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Im Putin-Russland ermordet man Kühe und Hunde

Do, 31 Mai 2018 ... mit deutschem Akzent


Im Putin-Russland ermordet man Kühe und Hunde

Stoppt die Hundetötungen in Russland. So titelt die Internationale Tierschutzorganisation eine Petition. Sie ist adressiert an den russischen Botschafter in Deutschland. Und man möchte nicht nur die Unterschrift der Tierfreunde, sondern natürlich auch ihr Geld.

Im Jahre 2012, dem Jahr der Fußball-Europameisterschaft (Austragungsort Ukraine und Polen) besuchte ich meine Mutter in Deutschland. Ich begleitete sie zum Friseur. Und als dieser erfuhr, dass ich in Russland lebe, sagte dieser: „Oh, mein Gott, warum töten die Russen denn die ganzen Hunde? Nur wegen der Europameisterschaft?“ Ich war etwas irritiert, denn was hatte Russland mit der Europameisterschaft zu tun? „Na, ich habe gelesen, dass in Kiew alle Hunde getötet werden“, - sagte der Friseur.

Hm, sollte ich jetzt mit dem Friseur noch einen politischen Geographiekurs absolvieren? Ich entschied mich, den deutschen Friseur seine Arbeit machen zu lassen: den Kopf meiner Mutter zu frisieren.

Nun haben wir aber die Weltmeisterschaft und die findet wirklich in Russland statt.

Und so verwundert es auch nicht, wenn das Thema „Hunde-Ermordung“ wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird.

 

Zuerst hatte ich nur Überschrift und Einführungsteil oberflächlich gelesen – also so, wie vermutlich 90 Prozent aller Medien-Konsumenten sich verhalten. Und der erste Eindruck war: Schlimm, ganz schlimm, was die da in Russland schon wieder machen. Zuerst vergiftet Putin die Skripals und jetzt bringt der auch noch Hunde um. Und das alles kurz vor der Weltmeisterschaft, die in zwei Wochen beginnt.

Aber manchmal sollte man sich beim Lesen derartiger Meldungen ein wenig Mühe geben und auf die Formulierungen achten.

Zitat: „Berichten zufolge plant Russland vor Beginn der Fußball-WM in diesem Sommer Straßenhunde in den Austragungsorten zusammenzutreiben, einzusperren und danach eventuell massenhaft zu töten. Damit versucht das Land, internationalen Besuchern ein „sauberes“ Bild zu vermitteln.“

Haben Sie es bemerkt? Alles in der Möglichkeitsform: man plant, eventuell … Aber insgesamt bleibt beim unaufmerksamen Leser die Information hängen: Die Russen sind Massenmörder.

Damit der Eindruck auch richtig hängen bleibt, wird weiter argumentiert (bitte immer auf die unauffälligen Vermutungsformulierungen achten):

Zitat: „Hunde auf diese Weise zu „entsorgen“ ist grausam und unnötig. Dieses Vorhaben Russlands basiert auf dem Irrglauben, ausländische Fußballfans würden lieber eine hundefreie Stadt besuchen - selbst wenn dafür tausende Hunde grausam getötet werden müssen.“

Dann muss man natürlich noch das Thema „Weltmeisterschaft“ diskreditieren. Vielleicht kann man ja doch noch diesen oder jenen davon abhalten, nach Russland zu fahren und sich dieses oder jenes Spiel vor Ort anzuschauen oder doch zumindest auf einer Fan-Meile Atmosphäre zu schnuppern:

Zitat: „Zabivaka“ – das offizielle Maskottchen der WM, ist ein Wolf. Dieser nahe Verwandte des Hundes soll Freude und Zuversicht vermitteln. Wie kann dieses tierfreundliche Symbol in Verbindung mit einem Ereignis verwendet werden, durch das unzählige Hunde leiden und womöglich sogar sterben müssen?

Und dann soll der unaufmerksame Leser seine Stimme erheben und den russischen Botschafter in Deutschland auffordern, das Töten von Hunden zu stoppen.

Ich war 14 Jahre lang stolzer Besitzer eines Hundes. Ich hatte ihn (es war eine „Sie“) in der Ukraine geschenkt bekommen. Und ich lebe in einer Stadt, wo es sehr viele Hunde gibt und in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, hat fast jeder einen Hund. Mir sind also Hunde auch nicht gleichgültig und ich verfolge die Informationen zum Tierschutz in Kaliningrad aufmerksam.

Schon im Januar 2018 gab es auf meinem Portal Informationen zum Tierschutz in Kaliningrad. Natürlich werden Hunde in Kaliningrad eingefangen. Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung, die für Ordnung und Hygiene in der Stadt zu sorgen hat. Es gibt dafür Firmen und es gibt Freiwillige. Man vermerkt ganz genau, wo diese Tiere eingefangen worden sind, denn an dieser Stelle werden sie auch wieder ausgesetzt – nachdem sie untersucht, kastriert und mit einer gelben Ohrmarke versehen worden sind. Übrigens sind in den vergangenen Jahren auch deutsche Tierärzte angereist, um bei diesen Aktionen zu helfen.

Somit ist mal wieder derjenigen im Vorteil, der vor Ort lebt und nur mit Kopfschütteln die Meldungen liest, die im freien deutschen Medienmarkt über Russland verbreitet werden. Frei? Ja, natürlich frei! Frei von Wahrheit. Leider wird es nicht die einzige Lügen-Meldung bleiben, die Russland in Vorbereitung und Durchführung der Weltmeisterschaft begleiten wird.

Allerdings werden auch Meldungen über die Ermordung von Kühen verbreitet. Und keiner protestiert dagegen und reicht beim russischen Botschafter in Deutschland eine Petition ein. Das liegt wohl daran, dass die Meldung nur in Kaliningrader Regionalmedien verbreitet wurde und es sich auch nur um eine einzige Kuh handelt (Pech, für die Kuh Elsa … wie Hallervorden sagen würde).

Der Kuh-Mord passierte ausgerechnet in der Siedlung „Tälmanowo“. Da hatte ein 35jähriger Dorfbewohner einfach die Kuh seiner Nachbarin erschossen. Der Mord war um so frevelhafter, als es sich um eine perspektivreiche Kuh handelte, denn sie war erst ein Jahr alt. Die Polizei klärte das Motiv auf: Die junge Kuh trampelte mehrmals auf das Grundstück des Nachbarn und fraß dessen Kartoffeln auf. Dafür musste dann das Dummerchen mit dem Leben bezahlen.

Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Da gibt es einen Paragraphen im russischen Gesetzbuch: Vorsätzliche Vernichtung oder Beschädigung von Gegenständen. Ja, Tiere sind in Russland Gegenstände. Und wenn man solche Gegenstände (Kühe, Hunde, Katzen usw.) beschädigt oder tötet, kann man dafür bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug bekommen.

Uwe Niemeier

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   Kommentare ( 1 )

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 31. Mai 2018 08:43:34

Danke für die schöne Morgenlektüre. Die Verwendung von hätte, solle oder wolle ist inzwischen bei uns alltäglicher Sprachgebrauch geworden. Offenbar möchte man die Leser und Zuhörer an neue "alternative Fakten" gewöhnen.

Die deutsche Sprache gehört zu den präzisesten und ausdrucksstärksten Sprachen, leider verfällt sie zunehmend in hohles Gefasel.

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