoßen sie gegen US-Gesetze. Halten sie die US-Sanktionsgesetze ein, werden sie vom russischen Markt, den beide Zahlungssysteme als wichtigen strategischen Markt bezeichnen, verbannt.

Die erste Lesung zum Gesetz hat bereits stattgefunden. Die zweite Lesung ist in der Staatsduma für den 23. Juli geplant. Noch in dieser Sitzungsperiode soll das Gesetz verabschiedet werden.

Viele Verantwortliche kommentierten am vergangenen Freitag, dass es nicht dazu kommen wird, dass Visa und MasterCard Russland verlassen und versuchten, beruhigend einzuwirken. Würde es dazu kommen, dass beide Organisationen ihre Tätigkeit einstellen, bedeutet dies in der Praxis, dass Russen im Ausland nicht mehr mit Visa- und MasterCard bezahlen können und Ausländer in Russland ebenfalls diese Karten in Russland nicht mehr einsetzen können.

Tritt das Gesetz in Kraft, haben Visa und MasterCard 180 Tage Zeit darauf zu reagieren, also Mittel und Wege zu finden, um straffrei die US-Sanktionen auszuhebeln oder den US-Gesetzgeber zu überzeugen, die Sanktionen gegen russische Banken aufzuheben oder den russischen Markt zu verlassen und anderen das Feld und Geld zu überlassen. Visa und MasterCard weigerten sich, diese Informationen zu kommentieren. Man kommentiere keine Gesetze, die noch nicht existieren.

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Kommentare ( 3 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 13. Juli 2019 12:09 pm

    Russland dann also bald im doppelten Sinne Visa-frei ? Stelle mir die Frage, wie man dann als Tourist bezahlen soll ... Bargeld? Wohl nicht wirklich ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 13. Juli 2019 12:12

      ... wir wissen noch nicht, welchen "Joker" Russland hat, denn ein derartiger Gesetzentwurf ist wirklich mutig und man muss damit rechnen, dass beide Systeme aus Russland weggehen. Da man aber an der Entwicklung des Tourismus interessiert ist, wäre dies im gewissen Sinne kontraproduktiv. Ich gehe davon aus, es es etwas gibt, was Sie und ich noch nicht wissen ...

  • Marko Bruhn Bruhn

    Veröffentlicht: 13. Juli 2019 22:13 pm

    es wird über drittanbieter laufen,
    russland muss am swift-netz hängen sonst kann man keine internationalen rechnungen bezahlen,zb russische touristen in der türkei, oder deutsche touristen in kaliningrad usw

    swift ist der quasistandard da hängt die ganze welt dran runde 200 staaten und territorien

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 13. Juli 2019 23:36

      Swift ist eine Sache. Visa und MasterCard eine andere Sache. Und Russland hat bereits ein Alternativsystem zu Swift entwickelt, welches sofort arbeitsbereit ist, für den Fall, dass die bereits mehrfach angedrohte Abschaltung von SWIFT für Russland in Kraft gesetzt wird.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 14. Juli 2019 16:32 pm

    dazu Visa selbst: «Russland ist ein strategisch wichtiger Markt für Visa. Das Unternehmen Visa ist entschlossen, seine Aufgabe zu erfüllen, den reibungslosen Betrieb der bargeldlosen Zahlungen für alle Teilnehmer des payment-ökosystems, Banken, HSU und Verbraucher, sicherzustellen. Visa wird nicht Urteile Dritter über mögliche zukünftige Ereignisse, basieren auf Annahmen und Ausdruck der persönlichen Auffassung kommentieren».

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