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Ausländer im russischen Strafvollzug

So, 05 Mai 2019 ... mit deutschem Akzent


Ausländer im russischen Strafvollzug
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Man hört viel Schlimmes über russische Gefängnisse und Straflager. Manche verwenden auch gerne noch den Begriff „Gulag“, den der moderne russische Strafvollzug natürlich nicht kennt. Auch ich kenne den russischen Strafvollzug nicht aus eigener Erfahrung. Deshalb habe ich Meldungen russischer Medien für Sie ausgewertet und biete eine Zusammenfassung interessanter Informationen.

Mit Stand 1. Juli 2017 befanden sich insgesamt 618.490 Straftäter in russischen Einrichtungen mit Freiheitseinschränkungen, davon 48.385 Frauen und 1.594 Minderjährige. Die Anzahl der Insassen in russischen Gefängnissen ist fallend. Häufig werden durch Gerichte alternative Strafen verhängt. Zum 1. April 2019 befanden sich noch 554.995 Personen in freiheitseinschränkenden Einrichtungen, davon 44.437 Frauen.

Für Ausländer gibt es in Russland zwei Strafvollzugseinrichtungen. In diesen sind die Träume von Marx und Engels in Erfüllung gegangen: „Proletarier aller Länder vereinigt euch“, denn in diesen Einrichtungen verbüßen Straftäter aus über 40 Ländern die Strafe, die ein russisches Gericht über sie verhängt hat.

Anfang 2017 befanden sich 29.397 Ausländer in russischen Strafvollzugseinrichtungen. 2016 waren es 29.822 und 2015 28.714 Ausländer. 90 Prozent sind wegen schwerer und besonders schwerer Verbrechen verurteilt worden.

Den größten Teil der ausländischen Strafgefangenen stellen die Tadschiken (8002), gefolgt von Usbeken (6.362), Ukrainern (4.761) und Aserbaidschanern (2.350).

Im Jahre 2017 befanden sich 12 Amerikaner in russischer Haft. 2016 waren es sieben und 2015 nur vier Amerikaner. Sie wurden verurteilt wegen Vergewaltigung, Raub, Betrug, Erpressung und Rauschgifthandel.

Weiterhin befinden sich, mit Stand erstes Halbjahr 2017 97 Bürger der Europäischen Union in russischen Gefängnissen. 2016 waren es 143 und 2015 118 Personen. Hier sind die Haftgründe Mord, Diebstahl, Raub, Betrug und Rauschgifthandel. Einige Verurteilte hatten sich auch mit dem illegalen Export von Elementen zur Produktion von Massenvernichtungswaffen und von Militärtechnik beschäftigt.

Kommentiert wird, dass es sich bei den Europäern häufig um Unternehmer handelt. Diese kommen nach Russland und führen verschiedenste Finanzoperationen durch und betrügen dabei andere Unternehmer. Weiterhin versuchen sie, russische Frauen für eine Arbeit in Europa zu werben. Dort werden ihnen die Pässe abgenommen und die Frauen werden zur Prostitution gezwungen.

Es sitzen aber auch viele Pädophile aus Europa in russischen Gefängnissen. Kommentiert wurde, dass es eine Zeit gab, wo die russische Gesetzgebung sehr loyal in dieser Frage war und deshalb die Pädophilen anfingen, sich in Russland zu tummeln.

In der Strafvollzugseinrichtung Nr. 22 gibt es einen Amerikaner. Er ist 63 Jahre alt und leitet die Bibliothek. Er zeigt keinerlei Lust, die Strafanstalt zu verlassen. Er ist wegen Pädophilie verurteilt worden. In den USA könnte es dafür lebenslänglich geben. In Russland muss er noch drei Jahre absitzen und kann danach in die Freiheit. Auch viele andere Ausländer wollen durch Russland nicht an ihre Heimatländer ausgeliefert werden. Dort erwartet sie ein härteres Regime und längere Strafen. Dies trifft insbesondere auf chinesische und vietnamesische Straftäter zu, die wegen Rauschgifthandels bestraft worden sind. In China werden Rauschgifthändler erschossen.

Wie die Verwaltung der Strafanstalt Nr. 22 mitteilt, gab es bisher nur einen Ausländer, der seine Strafe vollständig verbüßt hat. Alle anderen wurden auf Bewährung vorzeitig entlassen. Grundlage für eine vorzeitige Entlassung ist eine einwandfreie Führung.

Ausländer zeigen keinerlei Bestrebungen zur Flucht – im Unterschied zu russischen Straftätern. Der Grund hierfür ist sehr einfach: Der Ausländer weiß gar nicht, wohin er fliehen soll.

Europäische Straftäter fordern häufig, dass in Russland für sie die Bedingungen geschaffen werden, wie sie in den Gefängnissen ihrer Heimatländer herrschen.

Die Insassen haben das Recht Briefe zu schreiben. Diese unterliegen der Zensur. Wollen sich die Gefangenen beschweren und richten ihr Schreiben an russische staatliche Stellen, so dürfen die Briefe von der Gefängnisverwaltung nicht geöffnet oder zensiert werden. Briefe, die in die Heimat gesandt werden, werden ebenfalls nicht kontrolliert.

Gefangene können in beliebiger Anzahl Telefongespräche bis zu einer Dauer von 15 Minuten führen. Die Telefongespräche werden nicht abgehört oder irgendwie kontrolliert.

In den Wintermonaten, wo es in den Zonen der Strafverbüßung sehr kalt ist, gestattet man den Insassen, insbesondere denen aus afrikanischen Ländern, die Ohrenklappen ihrer Mützen herunterzuklappen.

Ausländer sind in Gemeinschaftszellen untergebracht. Die Belegung der Zellen erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Es gibt keinerlei Beachtung nationaler, religiöser oder sonstiger Individualitäten.

Die Strafgefangenen sind in großen Zellen untergebracht. Die Zellen sind mit Fernseher ausgestattet. Es gibt aber auch Clubräume für den Gemeinschaftsempfang von Fernsehsendungen. Welches Programm geschaut wird, wird zwischen den Strafgefangenen selber geregelt. Die Clubräume sind auch mit Videorecorder und Musikanlage ausgestattet.

Es gibt eine Kleiderkammer, wo jeder Gefangene einen eigenen Schrank hat. Hier kann man die Lebensmittel lagern, die die Verwandten schicken.

In den Kolonien gibt es einen Sportsaal, eine Bibliothek. Es werden Kulturveranstaltungen durchgeführt.

Die Kolonie Nr. 22 hat eine eigene Fußball-Mannschaft. Diese Mannschaft spielt auch gegen Mannschaften in anderen Gefängnissen in Russland.

Wichtig ist natürlich auch die Frage der Verpflegung. Russischen Journalisten wurden die Verpflegungslisten vorgelegt und diese kamen zu der Meinung, dass hier niemand verhungert. Aber es braucht auch niemand zu fürchten zu dick zu werden. Die Gefängnisverwaltung meinte, dass es eine ähnliche Verpflegung gibt, wie in der russischen Armee. Allerdings, so ein Vertreter der Verwaltung, gibt es auf der Speisekarte kein Obst und Gemüse und auch keine Milchprodukte.

In der Strafvollzugseinrichtung Nr. 22 gibt es eine Art Gästewohnung, bestehend aus Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad. Hier können die ausländischen Verurteilten bis zu drei Tagen mit Verwandten verbringen.

Auf dem Gelände des Gefängnisses gibt es eine Industriezone. Hier wird in zwei Schichten gearbeitet: von 8-17 Uhr und von 18-1.30 Uhr in der Nacht. Sonntag ist arbeitsfrei. Hier wird Arbeits- und Sonderbekleidung produziert – im wesentlichen für den Bedarf der Armee.

Neben der Strafanstalt Nr. 22 befindet sich eine Strafanstalt für ehemalige Angehörige der bewaffneten Organe. Beide Anstalten konkurrieren miteinander, denn dort wird Brot gebacken. Unstrittig ist, dass das Brot der Ausländer wesentlich besser schmeckt – so schreiben russische Journalisten.

Der Monatslohn beträgt 850 Rubel. Von diesem Einkommen werden Kosten abgezogen, die der Strafgefangene für seinen Aufenthalt selber zu tragen hat. Der Rest wandert auf ein Bankkonto.

Die offizielle Sprache im russischen Strafvollzug ist Russisch. Die Gefangenen müssen sich also um einen Mindestwortschatz bemühen. Zwischen den Häftlingen kann eine andere Sprache zur Verständigung gewählt werden.

Es gibt keinerlei religiöse Konflikte in den russischen Gefängnissen zwischen den Ausländern. Das größte gegenwärtige Problem ist die Verbreitung von radikalen Islam-Ansichten in den Reihen der Strafgefangenen. Man zeigt sich auch über Tendenzen zur Schaffung von nationalen Gruppierungen in den Gefängnissen besorgt. Diese Gruppen beginnen den Gefängnisalltag, die Disziplin, die Verhaltensweisen für alle anderen zu diktieren und versuchen Einfluss auf die Verwaltung der Gefängnisse zu nehmen.

 

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