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Cui bono? Wer hat etwas davon?

Mo, 21 Jul 2014 ... mit deutschem Akzent


Cui bono? Wer hat etwas davon?

Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk hat wohl recht: „Das waren Profis, keine betrunkenen Gorillas.“ (Ob er seine Landsleute in der Ostukraine mit "betrunkene Gorillas" korrekt beschreibt, steht jetzt nicht zur Debatte.) Die Aussage grenzt den Kreis der Verdächtigen auf vier Gruppen ein: russische Armeeangehörige, ukrainische Armeeangehörige, US-Experten der Blackwater-Truppe (inzwischen Academi genannt) aus North Carolina oder technisch versierte Freischärler aus der Russischen Föderation. Das Bedienpersonal an der Abschussrampe, die am Donnerstag den malaysischen Liner MH17 vom Himmel holte, gehörte mindestens einer dieser Gruppen an.

Westliche Politiker und Medien brauchten keine fünf Minuten, um mit dem Finger gen Osten, Richtung Kreml, zu zeigen. Eine ernsthafte Diskussion der Motive und Hintergründe findet auch 72 Stunden nach dem Anschlag nicht statt. Wäre sie unbequem?

Für die Vorkämpfer des amerikanischen Jahrhunderts war die Ukrainekrise ein Geschenk des Himmels. Mit tiefem Argwohn verfolgen sie den russischen Wiederaufstieg zur Regionalmacht — zum einzig verbliebenen Störenfried der Pax Americana auf dem europäischen Kontinent. Die Ukraine als Partner einer russischen eurasischen Koalition zu verlieren war für den Kreml ein schmerzhafter Schlag, doch das Ziel der Westallianz geht weiter. Zwar kann sie Russlands Grenzen (derzeit noch) nicht antasten, aber sie kann das Land im Inneren destabilisieren, seine Wirtschaft schwächen, auf eine Ablösung der Eliten hinarbeiten.

Um die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, bedarf es eines Auslösers. Täglich konferieren die amerikanischen Berater in Kiew mit der ukrainischen Regierung, stets besorgt, die beiden slawischen Völker könnten hinter dem Rücken der Amerikaner doch noch unversehens ihren Frieden machen. So versuchen die transatlantischen Falken seit Monaten, Moskau zur offenen Feldschlacht — zum Einmarsch in die Ostukraine — zu provozieren. Und wie sie schäumen, dass der Bär scheint's ungerührt in seiner Höhle bleibt!

Diese Falken brauchen das Fanal, das eine Ereignis, welches die öffentliche Meinung in ganz Europa hinter die westlichen Hardliner zwingt. Ein Einmarsch wäre das Beste — ruckzuck und die härtesten Sanktionen sind beschlossene Sache. Keine Maschinen, keine Ersatzteile und keine Daimlers mehr nach Russland, keine Investitionen mehr in dortige deutsche Fabriken und METRO-Märkte. Reiseverbote für Geschäftsleute. Und und und.

Wenn aber kein Einmarsch kommt ... was tun? Die Zeit geht dahin, alle Welt richtet sich ein, das Leben geht weiter. Und Russland ist immer noch da.

Den Rest kann man sich an fünf Fingern abzählen. Wer anderer Meinung ist und glaubt, gute Argumente dafür zu haben, dass ausgerechnet Russland vom Abschuss der malaysischen Passagiermaschine profitiert, kann gerne einen Kommentar auf meinem Facebook-Konto hinterlassen. Herzlich eingeladen!

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Fasbender

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