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Die Suche nach einem neuen Namen für Ex-Königsberg hat begonnen

Do, 05 Jul 2018 ... mit deutschem Akzent


Die Suche nach einem neuen Namen für Ex-Königsberg hat begonnen

Gedanken, ob der Name „Kaliningrad“ für eine moderne russische Stadt noch angepasst ist, haben sich in der Vergangenheit viele gemacht. Zu diesen „Vielen“ gehören ausländische Revanchisten, inländische Einflussbürger aber auch Personen, die an einer Modernisierung des Landes arbeiten. Das Thema ist insgesamt nicht einfach. Egal wer es anfasst, wird mit Widerstand rechnen müssen.

Die Festung „Königsberg“ kapitulierte am 9. April 1945. Einen Monat später, am 9. Mai 1945 kapitulierte Deutschland insgesamt. Es gab Beschlüsse der Potsdamer Konferenz und die wurden durch die Siegermächte umgesetzt. So wurde per Regierungsbeschluss durch die Sowjetunion Anfang des Jahres 1946 festgelegt, dass ein Teil Ostpreußens ab sofort zum sowjetischen Staatsgebiet deklariert wird. Es sollte die Bezeichnung „Königsberger Gebiet“ tragen. Die Gebietshauptstadt sollte „Königsberg“ sein. Wenige Wochen nach diesem Beschluss, verstarb Kalinin, das damalige sowjetische Staatsoberhaupt. Und so wurde dies zum Anlass genommen, den gerade begonnenen Prozess der Umbenennung neu zu starten. Aus dem „Königsberger Gebiet mit der Gebietshauptstadt Königsberg“, wurde das „Kaliningrader Gebiet mit der Gebietshauptstadt Kaliningrad.“

Parallel begann die Aussiedlung der wenigen Deutschen die noch in der Stadt und dem Gebiet lebten und die Neubesiedlung mit Bürgern aus der Sowjetunion. Stalin verhinderte mit dieser Entscheidung, dass sich eine „Heim ins Reich“-Bewegung wieder etablieren könnte.

Mir sind keinerlei Diskussionen um dieses Gebiet, geschweige denn um dessen Bezeichnung bis 1990 bekannt. Die Diskussionen, im wesentlichen aus dem Ausland, unterstützt von einer nicht sehr großen Gruppe von sogenannten „Einflussbürgern“ um den „verbrecherischen“ Namen der Stadt, begann erst nach 1991. Und seit diesem Zeitpunkt ist man auf der nichtstaatlichen Suche nach einem neuen Namen.

Deutsche sind natürlich der Meinung, dass die russische Stadt einen deutschen Namen tragen muss – ist ja auch logisch, denn die Stadt trug einige Jahrhunderte einen deutschen Namen.

Russen sind natürlich der Meinung, dass die russische Stadt einen russischen Namen tragen muss – ist ja auch logisch, denn die Stadt ist Kriegsbeute und somit steht Russland das Recht zu, für all die materiellen, finanziellen und menschlichen Verluste eine Entschädigung zu erhalten und diese Entschädigung mit einer „russischen Überschrift“ zu versehen.

Und es gibt eine ziemlich große Anzahl die der Meinung ist, dass sie keine Meinung hat – Hauptsache, man kann gut leben.

Als man in Russland noch an ein gutes Verhältnis zu Deutschland glaubte – ich glaube das war noch bis 2014 so, gab es in Kaliningrad sogar eine Arbeitsgruppe der Gebietsduma, geleitet von Ginsburg, einem liberalen Abgeordneten. Diese Arbeitsgruppe sollte die Umbenennung der Stadt vorbereiten. Als Zieldatum wurde der 22. April 2024 genannt. Sie erinnern sich? Das wäre der 300. Geburtstag des deutschen Philosophen gewesen. Diese Arbeitsgruppe existiert nicht mehr und Ginsburg ist auch kein Duma-Abgeordneter mehr. Vermuten könnte man, dass das Thema der Umbenennung der Stadt auch zukünftig nicht gänzlich vergessen wird. Ein geeignetes Datum könne der 300. Todestag von Kant sein – er starb am 12. Februar 1804.

Und so hat das föderale Informationsportal „REGNUM“ schon mal begonnen, Vorschläge einzusammeln für einen neuen Stadtnamen und einen neuen Namen für das Kaliningrader Gebiet.

Andrej Omelschenko, Mitglied der Gesellschaftskammer des Kaliningrader Gebietes unterbreitete den Vorschlag, der Stadt den Namen „Elisabethgrad“ (Elisabethstadt) zu geben und das Gebiet zukünftig als „Baltiski Krai“ zu bezeichnen.

Bei „Elisabeth“ ist natürlich nicht die britische Königin gemeint, sondern die russische Zarin Elisabeth, unter deren Herrschaft „Königsberg“ erstmals in den Bestand des russischen Reiches aufging. Damals war der Siebenjährige Krieg und dessen Folgen der Anlass. Damals befanden sich Königsberg und Ostpreußen nur vier Jahre in russischem Besitz. Elisabeth verstarb und der neue russische Zar – ein Liebhaber der Deutschen und von Geburt her selber Deutscher – räumte das Gebiet wieder. Ein Fehler, der wohl heute nicht wiederholt wird, trotzdem Putin seine Sympathien für Deutschland nicht verhehlt.

Michael Scherenkow, Leiter der russischen Gesellschaft für Kultur und Denkmalschutz im Kaliningrader Gebiet schlug vor, die Stadt in „Zargrad“, also Zarenstadt umzubenennen. Das Gebiet sollte „Porusje“ heißen. Der Google-Übersetzer liefert eine schreckliche Übersetzung dieses Begriffes … ich fürchte, eine Widergabe hier wäre unangebracht.

Der bekannte russische Blogger Dmitri Jewzutkin meinte „Zarenstadt“ und „Pribaltiski Krai“ wären eine gute Variante.

Zitiert wurde auch die Meinung eines Ausländers, Leiter der Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“, der vorgeschlagen hatte, das Kaliningrader Gebiet als „Kleinrussland“ zu bezeichnen, denn wo es ein großes Russland gibt, ist die Bezeichnung für das Exklave-Gebiet mit Kleinrussland durchaus gerechtfertigt. Und mit dieser Bezeichnung sind dann zukünftig auch alle Irritationen um eine Zugehörigkeit des Gebietes ausgeschlossen.

Uwe Niemeier

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   Kommentare ( 1 )

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 8. Juli 2018 11:57:04

Ich wär für Кёнигсберг ;-)

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. Juli 2018 12:02:08

... gesucht wurde aber nach einem russischen Namen. Sie haben also defacto keine Chance mit Ihrem Vorschlag.

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