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Heute vor 72 Jahren – Die Umbenennung der Stadt Königsberg

Mi, 04 Jul 2018 ... mit deutschem Akzent


Heute vor 72 Jahren – Die Umbenennung der Stadt Königsberg

Auf den Tag genau, vor 72 Jahren, wurde die Stadt Königsberg in Kaliningrad und das „Königsberger Gebiet“ in Kaliningrader Gebiet umbenannt. Seit Beginn der großen Freiheit in den 90er Jahren, glauben Deutsche, aber auch Kaliningrader Einflussbürger, dass ein deutscher Name für eine russische Stadt besser ist.

Das Jahr 1946 war für Königsberg und das dazugehörige Territorium mit seiner Bevölkerung, ein sehr bewegtes Jahr. Zum einen wurde der Beschluss gefasst, die Stadt „Königsberg“ in den Bestand der Sowjetunion aufzunehmen und das dazugehörige Territorium des ehemaligen Ostpreußens wurde umbenannt in „Königsberger Gebiet“, mit seiner Gebietshauptstadt „Königsberg“. Und zum anderen wurde aktiv an der Aussiedlung der noch vorhandenen deutschen Rest-Bevölkerung gearbeitet.

Alles erfolgte auf der Grundlage von Beschlüssen der Potsdamer Konferenz. Die Sieger über das Land, welches in einem Jahrhundert für zwei Weltkriege und Millionen Toter verantwortlich zeichnete, hatten dies so beschlossen.

Auch heute noch, fühlen sich viele Ostpreußen bzw. ihre Nachkommen zu Unrecht behandelt, als man sie ausgewiesen hat und sie ihr Eigentum verloren. Aber die Alternative wäre gewesen, dass sie im Gebiet geblieben wären und die sowjetische Staatsbürgerschaft angenommen hätten, denn im Gegensatz zur sowjetischen Besatzungszone in Deutschland, wurde durch die Siegermächte beschlossen, dass Ostpreußen aufzuteilen und in den Bestand der Sowjetunion und Polens aufzugehen hat. Somit hätte die Bevölkerung die Staatsbürgerschaft wechseln müssen. Und danach wären diejenigen, die Besitz hatten, enteignet wurden – so wie es auch in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR erfolgte. Und vermutlich hätte dann auch eine Fluchtbewegung eingesetzt, so wie man dies aus der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland bzw. der DDR kannte.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, warum überhaupt die Aussiedlung der Deutschen durch die sowjetische Regierung beschlossen worden ist. Vermutlich hat sich Stalin erinnert, wie das Großdeutsche Reich mit seinem Führer den Auslands-Deutschen zu Hilfe geeilt ist, die sich plötzlich in dem Land bedroht gefühlt hatten, in dem sie viele Jahre als nationale Minderheit friedlich gelebt hatten. Sie dienten als Vorwand, für die Lösung des Problems „Volk ohne Raum“. Und Stalin wollte vermutlich mit der Totalaussiedlung der Deutschen eine Wiederholung der Geschichte vermeiden.

Mit Blick auf die heutige Situation in Europa und der besonderen Exklave-Lage des Kaliningrader Gebietes, muss man die damalige Entscheidung von Stalin schon fast als hellseherisch und weise bezeichnen – beurteilt vom russischen Standpunkt natürlich.

Ich versuche mir vorzustellen, was wäre, wenn es in Kaliningrad eine wirkliche „Deutsche Diaspora“ in nennenswerter Größe geben würde. Versuche, diese zu schaffen, gab es nach 1991 einige. So sollten Russlanddeutsche im Kaliningrader Gebiet angesiedelt werden. Zuerst war die Politik der Bundesrepublik nach 1991 darauf ausgerichtet, Russlanddeutsche nach Deutschland zu holen. Das Kaliningrader Gebiet diente als Transitbahnhof. Dann erkannte man wohl das „Problem Kaliningrad“ und versuchte langfristig, eine neue gesellschaftliche Situation zu schaffen. Dies gelang nicht, denn Russlanddeutsche haben sich in Kaliningrad nicht niedergelassen. Nur 7.800 Russlanddeutsche gibt es in Kaliningrad und diese verfügen über keine wirklich funktionierende Organisationsform.

Aber es ist das Problem der schleichenden Germanisierung geblieben, die, nach Worten des Kaliningrader Gouverneurs, durch die Arbeit von Einflussbürgern, unterstützt durch ausländische Staaten, vorangetrieben wird.

Und es gibt aktuelle Versuche von deutschen Bürgern, im Kaliningrader Gebiet, deutsche Staatsbürger in großer Anzahl anzusiedeln. Für diese Siedlungspläne sollen Deutsche gewonnen werden, die in Deutschland unzufrieden sind. Es darf bezweifelt werden – mal von den abenteuerlichen und unprofessionellen finanziellen und materiellen Planungen der deutschen Aktivisten abgesehen – dass Russland irgendein Interesse hat, hunderte oder tausende unzufriedener Deutscher im Kaliningrader Gebiet anzusiedeln, dazu noch in einer eigenen Siedlung. Eine Realisierung dieser Pläne würde die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz und die Politik des russischen (sowjetischen) Staates revidieren und daran ist Russland nicht interessiert.

Gefeiert wird heute nicht in Kaliningrad. Dafür begeht die Kalinin-Stadt aber am 20. Juli das jährliche Stadtfest. An eine Umbenennung der Stadt ist nicht zu denken. Wozu auch? Es gibt Wichtigeres als einen neuen Stadtnamen, der das Leben der Bürger in keiner Weise verbessern würde. Und das es Deutsche gibt, die nicht müde werden, eine Umbenennung der Stadt zu fordern - wen interessiert das in Russland?

Aber, wenn doch irgendwann mal darüber nachgedacht werden sollte, den Namen der Gebietshauptstadt zu entpolitisieren, so wäre ich dafür, der Siedlung „Jantarny“ (Bernstein) im Gebiet einen Tausch anzubieten. „Jantarny“ bekommt die Bezeichnung „Kaliningradskoje“ und die Gebietshauptstadt die Bezeichnung Jantargrad (Bernsteinstadt). Und das Kaliningrader Gebiet könnte man als „Malaja Rossia“ (Kleinrussland) bezeichnen, in Anlehnung an das russische Gebiet „Malaja Semlja“ (Kleines Land) – oder haben Sie noch andere Gedanken für diese russische Stadt und das Gebiet?

Uwe Niemeier

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Gesellschaft

   Kommentare ( 6 )

Dietrich Völker Veröffentlicht: 4. Juli 2018 18:11:23

Nun, das Säubern von "fremden" Bevölkerungsteilen hat ja eine lange Tradition. Auch der Hengst wird die Fohlen seines Vorgängers wegbeissen, damit ihm nichts in die Quere kommt.
Ich persönlich hatte eher den Eindruck in der Zeit seit 1992, in der ich dieses Gebiet regelmässig besuche, dass die Deutschen sich hier mit Germanisierung reichlich zurückgehalten haben. Und das Aufgreifen von irgendwelchen Sprüchen ist noch bei weitem keine Germanisierung.
Allerdings hatte ich in den frühen 90er Jahren eher den Eindruck, dass unsere polnischen und litauischen Freunde hier gerne mehr erreicht hätten. Die Übernahme des EU-Visaregime hat vielleicht einige ausgebremst. Die Nachwirkungen des polnischen Beleidigt-Seins kann man ja täglich an den Grenzübergängen zu Lande betrachten und auch erleben.
Zu der genannten Ansiedlung deutscher Bürger dort erwarte ich nun von Ihnen Zahlen, Daten, Fakten.
Dass "alte Ostpreussen" sich zu Unrecht behandelt fühlen, sollte nicht Thema sein!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 4. Juli 2018 18:32:07

Zahlen und Fakten habe ich im Verlaufe von drei Videobeiträgen bereits geliefert - ich hoffe, Sie haben diese mitverfolgt. Es sind weitere Veröffentlichungen zum gegebenen Zeitpunkt geplant.

Und was die von Ihnen nicht bemerkte "Germanisierung" anbelangt - ja, richtig. Für Besucher in Kaliningrad, die nicht über bestimmte Informationen verfügen, ist nicht alles sichtbar und schon gar nicht verständlich. Aber es gibt schon einige Dinge, die sich hinter den Kulissen abspielen ...

Dietrich Völker Veröffentlicht: 4. Juli 2018 18:43:03

Ich hoffe aber nicht, dass ich dieses abstruse "Deutsch-Russische-Friedenswerk" ernst nehmen soll?
Das ist ja schon offensichtlicher als der "Enkeltrick".
Und ich wundere mich immer wieder, wenn ich meine angeheiratete Verwandtschaft anspreche, wie wenig (eigentlich gar nichts) bei denen von der "Germanisierung" bemerkt wird. Manchmal denke ich, dass dieser Begriff eher Ängste schüren soll und Abwehrneurosen. Für mich erhebt sich dann allerdings die Frage, wer welches Interesse daran dann hat.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 4. Juli 2018 19:16:28

... ein Großteil der Kaliningrader interessiert sich nicht für Politik und auch nicht für das Thema Germanisierung. Aber es reicht auch aus, wie die vielfältigen internationalen Erfahrungen zeigen, wenn sich ein ganz kleiner Teil (Einflussbürger) dafür interessieren und eine Situation schaffen ... die es anderen ermöglicht, "einzugreifen" und Recht und Demokratie und Menschwürde zu gewährleisten.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 4. Juli 2018 19:42:45

"Allerdings hatte ich in den frühen 90er Jahren eher den Eindruck, dass unsere polnischen und litauischen Freunde hier gerne mehr erreicht hätten."
Da mögen Sie wohl Recht haben, zumal ja Litauen - damals - auch noch einen Streifen "Ostpreußen" abbekommen hat und heute noch zu seinem Staatsgebiet zählt.
Daß die Polen ganz große Kulleraugen bekommen, wenn sie sich so überlegen, wenn man .... hätte, dann könnte man doch den Litauern auch diesen Streifen abnehmen. Zumal die Polen und die Litauer sowieso in einem immer unter der Decke gehaltenen Gebietsstreit liegen aus der Zeit, als diese beiden vor vielen Jahren mal unter einem Herrscher zusammen gehörten.
Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt auch für die Litauer.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 4. Juli 2018 19:57:51

"Und das Kaliningrader Gebiet könnte man als „Malaja Rossia“ (Kleinrussland) bezeichnen, ..."

Uwe, das geht nicht.
Klein-Rußland liegt in der heutigen Ukraine, als die heutigen Ukrainer zu späten Zarenzeiten noch Kleinrussen genannt wurden. Im Gegensatz dazu waren die Moskowiter die Großrussen.Aber das ist ein eigenes ziemlich verwirrendes Thema, daß je nach Ideologie anders ausgelegt wird.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 4. Juli 2018 21:54:31

...da die Ukrainer das Land ja gegenwärtig Entrussifizieren, Entsowjetisieren ... stehen derartige Begriffe bald wieder zur Verfügung.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 6. Juli 2018 16:20:59

" ...stehen derartige Begriffe bald wieder zur Verfügung."
Da wäre ich mir gar nicht so sicher, daß dies eintritt. Poroschenko, der Schoko-König, hat miserable Umfragewerte und wird, wenn es mit rechten Dingen zugehen soll, nicht wieder gewählt. Und das es so halbwegs mit rechten Dingen, zumindest bei diesem Mal, zugehen könnte (?), dafür steht die Gasprinzessin Julia, die ja selbst kandidieren will. Oder sie läßt zu ihren Gunsten das Ergebnis "richtig" rechnen, aber auf keinen Fall zu Gunsten des Möchte-Gern-Moskau-Eroberers. Um die Wahl zu verhindern, flüstert man, daß er einen großen Krieg über den Donbass hinaus beginnen will und meint, daß er dafür Nato-Unterstützung erhält. Damit wird sich wohl das Schicksal der Ukraine besiegeln, da ja andere Länder großen Appetit auf ihre ehemaligen Gebiete haben. Da könnte daraus auch ein neues "Malorossia" entstehen, dem dann auch der Donbass angehören könnte.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 6. Juli 2018 18:36:28

Meine Güte, so viele Tippfehler. Schämen!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. Juli 2018 19:54:52

... was für Fehler? Ich habe keine gesehen.

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