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Geheime Vergiftung eines freigelassenen Verräters

So, 25 Mär 2018 ... mit deutschem Akzent


Geheime Vergiftung eines freigelassenen Verräters

Das wohl am meisten diskutierte Thema in den letzten Jahren ist „Russland“. Es wird in den letzten Tagen nur noch getoppt vom Thema „Russland ist ein Giftmörder“. Wenn es nach dem britischen Außenminister geht, müsste an Stelle von „Russland“ eigentlich der Name „Putin“ stehen.

Ehrlich gesagt, ich verstehe in dieser Angelegenheit – also der Vergiftung eines ehemaligen Angehörigen sowjetischer Sicherheitsorgane, einiges nicht. Nein, ich habe es völlig richtig formuliert, denn nach den neuesten Erkenntnissen, war Oberst Skripal gar kein Angehöriger der russischen Sicherheitsorgane. Wladimir Timoschkow, ein ehemaliger Schulkamerad von Skripal erzählte in einem Interview mit BBC News, dass Skripal, in einem Gespräch im Jahre 2012 mit ihm, die Meinung geäußert habe, dass er Russland nicht verraten habe, denn er habe keinen Treueeid auf Russland, sondern einen Treueeid auf seine Heimat, die sozialistische Sowjetunion abgelegt. Ein merkwürdiges Rechtsverständnis für einen gut ausgebildeten Offizier der Sicherheitsorgane, denn Russland ist international anerkannter Rechtsnachfolger der Sowjetunion … naja, man dreht eben die Tatsachen so, wie man sie braucht – das betrifft die Einzelperson Skripal, wie auch Ansichten eines Staates oder einer Staatengruppe, wie die gegenwärtige internationale Praxis zeigt.

Also, da ist ein Russe in England, seit 2010. Russland hat ihn nach England ausreisen lassen. Er war verurteilt wegen Landesverrat. Einen Verräter lässt man ausreisen, wenn er nicht mehr gefährlich ist. Dann besucht ihn seine Tochter Anfang März 2018 und wenige Momente nach einem Restaurantaufenthalt, werden beide bewusstlos in einem Park gefunden. Soweit der unstrittige Fakt.

Wenige Stunden später wusste man bereits, dass beide mit dem russischen Nervengift „Nowischok“ vergiftet worden sind. Wir wissen heute, dass es viele Varianten von „Nowischok“ in vielen Ländern gibt. Woher wusste man schon wenige Stunden nach dem Auffinden der Beiden, dass es sich um „russisches Nowischok“ handelt?

Beide Opfer leben heute noch. Wir wissen heute, dass dieses Nervengas tödlich ist. Einige Spezialisten sagen, es gibt kein Gegenmittel, das Gift ist absolut tödlich. Andere sagen, es gibt Gegenmittel, aber die müssen sofort eingesetzt werden, dann gäbe es eine Überlebensmöglichkeit, aber keine vollständige Herstellung der Gesundheit. Um aber ein wirkungsvolles Gegenmittel zu geben, muss man konkret wissen, welches Nervengas angewendet worden ist. Woher wusste man das in Großbritannien, wenige Stunden nach dem Anschlag?

Mich wundert, dass anscheinend bei den britischen Ermittlungen, nur die russische Spur untersucht wird. Zumindest wird in den westlichen Medien nur darüber geschrieben. Und ich kann mir ja nur eine Meinung über das bilden, was mir an Informationen zugänglich ist.

Nun braucht man auch keine andere Spur mehr zu verfolgen, denn es gibt keine anderen Spuren, außer der russischen. Darüber berichten die britischen Geheimdienste, deren Informationen natürlich geheim sind. Aber den verbündeten Staaten teilt man diese geheimen Erkenntnisse mit, die natürlich die Beweise auch nicht veröffentlichen, denn die sind geheim.

Nicht geheim ist, dass Russland schuldig ist. Und nach Ansicht des britischen Außenministers ist sogar Wladimir Putin konkret schuldig, denn er soll den Mordbefehl gegen einen nicht mehr gefährlichen, amnestierten russischen Ex-Agenten gegeben haben.

Mich würde interessieren, ob der britische Außenminister diesen Befehl gesehen oder gehört hat. Woher weiß er das? Haben die Briten einen „Guillaume“ im Vorzimmer von Putin sitzen?

Und die westliche Staatengemeinschaft erklärt nun, auf Bitten der britischen Regierung und auf der Grundlage von geheimen Geheiminformationen der Bevölkerung: „Der Russe ist schuldig“ und erwartet, dass die Bevölkerung das glaubt. Und irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bevölkerung der westlichen Demokratien wieder mal glaubt …

Jeder Ermittlungsbeamte, jeder Staatsanwalt und jeder Richter stellen in jeder Strafsache immer die Frage nach dem Motiv, denn das Motiv ist der Schlüssel zur Aufdeckung des Verbrechens.

Welches Motiv könnte Russland gehabt haben, einen Verräter, den es vor acht Jahren hat ausreisen lassen, gerade jetzt, zwischen Winterolympiade und Fußball-Weltmeisterschaft, wenige Tage vor der Präsidentenwahl, umzubringen? Hat man in Russland vielleicht festgestellt, dass die internationale Russland-Aufmerksamkeit nachlässt und man irgendetwas Spektakuläres braucht? Wenn dem so ist, so ist natürlich klar, warum Russland seine Visitenkarte in Form des „Nowischok Made in Russia“ am Tatort hinterlassen hat.

Aber so verkehrt ist der Gedanke gar nicht, dass die Russland-Aufmerksamkeit nachgelassen hat. Im Jahre 2014 hat man es geschafft, vermittels eines Staatsstreiches in der Ukraine, eine Situation zu schaffen, die Russland zu den bekannten Schritten (u.a. Krim) gezwungen hat. Die Ukraine war eigentlich nur der Vorwand, um endlich aktiver gegen das aufstrebende Russland vorgehen zu können. Endlich konnte man Sanktionen verhängen. Heute sieht man, dass die Sanktionen nur wenig bewirkt haben und auch die Ukraine überhaupt nicht die demokratische Entwicklung nimmt, wie man erhofft hatte. Die Ukraine, der Donbass, die Krim … alles Dinge, die für ein weiteres Vorgehen gegen Russland immer unattraktiver werden.

Syrien als Vorwand für neue Sanktionen zu nutzen, wird auch immer schwieriger, denn hier ist für alle ersichtlich, wie erfolgreich Russland in seinem internationalen und rechtlich abgesicherten Einsatz ist. Und, im Gegensatz zum Gift-Fall in Großbritannien, gelingt es Russland (bisher), immer die notwendigen Informationen rechtzeitig vorzulegen (oder nachzulegen), wenn Giftgaseinsätze durch den Gegner in Syrien geplant oder durchgeführt werden.

Man muss sich also etwas Neues einfallen lassen, um das Aufstehen Russlands aus dem temporären gesellschaftlichen Sumpf zu verhindern, zumindest aber zu erschweren und Russland in einen internationalen Sumpf zu stoßen.

Und warum soll man hierfür nicht einen ausgedienten sowjetischen Oberst nehmen, der seine Schuldigkeit gegenüber der britischen Seite getan hat – oder, wie man in Geheimdienstkreisen zu formulieren pflegt: … der abgeschöpft und ausgebrannt ist. Für Russland ist der Ex-Oberst seit seiner Enttarnung wertlos, für Großbritannien eigentlich auch, aber als Opfer gegen Russland hat er jetzt wieder hohen Wert – wenn auch unfreiwillig für ihn – da wird der Wertlose wieder wertvoll.

Mich erinnert dies alles sehr an den Abschuss des Flugzeuges MH17 über der Ukraine im Jahre 2014. Auch da wusste man bereits zu einem Zeitpunkt, als die Trümmer des Flugzeuges noch qualmten, dass es eine russische BUK war und es gab danach unzählige Beweise, die die westliche Welt präsentierte. Leider kann nun einer der Hauptzeugen, der Pilot eines ukrainischen Jagdflugzeuges, der in Verdacht steht, dieses Passagierflugzeug abgeschossen zu haben, nicht mehr befragt werden. Er hat vor wenigen Tagen Selbstmord begangen.

Ach, hatte ich eigentlich erwähnt, dass Ex-Oberst Skripal im Jahre 2012 einen Brief an Wladimir Putin geschrieben haben soll? In diesem Brief soll er Putin um vollständige Verzeihung gebeten haben und um die Möglichkeit, nach Russland, seiner Heimat, seinen Verwandten, seiner Mutter, seinem Bruder zurückkehren zu dürfen. Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten Putin kommentierte am Samstag: „Nein, so ist das nicht.“ Hm, also war es anders?

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Außenpolitik, Gesellschaft

   Kommentare ( 6 )

boromeus Veröffentlicht: 24. März 2018 17:56:15

Dieser Fisch stinkt gewaltig.Nun, die Tommys waren schon immer Meister der Kriegstreiberei.Man rühmt sich doch in sogenannten westlichen Demokratien der Rechtstaatlichkeit, in der die Unschuldsvermutung gilt.Nur sie gilt grundsätzlich nicht für Russia.почему?Man hat russ.Spezialisten den Zugang zu den Beweismitteln verwehrt und hat auch kein Interesse einer neutralen Aufklärung.Die Tatsache dass man schon die Antworten in der Schublade hat, bevor überhaupt analysiert wurde, sagt alles.Wie sagte J.G. schon. "Eine Lüge muss nur gross und unwahrscheinlich genug sein,dann glaubt man sie auch".Es geht meiner Meinung nur darum, solange zu provozieren,bis endlich die Hartliner ihre perfiden Vorstellungen eines endlichen Kräftmessens durchsetzen können.Das man versucht auch Deutschland in dieses miese Spiel hineinzuziehen ,zeigt welch Geistes Kinder dort in Brüssel und Berlin am Ruder sind.Gut das W.W.P so geduldig ist .Bewahre uns die Vorsehung vor jenen die,glauben Lunten zünden zu müssen..

Frank Werner Veröffentlicht: 24. März 2018 18:20:39

@UEN
Es ist schon merkwürdig. Schon wenn man sich die zetlichen Abläufe anschaut. Russland hat nämlich schon reagiert, bevor der Namen und irgendwelche Anschuldigungen öffentlich waren. Man denke auch an all die Anderen, wie Litwinenko. Dann die Äußerungen es russ. Präsidenten zum Thema Veräter und nicht zuletzt das erst einige Zeit alte russ. Gesetz, welches genau das erlaubt.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 24. März 2018 19:22:08

ja, so ist das in dieser Welt. Man interpretiert, wie man es braucht.

Und, helfen Sie mir bitte. Welches Gesetz erlaubt jetzt was?

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 25. März 2018 03:54:28

"Man denke auch an all die Anderen, wie Litwinenko."
Woran denken Sie so genau bei Litwinjenko? Daran, daß auch bei diesem Mordfall ausschließlich nur die "russische Spur" verfolgt wurde und es keinerlei Beweise dafür aber jahrelange beschuldigende Behauptungen gab und gibt. Daß selbst der Vater des Litwinjenko nicht der Ansicht ist, daß der von GB beschuldigte Russe nicht der Täter ist sondern er einen Freund des "verstorbenen" Beresowski verantwortlich macht. Ganz nebenbei, der beschuldigte Russe lebt noch und ist Mitglied der Gos-Duma. Die angeblich bis nach Moskau verfolgten Giftspuren, man überlege sich mal den Unsinn, würden die Schuld Rußlands beweisen. Aber von dem ehemaligen Freund Beresowskis aus den USA ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden, außer den Namen und daß er Jude sein soll.
Und die zeitlichen Abläufe schauen Sie sich bitte nochmals an. Da unterliegen Sie offensichtlich einer falschen Erinnerung.

Frank Werner Veröffentlicht: 25. März 2018 09:30:19

@UEN
Ein Gesetz, welches Tötungen im Ausland erlaubt.
@Radeberger
Mansche meinen ja, auch Trotzki habe nur zuviel mit dem Eispickel gekuschelt. Aber lassen wir das hier im Forum.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 25. März 2018 10:20:37

... ich kenne dieses Gesetz zur Tötung im Ausland nicht. Haben Sie irgendeinen Link für mich?

Und was Trotzki anbelangt - verwechseln Sie nicht die Zeiten. Ansonsten müsste ich mich auch an die Zeiten erinnern, wo die Amerikaner die Indianer ausgerottet haben oder aber an aktuelle Zeiten, wo die Amerikaner Menschen töten, die sie als Feinde Amerikas einstufen - ohne Gerichtsverfahren selbstverständlich.

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 25. März 2018 17:15:38

@FW: zu viel Bild geschnüffelt? oder woher nehmen Sie den Unsinn den Sie verbreiten und offenbar auch noch selbst glauben?

Die Engländer wollen offenbar mal wieder zur Lösung ihrer Probleme jene, die sie als Hindernis betrachten (EU, Ru) aufeinander hetzen. Wird aber diesmal nicht klappen, weil sie, Gott und Putin sei Dank, eine Seite nicht hinreichend manipulieren können. Und irgendwie scheinen sie ausserdem so verblendet zu sein, dass sie immer noch Glauben ihre Insellage würde sie im Falle einer Auseinandersetzung schützen. Na ja, bei dem Personal dort nicht wirklich verwunderlich.

ru-moto Veröffentlicht: 28. März 2018 01:02:26

[...an aktuelle Zeiten erinnern, wo die Amerikaner Menschen töten, die sie als Feinde Amerikas einstufen - ohne Gerichtsverfahren selbstverständlich...]

"We'll know our disinformation program is complete when everything the American public believes is false / Unsere Desinformation funktioniert, wenn alles, was die (amerikanische) Öffentlichkeit glaubt, falsch ist." [CIA-Direktor William Casey, 1981]

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