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Das „Unvollendete“ und die „Sterbende“ - Kreuz über die Kreuz-Apotheke?

Mo, 30 Sep 2013 ... mit deutschem Akzent


Das „Unvollendete“ und die „Sterbende“ - Kreuz über die Kreuz-Apotheke?

Das „Unvollendete“ und die „Sterbende“ - Kreuz über die Kreuz-Apotheke?

 

Es gib wohl nur zwei Gebäude in Kaliningrad, die ständig im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und beide Gebäude machen sich in der letzten Zeit im Aufmerksamkeits-Rating Konkurrenz: Das „Haus der Räte“ und die „Kreuz-Apotheke.“

 

 

Beide Gebäude haben nur bedingt Gemeinsamkeiten: das „Haus der Räte“ kann man auch das „Unvollendete“ nennen und die „Kreuz-Apotheke“ die „Sterbende“. Um die Standhaftigkeit des „Hauses der Räte“ braucht man sich wenig Sorgen zu machen – auch wenn hierzu hin und wieder Gerüchte verbreitet werden. Um die Statik der kläglichen Reste der „Kreuz-Apotheke“ ist es alarmierend bestellt.

Es gibt eine Reihe von altdeutschen Gebäuden in Kaliningrad, die sich in bedauerlichem Zustand befinden und die von der Öffentlichkeit nur bedingt wahrgenommen werden. Zum Beispiel zwei altdeutsche Villen in der Thälmannstraße, gegenüber dem neuen Gebäude des deutschen Generalkonsulats.

 

 

Der Ort ist malerisch und trotzdem tut sich hier nichts – Null Aufmerksamkeit.

Oder einige Hochbunker in den Nordbergen, die den Ort verschandeln, aber mit ein wenig Phantasie (und Geld) einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden könnten.

 


Der Kreuz-Apotheke wird aber täglich mehr Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl es eigentlich unverständlich ist. Was macht dieses Gebäude so interessant? Es steht an sich nur noch die vordere Fassade, es gibt kein „dahinter“, die Straße, ehemals „Königsstraße 73 – 75“, heute Frunse-Straße bietet eigentlich nichts Anziehendes. Ein Stückchen weiter gibt es noch ein wunderschönes altdeutsches Wohngebäude und noch ein paar Meter weiter ist das Königstor – bestens restauriert und ein Anziehungspunkt für Touristen. Vermutlich ist es die erhaltene deutsche Inschrift die das Gebäude „anziehend“ macht …

Keine Ahnung, wie oft die Kreuz-Apotheke schon ihren Besitzer nach 1990 gewechselt hat. Der letzte Besitzer ist auf alle Fälle eine Tochterfirma (SchilPromStroi) der Baufirma „RossBan“. Diese Firma hat sich bereits seit Ende der 90er Jahre in Kaliningrad einen sehr guten Namen gemacht. Man widmete sich dem Straßenbau mit deutscher Qualität und Gründlichkeit. Straßen, die diese Firma instandgesetzt hatte, konnte man getrost für die nächsten …zig Jahre „vergessen“ – im Gegensatz zu Straßen die durch andere Firmen repariert oder gebaut worden.

Im Jahre 2002, vermutlich als „RossBan“ sich seines Erfolges in Kaliningrad sicher war, wollte man sich auch anderen Projekten widmen und kaufte von der Stadt dieses Gebäude. Es wurde ein Vertrag geschlossen. Die Details des Vertrages sind nicht bekannt. Aber vermutlich bekam „RossBan“ diese Ruine „für´n Appel und ´nen Ei“, denn zum damaligen Zeitpunkt waren die Immobilienpreise in Kaliningrad lächerlich gering und die Stadt war vermutlich froh, die Schrottimmobilie und somit eine Sorge los zu sein.

 

Eine der Verpflichtungen aus diesem Vertrag aber war, dieses Gebäude möglichst weit am ehemaligen Original wieder herzustellen.

 

 

Nichts von den Versprechungen wurde erfüllt. Seit dem Vertragsabschluss sind nun elf Jahre vergangen – Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs in Kaliningrad und Jahre, wo jede Firma, wirklich jede Firma in Kaliningrad viel Geld verdient hat – zumindest bis zum Jahre 2008. Und da sich am Gebäude der Kreuz-Apotheke nichts getan hat, beginnt bei mir der Gedanke zu reifen, ob „RossBan“ vielleicht nur mit unternehmerischer Weitsicht die Entwicklung in Kaliningrad hat kommen sehen und dieses Objekt speziell als Spekulationsobjekt gekauft hat – eben um es „irgendwann“ mit viel Gewinn weiter zu veräußern.

Wie kann man es sich sonst erklären, dass die Firma „RossBan“, deren Tochtergesellschaft das Gebäude erworben hat, sich nun aktiv einer Annulierung des Vertrages widersetzt? Die Firma hat bankrott angemeldet und es ist klar, dass ganz bestimmt an diesem Objekt nichts mehr getan wird.

Während im Jahre 2012 noch Gespräche „zur Klärung von Fragen“ mit dem Kaliningrader Bürgermeister stattfanden, so erklärte man Ende 2012, nach einem Ultimatum des Bürgermeisters, nun endlich beginnen zu wollen. Und wieder tat sich nichts. Jetzt hat die Stadt „die Faxen dicke“ und hat „RossBan“ verklagt.

 

 

Wenn „RossBan“ ein „Herz für die Stadt“ hat und niemals Absichten hatte mit dem Objekt zu spekulieren, warum stimmt man nicht einfach einer Vertragsannulierung zu, übergibt das Gebäude an die Stadt zurück (allerdings nun schon in einem schlimmeren Zustand als damals von der Stadt erhalten) und gibt somit dem Bürgermeister Jaroschuk alle Möglichkeiten sich wieder um einen neuen, realen Investor zu kümmern? Vielleicht ist doch noch etwas zu retten?

Bürgermeister Jaroshuk will unbedingt dieses Gebäude wieder errichten. Ihn treiben allerdings weniger die altdeutschen Erinnerungen, als vielmehr  seine Kindheitserinnerungen, als er mit seinen Eltern in der Nähe wohnte, und dort in einem kleinen Restaurant «sehr schmackhafte Pelmeni» gegessen hat.

Das Gebäude selber wurde nach 1900 gebaut, aber das Gebäude in dem die Kreuz-Apotheke untergebracht war, bereits im Jahre 1888. Es bestand aus insgesamt drei miteinander verbundenen Häusern im Jugendstil, hatte fünf Eingänge und wurde „Königs-Eck“ genannt.

Das Gebäude überlebte den Krieg in gutem Zustand und diente bis 1980 als Wohngebäude. 1987 wurde das Wohngebäude als baufällig erklärt, die Bewohner hatten es schon beräumt. Die von der Stadt geplante Restaurierung fand nicht statt. Es laufen Gerüchte, dass in den 90er Jahren das Gebäude durch einen Geschäftsmann gekauft wurde. Dieser verstarb einen Monat später. Dann, einige Jahre später fand sich wieder ein Käufer und auch dieser verstarb kurz nach dem Erwerb. Dann trat eine Firma als Käufer auf – eben „RossBan“, die nun bankrott ist … Wenn man diesen „Volksgerüchten“ Glauben schenken will, so scheint das Haus mit einem Fluch belegt zu sein.

Jetzt schlagen Experten verschiedene Varianten für eine Weiterverwendung des Gebäudes vor: Es könnte ein Theater werden. Die Fassade bleibt als Kulisse bestehen und im sogenannten Hinterhof finden Aufführungen statt. Es könnte auch ein Museum werden. Man könnte aber hinter der restaurierten Fassade auch ein modernes Wohnhaus errichten – wie es in Europa üblich ist. Eine Expertengruppe, bestehend aus Bewohnern der benachbarten Häuser haben einen ganz einfachen Vorschlag: „abreißen“.

Es lohnt sich eigentlich nicht über die verschiedensten Varianten nachzudenken. Die Kreuz-Kirche befindet sich im Eigentum einer Firma, die dieses Objekt nicht freiwillig hergeben will, zumal die Firma sich im Konkursverfahren befindet. Bis der von der Stadt angestrebte Rechtsstreit durch alle Instanzen gegangen ist, ist das Gebäude längst endgültig eingestürzt. Egal wer den Rechtsstreit gewinnt – er wird im Ergebnis nur einen Steinhaufen besitzen.

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