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Deutscher ist Bürgermeister in Königsberg

Do, 27 Sep 2018 ... mit deutschem Akzent


Deutscher ist Bürgermeister in Königsberg
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Als ich diese Information gelesen hatte, war ich mehr als überrascht. Aber die Nachricht ist völlig richtig und sachlich korrekt. Obwohl, um ganz korrekt zu sein und bei Unwissenden  Nachdenklichkeiten oder Irrtümer auszuschließen, hätte formuliert werden müssen:

Deutscher ist Königsberger Bürgermeister in Bayern.

Da ja, nach weitverbreiteter Meinung von deutschen Bürgern, Königsberg in Ostpreußen nach wie vor existiert und man einfach die geschichtlichen Fakten, die nach 1945 entstanden sind, nicht zur Kenntnis nehmen will und nur sehr wenigen bekannt ist, dass eine 3633-Seelen-Stadt mit der Bezeichnung Königsberg auch in Bayern existiert, kann es somit schon zu Irrungen und Wirrungen kommen – wenn man sich nicht korrekt ausdrückt.

Soweit zur Vorrede.

Nun zum eigentlichen Thema.

Am 25. September hatte ich einen Beitrag veröffentlicht, wo ich über Namensprobleme in der Stadt Kaliningrad informiert hatte. Es ging um eine Grünfläche im Stadtzentrum, die ehemals zum sogenannten Grünen Gürtel Königsbergs gehörte und die keinen Namen trägt. Die zuständige Kommission beschäftigte sich damit und man liebäugelte mit dem Namen „Ernst Schneider“ – einem deutschen Landschaftsarchitekten, der sich Verdienste um den Grünen Gürtel Königsbergs erworben hatte.

Aber was waren das für Verdienste?

Wikipedia informiert, dass Ernst Schneider aktiven Anteil daran hatte, dass die alten Befestigungsanlagen, über die die Stadt hinausgewachsen war, einer neuen, zivilen Zweckbestimmung zugeführt wurden. Teilweise wurden die Anlagen abgerissen, teilweise wurden sie begrünt.

Und Landschaftsarchitekt Schneider war in den Kriegsjahren bis 1945 verantwortlicher Direktor der Königsberger Gartenbaudirektion. In dieser Eigenschaft zeichnete er auch verantwortlich für die Tarnung von militärischen Objekten in der Stadt. Er erfüllte somit ganz normal die Aufgaben, die ihm der deutsche faschistische Staat stellte. Daraus kann man ihm wohl kaum einen Vorwurf machen.

Und, dass er im Ersten Weltkrieg in der kaiserlichen deutschen Armee gegen Russland gekämpft hat – auch das kann man ihm wohl nicht zum Vorwurf machen. Der Kaiser rief zu den Waffen und er folgte diesem Ruf.  

Aber warum soll man eine Grünfläche in der russischen Stadt Kaliningrad nun nach einem Mann benennen, der sein ganzes Leben in den Dienst SEINES Vaterlandes gestellt hat und nichts für Russland oder die Sowjetunion getan hat? Selbst die von ihm angelegten Grünflächen, für die ihn heute einige Verantwortliche in Kaliningrad hochloben, wurden zum Kampf gegen die Sowjetunion genutzt. Wer heute durch diese Parkanlage geht, sieht, dass sie voll unterkellert ist, mit Bunkereinrichtungen – darüber eine Grünfläche.

Also, mit den deutschen Namen in einer russischen Stadt sollte man sorgfältig umgehen.

Ach, ehe ich es vergesse. Wussten Sie, dass es noch einen Namensvetter von diesem Ernst Schneider gegeben hat? Der hieß auch Ernst Schneider, korrekt Hans Ernst Schneider, wurde 1909 in Königsberg geboren, studierte, promovierte 1935 in Königsberg, wurde Literaturspezialist, arbeitete ab 1938 in der Hauptverwaltung „Rassenpolitik“ der SS und war einer der Leiter des faschistischen Projektes „Ahnenerbe“ und SS-Sturmbannführer.

Nun stellen Sie sich mal vor, da reisen zu uns nach Kaliningrad Touristen, spazieren durch den „Ernst-Schneider-Park“, schauen bei Wikipedia nach, wer denn dieser Schneider war und da steht: „SS-Sturmbannführer in der Hauptverwaltung Rassenpolitik der SS“.

Es bedarf also schon etwas mehr, als nur dem Park den Namen Schneider zu geben – denn Schneider ist nicht Schneider.

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Deutsches, Germanisierung, Gesellschaft, Stadtereignisse

   Kommentare ( 2 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 28. September 2018 02:21:35

Es wird sich doch sicherlich in der nun mehr als siebzigjährigen russischen Geschichte von - Kaliningrad - ein Name für die Grünfläche finden lassen, der bitteschön rein gar nichts mit der wohl nun auch abgeschlossenen deutschen Geschichte - Königsbergs - zu tun hat. Gibt es denn keinen neutralen Namen, den man dieser Grünfläche geben könnte? Oder hat Kaliningrad keine Bürger in der Vergangenheit gehabt, die es - wirklich - verdienen würden, daß man ihrem Wirken damit ein "Denkmal" setzt?
Was passiert denn eigentlich mit den Bunkern darunter? Könnte man die irgendwie nutzen? Sind die begehbar? Kann man dort eine "Bunker"- Disco oder eine Champignon-Zucht, oder was ich, einrichten. Vielleicht ergibt sich dort ein Name?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 28. September 2018 07:39:29

... natürlich wird es einen russischen Namen geben. Schon während der nächsten Sitzung der Kommission - da bin ich mir ganz sicher. In Kaliningrad gibt es sehr viele dieser unterirdischen Bunkeranlagen.In einer dieser Anlagen war ein Restaurant - nun wieder geschlossen. Warum sich niemand findet für eine Zweitnutzung - keine Ahnung. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese Bunker Eigentum des Zivilschutzes sind. Dieser tut aber nichts mit diesen Bunkern, außer dass sie versiegelt wurden, weil früher diese Bunker Müllbunker waren.

Hauke Veröffentlicht: 28. September 2018 11:11:46

Ich will mich mal wiederholen,
Warum erinnert man nicht an die Ureinwohner bei so einer Namensfindung?
Verdient hätten sie es.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 28. September 2018 11:50:15

... da die Stadt und diese Grünanlage (so unvollkommen wie sie gegenwärtig noch ist) von sowjetischen (russischen) Bürgern wieder aufgebaut wurde (nach der zweiten Geburt ab 1946), wäre ein sowjetischer/russischer Name (nicht unbedingt personenbezogen) doch angebrachter.

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