Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Umfrage

Umfrage 16. Juni 2019
  • Wie viele Grenzübergänge hat das Kaliningrader Gebiet?

Zweite Umfrage 1. Juni 2019
  • Nahverkehr-Haltestelleninformationen in Kaliningrad in englischer Sprache?

Alle Umfragen

Deutsches Herz trifft russische Seele – im wahrsten Sinne des Wortes

Mo, 16 Jul 2018 ... mit deutschem Akzent


Deutsches Herz trifft russische Seele – im wahrsten Sinne des Wortes

Deutsches Herz trifft russische Seele - diese Losung stellt das „Deutsch-Russische-Friedenswerk e.V.“ als Titellosung auf seine Internetseite und trifft damit nicht nur die russische Seele, sondern wohl genau ins Schwarze. Die einschmeichelnde Losung ruft, bei genauerem Hinlesen, sicherlich bald russisch-gesellschaftlichen Protest hervor.

Wenn Sie die Internetseite des „Deutsch-Russischen-Friedenswerkes e.V.“ aufrufen, werden Sie wie folgt begrüßt:

Screenshort: Titelaufmachung der Internetseite des deutschen Vereins
 
Noch bis vor wenigen Tagen war diese Karte der Russischen Föderation ohne die russische Halbinsel Krim. Das fiel russischen Medien auf, deren Interesse an diesem deutschen Verein, der im "Königsberger Gebiet" ein deutsches Dorf bauen will, zu wachsen beginnt.
 
Der Verein hat reagiert und diese Karte auf seiner Internetseite geändert. Jetzt ist die Krim klar und deutlich als das zu erkennen, was sie ist: ein Bestandteil der Russischen Föderation.

Das ist aber auch das Einzige, was die Erbauer des deutschen Dorfes, mit deutschem Rathaus und deutscher Schule, geändert haben. Sie haben nach wie vor die Absicht, mit dem Geld deutscher Bürger, die ihnen und ihrer fachlichen Kompetenz vertrauen, dieses Dorf im „Königsberger Gebiet“ zu errichten – einem Gebiet, welches nicht existiert. Und Sie laden nach wie vor Interessierte zu einer Reise ein, um „Königsberg“ kennenzulernen. Sie wollen den Deutschen die „ostpreußische Sahara“ zeigen (gemeint ist Kurskaja Kosa mit seinen Wanderdünen), wollen eine Fahrt in die „Rominter Heide“ durchführen und die dunklen Wälder „Ostpreußens mit dem Lieblingsjagdrevier des letzten deutschen Kaisers“ zeigen.

Und irgendwann wird dann im Verlaufe der Reise wohl ein Informationsabend (oder auch Nachmittag) stattfinden, wo man deutschen Investoren vorschlagen wird, ihr Geld in den Aufbau eines Dorfes zu stecken.

Sind die deutschen Organisatoren dieses Vereins wirklich so naiv zu glauben, dass man ihnen in Russland die Türen öffnen wird, wenn sie sich verbal eines Wortschatzes bedienen, der in Russland wie ein rotes Tuch wirkt? Nicht Russland will die Deutschen ins Land holen (die Zeiten sind lange vorbei), sondern die Deutschen wollen kommen – angeblich, weil in Deutschland alles so schlimm und so schrecklich ist, dass man es dort nicht mehr aushalten kann. Und somit sollte man doch, wenn man wirklich ernsthafte Absichten hat, sich adaptieren – sowohl in der Wortwahl, wie auch insgesamt an die Dinge, die üblich sind in dem Land, dessen Gastrecht man gerne erhalten möchte.

Leider haben die beiden, namentlich bekannten Organisatoren des Vereins, bisher auf meine Interviewanfrage nicht geantwortet. Ich hatte ursprünglich 27 Fragen, die ich gerne stellen wollte. Ein Teil der Fragen hat sich erledigt, denn die Antworten darauf haben mir bereits andere interessante Gesprächspartner gegeben und es wird sicherlich die Zeit kommen, wo man diese Antworten veröffentlichen kann oder sogar muss.

Aber eine Frage hätte ich schon gerne gestellt.

Man will nämlich 4.000 oder 5.000 Hektar Land erwerben – die Zahlen widersprechen sich in verschiedenen Materialien die mir vorliegen. Aber Fakt ist, dass es sich bei diesem Land um landwirtschaftliche Nutzfläche handelt. Das bedeutet, darauf darf nichts gebaut werden – man kann Kartoffeln anbauen und einen Rinderoffenstall darauf hinstellen, mehr aber auch nicht. Um die Grundstückskategorie zu ändern, ist ein großer Aufwand zu betreiben und die Entscheidung wird durch die Gebietsduma gefällt. Und danach beginnt der bürokratische Prozess der Umwandlung in Bauland. Und diese Umwandlung kostet viele Millionen – Euro selbstverständlich, nicht Rubel. Haben die deutschen Investoren so viel Geld, um Häuser mit goldenen Dächern zu bauen?

Ach so, und vielleicht doch noch eine Frage.

Es sollen ja viele Treffen in der Gebietsregierung stattgefunden haben, sogar mit dem Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow. Üblich ist, dass es hierzu ein Protokoll gibt. Ich bin ja gespannt, ob man Kopien dieser Protokolle zur Reise in die dunklen Wälder Ostpreußens mitführt, denn es könnte doch sein, dass einer der Teilnehmer der Reise hierzu eine misstrauische Frage stellt.

Ach so, und vielleicht doch noch eine Frage, die ein Interessierter stellen könnte.

Immerhin will man im Königsberger Gebiet ein Firmenmodell nach irgendeinem Schweizer Vorbild organisieren. Nun, noch gilt ja in Russland die russische Gesetzgebung und so wird es wohl kaum möglich sein, unter dem Dach einer sogenannten „Holding“ viele andere Firmen zu gründen, die sich dann auf 5.000 Hektar Fläche landwirtschaftlicher Nutzung tummeln sollen. Nach den ersten Ablehnungen (Mehrzahl) von Firmengründungen durch die Kaliningrader Steuerinspektion, müsste doch den deutschen Aktivisten klar sein, dass Russland die Massengründung von Firmen nicht mehr zulässt – also Firmen, die in Russland als sogenannte „Ein-Tages-Firmen“ bekannt sind. Natürlich kann man versuchen, dass russische Steuersystem über komplizierteste Verschachtelungen auszutricksen, aber wie lange geht das gut? Und wie teuer wird das Erwachen? Schon jetzt sind gewisse Familiennamen und gewisse Firmennamen bei der Steuerinspektion auf der „Wachsamkeitsliste“. Na, was wird man Fragestellern antworten?  

Ach so, vielleicht doch noch eine allerletzte Frage, die jemand stellen könnte.

Gab es denn schon Geldüberweisungen nach Russland? Und sind die Gelder alle gut angekommen und können im Interesse der Gesellschaft arbeiten? Oder freut sich der russische Staat über Gelder auf Sperrkonten?

Vor kurzem wurde ich von einem Gesprächspartner gefragt, warum mich die ganze Angelegenheit interessiert. Und ich habe ihm geantwortet, dass ich an einer guten Reputation Deutschlands und der Deutschen in Russland interessiert bin. Es ist in den letzten Jahren schon so viel Porzellan zerschlagen worden, sowohl von staatlicher Seite, aber auch von einzelnen Deutschen, die sich nicht korrekt im Gastland verhalten. Da muss man nicht noch nachlegen. Und das Schlimmste wird aber sein, dass, wenn dieses Unternehmen „krachen“ geht (und davon bin ich nicht alleine überzeugt), die enttäuschten deutschen Investoren nicht über die deutschen Aktivisten ihren Unmut verbreiten werden, sondern über die bösen Russen und das böse Russland, denn Geld hat man in Russland verloren. Somit ist natürlich Russland schuld.

Hoffen wir, dass ein vergessener Rucksack in einer Bank und „plötzlich“ verschwundene Dokumente, die einzigen negativen Kleinigkeiten im Zusammenhang mit deutschen Siedlern im „Königsberger Gebiet“ bleiben. Und hoffen wir, dass die Familien der deutschen Aktivisten in Deutschland ihren Vätern den notwendigen Rücken freihalten, den diese für ihr Engagement im kaiserlichen Rominten brauchen.

Uwe Niemeier

Reklame

Germanisierung

   Kommentare ( 10 )

Frank Werner Veröffentlicht: 16. Juli 2018 22:16:43

@UEN
Leider gibt es genug Idioten. Vielleicht haben Sie es nicht verfolgt, aber in D'land gibt es auch einige, welche "Königreiche" gründen, mit eigener Krankenversicherung und eigener Bank und es gibt genug Dödels, welche dort umsonst oder kleines Geld arbeiten bzw. ihr Vermögen zur Verfügung stellen (mal nach Peter Fitzek googeln). Das ist letztlich hier nicht anders. Es handelt sich entweder um komplett verwirrte Geister oder Scharlatane, welche anderen ihr Geld abzocken wollen.

Frank Werner Veröffentlicht: 16. Juli 2018 22:34:19

@Ergänzung nach kurzer Recherche
Es gab schon einmal solch ein Projekt: "Das Deutsch-Russische Gemeinschaftswerk", gegründet von Manfred Röder und anderen Neo-Nazis/DVU (1993). Erwarben sogar Häuser etc in Kaliningrad. Erhielten dann bald Einreisverbot nach Russland. Aus dem "Deutsch-Russischen Gemeinschaftswerk" wurde das "Deutsch-Russische-Friedenswerk". Das Wort Reich etc. verkneift man sich jetzt. Nun ist man "Systemkritiker", "Paneuropäer" und man ist natürlich besorgt. Es sind aber die gleichen Nasen und die gleiche Ideologie.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 16. Juli 2018 22:47:47

... Sie schreiben, dass aus dem "Deutsch-Russischen Gemeinschaftswerk", das "Deutsch-Russische-Friedenswerk" wurde. Meinen Sie das wortwörtlich, also die Umbenennung einer Organisation oder meinten Sie das im übertragenen Sinne?

Frank Werner Veröffentlicht: 16. Juli 2018 23:00:54

Ob es eine einfache Umfirmierung war, kann ich nicht sagen. Es soll sich aber um die gleichen Leute/Strukturen handeln aus der Neonazi/Reichsbürgerszene.

Frank Werner Veröffentlicht: 16. Juli 2018 23:02:11

... Also schon wortwörtlich...

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 17. Juli 2018 02:55:10

Danke an Sie beide. Wirklich interessant, wie sich das alles so zusammenfindet.
Da kann ich nur wiederholen, ich hatte gleich so ein Bauchgefühl, welches sich noch ziemlich verstärkte, als ich auf deren "Friedenswerk"-Internetseite mich mal ein wenig informierte.
Ich glaube wohl kaum, daß je einer von diesen Herrschaften dem Gouverneur Alichanow auch nur die Hand gedrückt hat, da sie ja behaupten mit offenen Armen empfangen zu werden wie Merkels "Flüchtlinge".

Hauke Veröffentlicht: 17. Juli 2018 11:03:58

Was ist eigentlich so schlimm wenn sich Deutsche in Russland ansiedeln?
Die Geschichte hat doch x fach bewiesen dass das zum Vorteil von Russland war.
Es waren Germanen die den Grundstein für die Gründung von Russland gelegt haben.
Zar Peter holte Deutsche ins Land, diese hatten ua. bedeutenden Anteil an der Erforschung Sibirien s.
Als Zarin Katharina (eine Deutsche) deutsche Siedler ins Land holte machten diese das ihnen zugewiesene Land zu einer blühenden Landschaft.
Und auch in Forschung und Entwicklung wäre Russland ohne die Beteiligung Deutscher nicht da wo es heute ist.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 17. Juli 2018 12:43:05

Es ist gegenwärtig, wo sich Westen und Osten äußerst scharf gegenüberstehen, einfach nicht klug, westliche Leute ins Land zu holen, deren eigentliche Gedanken und Pläne man nicht einschätzen kann.

Es ist gegenwärtig, wo sich der Westen intensiv um Kaliningrad "Sorgen" macht, einfach nicht klug, in Deutschland unzufriedene Deutsche in das empfindliche Gebiet des ehemaligen Ex-Deutschlands zu holen.

Es ist überhaupt kein Problem für einzelne Deutsche, sich in Kaliningrad oder sonstwo in Russland niederzulassen. Aber ganze Siedlungen zu schaffen, dazu noch mit einer ausländischen (deutschen) Struktur, dazu noch durch Leute, die mit von ihnen verwendeten Gebietsbezeichnungen Russland provozieren - wozu braucht Russland neue Problembürger?

Frank Werner Veröffentlicht: 17. Juli 2018 17:04:22

@Hauke
Wären es eine normale Auswandererhilfe (wie nach Australien etc.) ist nichts dagegen zu sagen. Hier spielen aber die Hintergedanken eine gewaltige Rolle. Einer der Beteiligten rechnet intern sogar vor, wie die Zahlenverhältnisse Russen/Deutsche aussehen müssen und inwieweit eine "Vermischung" erlaubt ist und wann man das Gebiet übernimmt (Quelle Die Reise ins Reich: Unter Reichsbürgern von Tobias Ginsburg).

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 17. Juli 2018 21:32:54

Hauke
Veröffentlicht: 17. Juli 2018 11:03:58

"Was ist eigentlich so schlimm wenn sich Deutsche in Russland ansiedeln?"

Ich finde daran überhaupt nichts Schlimmes, wenn es dahin gerichtet ist, daß sich die Deutschen, egal ob nun nach Rußland, Italien, Polen, Bulgarien oder der Türkei an die dortigen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Gesetze halten.
Und Kalinigrad, ein Teil davon von ehemals Königsberg in Preußen, ist ja nun mal jetzt zu Rußland gehörig, andere Teile zu Litauen und Polen.
Wer in diesem Teil Rußlands sein Leben gestalten will, wird wohl erstmal die Hausherrn fragen müssen, ob er rein darf und wird versichern müssen, daß er die Hausordnung einhält.
Macht er das, wird´s wohl keine Schwierigkeiten geben. Dort, wo er herkommt, mußte er ja auch die Regeln befolgen. Ansonsten hatte er dort auch Schwierigkeiten.
Wenn es denn einer ist, der das Leben der Gesellschaft bereichert, wird er wohl auch mit Wohlwollen aufgenommen werden.

Hauke Veröffentlicht: 17. Juli 2018 23:27:32

Moment Moment,
In den Abkommen von Teheran und Potsdam wurde vereinbart das die deutschen Ostgebiete nur unter Verwaltung stehen. Eine endgültige Klärung muss in einem Friedensvertrag geregelt werden.
Den haben wir nicht.
Was das ehemalige nördliche Ostpreußen betrifft so wird es wohl in den nächsten 100 Jahren so bleiben wie es ist.. Anders gebe es wieder einen Koridor und was das bedeutet wusste auch Genscher als er Gorbatschow s Angebot ablehnte.

Frank Werner Veröffentlicht: 18. Juli 2018 07:46:53

@Hauke
Es gibt den Zwei-plus-Vier-Vertrag. „Ein zusätzlicher Friedensvertrag ist daher weder geplant noch machte er Sinn. Alles, was ein Friedensvertrag füglich enthalten sollte, ist mithin geregelt. Der Zwei-plus-vier-Vertrag ersetzt damit kraft seines auf mehr als Frieden gerichteten Inhalts jeden Friedensvertrag mit den Kriegsgegnern“ (Stern, Staatsrechtler)
Ein Friedensvertrag ist völkerrechtlich nicht die einzige Möglichkeit der Kriegsbeendigung. Diese kann auch durch einseitige Erklärungen, gestufte Teilregelungen oder schlicht durch faktische Wiederaufnahme der friedlichen Beziehungen erfolgen. Das bestehende Einverständnis findet sich im übertragenen Sinne in der Sprachregelung anstatt eines Friedensvertrages wieder; diese wurde auch getroffen, um u. a. eventuell noch nicht erledigte[n] Reparationsforderungen einzelner Drittstaaten nicht nachkommen zu müssen.

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an