Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Umfrage

Umfrage 16. Juni 2019
  • Wie viele Grenzübergänge hat das Kaliningrader Gebiet?

Zweite Umfrage 1. Juni 2019
  • Nahverkehr-Haltestelleninformationen in Kaliningrad in englischer Sprache?

Alle Umfragen

Frau Merkel, besetzen Sie Königsberg!

Mo, 16 Jun 2014 ... mit deutschem Akzent


Frau Merkel, besetzen Sie Königsberg!

Keine Sorge, liebe Leser, unser Informationsportal hat nicht seine Orientierung verloren und ich habe auch nichts „geraucht“, während ich den Artikel schrieb.

Aber es gibt in der Stadt Rostock, nebenbei bemerkt eine Partnerstadt von Kaliningrad, einen Opa Kurt. Dieser Opa Kurt veröffentlicht regelmäßig im Rostocker Journal seine Meinung. „Er“ hat da seine Kolumne und man lässt ihn da rumdrösen.


Grafik von "Rostock Journal"

 

Und am 14. März 2014 hatte Opa Kurt seine Forderung „Frau Merkel, besetzen Sie Königsberg!“ veröffentlicht.

Richtig, der Artikel ist schon etwas älter, aber doch nicht unaktuell, denn in der letzten Zeit hatte unsere Informationsagentur eine ganze Reihe von Treffen mit Menschen, die gerne „Meine Meinung …“ wissen wollten – und mir dann so ganz nebenbei auch „ihre Meinung“ mitteilten. Und wenn man so kompakt mit einem Thema konfrontiert wird, dazu noch in einer politisch sehr aktiven Zeit, wird man nachdenklich.

Opa Kurt schreibt (mit einer Fußnote: „p.s. Satire muss man können! Vor allem ab!“) folgendes (mit Bezug auf die Krim): 

"Ich denke, dass Putin am ehesten versteht, was er da macht, wenn man es ihm gleich tut. Wäre ich deutscher Kanzler, also wäre ich Frau Merkel,  ich würde die Enklave Königsberg besetzen lassen.

Das Völkerrecht wäre klar auf meiner Seite! Laut Völkerrecht ist es verboten erobertes Land zu behalten! Die Russen in Königsberg würde ich mit Werbematerial zuballern, den deutschen Sozialstaat lobpreisen, Russisch als Amtssprache erlauben, deutsche Pässe ausstellen und den deutschen Zweiflern würde ich sagen: “Das ist ur-deutsche Erde!”

Natürlich ist das Satire (bitterböse) und man könnte Opa Kurt mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln abtun, wenn es solche oder ähnliche Diskussionen nicht wirklich geben würde. Und „eine Sache“ fängt immer mit einzelnen Gesprächen an und, wenn es politisch gewollt ist, entwickelt sich „die Sache“ nach dem Schneeballsystem.

Erinnern Sie sich noch an die Veröffentlichung unseres Beitrages „Hände weg von Kaliningrad …“?

Da forderte ein ukrainischer Journalist die vollständige Blockade des Kaliningrader Gebietes. Wenige Monate zuvor, das muss so im Oktober 2013 gewesen sein, überlegte der litauische Außenminister lautstark, dass eine Blockade Kaliningrads ein geeignetes Mittel wäre, um die Russen zu bändigen. Und es gibt „private“ Überlegungen, ob man denn nicht mit den Russen ein Geschäft abschließen könnte – die Deutschen ziehen sich aus der Ukraine zurück (… eh, sind da Deutsche aktiv?) und im Austausch für das „Augen zudrücken“ durch Deutschland in der Ukraine-Frage erhält Deutschland Kaliningrad zurück. Tja, solche Gespräche gibt es und diese regen zum Nachdenken an.

Es stellt sich die Frage, ob all diejenigen, die „Kaliningrad, eh, Königsberg, eh Ostpreußen …“ heim ins Reich holen wollen, mal über die Gesamtkonsequenzen dieser Vorschläge nachgedacht haben. Ich glaube nicht! All diese Leute, die immer wieder diese Frage aufwerfen denken wohl, dass man einfach mal so 950.000 Russen, die im Kaliningrader Gebiet wohnen, rausschmeißen kann. Die werden dann über einen eiligst eingerichteten und von der NATO bewachten „Litauischen Korridor“ nach Russland gescheucht und danach kommen deutsche Beamte und deutsche Alt- und Neusiedler und schaffen wieder deutsche Ordnung in Ostpreußen.

Halt, Moment! Habe ich eben „Ostpreußen“ geschrieben? Aber das Kaliningrader Gebiet ist doch nur ein Teil des ehemaligen Ostpreußens. Ein paar Quadratmeter Ostpreußen sind heute litauisches Territorium und ein sehr großer Teil wird heute von Polen bewirtschaftet.

Grafik: www.ordensland.de

Und jetzt lassen wir bei unseren weiteren Überlegungen mal ganz einfach die Russen außen vor, vergessen wir sie einfach und schau´n, was Opa Kurt schreibt:

„Haach, wäre das nicht erfrischend? Stellt Euch mal die plötzliche Lebhaftigkeit in Europa vor.“

Von welcher Lebhaftigkeit spricht Opa Kurt? Natürlich von der Lebhaftigkeit Polens und Litauens, denn mit der Übergabe eines Teils von Ostpreußen an Deutschland entsteht eigentlich eine ähnliche Lage wie vor dem 1. September 1939 – erinnern Sie sich? Da begann der klitzekleine Zweite Weltkrieg, angezettelt von Deutschland, in dessen Ergebnis Deutschland nicht nur 10 Millionen Soldaten und zivile Bürger verloren hat, sondern auch große Teile seines Territoriums. Aus „Großdeutschland“ ist das heute große Deutschland geworden.

Wie also will Deutschland seine Exklave Königsberg versorgen? Da haben wir Glück, dass wir die Europäische Gemeinschaft haben und sich somit die Einrichtung eines Danzi… eh, Königsberger Korridors nicht erforderlich macht. Die Versorgungs- und Verwaltungsfahrten Deutschlands können ganz bequem und grenzenlos über die ehemaligen ostpreußischen Gebiete in Polen, hin zu Königsberg erfolgen und die Polen wissen ja, dass das heutige Deutschland ein ganz anderes ist als damals … Und sie brauchen keine Angst zu haben, dass irgendwelche Deutsche, die jetzt Überlegungen zum russischen Teil des ehemaligen Ostpreußens anstellen, dann auch beginnen über das polnische Ostpreußen nachzudenken. Und die Litauer brauchen auch keine Angst zu haben – man ist ja eine große europäische Familie und auch noch vereint in der NATO und wird sich gegenseitig weder ein Leid antun noch Gebietsforderungen erheben – oder? Nur gegenüber den Russen – da kann man Gebietsforderungen erheben, weil die Eroberung 1945 ungerecht war – meinen einige.

Nun schließen wir in unsere Überlegungen aber mal ganz schnell wieder die Russen ein und hören, was Opa Kurt so weiter parliert zum Thema, das Frau Merkel Königsberg besetzen soll:

„Und das Allerbeste ist, Russland könnte uns nicht mal angreifen. Wir sind in der Nato! Bündnisfall! Putin würde sich mit der kompletten NATO anlegen!“

Und Opa Kurt meint weiter: „ARSCHKARTE!“

Grafik: Der Strick ist ausgelegt - nur zugezogen ist er noch nicht

Und es steht die Frage, wozu das Ganze? Wozu diese ewigen Diskussionen um Kaliningrad/Königsberg. Wozu diese Gerüchte, das irgendwann mal ein sowjetischer General im Auftrage von Gorbatschow mit Deutschland verhandelt haben soll, auch Kaliningrad im Rahmen der Wiedervereinigung zurückgeben zu wollen? Und nun tauchen noch neue Gerüchte auf, dass sogar Jelzin mit Kohl verhandelt haben soll … Wozu also das Ganze?

Auch darauf hat Opa Kurt eine Antwort:

„… Aber allein, um mal wieder Schwung in die träge europäische Diskussionsmasse zu bekommen, wäre das eine echte Maßnahme.“

Also Opa Kurt will nur die trägen Diskussionen in Europa wieder beleben? Na, dann diskutiert doch ganz einfach mit Russland und nicht nur über Russland. Jahrelang hat man Russland öffentlich gezeigt, wie „unvollständig“ es ist, wie rückständig, wie unterentwickelt … Russland fühlt sich gedemütigt, ganz klar. Und heute merkt man, dass Russland ein Land ist, in dem Menschen wohnen, die selber am besten wissen, was für sie gut ist. Aber sie, die Russen, wissen noch viel besser, was nicht gut ist für sie. Und nicht gut ist eine Ukraine, die nicht als Brücke zwischen Ost und West funktioniert, sondern als weiteres wertvolles Stück Territorium, welches benötigt wird, um bei Bedarf eine Blockade um Russland verhängen zu können. Und die Russen wissen auch, dass alle Überlegungen rings um Kaliningrad, die zu einer Veränderung des Status-quo führen sollen, nicht gut sind.

Und somit zitieren wir noch einmal Opa Kurt mit seinem letzten Satz:

„Besetzt Königsberg! Ich wäre dabei! Ich kenne dort sogar noch die Ecken, wo man gut essen kann.“

Richtig, wenn sieben Millionen Touristen jedes Jahr das königliche Kaliningrad besetzen würden – das wäre der Traum nicht nur unseres russischen Gouverneurs Nikolai Zukanov und seiner Tourismusministerin – das wäre auch ein Signal, dass es Deutschen und Russen nur ums eins geht: Um ein gutes, interessantes, friedliches Leben miteinander. Also Opa Kurt, Hände weg von Kaliningrad!

 

Reklame

Deutsches, Gebiet, Kaliningrad, Königsberg, Massenmedien

   Kommentare ( 2 )

ru-moto Veröffentlicht: 4. April 2018 21:25:26

Dabei muss ich an den einstigen dt. Werbespruch (Kassetten-Hersteller) aus den späten 70er-Jahren denken: "Die Zeit vergeht, der Klang bleibt gleich".

Opa Kurt haben heute immer wieder neue Namen.

Steffen Görlich Veröffentlicht: 22. Juni 2018 08:59:29

Ich habe den Artikel von Opa Kurt nicht gelesen, vermutlich geht es ihm "nicht wirklich" um die Besetzung (die in Deutschland für fast alle Leute KEIN Thema ist), sondern um den Vergleich mit der Krim. Wie alle Vergleiche hinken, so auch der mit Kosovo.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Juni 2018 09:11:54

... Sie können den Artikel lesen, in dem Sie auf den Link klicken, den wir ziemlich zu Anfang des Artikels, gleich unter der ersten Grafik, eingestellt haben.

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an