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Irgendwas läuft schief in Russland – Nazi-Sympathien offen demonstriert

Mo, 04 Dez 2017 ... mit deutschem Akzent


Irgendwas läuft schief in Russland – Nazi-Sympathien offen demonstriert

Also, wenn Sie mich fragen, läuft in Russland irgendetwas schief. Liegt es in der Geschichte des Landes, liegt es in der Erziehung des Menschen, liegt es an ausländischen Einflüssen? Woran liegt es, wenn 72 Jahre nach dem Ende des blutigsten Krieges in der Welt, russische Bürger in SS-Uniformen vor Kameras posieren und ihre Sympathie für Nazi-Deutschland zeigen?

Sie erinnern sich sicherlich noch an unseren Beitrag zum Auftritt eines 16jährigen russischen Schülers vor dem Deutschen Bundestag, anlässlich des Volkstrauertages. Dieser Auftritt rief in der russischen Gesellschaft wahre Proteststürme hervor. Schnell wurde aber auch klar, dass man eigentlich dem jungen, unerfahrenen Nikolai keine direkten Vorwürfe machen kann. Er ist naiv und unerfahren in eine Situation geraten, auf die er besser hätte vorbereitet werden müssen. Noch ist nicht ganz klar, wer hier regieführend gewirkt hat, aber die zuständigen Organe arbeiten an der Klärung der Angelegenheit.

Vermutet wird allerdings, dass hier Erwachsene ihre Hände im Spiel haben, Lehrer, Schuldirektoren – also Personen, die in jedem Land die Aufgabe haben, die Kinder so zu erziehen, dass sie sich ordentlich in die Gesellschaft einleben und ihr Auftreten den allgemein anerkannten Normen für diese Gesellschaft entspricht. Aber auch eine deutsche Organisation soll dem russischen Jungen „geholfen“ haben.

Nun hat man auch in Kaliningrad geschaut, wie es denn mit dieser Gesellschaft der Vorbild-Funktionäre ausschaut und Andrej Wypolsow, Journalist und Redakteur von „Regnum“ ist zu erschreckenden Erkenntnissen gekommen.

Wenn man das ganze Material liest (sicherlich ist auch noch nicht alles bekannt) stellt man sich die Frage, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht. Also, wenn Sie mich fragen: Denen ist die „Freiheit“ der 90er Jahre in den Kopf gestiegen. Vielleicht ist aber auch die Kaliningrader Gesellschaft zu „liberal“ und die Nähe zur freiheitlich-westlichen Gesellschaft bindet den zuständigen Organen in Kaliningrad in irgendeiner Form die Hände, um entsprechend vorzugehen.

In den letzten Jahren gab es eine ganze Reihe von politischen Provokationen in Kaliningrad. Ein Teil dieser Provokationen wurde begierlich durch westliche Medien aufgegriffen und man versuchte daran zu beweisen, dass es in Russland keine Freiheit gibt. Es sei nur an die Aktion „Deutsche Fahne auf einem FSB-Gebäude“ erinnert, an die Bewegung „Baltischer Vortrupp des russischen Widerstandes“, an die jüngste Verhaftung des Chefredakteurs und jetzigen Ex-Abgeordneten Igor Rudnikow – um nur einige Beispiele zu nennen.

Jetzt zeigte Andrej Wypolsow in einem Beitrag für das Informationsportal „Regnum“ Fotos eines russischen Beamten und Regierungsberaters in SS-Uniform.

Es handelt sich um Nikolai Sankin – bis vor kurzem noch Experte in der Baltischen Gebietsverwaltung von RosOchranKultur (Russischer Kulturschutz). Diese Verwaltung wurde aufgelöst, was aber nicht heißt, dass der Mann arbeitslos ist. Er ist nach wie vor Berater russischer Behörden und Regierungsstellen zu historischen Fragen – so für den föderalen Zolldienst, das regionale Kulturministerium.

Screenshot: FB-Konto von Nikolay Sanken. Liebhaber von nazistischen Uniformen und deutscher SS-Traditionspflege finden hier ausreichend Info- und Fotomaterial
 
In der Zeit, wo er noch Beamter war, besuchte er regelmäßig faschistische Treffen in Estland. Allgemein bekannt ist, dass in diesem Mitgliedsland der Europäischen Union und der NATO sich jedes Jahr ungehindert die Veteranen der nationalen SS-Verbände treffen, die auf deutscher Seite gegen die Welt, aber insbesondere gegen die Sowjetunion, gekämpft haben. Fotos zeigen ihn, wie er sich in Gesellschaft mit diesen Veteranen nicht nur wohl fühlt, sondern durch das Tragen einer SS-Uniform sich wohl auch mit deren Ideologie identifiziert.
 


Foto: Der russische Staatsbürger, wohnhaft in Kaliningrad, fühlt sich wohl in einer SS-Uniform, in Begleitung von SS-Veteranen und attraktiven Frauen.

Aber er fühlt sich auch neben Adolf Hitler wohl – zumindest neben jemanden, der wohl gerne Adolf Hitler sein möchte:

Foto: Kaliningrader Bürger darf ungestraft und unbehelligt an SS-Traditionspflege mit Adolf Hitler-Kopie in Estland teilnehmen.
 
Tja, und da behaupten doch die westlichen Medien, dass es in Russland keine Freiheit gibt. Dies scheint mir eines der Beispiele zu sein, dass wohl die westlichen Medien nicht immer aktuell und richtig über die russische Gesellschaft informiert sind. Wenn ich mit Deutschland vergleiche, kann ich eigentlich nur feststellen, dass es dort wohl wesentlich weniger Freiheit gibt, als in Russland, denn dort sind derartige Traditionstreffen – wenn ich richtig informiert bin – nicht gestattet und auch nicht das öffentliche Demonstrieren von Nazisymbolik. In Nürnberg wurde die SS als verbrecherische Organisation eingestuft. Ein russischer Staatsbürger darf die Uniform von Verbrechern tragen: Es lebe die (russische) Freiheit.
 
Nach der Veröffentlichung des Artikels in den russischen Medien, begann eine aktive Diskussion in den sozialen Netzwerken. Und auch der Ex-Beamte Nikolai Sankin meldete sich bei Andrej Wypolsow auf Facebook zu Wort und kommentierte:
 

Nach dem der Skandal hochkochte, stellte sich heraus, dass der Kaliningrader Bürger weiterhin ein wertvoller und unersetzlicher Experte für staatliche Organe ist. Er ist wohl der Einzige, der für eine Qualitätsbewertung herangezogen werden kann, wenn Personen historische Gegenstände ein- oder ausführen wollen. Er ist der einzige akkreditierte Experte zu „deutschen Fragen“ bei den Kaliningrader Behörden – so ein Informant aus staatlichen Strukturen.

Aber es gibt noch andere Nazi-verherrlichende Erscheinungen im Kaliningrader Gebiet … ach, ich wollte schon fast „Ostpreußen“ schreiben, denn wenn man die Kaliningrader Medien zu diesem Thema verfolgt, könnte man, wenn Sie mich fragen, schon zu der Überzeugung kommen, dass wir uns in Ostpreußen und in Königsberg befinden, also einem Gebiet, welches nur zeitweise durch russische Truppen okkupiert wurde – wie einige Deutsche meinen, die sich in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Ostpreußen“ revanchistischer Nostalgie widmen.

Im vergangenen Jahr veröffentlichten wir bereits einen Artikel zu Extremismus-Erscheinungen im Kaliningrader Gebiet. Hier spielte der Lehrer einer Grundschule Pawel Korschunow eine herausragende Rolle. Auch er liebte nicht nur seine minderjährigen Schüler und brachte ihnen Geschichte bei, sondern liebte auch Nazi-Uniformen und nahm an Kriegsspielen teil – natürlich unter der Begründung, dass es sich um „Geschichtsdarstellung“ handelt und irgendeiner muss ja die Nazis spielen.

Ja, natürlich muss irgendeiner auch die Nazis spielen, aber warum immer er? Und auch dieser Skandal beschäftigte die Kaliningrader Gesellschaft. Nun ist ein Jahr vergangen und was glauben Sie, liebe Leser, was passiert ist in dieser undemokratischen russischen Gesellschaft? NICHTS, nichts ist passiert. Der Lehrer ist immer noch Lehrer. Was würde wohl in Deutschland passieren, wenn ein Lehrer in Nazi-Uniform rumläuft? Wie mir deutsche Bürger mitgeteilt haben, gibt es noch nicht mal derartige militärhistorische Clubs, die die Traditionen der SS oder der Wehrmacht pflegen. Aber Russland ist eben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – also, wenn Sie mich fragen.

Ein dritter Fall betrifft die sogenannte „Göring-Datsche“. Auch darüber habe ich berichtet.

Natürlich wurde die Datsche nicht wieder aufgebaut und Leute, auch hochgestellte Beamte der Kaliningrader Gebietsregierung, mussten ihren Stuhl räumen. Natürlich räumten sie ihren Stuhl nicht wegen ihrer Liebe zu den Nazis – man fand andere Begründungen. Aber das hinderte die jetzigen Verantwortlichen der Rominter Heide … ups, sehen Sie liebe Leser, auch ich bin schon germanisiert – ich meine natürlich des Wyschtinski-Parks, nicht daran, Hinweistafeln aufzustellen und daran zu erinnern, dass Herrmann Göring hier gelustwandelt ist und auf Hasen geschossen hat.

Foto: Hinweistafel auf die Nazi-Datsche des Kriegsverbrechers Hermann Göring und ein paar launische Jäger-Fotos des Mannes, der die Weisung gegeben hat, sowjetische Städte in Schutt und Asche zu bomben
 
Angesprochen auf diese Hinweistafel äußerte der Direktor des Parks Alexej Sokolow, dass es sich hier nicht um Nazi-Verherrlichung handelt, sondern nur um historische Hinweise. Und Göring, der deutsche Kriegsverbrecher, ist wohl für den Direktor des Parks so historisch, dass man ihn textlich und fotografisch erwähnen muss – tja, was tut man nicht alles, um Touristen anzulocken.
 
Alle guten Dinge sind drei – sagt ein deutsches Sprichwort. Da es sich aber hier um keine guten Dinge handelt, hat Andrej Wypolsow noch einen vierten Fall gefunden. Ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, Vater Georgi Birjukow hat auf ein Denkmal hingewiesen, welches durch Unbekannte irgendwann nach 2012 restauriert wurde und welches dem Andenken an eine Nazi-Organisation gewidmet ist. Es geht um den Reichsarbeitsdienst. Auch dieser Dienst nahm an Operationen gegen sowjetische Partisanen teil. Der Führer des Reichsarbeitsdienstes wurde 1949 als Kriegsverbrecher verurteilt. Eine offizielle Anfrage der russischen Informationsagentur „Regnum“ an den Minister für Kultur und Tourismus der Kaliningrader Gebietsregierung Andrej Ermak, wer dieses Denkmal restauriert habe, blieb unbeantwortet. Ein russischer Minister ignoriert eine Anfrage zu einem derart delikaten Thema – also, wenn Sie mich fragen, das gibt doch zu denken.
 
Und es gibt einen fünften Fall. Vor einigen Jahren wurde in der Siedlung „Russkoje“ ein Granit-Gedenkstein entdeckt. Die Inschrift zeigt, dass er einem Offizier der faschistischen Luftwaffe gewidmet ist, der in einem Luftkampf für die Verteidigung Deutschlands, am 2. Januar 1944 gefallen ist. Der Gedenkstein befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Massengrabes für sowjetische Soldaten. Einwohner erklärten, dass dieser Stein plötzlich dastand, nachdem Vertreter der deutschen Organisation „Volksbund“ diesen Ort besucht hatten. Wie bekannt wurde, wurde auch der russische Schüler Nikolai – eben der, der vor dem Bundestag auftrat – durch diesen „Volksbund“ in Deutschland betreut. Also, wenn Sie mich fragen: Sehr interessant, diese Information.
 


Foto: Gedenkstein für einen deutschen Luftwaffen-Offizier, neben einem sowjetischem Massengrab im Kaliningrader Gebiet – aufgestellt durch die deutsche Organisation „Volksbund“

Die Pflege der deutschen Kriegsgräber wurde schon Anfang der 2000er Jahre im Kaliningrader Gebiet aktiviert. Einer der Friedhöfe, wo deutsche Soldaten, Offiziere aber auch Zivilisten ihre letzte Ruhestätte fanden, befindet sich in Kaliningrad, in der ul. Newskowo. Gedenksteine führen die Namen der dort Bestatteten auf. Bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass auf diesen Steinen nicht nur deutsche Namen stehen, sondern auch Namen von sowjetischen Verrätern, Angehörigen der Wlassow-Einheiten, die auf Seiten Deutschlands, gegen ihre Heimat gekämpft und gemordet haben.

Foto: Sowjetische Verräter finden einen Platz auf deutschem Gedenkstein
 
Auch diese Arbeit wurde durch den deutschen „Volksbund“ organisiert – schreibt Andrej Wypolsow in seiner Analyse. Aber an dem Aufbau dieses Friedhofs nahm auch Russland aktiv teil und somit, so schlussfolgert Andrej Wypolsow, hat Russland erstmals an der Ehrung des Andenkens an sowjetische Verräter Anteil genommen.
 
Also, wenn Sie mich fragen, bleibt nur noch das Datum festzulegen, wann sich Russland für die Okkupation von Ostpreußen bei Deutschland entschuldigt.

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Deutsches, Germanisierung, Königsberg

   Kommentare ( 10 )

.g Radeberger Veröffentlicht: 3. Dezember 2017 21:39:28

Heidi Benneckenstein (25) stammt aus einer Familie von überzeugten Neonazis. 
stellte die Aussteigerin jetzt ihr neues Buch vor: „Mein Leben in einer Neonazi-Familie“. 
Heidi Benneckenstein wuchs nahe München auf. Ihr Vater war Zollbeamter – und überzeugter Neonazi.
„Sobald mein Vater mich für alt genug hielt, wurde ich auf konspirative Ferienlager geschickt, die vom ‚Bund Heimattreuer Jugend‘ (BHJ) oder der ‚Heimattreuen Deutschen Jugend‘ (HDJ) ausgerichtet wurden. 
„Die Eltern der HDJ-Kinder waren keine armen Leute oder Kleinbürger“, verriet die Buchautorin. „Viele waren angesehene Akademiker aus der oberen Einkommensschicht und Bildungsschicht: Intellektuelle, Professoren, Zahnärzte. Also fanatische Erwachsene.
  Ihr Vater habe dann in den 1990er Jahren mit Freunden, darunter einem großen Verleger in der Neonazi-Szene, mit Hilfe von Spenden ein Dorf für Russlanddeutsche aufgebaut. Das Dorf befand sich im russischen Oblast Kaliningrad (früher: Königsberg).  "Sputnik " 3.12.2017

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 3. Dezember 2017 21:48:16

... es handelt sich um Herrn Munier, der lebenslanges Einreiseverbot nach Russland hat.

.g Radeberger Veröffentlicht: 3. Dezember 2017 21:56:16

Kaliningrad hat nach Uwes Angaben noch keine Million Einwohner.
Wenn man aber diese ganzen "Geschehnisse", die hier aufgezeigt wurden, und weitere bezüglich der Hitler-liebenden Schriftstellerin, dem ganzen Hickhack mit dem Deutsch-russischen-Russichen-deutschen Haus und deren bestimmende Personen usw. mal zusammen zähle, ehrlich, das ist mir für normale auch sogenannte freiheitliche Verhältnisse zu viel.Nicht zu vergessen das Russen hassende Konsulatspersonal.

Und dann muß man noch die natürlich auf US-Nato-Weisung angeblich vor lauter Angst schlotternden Balten- und Polen-Regierungen dazu rechnen, die wohl nur mit dem US-Schnuller im Hals ruhig schlafen können. Als Gouvernanten sind dann auch noch die teutschen Speznas-Enkel von den ehemaligen Ostpreußen mit vor Ort, die nun aufpassen, daß die "Pöößen Russen" den ach so friedfertigen SS-liebenden und Führer verehrenden Balten kein Leid antun.

Gerald Hübner Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 11:25:29

Die Pflege der Nazi-Traditionen lebt ganz offiziell, man braucht sich nur ein Luftbild des neuen NATO-Hauptquartiers in Brüssel anschauen. Die Ähnlichkeit zu den Kragenspiegeln der Waffen-SS ist mit Sicherheit kein Zufall!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 11:29:58

... also, was die da in Brüssel machen, ist mir relativ egal. Ich bin nur etwas besorgt über Entwicklungen in dem Land, welches die größten Opfer durch die Nazis zu ertragen hatte.

Frank Werner Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 19:39:06

@UEN
Darüber informieren die "westlichen Medien" schon länger. Der beschriebene konkrete Fall ist mir natürlich neu. Das es aber in Russland eine Menge - oder sagen wir besser viel zu viele - Nazis gibt ist schon lange bekannt und hat mich früher auch verwundert, dass da nicht gegen vorgegangen wird. Aber das geht ja oft einher mit Nationalismus, Rassismus etc. Und wenn Sie sich erinnern (wollen) - auch in der DDR gab es nicht gerade wenige. I.R. als sogenannte Faschos verbrämt (waren/sind natürlich Nazis) und diese waren durchaus wohlgelitten (waren im Gegensatz zu den Punks ja "ordentlich" angezogen). Auf jeden Fall hatten diese in den 80iger Jahren keine bzw. kaum Probleme. Nur Punks waren/sind harmlos, die Faschos nicht.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 19:47:31

... danke für den Kommentar. Im Gegensatz zu einer ganzen Reihe von Deutschen, erinnere ich mich gerne an meine ostelbische Vergangenheit und bin stolz darauf, Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (Mitglied der UNO und des Warschauer Vertrages) gewesen zu sein.

Ehrlich gesagt, ist mir nicht bewusst, dass es in der DDR irgendwelche Toleranzen im Bezug zu NS-Erscheinungen gegeben hat. Vielleicht bin ich ja auch nicht in den Kreisen verkehrt, aber ich denke schon, dass ich über die Thematik einigermaßen informiert bin (war).

Frank Werner Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 20:48:00

@UEN
Diese Faschos snd natürlich nicht mit Nazi-Symbolen offen herumgerannt - es gab da subtile Kleidungskennzeichen bis hin zum "Seitenscheitel". Aber Antifaschismus in der DDR hatte auch viel mit Symbol-Poltik zu tun. Schauen sie sich mal die Listen an, wieviel ehemalige ("verdiente") NSDAP/SA/SS Mitglieder auch in der Volkskammer saßen (min. 46, darunter Träger des Blut-Ordens und Mitglieder der Legion Condor),. Und auch nicht jeder Kriegsverbrecher wurde verfolgt. Selbstdarstellung und Realität klaffen da leider auch auseinander. Übrigends bin ich auch nicht in den Kreisen verkehrt - nicht, dass sie etwas falsches denken :-) Aber in de 80iger Jahren wurde es immer schlimmer ..

Dass es im Osten jetzt besonders viele Nazis gibt - schon seit der Wende - verwundert daher nicht wirklich. Das ist keiner Ergebnis der Wende, sondern (auch) eine Folge der DDR. Und die Stasi hat ihre Ressourcen eher Richtung unangepasste Punks eingesetzt, aber nicht gegen die "ordentlichen" Faschos.

Mail Man Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 23:56:40

Also mir sind derartige Beobachtungen fremd. Ich war in der eigenen Wahrnehmung der Meinung, daß in der DDR konsequent gegen Nazis vorgegangen wurde. Wäre es denn den Russen egal gewesen, wenn Nazis in der Volkskammer installiert worden wären? Das es im Osten nach der Wende eine Menge Neonazis gab und sicher auch noch gibt, hat vielleicht auch was mit der Erkenntnis zu tun, daß der Osten entgegen den Versprechungen vor und zur Wende dauerhaft "abgehängt" wurde. Eine Protesthaltung, gerade weil das früher konsequenter verfolgt wurde? Diese Zustände sind ja inzwischen völlig "normal". Z.Bsp. besteht ja immer noch das Lohngefälle. Ich sehe nach wie vor viele Bautrupps aus dem tiefen Osten und Osteuropa im Westen. Kaum eine Baustelle hier kommt ohne sie aus. Frage mich, wie sich das für die rechnet. Wohl nur mit Niedrigstlohn und Ausbeutung.

.g Radeberger Veröffentlicht: 7. Dezember 2017 04:13:52

Frank Werner
Veröffentlicht: 4. Dezember 2017 20:48:00

Oh je, das ist ja wirklich ein dicker Hund, was Sie da schreiben. Von wem haben Sie sich denn diesen Schwachsinn andrehen lassen, wenn Sie nicht selbst in diesen Kreisen verkehrt sind, was ja objektiv gar nicht ging.
Und was die Neonazis nach der Wende in der DDR angeht, glauben Sie mir, da haben die CDSU-SPD-FDP-Grünen-"Entwicklungshelfer" noch im Westen überlegt, was sie denn für Seife oder Waschpulver zu den Geschenkbananen mit in die SBZ mitnehmen sollten, da waren die NPD und Republikaner schon lange da und verteilten entsprechende Aufkleber und Bier. In den Kneipen und Jugendklubs (die es damals noch gab) wurden bei der teils richtungslos gewordenen Jugend das Jungvolk rekrutiert, das entsprechend abgefüllt dann u. a. in Rostock dieses Vietnamesenheim angezündet haben. Den Tag vorher war noch der NPD-Chef persönlich in Rostock gewesen und hatte entsprechende Stimmung gemacht. Und erst dann kamen die Buschgeld-Jäger.

Mail Man Veröffentlicht: 7. Dezember 2017 11:40:10

Nun, das sind eigene Beobachtungen, die ich bzw. Bekannte gemacht haben. Das die rechten Kohorten nach der Wende verstärkt über die neuen Bundesländer hergefallen sind, bezweifelt doch niemand.
Aber warum waren die Braunen denn so erfolgreich?
Weil die Wirdschaft platt gewalzt und dafür das "Neufünfland" mit Konsumgütern überschwemmt wurde. Viele, gerade Jugendliche waren entwurzelt, arbeitslos und mussten erkennen, daß mit dem Fall der Mauer nicht das Jahrzehnte versprochene Paradies kam. Die nüchterne Realtität nach der zunächst gezielt Hoffnung erzeugenden Sanierung der Plattenbauten wurde immer offensichtlicher. Wer konnte, hat sich abgesetzt. Zurück blieben unterbezahlte und ausgebeutete Frustrierte.
Die "Entwicklungshelfer" predig(t)en weiterhin Wasser und tranken Wein ...
Dieses Vakuum haben die Rechten wieder mal zu nutzen gewußt.

.g Radeberger Veröffentlicht: 9. Dezember 2017 03:20:56

Mail Man
Veröffentlicht: 7. Dezember 2017 11:40:10

Genauso war es ! Dieses gesellschaftliche Vakuum begann doch bereits zu Beginn des Jahres 1990 und erreichte seinen ersten Höhepunkt mit der vollkommen verrückten Manipulation der Kommunalwahlen. Der Rest ist allgemein bekannt.

Hugo Alter Ochsenauge Veröffentlicht: 30. Dezember 2017 20:29:18


Was haben Ihre DDR-Nostalgien mit dem Thema: "Irgendwas läuft schief in Russland – Nazi-Sympathien offen demonstriert"
zu tun?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 30. Dezember 2017 21:51:44

... wen meinen Sie mit Ihrer Frage? Wenn Sie mich meinen: "nichts", wenn Sie einen anderen Kommentator meinen, dann benennen Sie ihn bitte.

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