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Die guten Deutschen in Kaliningrad – Fortsetzung unangenehmer Nachdenklichkeiten

Sa, 05 Nov 2016 ... mit deutschem Akzent


Die guten Deutschen in Kaliningrad – Fortsetzung unangenehmer Nachdenklichkeiten

Die guten Deutschen in Kaliningrad – Fortsetzung unangenehmer Nachdenklichkeiten

Natürlich ist es einem Deutschen angenehm, wenn ein Russe über die deutsche Kultur, die deutsche Ehrlichkeit, die deutsche Pünktlichkeit schwärmt. Wer hört schon nicht gerne Komplimente. Ich höre so viele Komplimente in Kaliningrad über Germania, dass es mir manchmal schon peinlich ist. Aber sind wir wirklich so superlativ? Aber viel wichtiger ist die Antwort auf die Frage: Sind alle guten Deutschen auch wirklich immer gut?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unseren Artikel vom 5. August 2016:

Wir schrieben in diesem Artikel über die guten Deutschen, die sich um Kaliningrader Kinder kümmern und über die misstrauischen Russen, die einfach nicht glauben wollen, dass es die Deutschen gut mit ihnen meinen. Der Artikel löste einige Emotionen aus, aber auf meinen schriftlichen Vorschlag an die deutsche Seite in Pinneberg, ihre Meinung auf meinem Portal zu veröffentlichen, erhielt ich keine Antwort.

Kommen wir somit zu anderen guten Deutschen, die uns in Kaliningrad helfen, das „ach so schwere Leben“ zu meistern, wie es der Ex-Diplomat in Kaliningrad Daniel Lissner mit seinen Worten im August 2014 im Deutsch-Russischen Haus formulierte:

Vor wenigen Tagen dachte ich noch, dass sich das Thema „Deutsch-Russisches Haus“ in Kaliningrad erledigt hat – aber dem ist nicht so und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum sich die Deutschen, inclusive der Russlanddeutschen, das Leben gegenseitig schwermachen. Mit einem tiefen Seufzer erinnere ich mich noch an die ruhigen Zeiten in Kaliningrad vor dem Jahre 2004 – da hatten wir zwar leider noch keinen gemütlichen „Trefftisch Deutschsprachiger“, aber auch noch kein deutsches Generalkonsulat.

Anfang der 90er Jahre fanden sich gute Deutsche die Geld gaben, um im Südosten des ehemaligen Königsbergs, in der ul. Jaltinskaja ein Deutsch-Russisches Haus zu bauen – eine Begegnungsstätte für Deutsche und Russlanddeutsche, eine Kultur- und Bildungseinrichtung. Zwischenstaatliche Vereinbarungen mit dem deutschen Innenministerium und russischen Behörden, aber auch interne Dokumente regeln die Tätigkeit der NGO „Deutsch-Russisches Haus“, legen Rechte und Pflichten fest.

Dem kleinen Kollektiv gelang es, mit aktiver Unterstützung der Verantwortlichen im deutschen Innenministerium, dem Haus einen angesehenen Platz in der Kaliningrader Gesellschaft zu sichern. Soweit ich informiert bin, gab es in der gesamten Zeit der Existenz des Hauses, immer eine verantwortungsvolle Sorge, insbesondere auch in personeller Hinsicht, seitens des deutschen Innenministeriums – was einer gewissen Logik entspricht, denn aus dieser Berliner Behörde kommt das Geld, welches für die Entwicklung des Deutsch-Russischen Hauses benötigt wird. Für mich nicht nachprüfbare Quellen behaupten, dass die „Deutsche Agentur für internationale Zusammenarbeit“ in den Jahren 2012-2014 mindestens 30 Millionen Rubel überwiesen habe. Ich habe keinen Zweifel, dass diese Gelder gut angelegt worden sind – naja, zumindest bis 2014. Die Zuwendungen aus deutschen Steuergeldern nach 2014 sind mir nicht bekannt. Aber auch der Zeitraum davor, begonnen in der Mitte der 90er Jahre, zeigte das Bemühen des deutschen Innenministeriums um eine umfassende Betreuung des Hauses. Jährlich flossen nicht unerhebliche Beträge aus deutschen Steuergeldern – aber die Arbeit des Hauses lief. Es gab keine Probleme – das deutsche Innenministerium scheint eine glückliche Hand in der Zusammenarbeit mit Kaliningrad zu haben.

Im Jahre 2014 scheint es dann einen Wechsel des Hausherrn im Deutsch-Russischen Haus gegeben zu haben – zumindest erscheint es mir als Außenstehendem so. Wir sprechen nicht über den Wechsel des Besitzers der Immobilie, sondern darüber, dass sich das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad anfing aufzuführen, als wären sie die Hausherren, obwohl diese Rolle doch, nach meinem Verständnis, eher dem deutschen Innenministerium zufällt, denn diese deutsche Behörde ist für die Betreuung des Hauses zuständig – wie mir deutsche offizielle Stellen mehrmals erzählten.

Das sich die Beamten des Auswärtigen Amtes als Hausherren zu fühlen schienen, zeigt sich darin, dass der damalige Vizekonsul für Kultur Daniel Lissner im August 2014 eine Gedenkveranstaltung nutzte, um, mit einer antirussischen politischen Hetzrede das Deutsch-Russische Haus in eine schwierige Lage zu bringen.


Die anwesenden Russen waren geschockt, aber der eigentliche Hausherr, der Präsident des Deutsch-Russischen Hauses Viktor Hoffmann zeigte nicht, wer Herr im Hause ist. Aber auch der selbsternannte neue Hausherr, die deutschen Diplomaten, zeigten keinerlei Fingerspitzengefühl oder Einfühlungsvermögen nach diesem Vorfall, obwohl doch gerade die Diplomaten hierfür ein besonderes Gespür besitzen sollten.

So fand wenige Tage später, wie in den Jahren zuvor üblich, zum „Tag der Deutschen Einheit“ ein Empfang in den Räumlichkeiten des Deutsch-Russischen Hauses statt. Nichts Besonderes meint man, eben wie jedes Jahr. Aber dem war nicht so. Denn im Unterschied zu all den Vorjahren, nahm erstmalig ein deutscher Militär, entsandt vom Militärattaché der deutschen Botschaft in Moskau, an dieser Veranstaltung teil. Warum?

Foto: Vertreter des deutschen Militärattachés an der deutschen Botschaft in Moskau im Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad im Jahre 2014
 
Feierlichkeiten zum „Tag der Deutschen Einheit“ tragen unzweifelhaft politischen Charakter. Jahrelang haben die russischen Behörden die Augen davor verschlossen und nichts gesagt. Und der neue „Hausherr Auswärtiges Amt“ entschließt sich, diese politischen Veranstaltungen fortzusetzen und auch noch Militärs einzuladen. Der eigentliche Hausherr, der Präsident des Hauses Viktor Hoffmann … wurde er gefragt, hat er etwas dagegen unternommen? Ob er gefragt wurde weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er nichts unternommen hat, um die Kontrolle über dieses Haus wieder zu erlangen, denn trotzdem sich die Situation um das Deutsch-Russische Haus im Jahre 2015 erheblich aufschaukelte, fanden die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 2015 wieder in der Jaltinskaja statt und wieder war ein deutscher Militär anwesend. Warum?
 
Foto: Vertreter des deutschen Militärattachés an der deutschen Botschaft in Moskau im Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad im Jahre 2015
 
Zu diesem Zeitpunkt hatte das Deutsch-Russische Haus schon mehrere Kontrollen hinter sich. Russische Behörden stellten fest, dass das Haus Veranstaltungen organisierte, wo Agnes Miegel, die Hitler-Verehrerin, im Mittelpunkt stand. Es wurde nicht registrierte deutsche Literatur in der Bibliothek des Hauses gefunden mit Artikeln, die gegen Russland gerichtet waren. Viktor Hoffmann antwortete amerikanischen Journalisten in den Wänden des Hauses auf provozierende politische Fragen … Niemand, also weder Viktor Hoffmann noch die Beamten des Generalkonsulates wollen gemerkt haben, dass sich das Haus langsam in Richtung „Suizid“ bewegt? Mir kommt der Vergleich in den Sinn, dass diese Feierlichkeiten, gemeinsam mit den deutschen Militärs, keine Feierlichkeiten waren, sondern einfach nur staatlich organisierte Sterbehilfe für das Haus.
 
Ich will mit meinen persönlichen Emotionen sogar noch einen Schritt weitergehen und werfe den Begriff „Instinktlose deutsche Diplomaten“ in den Raum. Warum?
 
Im September 2015 reiste der deutsche Botschafter Freiherr von Fritsch, ehemaliger stellvertretender Präsident des BND, nach Kaliningrad und sprach mit allen möglichen Leuten über die Situation. Angeblich wollte er mit seinem Besuch verhindern, dass dem Haus der Status „Ausländischer Agent“ zugeordnet wird. Aber dieser hochqualifizierte und allseits informierte deutsche Beamte sprach mit nicht kompetenten Leuten, die ihm vielleicht aufmerksam zuhörten, aber mit der Sache überhaupt nichts zu tun hatten. Erreicht hat er überhaupt nichts. Dass er sich um die Angelegenheit kümmerte und nicht ein Vertreter des deutschen Innenministeriums, das doch anscheinend wohl eine wesentlich glücklichere Hand in Kaliningrad hat und auch die eigentlich zuständige Behörde ist, scheint nur ein weiterer Beweis zu sein, dass sich das Auswärtige Amt als Hausherr in der Jaltinskaja schon recht wohlfühlte.
 

Die Untersuchungen liefen weiter und im April überschlugen sich dann die Meldungen in den russischen und deutschen Medien, dass das Haus nun „Ausländischer Agent“ ist. Diese Meldungen waren aber nicht korrekt, denn es liefen noch Gerichtsprozesse und das Justizministerium hatte das Deutsch-Russische Haus noch nicht in das Register eingetragen. Dafür wurde aber das „Hansebüro“, eine Vertretung des Landes Schleswig-Holstein im Mai als „Ausländischer Agent“ klassifiziert. Man kann über diesen Vorgang durchaus unterschiedlicher Meinung sein – ich persönlich glaube, dass es sich hierbei um lebenserhaltende Maßnahmen für das, vom Selbstmord bedrohte Deutsch-Russische Haus handelte, um helfende Hinweise für die guten Deutschen, doch endlich die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.

Und irgendwie schien es, als ob wirklich Bewegung in die Sache kommt, denn Ende September wurde gemeldet, dass es zu einer Reorganisation im Deutsch-Russischen Haus kommt und das Haus ab sofort die Bezeichnung „Russisch-Deutsches Haus“ trägt. Es schien also, als ob Viktor Hofmann endlich wieder der Hausherr ist und dies damit zum Ausdruck bringt, dass er das „Russische“ nun an erster Stelle stellt. Naja… ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn die neue Tafel am Eingang des Hauses zeigt, dass man sich wohl doch nicht so ganz sicher ist, wer denn in diesem Haus an erster Stelle steht:

Tja, so schnell stirbt es sich also auch in Kaliningrad nicht, insbesondere wenn die russischen Mediziner doch besser sind, als ihr Ruf. Aber es nützt der beste Mediziner nichts, wenn der Patient partout aus dem Leben scheiden will. Und so traten am 3. Oktober 2016 die Sterbehelfer aus dem deutschen Auswärtigen Amt wieder in Aktion.

Foto: Vertreter des deutschen Militärattachés an der deutschen Botschaft in Moskau im Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad im Jahre 2016
 
Als wenn nichts gewesen wäre, lief alles so, wie seit 2014. Was soll man dann noch dazu sagen?
 
Die zwei russischen offiziellen Vertreter, Frau Alla Iwanowa (zuständig für Außenpolitik in der Kaliningrader Gebietsregierung) und Herr Pawel Mamontow, Vertreter des russischen Außenministeriums in Kaliningrad, wetteiferten dann auch miteinander, wer die kürzeste und nichtssagendste Rede hält. 
 
Foto: Alla Iwanowa und Pawel Mamontow im Russisch-Deutschen Haus am 3.10.2016
 
Mir persönlich war dann klar, der Hausherr Viktor Hofmann hat die Kontrolle über das Haus und die darin stattfindenden Vorgänge vollständig verloren. Die guten Deutschen des Auswärtigen Amtes machen in Kaliningrad – zumindest in der Jaltinskaja das, was sie wollen und nicht das, was im Interesse der hier lebenden Deutschen und Russlanddeutschen ist.
 
Am 30. Oktober besuchte ich das Russisch-Deutsche Haus, um an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der politischen Repressionen in der Sowjetunion teilzunehmen und um darüber im „Kaliningrader Tageblatt“ auf meinem Portal unseren deutschen Lesern berichten zu können.

Prompt kommentierte unser ständiger Leser unter dem Pseudonym „trm“ folgenden Kommentar, bezugnehmend auf meine Meldung:

Screenshot: Internetseite Kaliningrad-Domizil
 
Und erst durch seine Frage fiel mir auf, dass kein offizieller russischer Vertreter anwesend war. Warum? Es ist doch ein offizieller Gedenktag!
 
Und dann erinnerte ich mich, dass rund zehn Vertreter der Organisation „Baltischer Vortrupp des russischen Widerstandes“ an dieser Veranstaltung teilgenommen haben, einer Organisation, die öffentlich erklärt, die Macht in Kaliningrad übernehmen zu wollen und die im Internet verbreitet, dass Putin und das gesamte politische System in Russland nicht legitim ist. Und ein Vertreter von „BARS“ trat, nach Genehmigung durch Viktor Hoffmann, sogar mit einer Rede auf:

Und vielleicht erklärt dies das Fehlen von offiziellen Vertretern – das offizielle Kaliningrad distanziert sich vom Russisch-Deutschen Haus.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung hatte ich ein vierstündiges Gespräch mit Viktor Hoffmann. Viktor Hoffmann versicherte, dass ihm diese Organisation „BARS“ nicht bekannt war. Man habe ihn angerufen und gefragt, ob eine Teilnahme an dieser Gedenkveranstaltung möglich ist und Viktor Hoffmann hatte nichts dagegen.

Ich kann Viktor nicht den Vorwurf ersparen, dass es, nach all den Vorfällen der letzten Jahre, seine Pflicht gewesen wäre, sich kundig zu machen – was relativ einfach ist, denn die russischen Medien berichten sehr intensiv über diese nazistische, extremistische Organisation. Im Gespräch nach der Veranstaltung hatte ich Viktor Hoffmann versprochen, über die Anwesenheit dieser Organisation nichts im „Kaliningrader Tageblatt“ zu berichten und habe mich auch daran gehalten. Wenn mir nun meine Leser zum Vorwurf machen, dass ich Informationen unterdrücke – ja, dann haben sie recht. Aber nachdem die Vertreter dieser Organisation sich mit Videos und anderen Informationen über diese Gedenkveranstaltung der Welt mitteilen, muss ich natürlich auch Position beziehen, denn ich war anwesend und mache mich durch schweigen unglaubwürdig. Und ich behaupte, dass Viktor Hoffmann auch in dieser Frage seiner Rolle als Hausherr nicht gerecht geworden ist. Er hätte reagieren können, auch noch am Tage der Gedenkveranstaltung, auch noch während der Gedenkveranstaltung. Er hat es nicht. Es bleibt abzuwarten, ob nun andere reagieren.

Wie es nun weitergeht, wie die russischen Behörden jetzt reagieren – ich weiß es nicht. Aber ich glaube, es wird Zeit eindeutig zu zeigen, wer Hausherr in der Jaltinskaja 2a in Kaliningrad ist – wenn es dazu nicht schon zu spät ist. Wir brauchen kein Ende mit Schrecken – wir Deutsche haben in den letzten zwei Jahren schon zu viel durch die unklugen Handlungsweisen deutscher Verantwortlicher eingebüßt. Viktor, zeige, dass Du der Hausherr bist, schaffe klare Fakten, trenne Dich von guten Deutschen, die in Wirklichkeit keine guten Deutschen, sondern Sterbehelfer sind - im Interesse der Sache, für die Du und Dein Kollektiv sich in den letzten, über 20 Jahren, aufgeopfert hast.

 

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   Kommentare ( 6 )

.g Radeberger Veröffentlicht: 5. November 2016 02:43:55

Hallo Uwe,
meiner Meinung nach darf man die Ereignisse in Kalinigrad nicht losgelöst sehen von den Ereignissen von 2013 und 2014 in der Ukraine. Es war eine konzertierte Aktion, die Ukraine in einem stillen Staatsstreich mit einem Präsidenten Janukowitsch als Gallionsfigur in den Westen "zu entführen". Das sollte bereits im Herbst 2013 stattfinden. Da Janukowitsch aber letztendlich Fracksaußen bekam, zog sich diese Aktion mit Plan B bis zum Februar 2014 hin. Die Drehbuchautoren des Putsches hatten aber nicht mit dem Widerstand der Krim und der russischsprachigen Ostgebiete gerechnet. Also, die Natopanzer direkt an der russischen Grenze fiel erst mal aus und auch die US und Natoschiffe in Sewastopol auch. Nun ging doch die ganze Sanktionsrunde mit den Obamaschen Drohungen los.
Die BRD als eifriges Natoland konnte natürlich nicht abseits stehen, auch nicht in den Außenvertretungen in Rußland. Deshalb ein Lissner, der sich nicht im Griff hatte. Man hat ihm sein geplantes sieghaftes Auftreten versaut, wo er und bestimmt auch andere sich einbildeten, daß Rußland nach der beabsichtigten Natoübernahme der Ukraine einknickt und Deutschland nun endlich mal zu den Siegern über Rußland gehört. Pech gehabt!
Ich kenne den Viktor Hoffmann nicht und möchte ihm auch nicht Unrecht tun. Aber er ist mehr oder minder ein offizieller Vertreter der BRD in der RF. Wissen Sie, welche Order oder welche versteckten Drohungen er bekommen hat, sich so zu verhalten, wie er sich verhält.
Er ist doch ganz bestimmt kein Dummkopf und macht sich so seine Gedanken, weshalb auf einmal ab 2014 das deutsche Militär zur deutschen "Einheitsfeier" im ehemals deutschen Königsberg Anwesenheit demonstriert. Diplomaten verstehen diese Geste. Wir sind schon da. Das Spiel ist noch nicht zu Ende. Die derzeit regierende ev. Pfarrerstochter, die in der DDR so sehr unterdrückt wurde, daß sie studieren, auch in der SU, und ihren ersten Doktortitel in Physik erwerben konnte, meinte doch auf dieser Basis den ehemals in der DDR stationierten KGB-Mann Wladimir um den Finger wickeln und sich gefügig machen zu können. Da hatte sie wohl den von ihm vorgeschlagenen Wirtschaftsraum Lissabon - Wladiwostock irgendwie falsch verstanden.
Als das nun so alles nicht klappte, kam der laute und wütende Ruf nach immer mehr Sanktionen gegen den Wladimir und seine Mitbewohner im großen und kleinen Land. Ich meine, daß der Viktor in diesen Strudel mit hinein gezogen wurde, auch mit eindeutigen "Hinweisen", wo er zu stehen hat. Glauben Sie nicht daran, daß der deutsche Außenamtschef Steinmeier etwa ein Sozialdemokrat ist, weil er der SPD angehört.
Ich meine, um diese Nazis müssen Sie sich keine Gedanken machen. Die betreffenden Leute werden darauf warten, bis sich diese braune Pest so richtig im Dschungel des russischen StGB verfangen haben, damit sich ein längerer Arbeitsaufenthalt im Straflager dann auch lohnt. Sonst werden doch die Fahrtkosten zu teuer.
Ich befürchte, ich bin wieder zu lang.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 5. November 2016 08:42:15

... es waren, mit Leerzeichen, 2.978 ...

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 5. November 2016 11:00:36

Da träumen wohl manche von einem Kalliningrader Maidan..oO, manche können es nicht lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Versuch nach hinten losgehen wird. Und der Herr Hoffmann ist grenzenlos naiv??

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 6. November 2016 03:05:20

Vielen Dank für die erhellende und ehrliche Berichterstattung. Ich möchte mich nicht an den o.g. Theorien beteiligen, denn ich finde, dass die Nachfahren (so wie ich) des ehemaligen Ostpreußens mit Blick auf die Verwerfungen des verbrecherischen Krieges gegen die Sowjetunion, eine heilsam geschärften Blick auf die jetzige historische Situation in Kalinigrad haben, und demzufolge den jetzigen russischen Bewohnern Ostpreußens wohlgesonnen gegenübertreten. Eint doch alle die Erfahrung des Krieges und der Vertreibung/Umsiedlung.

Auf deutscher Seite entsteht das Problem, dass die Erfahrungen der Profis der Entspannungspolitik (Willi Brandt, Egon Bahr bis hin zu Helmut Kohl) nicht mehr Einfluss in der deutschen Au?enpolitik gegenüber Russland haben. Hier führen jetzt so dumme Leute wie Stoltenberg (Nato) oder Künast (Grüne) und Claudia Roth (Grüne) ihr unbedachtes Wort. Nebenbei auch in Deutschland nicht unkommentiert. H. Broder bezeichnet Claudia Roth als 200 Pfund fleischgewordene Dummheit. Wie gesagt, diese Politiker hängen an den Zitzen der amerikanischen Wirtschaft und erfüllen im vorauseilenden Gehorsam amerikanische Wünsche ... zum schämen.

Frage: wie kommen die deutschen Militärs überhaupt über die Grenze? Uns war es früher verboten mit Uniform in ein fremdes Land zu reisen, es sei denn wir wurden von den Vertretern des Landes als Militärs eingeladen.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. November 2016 08:53:51

... diese deutschen Militärs befinden sich in Moskau in der Deutschen Botschaft und sind ganz offiziell akkreditiert, so wie auch der Botschafter und das übrige Personal. Zwischen Moskau und Kaliningrad gibt es sehr viele Flugverbindungen ... also man muss keine Grenze passieren ... Als Diplomaten können sich diese Militärs auch ungehindert bewegen - in Uniform.

Peter Z. Ziegler Veröffentlicht: 6. November 2016 06:21:21

Mit "Königsberg" verbinde ich (Jg. 1947) Teile meiner antirussischen Erziehung in einem südwestdeutschen Gymnasium in den Jahren 1957 bis 1965. Ich habe mich als Schuljunge gegen die Horrorgeschichten ostpreussischer Lehrer gewehrt, erduldete in dieser Adenauerzeit Mobbing und bekam den Spitznamen "Chruschtschow". Ich habe mich gewehrt und nannte im Gegenzug die Leibspeise der ostpreussischen Flüchtlinge "Kaliningrader Klopse". Nachts hörte ich unter der Bettdecke Radio Moskau. Mit 16 war ich reif für eine Vernehmung beim Verfassungsschutz. Nie im Leben hätte ich mir als ausgewiesener Antifaschist vorstellen können in dieses "Traumland aller Vertriebenen und Entrechteten" nach Ostpreussen zu reisen. Ich bekam schon Zustände wenn ich den Akzent hörte. Jetzt, mit fast 70, bin ich neugierig und toleranter geworden. Das verdanke ich dem Kaliningrader Tageblatt und meinem Journalistenkollegen Niemeier. Mein Kompliment für seine Arbeit, vor allem für seine Berichten über das "Russisch-Deutsche Haus". "Chapeau!", sagen wir in der Schweiz. Vielleicht schaffe ich es trotz meiner Lungenkrankheit doch noch einmal das mir so verhasste "Königsberg" zu besuchen. Herzliche Grüsse aus Basel.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. November 2016 08:51:06

... ich empfehle die Zeit Mai bis Oktober für einen Besuch. In den letzten Jahren hat sich sehr viel in der Stadt getan, aber wir haben noch für viele Jahre Arbeit vor uns. Und im Sommer ist die grüne Stadt gegen unsere grauen Ecken besonders gnädig ... Ich könnte vielleicht auch das Jahr 2018 zur Fußball-Weltmeisterschaft empfehlen. Aber das Menschengewimmel ist vielleicht auch nicht jedermanns Geschmack.

Was die Angelegenheit rings um das Russisch-Deutsche Haus anbelangt, so sehe ich da nicht so besonders optimistisch in die Zukunft. Ich habe immer noch keine so richtige Erklärung, was man eigentlich von deutscher Seite will. Es wäre sehr schade, wenn das Haus seine Tätigkeit einstellt ... und meine Phantasie ist ausreichend groß um mir vorzustellen, was in deutschen Medien dann geschrieben wird.

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 6. November 2016 15:00:50

@K-W Paulson: Ich glaube nicht, dass das Problem darin besteht "dass die Erfahrungen der Profis der Entspannungspolitik (Willi Brandt, Egon Bahr bis hin zu Helmut Kohl) nicht mehr Einfluss in der deutschen Außenpolitik gegenüber Russland haben". Die dt Aussenpolitik ist berüchtigt dafür, überall in Europa obskure völkisch/ethnisch orientierte Bewegungen/Organisationen zu fördern. Und zwar schon lange und ohne wirklichen Bruch nach WK2. Ich erinnere mich an einen Bericht anfang der 2000Jahre über die Förderung von Aktivitäten ausgewiesener dt. Neonazigrössen in Kaliningrad durch das AA. Möglicherweise ist dieser "Jungspundhaufen" Baltischer Vortruppblabla und deren Einstig in die Öffentlichkeit gerade im "Russisch-Deutschen-Haus" ja ein Ergebnis dieser Arbeit. Würde mich jedenfalls nicht wundern.

.g Radeberger Veröffentlicht: 6. November 2016 21:34:52

"Ich habe immer noch keine so richtige Erklärung, was man eigentlich von deutscher Seite will."

Uwe, sie, die deutsche Seite, wollen provozieren. Um jeden Preis! Das sehen Sie doch schon an dem umgedeuteten Eingangsschild. Russisch - so, Deutsch -so. Das ist doch kein Versehen.
Die offizielle deutsche Seite hat doch gar kein Interesse mehr daran, dieses Haus offen zu halten. Dieses Haus ist wohl objektiv noch ein Ort, wo man miteinander sprechen kann. Wo man Meinungen austauscht und Mißverständnisse und Standpunkte klären kann. Das ist aber für das offizielle Deutschland sehr gefährlich. Es unterwandert die befohlene Isolation Rußlands.
Es wäre zu "schön" für die deutsche Seite der Politik und des Atlantikbrücken-geprägten Mainstream, wenn dieses Haus, aus welchem Grunde auch immer, von russischer Seite ge-"schließen" würde. Da würde sich so richtig schön Hetze damit betreiben lassen. Was würden sich doch diese üblichen Verdächtigen von Presse, Rundfunk und Fernsehen, unterstützt von schauspielerisch geschulten Politikern, Empörung heuchelnd, über diesen Akt gegen die Völkerverständigung tagelang aufregen. Und das dosiert über Monate hinweg immer wieder.

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