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Die Kaliningrader Träume von ausländischen Investoren

Di, 29 Mai 2018 ... mit deutschem Akzent


Die Kaliningrader Träume von ausländischen Investoren

Begleittext zum Videobeitrag:

Kaliningrad hat immer von ausländischen Investoren geträumt. Und die statistischen Zahlen, die immer wieder mal vorgelegt worden sind, waren beeindruckend.

Auch deutsche Investoren soll es Hunderte und aber Hunderte gegeben haben – sagte mal die Steuerinspektion und verwies auf ihr vorliegende Firmenregistrierungen. Zu den wirtschaftlichen Ergebnissen äußerte sich die Steuerinspektion nicht. Und wenn man mal versucht hatte, diese Firmen zu besuchen oder anzurufen, dann stellte man fest, es waren Papierfirmen. Irgendwann mal gegründet, aber niemals aktiv.

Von all den Deutschen – ausnahmslos – die in meiner Beratungsagentur in den letzten 20 Jahren gesessen haben, um sich eine Erst- manchmal eine Zweitkonsultation zu holen, ist kein einziger in Kaliningrad geblieben. Nein, an der Beratung hat es bestimmt nicht gelegen, da bin ich mir mehr als sicher.

Dann habe ich mal vor rund einem Jahr gezählt, wie viele Deutsche denn in Kaliningrad überhaupt anwesend sind. Wir lassen mal die RusslandDeutschen weg, die ja doch Russen sind und nehmen nur die, die irgendwann nach 1991 nach Kaliningrad gekommen sind. Ich war damals auf eine Zahl von 23 Deutschen (plus/minus) gekommen, davon neun Diplomaten, die eigentlich auch nicht mitgezählt werden dürfen, denn sie sind weder Investoren noch ständig in Kaliningrad. Und in den vergangenen Monaten hat sich die Zahl der Deutschen in Kaliningrad weiter verringert – aus den unterschiedlichsten Gründen.

Aber es gibt auch Deutsche, die sich hier seit einiger Zeit etwas aktiver tummeln. Aber über diese Deutschen will ich heute nicht informieren. Eigentlich will ich überhaupt nicht über Deutsche informieren, sondern über Ausländer an sich, ausländische Investoren, um die sich Kaliningrad so intensiv bemüht – zumindest sagt man es.

Zu Kriegszeiten wird man wegen Defätismus erschossen. Zum Glück haben wir keinen Krieg und ich erlaube mir in Friedenszeiten Defätismus, wenn ich lautstark verkünde, dass es in Kaliningrad in den kommenden Jahren, sagen wir mal mindestens fünf Jahren, keine neuen ausländischen Investoren geben wird. Und ob die vorhandenen ausländischen Investoren bleiben, ist auch noch die Frage, wie es das merkwürdige Verhalten der deutschen Firma BMW zeigt.

Jeder Investor, der sich in einem Gebiet engagieren will, wird neben den wirtschaftlichen Voraussetzungen, sich auch um das allgemeine Umfeld kümmern. Und man wird feststellen, dass unsere Nachbarn, in deren liebevoller Umarmung Kaliningrad sich befindet, immer mal wieder, in dieser oder jener Form, das Wort „Blockade“ in den Mund nehmen. Deshalb tut ja Kaliningrad in den letzten Jahren auch einiges, um möglichst autonom leben zu können – z.B. zur Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, zur Energieversorgung.

Und wenn die Grenzen dicht sind – wohin will dann der Investor seine Erzeugnisse transportieren? Fähren gibt es nicht, Flugzeuge sind teuer und ein Tunnel zum russischen Mutterland muss auch Feindesland unterqueren. Man muss sich also in Kaliningrad auf Investoren konzentrieren, die ihre Waren und Dienstleistungen physisch nicht über die Grenzen transportieren müssen. Da kämen mir nur die IT-Branche in den Sinn und der Finanzsektor.

Und dann schauen wir doch mal auf die Organisation, die in Kaliningrad seit 2005 die ausländischen Investoren bündeln und vertreten soll. Das ist die FIAS – Assoziation der ausländischen Investoren im Kaliningrader Gebiet. Im Mai 2005 gegründet, hatte sie in Spitzenzeiten 43 Mitglieder. Auch nicht besonders viel. Damals, in der Gründungsphase war ich Leiter der Revisionskommission dieser Assoziation und wir hatten berechnet, dass, um einigermaßen leben zu können, die FIAS mindestens 50 zahlende Mitglieder benötigt, die bereit sind, einen monatlichen Obolus von 100 Euro in die Kasse zu zahlen.

Heute zeigt die FIAS auf ihrer Internetseite, dass es noch 21 Mitglieder gibt, davon befinden sich sieben Mitglieder im Vorstand. Und auch diese Zahl ist wohl nicht ganz aktuell – glaube ich zu wissen. Und vermissen tue ich in der Struktur, die die FIAS zeigt, die Revisionskommission. Noch vor wenigen Monaten gab es diese. Für mich ein untrügliches Anzeichen, dass die ausländischen Investoren, oder doch zumindest diese Organisation, kurz vor dem Aussterben sind. Schauen wir in den Menüpunkt „Neuigkeiten/Ereignisse“, so enden diese im April 2017. Da scheint zumindest die letzte monatliche Versammlung der FIFA stattgefunden zu haben.

Auch eine negative Entwicklung ist eine Entwicklung.

Aber Kaliningrad hat noch eine andere Unternehmervereinigung, den „Baltischen Geschäftsclub“. Der ist etwas älter als die FIAS und hat gegenwärtig 65 Mitglieder. Schau´n wir mal ab und zu hier vorbei, um zu sehen, was sich wohin entwickelt, um zu verstehen, wohin sich Kaliningrad generell entwickelt.

Uwe Niemeier

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   Kommentare ( 2 )

Georg Veröffentlicht: 29. Mai 2018 10:43:45

Solange sich Kaliningrad als die militärisch am besten gerüstete Gegend in Europa rühmen kann, wird sich die Situation mit den angrenzenden EU-Staaten niemals entspannen und das Blockadeverhalten eher noch zunehmen. Hinzu kommen ja noch die schlechte Infrastruktur, die überbordende Bürokratie, Korruption etc. und ich denke diese gewaltigen Hinternisse werden die meisten Investoren auch in Zukunft abschrecken. Da helfen keine Steuervorteile und KGD wird sich nach der WM wohl oder übel mit dem Dornröschenschlaf abfinden müssen. ,

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 29. Mai 2018 10:54:11

... und Sie meinen, wenn Russland aus dem russischen Kaliningrad seine Militärs abzieht, dann kommen im Gegenzug ausländische Investoren? Wissen Sie, auch dann werden keine Investoren kommen, da kommen Invasoren.

boromeus Veröffentlicht: 29. Mai 2018 21:30:18

Interessant wo von man in KGD alles so träumt .Avia Hub,zahlungskräftige Investoren.Tut man dafür auch etwas,oder diskutiert man nur? Oder hofft man vielleicht, dass die ganz plötzlich vom Himmel fallen?Und KGD zu Glanz und Ruhm führen?Schafft erstmal eine Basis ,die Investoren das echte Gefühl geben ,willkommen zu sein .Ein ausländischer Investor will sein Geld mehren und sich nicht mit fehlender, mangelhafter Infrarstruktur ,wie Transportwege,nicht ausreichene Energie- und Wasserversorgung oder mit behindernden administrativen Auflagen herumärgern wollen.Oder sich mit profitgierigen Nimmersatten herumschlagen ,die gauben vom Kuchen mitfressen zu können ,um sich dann am Ende vielleicht noch Germanisierungvorwürfen auszusetzten zu müssen.Mit Sicherheit nicht.Träumt man schön weiter...

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