Russland will endlich Ordnung im Bauwesen schaffen

Russland will endlich Ordnung im Bauwesen schaffen

Das Bauen in Russland ist bisher immer mit einem hohen Risiko behaftet gewesen. Kaum eine Baufirma verfügt über genügend Eigenkapital zum Errichten eines Hauses. So vergibt man Baubeteiligungen und diese sind hochriskant. Damit soll nun Schluss sein.

Schon während der Planungsphase für ein Haus, werden die darin geplanten Wohnungen verkauft. Je früher jemand kauft, um so billiger bekommt er den Quadratmeter. Und zahlt er gleich den vollen Kaufpreis, dann kann er mit einem maximal niedrigen Quadratmeterpreis rechnen. Aber er kann auch sein ganzes Geld verlieren – nämlich dann, wenn die Baufirma Bankrott geht oder der Bau durch die staatliche Abnahmekommission nicht in Nutzung überführt wird und somit nicht bezogen werden kann.

Es gibt viele derartiger Bauten in Russland und zehntausende von Betroffenen, die alles verloren haben, was sie im Leben für eine eigene Wohnung oder Haus angespart hatten.

In den letzten Jahren hatte Russland schon einiges unternommen, um das Risiko für die sogenannten Bauanteilseigner zu minimieren. So wurde eine Pflichtversicherung für die Baufirmen eingeführt. Aber keine Versicherung war bereit, ein Baurisiko zu versichern. Von den steigenden Kosten für die neue Immobilie durch die Versicherung bedingt, mal ganz zu schweigen.

Und so musste man sich etwas anderes einfallen lassen.

Der erste Schritt ist, dass Russland eine zentrale Datenbank für sogenannte Langzeit-Bauten schaffen wird. Hier werden alle die Gebäude erfasst, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht fristgerecht nicht in Nutzung überführt worden sind. Alle betroffenen Objekte werden auf einer elektronischen Karte erfasst und Interessierte können alle notwendigen Daten per Internet abrufen. Gegenwärtig gibt es in Russland 842 potenzielle Objekte verschiedenster Größenordnung, die Mitglied dieser Datenbank werden müssten.

Ein weiterer, wesentlich wichtiger Schritt ist, dass man plant, ab 2020 den Verkauf von nicht in Nutzung überführten Immobilien zu verbieten. Russische Baufirmen versuchten, den geplanten Gesetzentwurf aufzuweichen, erreichten aber mit ihren Initiativen genau das Gegenteil. Der russische Präsident Putin forderte radikal mit dem „Bau auf Pump“ aufzuhören. Zuerst sollte das Gesetz 2020 in Kraft treten, dann wurde das Datum 1. Juli 2019 genannt und noch weitere Quellen berichten, dass Putin ein noch wesentlich früheres Datum fordert, nämlich „sofort“.

Das Gesetz sieht aber auch gewisse Schutzmechanismus im Interesse des Bauherrn und des Käufers vor. So kann der Käufer durchaus im Vorfeld durch die Zahlung der Kaufsumme oder eines Teils davon, seine Kaufabsicht bekräftigen und sich sein Recht auf die Immobilie sichern. Allerdings muss dieses Geld auf ein Verwahrkonto bei einer Bank eingezahlt werden. Auf dieses Konto hat weder der Käufer noch der Verkäufer Zugriff, bis zum Zeitpunkt der Übergabe der Immobilie. Sollte es in der Zwischenzeit zu einem Lizenzentzug für die Bank durch die Zentralbank kommen, ist diese Einlage mit zehn Millionen Rubel versichert.

Das sich die Position des russischen Präsidenten Putin zu diesem Thema so verschärft hat, liegt an einem aktuellen Fall im Moskauer Umfeld, wo eine große Baufirma in Schwierigkeiten geraten ist. Sollte es zum Krach kommen, wird sich der „Club der betrogenen Bauanteilseigner“ um 16.000 Mitglieder Zuwachs „erfreuen“.

Uwe Niemeier

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Kommentare ( 3 )

  • Georg

    Veröffentlicht: 2. Juni 2018 18:36 pm

    Russland sollte nicht nur Ordnung im Bauwesen schaffen, sondern sich in erster Linie um eine funktionierende Justiz kümmern. Wenn ich meiner Frau Glauben schenken darf, kommen die Betroffenen nach dem Baubetrug erst richtig vom Regen in die Traufe, wenn sie sich verzweifelt und hoffnungsvoll an einem Advokaten wenden. Ohne wirkliche Hilfe zu erhalten, wird den Betroffenen in der Justizmaschinerie nochmal richtig das Fell über die Ohren gezogen, während sich die Betrüger nach Aufbesserung ihrer Auslandskonten unverrichteter Dinge neue Opfer suchen können.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. Juni 2018 18:45

      ... interessant, was Ihre Frau so alles weiß. In Kaliningrad gibt es z.B. einen speziellen Fond, wo diese Leute entschädigt und mit neuen Wohnungen versorgt werden - nur mal so nebenbei erwähnt.

  • Georg

    Veröffentlicht: 2. Juni 2018 21:14 pm

    Eine Freundin meiner Frau hat auf diese Weise alles verloren und ist am Schluß noch auf einem Schuldenberg sitzengeblieben. Sie hat damals mit vielen anderen Betroffenen in KGD oftmals neben der DUMA demonstriert und alles getan was möglich ist, niemand hat geholfen. Nochmalige Nachfrage, von einem speziellen Entschädigungsfonds weiß niemand was und der wird wohl auch nur am Papier existieren, wie so vieles in Russland.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. Juni 2018 21:38

      ... wie Sie meinen. Vermutlich ist meine Informationsagentur da wohl Fehlmeldungen aufgesessen und die Kaliningrader Medien, die darüber ausführlich berichtet haben, haben auch nur Propaganda verbreitet. Oder sprechen Sie von Vorfällen die vor zehn Jahren passiert sind?

  • Georg

    Veröffentlicht: 2. Juni 2018 22:06 pm

    ja genau, es liegt ca 10 Jahre zurück

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. Juni 2018 22:12

      ... wir haben heute eine etwas andere Zeit in Kaliningrad (Russland). Vielleicht sollten Sie und Ihre Frau dies bei Ihren Erinnerungen ein wenig mit berücksichtigen.

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