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Die leisen und die lauten Töne beim Saubermachen in Russland

Mi, 30 Jan 2019 ... mit deutschem Akzent


Die leisen und die lauten Töne beim Saubermachen in Russland
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Die Mehrzahl der Russen, die aktiv am medialen Leben in Russland teilnehmen und die heute, am frühen Morgen, Nachrichten gehört oder gesehen haben, war vermutlich geschockt. Das, was im Föderationsrat vor sich ging, war einmalig.

Beginnen wir mit kurzen Erklärungen. Die Staatsduma ist in Russland das Gleiche wie der Bundestag in Deutschland. Aus dem Bestand der Staatsduma wird der Föderationsrat gebildet, die sogenannte Oberkammer der Duma. Jede der 85 russischen Regionen entsendet in diesen Föderationsrat zwei Vertreter: Ein Vertreter wird vom Gouverneur entsandt, der zweite durch die Regionalduma. Man sollte also davon ausgehen, dass es sich um die positive Elite der jeweiligen Region handelt.

Das es in der russischen Gesellschaft, in allen Schichten, kriminelle Elemente gibt, ist kein Geheimnis. Es wurde ein föderaler Minister, einer der mächtigsten Männer verhaftet, es wurde eine ganze Reihe von Gouverneuren verhaftet, von Verhaftungen und Verurteilungen in anderen Führungsebenen und staatlichen Organen, ganz zu schweigen.

Aber das ein Mitglied des Föderationsrates verhaftet wird, das gab es noch nie. Und das diese Verhaftung mitten während einer Sitzung des Föderationsrates stattfand, kommt weniger einer Sensation gleich, als wohl vielmehr einem Signal an viele andere: Es könnte das große Halali sein – oder wie heißt das richtig, wenn die Jäger zur Jagd blasen und das Wild zur Strecke zu bringen.

Ich versuche, die Ereignisse des heutigen Tages sehr komprimiert darzustellen, da die Vielzahl der Informationen für den deutschen Leser wohl kaum verständlich ist, unwirklich und wohl einfach phantastisch klingt. Ja selbst für einen Residenten der Russischen Föderation wie mich, der ich 30 Jahre eine durchaus bemerkenswerte positive Entwicklung in diesem Land beobachte – nun, zumindest seit dem Jahre 2000 – sind die heutigen Ereignisse einfach nur ein Schockerlebnis, war ich doch überzeugt, dass es so etwas in Russland nicht mehr gibt.

Es geht um das jüngste Mitglied des Föderationsrates – den 33jährigen Rauf Araschukow. Zum Zeitpunkt des Erhalts dieses einflussreichen Mandats war er gerade mal 30 Jahre alt.

Um sich an die Macht zu arbeiten, soll er gemordet haben – nicht nur einmal. Die seit Jahren im Stillen durchgeführten Untersuchungen, um Beweise gegen ihn zu sammeln, haben erbracht, dass er andere Verbrechen mit Körperverletzungen durchgeführt hat und dass er Gas in riesigen Mengen gestohlen haben soll. Weiterhin soll er Maßnahmen für einen Staatsstreich in seiner Region geplant haben, um die Macht an sich zu reißen. So etwas gab es noch nie in der Geschichte der Russischen Föderation.

Der Vater des jetzt verhafteten Senators, wurde ebenfalls verhaftet. Er ist der Leiter einer Tochtergesellschaft von GasProm in der Region Karaschajewo-Tscherkessk und ist verantwortlich für Gaslieferungen in andere russische Regionen. Er wird als Gaskönig des Nordkaukasus bezeichnet. Auch er wurde direkt im Office seiner Firma verhaftet. Er wird beschuldigt Gas im Wert von 30 Milliarden Rubel gestohlen zu haben. Das sind rund 400 Mio. Euro.

Interessant ist die Biographie des verhafteten Föderationssenators. Bereits mit 16 Jahren, ohne jeglichen Schulabschluss, arbeitete er in einer großen Gasfirma. Mit 18 Jahren begann er seine wilde politische Karriere, wurde Mitglied des Stadtrates von Stawropol ohne die Unterstützung irgendeiner Partei. Eine einmalige Sensation in diesem Alter in Russland. Und niemand hat dies bemerkt und hinterfragt. Seinen Hochschulabschluss machte er erst, nachdem er bereits drei Jahre Abgeordneter war. Wir fragen lieber nicht, wie dieser Abschluss zustande kam.

Mit 22 Jahren wurde er Minister für Arbeit und Soziales in seiner Heimatregion. Dann trat er der Partei Einiges Russland bei – die jetzt seine Mitgliedschaft eingefroren hat – und wurde mit nicht ganz 23 Jahren Leiter eines Kreises in seinem Heimatgebiet. 98,5 Prozent, wie zu besten sowjetischen Zeiten, erhielt er zur Wahl. Danach trat er eine Reihe hoher Funktionen in der Wirtschaft und in der Politik in rasendem Wechsel an.

Nebenbei organisierte er für sich eine Aufenthaltsgenehmigung für die Vereinigten Arabischen Emirate – wohl für den Fall aller Fälle. Diese Aufenthaltsgenehmigung endete im Februar 2017. Da er aber im September 2016 in den Föderationsrat gewählt wurde und es gesetzlich verboten ist, in dieser Funktion eine zweite Staatsbürgerschaft oder einen Aufenthaltstitel für einen anderen Staat zu haben, fälschte er die Aufenthaltsgenehmigung und datierte die Gültigkeit zurück auf August 2016. Somit hatte alles seine beste Ordnung.

Für viele steht die Frage, wie ein so junger Mann all dies bewerkstelligen konnte. War er alleine? Selbst mit Hilfe des Vaters sind all diese Dinge nicht machbar. Wer steht noch dahinter?

Russische Medien kommentieren, dass diese Verhaftung ein wichtiges Signal für die russische politische Elite ist. Das föderale Zentrum (sprich der Präsident Russlands) und die russischen Sicherheitsorgane, sprich FSB, Untersuchungskomitee und Staatsanwaltschaft, haben wohl zum großen Halali geblasen, um alle kriminellen Strukturen in den Führungsetagen des Landes zu zerschlagen.

Für die Weltöffentlichkeit wenig öffentlich erfolgte bereits die komplette Säuberung des Staatsapparates in Dagestan. In russischen Medien wurde fast täglich über die Verhaftung hoher und höchster Entscheidungsträger in dieser Republik berichtet. Der neu eingesetzte Gouverneur scheint dort, mit Hilfe föderaler Machtstrukturen, ganze Arbeit geleistet zu haben.

Ein wenig leiser – so scheint es mir zumindest – geht der Säuberungsprozess in Kaliningrad vor sich. Auch hier leistet der Gouverneur Anton Alichanow, mit seinen jetzt 32 Jahren, ganze Arbeit – allerdings unauffällig – eben die leiseren Töne.

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Duma, Recht und Gesetz

   Kommentare ( 3 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 31. Januar 2019 03:27:56

"Frisch auf zur Jagd! Vorbei die Nacht, laßt uns jetzt jagen!"
Das ist wohl das richtige Signal.

Es wird wohl noch eine Weile dauern bis dieses Signal ertönt:
Jagd aus, die Jagd aus!
Das Jagen ist zu Ende!

Halali

Da hatte wohl einer ganz große Ambitionen, eimal in Moskau oder Sotschi zu residieren.
Mal sehen, wer in den nächsten Tagen erst einmal gesucht werden muß, bis die Meldung von der Grenze kommt: Er/Sie hat den Flug ... nach genommen.

boromeus Veröffentlicht: 31. Januar 2019 09:47:18

...die Frage die sich stellt ist :Wie kann so etwas passieren und warum ist das bisher nicht aufgefallen?Wenn jemand für 400 Millionen Euro!!! Gast "abzwackt" dann muss er dort jede Menge Helfeshelfer
gehabt haben in allen Bereichen.Das wird ein Einzener,oder zwei kaum bewältigt haben,die Menge des Gases umzuleiten.Und die nächste Frage die sich stellt, wieviele Leute in der Verwaltung haben daran verdient ,oder haben zumindesten schlicht und ergreifend geschlafen.Der Schaden,der hier für die Volksgemeinschaft und den Staat entstanden ist ,ist gewaltig.Und darum sollte man die Jagd nicht beenden ,sondern nach der Sprache die uns Walter Frevert in KrasnoLesje/Nassawen lehrte: "Aufbruch zu Jagd" blasen ,damit die Hatz weitergeht,denn es ist noch jede Menge Beute zu machen .Um dann am Ende das Signal:" Sau tot" zu blasen und:" Jagd vorbei...Halali."Darauf ein dreifaches Waidmanns heil.....

ru-moto Veröffentlicht: 31. Januar 2019 21:52:46

Russlands Sümpfe sind so extrem groß, dass sie selbst bei den Russen bis heute noch nie dagewesene Schockzustände auslösen. Da wird die notwendige, säubernde Jagd wohl zu einer nie endenen Sisyphusarbeit ausarten... Ewig und drei Tage ist da noch zu wenig!

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