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Der Gouverneur hat verstanden: Mit Medien muss man differenziert arbeiten

Di, 05 Feb 2019 ... mit deutschem Akzent


Der Gouverneur hat verstanden: Mit Medien muss man differenziert arbeiten
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Medien sind einflussreich in Kaliningrad. Sie haben in der Vergangenheit schon häufig bewiesen, wie schnell sie in der Lage sind, Stimmungen und Meinungen innerhalb der Bevölkerung zu organisieren. Das gilt sowohl für positive, wie auch für weniger positive Stimmungen. Der Kaliningrader Gouverneur hat lange die liberalen Medien toleriert, bis er verstanden hat, dass auch Toleranz nicht grenzenlos ist.

Begonnen hatte wohl alles schon im Jahre 2015, kurz nach dem Wahlsieg des damaligen Gouverneurs Nikolai Zukanow. Im föderalen Zentrum bat man Zukanow, doch einen jungen Mann mit Namen Anton Andrejewitsch Alichanow zu sich in die Regierung zu nehmen. Und damit der Gouverneur Zukanow nicht zu lange nachdenken muss, welche Aufgaben er diesem jungen Mann aus einem föderalen Ministerium übertragen kann, wurde ihm empfohlen, diesen als Vizegouverneur einzustellen.

Und Anton Andrejewitsch, in den Kaliningrader Besonderheiten noch unerfahren, suchte natürlich Bekanntschaften, vielleicht sogar Freundschaften. Und nicht immer haben sich alle Bekanntschaften auch als gut herausgestellt. Berichtet wird, dass es sogar einen Journalisten gegeben haben soll, der sich in sein Vertrauen geschlichen hatte und dieses Vertrauen dann, zur erstbesten Gelegenheit, zum Nachteil des, in der Zwischenzeit zum Gouverneur avancierten, Anton Andrejewitsch, missbraucht hat.

Und es gab andere Journalisten und Medien, die prinzipiell in jeder Person und jeder Regierung immer nur das Negative suchen, Entscheidungsträger und Führungspersönlichkeiten provozieren und jede Schwachstelle oder jede nervige Reaktion ausschlachten, nur um Stimmung zu machen – Stimmung, die weder dem Land, geschweige denn der Region gut tut.

Dazu kommt, dass Kaliningrader Medien häufig kritisieren – rein des Prinzips wegen, denn die Kaliningrader Regierung muss kritisiert werden, selbst wenn es nichts zu kritisieren gibt, rein prophylaktisch. Aber wie man irgendwelche kritisierten Dinge anders, besser machen kann – nein, da kommen keine Vorschläge. Kurz – es gibt wenig Konstruktives in den Kaliningrader liberalen Medien.

Und so muss man sich nicht wundern, wenn dem Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow, der zunehmend an Sicherheit und angenehmen Selbstbewusstsein bei der Amtsführung gewinnt, irgendwann der Kragen platzt.

So berichtete das liberale Medium „newkaliningrad“, welches erst vor einem Jahr seinen sehr bekannten, sehr liberalen Chefredakteur unerwartet entlassen hatte, dass der Gouverneur immer mehr Regierungssitzungen für nicht öffentlich erklärt. Süffisant erklärt man dem unwissenden Leser in einem Beitrag, wie schön das doch mit der Pressefreiheit in den letzten 20 Jahren unter all den anderen Gouverneuren war und wie schlimm jetzt alles ist, unter dem jungen Technokraten Alichanow. Rund 70.000 Leser inhalieren diese meinungsbildenden Ansichten des Portals durchschnittlich täglich und tragen dann, durch die Mund-zu-Mund-Propaganda, zur Verbreitung der falschen Ansicht bei, dass Alichanow die Pressefreiheit einschränkt.  

Und nun hat Anton Andrejewitsch heute kundgetan, dass es kein Schweigeregime in Kaliningrad geben wird. Aber man werde sich genau die Journalisten anschauen, mit denen man Kontakt pflegen möchte und genau diese werde man auch zu verschiedenen Anlässen einladen und mit den notwendigen Informationen versorgen.

Es wurde ja langsam Zeit, dass auch im Bereich der Medien Ordnung geschaffen wird. Im vergangenen Jahr wurde bereits damit begonnen, aber die ersten signalgebenden Maßnahmen haben anscheinend nicht dazu ausgereicht, um die oppositionellen Medien zum Nachdenken anzuregen. Hier geht es nicht darum, dass die Medien nicht mehr opponieren sollen. Es geht einfach darum, dass sachlich, ehrlich und konstruktiv berichtet werden muss. Ich würde mir auch nicht mehr die Gäste einladen, die sich in meiner Küche den Magen vollschlagen und anschließend berichten, dass alles Scheiße geschmeckt hat … tschuldigung für diesen Fäkalienbegriff, aber gewisse Journalisten in Kaliningrad lieben Wörter und Begriffe, die Goethe und Puschkin zwar nicht fremd waren, aber von diesen nicht genutzt wurden.

Der Pressesprecher des Gouverneurs kommentierte, dass es kein Auswahlverfahren für Journalisten geben wird. Nichts werde sich am bisherigen Presseverhalten der Gebietsregierung ändern. Nun ja, das ist die Aufgabe des Pressesprechers, des Diplomaten der Gebietsregierung, so zu sprechen. Und in seinen weiteren Darlegungen, warum man zu dieser oder jener Maßnahme nicht eingeladen hatte, erklärte der Pressesprecher, dass dafür keine Notwendigkeit bestand, es waren reine Arbeitsbesuche des Gouverneurs, und dass man Vertreter der Medien „newkaliningrad“ und „rugrad.eu“ nicht eingeladen habe, habe nichts Hintergründiges.

Und man muss sich nicht wundern, dass Vertreter von „newkaliningrad“ mit diesen Darlegungen des Pressesprechers nicht einverstanden waren und das Verhalten der Gebietsregierung im Allgemeinen und des Gouverneurs im Besonderen wieder kritisierten. Man machte den Pressesprecher der Gebietsregierung darauf aufmerksam, dass es ein föderales Gesetz zur Pressefreiheit gebe. Und der Pressesprecher meinte, dass man dieses Gesetz kenne und im Rahmen dieses Gesetzes arbeite.

Und das liberale Portal „rugrad.eu“ wandte sich sogar schon an den Gebietsstaatsanwalt, um die Rechtslage in dieser Angelegenheit prüfen zu lassen.

Die Aufgabe eines Gouverneurs oder eines Präsidenten besteht nicht darin, dem gesamten Volk jeden Tag zu gefallen. Sie haben Entscheidungen im Interesse der Allgemeinheit zu fällen und umzusetzen. Und die Aufgabe der Medien besteht darin, diese Handlungen konstruktiv-kritisch zu begleiten. Und gerade Anton Andrejewitsch ist der Letzte, der sich einer konstruktiven Kritik verweigern würde.

Ach, ehe ich es vergesse. In der Vergangenheit hatte „Kaliningrad-Domizil“ mehrmals versucht, bei den liberalen Portalen „newkaliningrad“ und „rugrad.eu“ deutschlandkritische Artikel zu platzieren. Deutschlandkritische Artikel sind bei diesen beiden Portalen nicht gerne gesehen, dafür sind aber Vertreter dieser Medien bei deutschen Empfängen des Generalkonsulats, im Gegensatz zum Vertreter von „Kaliningrad-Domizil“, immer noch gern eingeladene Gäste, obwohl einige schon keine offizielle Stimme mehr haben.

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Gouverneur, Massenmedien

   Kommentare ( 1 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 6. Februar 2019 12:58:03

So ein junger Gouverneur ist ja schließlich auch nicht allwissend vom Himmel gefallen. Er wird wohl noch so manche Erfahrung in der nicht gerade einfachen Oblast KG machen müssen. Wie sagen die Russen immer: Budjet, budjet.

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