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Die Gedanken sind frei ...

Mo, 12 Nov 2012 ... mit deutschem Akzent


Die Gedanken sind frei ...

Putin und Merkel – kein Zweifel, dass bei beiden „die Gedanken frei sind“. Jeder dieser beiden empfindet die Gedankenfreiheit auf seine Art und Weise.  Von der Einschränkung der „Freiheit der Gedanken“ kann Frau Merkel als Ost-Elblerin ein Liedchen singen. Und jetzt will Deutschland dieses Liedchen den Russen beibringen.

Bis vor wenigen Tagen war mir dieses Gedicht/Lied völlig unbekannt. Kein Wunder, denn als ostelbisch Geborener wurde mir diese Gedankenwelt nicht nahe gebracht. Wikipedia hat mich dann schnell auf den notwendigen Kenntnisstand gebracht.

Nahe gebracht wurden mir diese nachdenklichen Zeilen im russischen Kaliningrad, von einem Deutschen, der seinen 70. Geburtstag hier feierte und mich dazu einlud. Außer mir waren noch rund 35 andere, speziell aus Deutschland angereiste Gäste aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft anwesend und zwei bis drei Hände voll „Einheimische“ – Russen und Deutsche.

Eine harmonische Stimmung zwischen den Deutschen und Russen. Angenehm die Gespräche, der Gedankenaustausch, interessante Informationen und Anregungen. Und es tauchten – angeregt durch die „Freiheit der Gedanken“ – eben Gedanken auf, was man denn so gemeinsam machen könnte, damit es allen noch besser geht.

Und dann traten noch zwei Russen auf, ein älterer und ein junger – Lehrer und Schüler. Auf der Harmonika boten sie russische Musikklassik. „Kalinka“ – „ladno“, wie der Russe sagen würde, aber bei den „Moskauer Abenden“ kam dann doch schon eine sentimentale Stimmung auf, so ein Wohlfühleffekt, bei manchen wurden sogar die Augen ein wenig feucht.

Und dann trat der Jubilar auf und begann das Lied „Die Gedanken sind frei“ anzustimmen. Und alle Anwesenden sangen mit – für solche wie mich gab es eine Textvorlage. Da alle mitsangen, waren also die Deutschen und Russen einer Meinung – nicht wahr? Und wie wünsche ich mir dies nicht nur zu solchen feierlichen Anlässen.

Ein paar Tage später kam die Ernüchterung für mich. Die Verabschiedung einer Resolution im Bundestag zum Demokratieverständnis des freien Russland. Frau Merkel soll sie Herrn Putin im Auftrage des Deutschen Bundestages am Wochenende überreichen. Und da versuchte ich mich zu erinnern …

1945 bis 1989 hat Sowjetrussland (…tschuldigung für die unkorrekte Bezeichnung), den ostelbischen Deutschen „erfolgreich“ seine politische Meinung diktiert. Vielen Deutschen hat das nicht gefallen – sie wollten die „Freiheit der Gedanken.“ Und heute ist es irgendwie umgekehrt – zumindest habe ich den Eindruck. Deutschland will Russland diktieren, was man unter Demokratie zu verstehen hat und wie Russland sein gesellschaftliches und politisches Leben zu organisieren hat, was man der Opposition erlauben darf und was man verbieten muss. Mir fällt dazu das Wort „Bevormundung“ ein. Und wo bleibt da die „Freiheit der Gedanken“ für die Russen?

Ich kann und will hier niemandem Ratschläge geben. Und die Resolution des Bundestages ist sowieso nicht mehr aufzuhalten. Aber … „die Gedanken sind frei“ und deshalb denken wir doch mal darüber nach, was ein Russlandkoordinator nützt, der nichts mehr koordinieren kann zwischen Deutschland und Russland – eben weil die Russen nicht mehr mit ihm sprechen wollen. Schade um ungenutzte Chancen im Deutsch-Russischen-Verhältnis und schade um die filigrane Arbeit, die sich die deutschen Diplomaten in den Botschaften und Konsulaten in Russland machen, um das Klima auf gutem Niveau zu halten.

Ach, ich vergaß noch zu erwähnen – zwei Tage später erhielt ich eine Einladung zu einer russischen Hochzeit. Ich kenne die Familie und das Brautpaar seit vielen Jahren und „koordiniere“ die persönliche und berufliche Entwicklung der jungen Leute ein wenig in Kaliningrad. Anscheinend ist meine Art der Koordinierung den Russen angenehm, denn ich erhalte nicht nur Einladungen zur Hochzeit …

Und somit verbleibe ich mit meinen „freien Gedanken“ bis zum nächsten BLOG-Beitrag.

Uwe Niemeier

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Deutsches, Kaliningrad

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