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Das Schicksal eines Menschen

Mo, 24 Apr 2017 ... mit deutschem Akzent


Das Schicksal eines Menschen

Die vergangene Woche war gespickt mit Informationen aus dem russland-deutschen-Leben im Kaliningrader Gebiet. Der föderale Chef-Deutsche aus Moskau hielt sich im Kaliningrader Gebiet auf. Sein Aufenthalt war begleitet von einer selten so gesehenen Medienkampagne in Kaliningrad. Das Schicksal eines Menschen wurde entschieden.

Nein, ich habe mich diesmal nicht als Plagiator betätigt und mir als Überschrift einen Titel ausgewählt, den Sergej Bondartschuk für seinen Film wählte, den er 1959 nach der Vorlage eines Buches von Michael Scholochow drehte. Der Film hieß „Ein Menschenschicksal“ – und ich kann mich nicht erinnern, dass je ein anderer Film in meinem Leben derartige Emotionen in mir ausgelöst hat. Wer diesen Film gesehen hat, braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen. Aber in diesem Artikel geht es nicht um ein Menschenschicksal, sondern um das Schicksal eines Menschen. Der Unterschied besteht darin, dass es nicht zu Tränen rührt, aber zu gründlichem Nachdenken anregt.

Heinrich Heinrichowitsch Martens, der Chef-Russlanddeutsche, hat sich in der vergangenen Woche im Kaliningrader Gebiet aufgehalten und vielen Kaliningrader Medien erklärt, dass es einen Neustart bei den Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet gibt. Dieser Neustart ist wichtig, um endlich einen Schlusspunkt unter eine 5jährige negative Entwicklung zu setzen, die die Organisation der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet genommen hat und die darin gipfelte, dass diese Organisation zum „Ausländischen Agenten“ erklärt und der Unterstützung und Förderungen nazistischen Gedankengutes bezichtigt wurde. Selbst die Bundesrepublik Deutschland sah sich, nach Vorlage von Informationen durch Russland gezwungen, sich von der „Organisation Hoffmann“ zu distanzieren und drehte den Finanzhahn zu – so Heinrich Martens.

Die Dramatik der Vorgänge in der vergangenen Woche kommt in (vorläufig) zwei Ereignissen zum Ausdruck, die das Schicksal eines Menschen konkret betreffen und die eine ganze Reihe von anderen Menschen anregen werden, über ihr eigenes Schicksal und ihre Verhaltensweisen in den letzten Jahren nachzudenken:

1. Einem sehr scharfen Artikel in der „Kaliningrader Wahrheit“ unter der Überschrift „Dummheit oder Verrat?


2. Einem Beschluss des „Rates der national-kulturellen Gemeinschaft im Kaliningrader Gebiet“ über den Ausschluss von Viktor Hoffmann aus dem Präsidium.

 
Bei den weiteren Darlegungen reden wir auch über die „Vierte Gewalt“ (Medien) im Kaliningrader Gebiet, die real existiert und Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung nimmt.
 
Anfang vergangener Woche gab Heinrich Heinrichowitsch das erste Interview und informierte, dass man eine neue Organisation der Russlanddeutschen in Kaliningrad gegründet habe.

Auf eine entsprechende Frage des Journalisten, ob er sich eine Zusammenarbeit mit der ehemaligen Organisation der Russlanddeutschen in Kaliningrad vorstellen könne, gab er eine Antwort, die Interpretationen zuließ. Das änderte sich aber schnell, denn in allen weiteren Interviews war keine Rede mehr davon – es geht um einen völligen Neustart in Kaliningrad. So sagte er in einem Radiointerview mit „Jantarny Krai“ am 19. April:

Er gab zu, dass dieser Neustart nicht ganz einfach ist, denn man muss sehr sorgfältig an die Auswahl des Personals gehen, man hat kein Gebäude, keine Technik, keine Möbel – man hat einfach nichts.

Mit jedem weiteren Interview, wurde es konkreter und heute ist klar: die neue Organisation der Russlanddeutschen wird sich mit der Kultur, der Geschichte und den Problemen der Russlanddeutschen, aber auf keinen Fall der Deutschen beschäftigen. Es wird keine Pflege des Erbes von Immanuel Kant und schon gar nicht von Agnes Miegel geben. Die Russlanddeutschen haben eigene Persönlichkeiten, auf die man stolz sein kann und deren Erbe gepflegt werden wird – so, sehr eindeutig und unmissverständlich, Heinrich Heinrichowitsch in dem Radiointerview:

Und dann kam der Artikel am Abend des 19. April in der „Kaliningrader Wahrheit“, gerade rechtzeitig vor der Einberufung des Rates der national-kulturellen Gemeinschaft“, der wohl die Entscheidung des Schicksals des Menschen Viktor Hoffmann, Ex-Präsident des Ex-Deutsch-Russischen-Hauses und Ex-Vertreter der Ex-Organisation der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet beschleunigte. Das Schicksal von Viktor Hoffmann ist damit noch nicht besiegelt, denn wie der Artikel zeigt, steht wohl noch einiges an Aufräumarbeiten im Kaliningrader Gebiet an. Versuchen wir also, die Analyse in der „Kaliningrader Wahrheit“ zu analysieren.

Der erste Teil dieses „Mammut-Artikels“ war den Aktivitäten der Bewegung „BARS“ (Baltischer Vortrupp für den russischen Widerstand) gewidmet. Diese Bewegung spielt eine Rolle in der negativen Entwicklung des ehemaligen Deutsch-Russischen Hauses. Sie gipfelte in einem Auftritt – mit Genehmigung des Ex-Präsidenten des Ex-Deutsch-Russischen Hauses Viktor Hoffmann Ende Oktober 2016 (wir berichteten darüber).

Unser Beitrag erregte föderales Aufsehen und wurde durch viele russische Medien übernommen. Belassen wir es dabei und wenden uns konkret den Dingen zu, die Viktor Hoffmann betreffen.

Kaliningrader Wahrheit fragt: Warum hat Viktor Hoffmann zugelassen, dass Extremisten in seinem Haus auftreten?

Es gibt keine eindeutige Antwort darauf. In meinem über dreistündigen Gespräch mit ihm (auf seine Bitte hin) Ende Oktober 2016, gleich im Anschluss an diese Veranstaltung, bat er dringend, nicht über diese Bewegung „BARS“ und deren Auftritt zu schreiben und tat auch mir gegenüber so, als ob sich ihm neue Welten eröffnet haben. Viktor Hoffmann tut bis heute so, als ob er diese Bewegung nicht kannte, was wenig glaubwürdig ist. Denn wenn selbst ich als Ausländer diese Bewegung kenne, so wird ein gesellschaftlich engagierter Mann wie Viktor Hoffmann, dazu noch führendes Mitglied der „Gesamtrussischen Volksfront“, einer dem russischen Präsidenten Putin nahestehenden gesellschaftlichen Organisation, dies wohl auch wissen. Wenn er aber diese Organisation wirklich nicht kannte, steht die Frage, wie er sich denn sonst in die russische Gesellschaft einbringen will, wenn er die Vielschichtigkeit dieser Gesellschaft nicht kennt.

Beginnen wir mit einer kleinen Übersicht und stellen als erstes fest:

Und die „Kaliningrader Wahrheit“ fragt: Dummheit oder Verrat?

Dann gibt der Artikel einen kleinen Einblick in die Entwicklung von Viktor Hoffmann. Man informiert, dass er aus Kasachstan nach Kaliningrad übergesiedelt ist und sich in den 90er Jahren mit Schrott und Buntmetall seinen Lebensunterhalt verdient hat. Das war für mich Anlass, mal in meinem Archiv nachzuschauen … da war doch noch was? Richtig. Er arbeitete damals mit einem Deutschen zusammen (der Name spielt heute keine Rolle), der sich auch mit Schrott und Buntmetall und vielen anderen, nicht immer ganz durchsichtigen Dingen beschäftigte. Dieser Deutsche war immer dicht dran an den Mächtigen in Kaliningrad. Heute hat dieser Deutsche, wie man so hört, ein paar Probleme. Im Jahre 2010 hatte sich der russische Sicherheitsdienst FSB schon mal für ihn interessiert … na gut, belassen wir es dabei. Es wird sicher noch Gelegenheit geben, darüber zu berichten. Wie eng das Verhältnis zwischen dem Russlanddeutschen und dem Deutschen heute ist – ich weiß es nicht. Aber der Schrotthandel in den 90er Jahren hatte in Kaliningrad so ein besonderes „Schmäckerle“ …

Im weiteren erinnert die „Kaliningrader Wahrheit“ an den Auftritt des Un-Diplomaten Lissner, dem damaligen Vizekonsul für Kultur des deutschen Generalkonsulats im Deutsch-Russischen Haus. Die Hass-Rede gegen Russland löste die sogenannte „Lissner-Affäre“ aus.

Und jetzt wird es im Artikel der „Kaliningrader Wahrheit“ interessant, denn er beginnt mit einigen „Kaliningrader Mächtigen“ abzurechnen. Ehrlich gesagt, bin ich mir in der Bewertung der Vorwürfe nicht ganz sicher – für mich ist erstmal der Eindruck entstanden, als ob wir kurz vor einigen Personalveränderungen stehen, es sei denn, diese Personen unterziehen ihre Beziehungen zu Viktor Hoffmann einer Revision.

Der Artikel gibt nämlich dem deutschen Ex-Vizekonsul für Kultur Daniel Lissner in einigen seiner Vorwürfe Recht. Dieser hatte bei seinem Auftritt im August 2014 im DRH den russischen Mächtigen einerseits einen gewissen „Hurra-Patriotismus“ unterstellt und andererseits die Frage aufgeworfen, wie sie dies damit in Einklang bringen, dass ihre Familien im westlichen Ausland leben. Namentlich erinnert die „Kaliningrader Wahrheit“ an den Kaliningrader Bürgermeister Alexander Jaroschuk, dessen Frau und Kinder im sonnigen französischen Cannes leben. Gleichzeitig regt sich Jaroschuk aber auch auf, dass Kaliningrad in Dreck und Modder versinkt. Die Zeitung erinnert, dass in diesem Jahr die Amtszeit des Bürgermeisters ausläuft und es doch nicht zumutbar ist, wenn sich „das alles fortsetzt“. Was mit „alles“ gemeint ist, also der „Modder“ oder die „Amtszeit“, lässt der Artikel offen.

Aber kehren wir zu Viktor Hoffmann zurück, denn die Zeitung stellt die Frage, ob Viktor Hoffmann wirklich nichts von diesem Hass-Auftritt des Lissners gewusst hat – so wie er behauptet? Nun, gehen wir mal davon aus, dass Viktor Hoffmann es wirklich nicht gewusst hat und setzen unsere kleine Statistik mit einem zweiten Punkt fort:

Der nächste Skandal bestand darin, dass man in der Bibliothek des Deutsch-Russischen Hauses eine deutsche Zeitschrift fand (Ost-West-Panorama), in der ein Schmäh-Artikel gegen die Sowjetunion und gegen Russland enthalten war. Der Artikel gipfelt in der Aussage, dass die Sowjetunion die Verantwortung für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trägt. Viktor Hoffmann wusste nichts von diesem Journal und glaubt, dass man es ihm einfach untergeschoben hat. Fügen wir unserer Statistik einen dritten Punkt hinzu:

Ein weiterer Vorwurf an Viktor Hoffmann besteht darin, dass er viel Zeit und Energie für die Propagierung der Arbeiten von Agnes Miegel aufwendet – einer, auch in Deutschland, anerkannten Nazistin und Verehrerin Adolf Hitlers bis zu ihrem Tod. Er war derjenige, der die Aufstellung eines Bronze-Denkmals von bekannten Königsberger Symbolen vor dem Kant-Dom im Oktober 2012 beförderte. In einer, jetzt entfernten Inschrift, wird Agnes Miegel als hervorragende Bürgerin der Stadt erwähnt. Aber er will nichts davon wissen, dass Agnes Miegel eine Nazistin ist und in Deutschland schon seit Jahren eine „Ent-Miegelisierung“ vor sich geht. Somit fügen wir unserer Statistik einen vierten Punkt hinzu:

Sponsoren dieses bronzenen Geschenkes waren Deutsche aus der Organisation „Ostpreußenhilfe“, die im weiteren, wie geheim aufgezeichnete Gespräche zeigten, Viktor Hoffmann mit Geld versorgten, vorbei am deutschen Staat, vorbei am russischen Staat. Auch hierüber berichteten wir und zeigten diesen Film mit den geheimen Absprachen Viktor Hoffmanns und den deutschen Geldgebern.

Damit fügen wir unserer Statistik einen fünften Punkt hinzu:

Belassen wir es bei diesen fünf Punkten. Sie zeigen, dass Viktor Hoffmann von vielen Dingen keine Ahnung hatte. Nur wozu braucht man jemanden, der von nichts Ahnung hat, der nicht weiß, was in seinem eigenen Haus, in seinem eigenen Verantwortungsbereich vor sich geht?

Die „Kaliningrader Wahrheit“ erinnert, dass es für diese „Ostpreußenhilfe-Deutschen“ sogar noch ein Dankschreiben des damaligen Gouverneurs Nikolai Zukanow und heutigen Vertreters des russischen Präsidenten für die Nord-West-Region gegeben habe, unterzeichnet weiterhin von der damaligen Kulturministerin Svetlana Kondratjewa. Und es gab ein weiteres Dankschreiben der heute noch aktiven Kaliningrader Außenministerin Alla Iwanowa an Viktor Hoffmann, in dem sie nicht daran zweifelt, dass die Aufstellung dieses Denkmals ein wichtiges Ereignis im Leben des Gebietes bedeutet. Fassen wir zusammen: Drei Führungspersonen des Kaliningrader Gebietes werden in dem Artikel im Zusammenhang mit extremistischen Handlungen, unterstützt von Viktor Hoffmann, benannt.

Und die „Kaliningrader Wahrheit“ fragt: Dummheit oder Verrat?

Der Leiter der Föderalen Agentur für die Nationalitätenangelegenheiten der Russischen Föderation Igor Barinow meint:

Viktor Hoffmann spürte natürlich, wie die Luft für ihn in Kaliningrad immer dünner wurde und versuchte seine Position durch Nutzung seiner Stellung in der „Gesamtrussischen Volksfront“, einer, dem russischen Präsidenten nahestehenden Organisation, zu verbessern. Er nahm an einem Forum mit dem russischen Präsidenten teil und bat ihn, auf keinen Fall zuzulassen, dass die Sanktionen aufgehoben werden – wohl wissend, wie der russische Präsident selber über die Sanktionen denkt. Putin kannte Hoffmann nicht, wusste nichts von dem, was in Kaliningrad vor sich geht und akzeptierte Hoffmann als Gesprächspartner im Rahmen des Forums. Die Zeitung unterstellt nun Hoffmann, dass ihn die Sanktionen und alles drumherum herzlich wenig interessieren. Ihm ging es darum, das man in der Kaliningrader Gesellschaft zur Kenntnis nimmt, dass er Putins Gesprächspartner ist und sich somit seine schwierige Lage in Kaliningrad entspannt. Aber er irrte sich – es gab keine Entspannung. Ganz im Gegenteil, denn die Zeitung stellt die Frage, wer es denn überhaupt zugelassen hat, dass Viktor Hoffmann an diesem Forum teilnehmen konnte, wo er doch schon stark vorbelastet und des Extremismus verdächtig war.

Aber, so die Zeitung, die Bosse der „Volksfront“ schweigen und Schweigen ist das Zeichen von Einverständnis. Man ist also einverstanden, dass nazistische Ideen in Kaliningrad popularisiert werden und man ist einverstanden, dass Kaliningrader Bürger mit Revanchisten aus Deutschland zusammenarbeiten. Ein sehr starker Vorwurf, der einher geht mit einer Analyse von Mitgliedern der Putin-nahen „Volksfront“ und ihrem Auftreten in sozialen Netzwerken. Darin steht (bei einigen), dass sie nicht in Kaliningrad wohnen, sondern in Königsberg. Und gerade diese „Königsberger“ Russland-Patrioten erzählen dem einfachen Bürger, dass sie ihre russische Heimat lieben sollen.

Und die „Kaliningrader Wahrheit“ fragt: Dummheit oder Verrat?

Im weiteren erinnert der Artikel der „Kaliningrader Wahrheit“ an Ereignisse nach 1991. Viele Russlanddeutsche reisten, von Deutschland dazu ermuntert, aus der ehemaligen Sowjetunion aus und wollten ins gelobte Land – nach Deutschland. Eine ganze Reihe dieser Aussiedler nutzten Kaliningrad als Zwischenstation. Dann erkannte Deutschland, dass dies wohl doch nicht ganz das ist, was man in Deutschland braucht und begann diesen Prozess zu stoppen. Man förderte finanziell diejenigen, die sich bereit erklärten, in Russland zu bleiben. Kaliningrad, das ehemalige deutsche Ostpreußen, schien für die Neuansiedlung der Russlanddeutschen bestens geeignet. Und irgendwann entstand der Gedanke, man könne hier eine Autonome Deutsche Republik gründen. Und Viktor Hoffmann gehörte zu denen, die ein „Klein-Deutschland“ auf dem Gebiet Kaliningrad durchaus befürworteten. Um diesen Prozess zu fördern, engagierten sich einige Deutsche in Kaliningrad, investierten in Immobilien, bauten Siedlungen und betätigten sich im russischen Kaliningrad so, dass ihnen ein weiterer Aufenthalt verwehrt und eine Einreisesperre verhängt wurde. Eine Reihe deutscher Organisationen mit zweifelhaftem Geschäftsgedanken, wurde verboten und aufgelöst. Dann kam es vor rund sieben Jahren zu einer Neuausrichtung der Organisation der Russlanddeutschen im gesamtföderalen Maßstab und diejenigen, die eine neue deutsche Republik in Russland forderten, gerieten ins Abseits und gehen seitdem ihre eigenen Wege. So auch Viktor Hoffmann, der die Zusammenarbeit mit der neuen Organisation der Russlanddeutschen ablehnt. Er vertrat die Ansicht, dass man in Kaliningrad weiterhin „autonom“ arbeiten will und keine Zusammenarbeit mit der föderalen Organisation wünsche. Nun, das Problem hat sich jetzt erledigt, denn die „Organisation Hoffmann“ existiert nicht mehr. Es ist der föderalen Organisation der Russlanddeutschen gelungen, Ordnung auch in Kaliningrad zu schaffen.

Und die Zeitung „Kaliningrader Wahrheit“ stellt die Frage, ob es denn auch der Putin-nahen „Volksfront“ gelingt, in ihren Reihen die gleiche Ordnung zu schaffen, wie es die Russlanddeutschen geschafft haben, denn das Schicksal des Menschen Viktor Hoffmann in den Reihen der „Volksfront“ ist ungelöst. Und die Zeitung erinnert nochmals an das merkwürdige Verhalten von Vertretern dieser Putin-nahen Organisation und nennt Namen – so den des Leiters der Kaliningrader Filiale dieser Organisation.

Und die Zeitung stellt Vermutungen an, dass er vielleicht in irgendwelchen Abhängigkeiten stehen könnte, im Zusammenhang mit unternehmerischen Dingen, dass es Einflüsse aus dem Ausland geben könnte usw. usw. usw. Da gerät nun noch einer unter ziemlichen Druck – meine ich.

Ich vermute, dass wohl in der neuen Woche einige Beratungen in den Kaliningrader politischen und gesellschaftlichen Organisationen anstehen und man mögliche Beziehungen zu Viktor Hoffmann einer gründlichen Revision unterzieht. Ob er nach dieser Revision noch in der „Volksfront“ bleiben darf – ich habe meine Zweifel. Vielleicht nutzt aber Viktor Hoffmann auch all diese Ereignisse, um selber eine Revision seiner Handlungen vorzunehmen und nimmt Korrekturen vor. Für eine weitere führende Rolle im gesellschaftlichen politischen Leben in Kaliningrad ist es zwar zu spät, aber er will sicher auch weiterhin in Kaliningrad als Unternehmer aktiv bleiben. Und da ist es förderlich, wenn man einen guten Leumund hat. Bis der wieder hergestellt ist, wird es wohl ein wenig dauern und natürlich wird der russische Staat genau schauen, wer weiterhin mit Viktor Hoffmann zusammenarbeitet.

Der Artikel räumt auf, nennt konkrete Namen und weist Verantwortung (Schuld) zu. Die Genannten sind im Zugzwang. Wer heute nicht handelt, Position bezieht, wird vielleicht morgen weitere Fragen zu beantworten haben im Zusammenhang damit, dass man endlich in Kaliningrad, der russischen Exklave im Zentrum Europas, zärtlich umarmt von der Europäischen Union, hart an der Grenze zur NATO, Ordnung schafft. Und die Frage, die diesen Leuten gestellt wird, könnte lautet:

Dummheit oder Verrat?

Reklame

Deutsch-Russisches Haus, Deutsches, Diplomaten

   Kommentare ( 1 )

.g Radeberger Veröffentlicht: 23. April 2017 20:47:13

Da stellt sich bei mir aber die Frage, wo ist die Verbindung zu der damals "gammeligen" (?) Führung der Ostseeflotte, die die Einsatzbereitschaft dieser Flotte an der Nahtstelle zur Nato auf das Gröbste gefährdete. Was ja dann voriges Jahr berechtigterweise ziemlich rigoros beendet wurde. Die Militärs lebten doch nicht unter einer vom übrigen Kaliningrad abgetrennten Käseglocke. Und bestimmte Kreise der Oblast werden wohl auch die "Zustände" der Flotte mitbekommen haben.
Zu beachten wäre nämlich:
„Diverse Szenarien und außerordentliche Situationen, von denen wir in Schweden, Estland, Lettland und Polen in Bezug auf Handlungen Russlands und die potentielle Antwortreaktion der NATO gehört haben, sollten vom Pentagon unter die Lupe genommen werden.“ Die NATO sollte sich darüber klar werden, welche Rolle Kaliningrad mit seinem starken System der Luftabwehr spielen wird und wie die Allianz sie neutralisieren könnte, hieß es im Bericht. (Experten der US-Denkfabrik RAND)

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 23. April 2017 20:55:46

... ich glaube nicht, dass die ehemalige Organisation der Russlanddeutschen unter der Leitung von Viktor Hoffmann in irgendeinem Verhältnis zur Ostseeflotte stand. Das Gebiet hat einfach nur lange vor sich hin gedämmert und das föderale Zentrum hat sich nicht darum gekümmert. Nach 2014 ist dann den Leuten in Moskau endlich klar geworden, welche Rolle Kaliningrad spielt. Und nun kommt eben in sehr kurzer Zeit sehr viel Dreck an die Öffentlichkeit. Aber wichtig ist, dass man reagiert und wir sehen ja die vielen Personalveränderungen in der letzten Zeit und damit werden dann auch alle möglichen "Seilschaften" gekappt (hoffe ich).

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