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Ist Deutschland an einer Destabilisierung von Ex-Ostpreußen interessiert?

Fr, 22 Dez 2017 ... mit deutschem Akzent


Ist Deutschland an einer Destabilisierung von Ex-Ostpreußen interessiert?

Das Regionalportal „Newsbalt“ hat mit dem Präsidenten des Europäischen Informationszentrums für Menschenrechte in Wien Harry Jacob Murey ein Interview geführt. In diesem Interview zeigte sich Murray überzeugt, dass Deutschland das Projekt „Großdeutschland“ und die Politik „Heim ins Reich“ noch nicht zu den Akten gelegt hat.

Das Interview wurde im Verlaufe eines halben Jahres vorbereitet und geführt, wie Andrej Wypolsow, Autor des Beitrages im russischsprachigen Informationsportal „NewsBalt“ im Gespräch der Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“ bestätigte.


„Kaliningrad-Domizil“ übernimmt diesen Beitrag und übersetzt den wesentlichsten Inhalt.

Screenshot: Titelaufmachung bei „Newsbalt“

 

Deutschland ist daran interessiert, das ehemalige Königsberg zu destabilisieren

 

Der Präsident des „Europäischen Informationszentrums für Menschenrechte“ in Wien, Harry Jacob Murray kommentierte die deutsche Politik „Heim-ins-Reich“, auch unter dem Aspekt der russischen Region Kaliningrad.

Andrej Wypolsow: Harry, Sie leben in deutschsprachigen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz). Haben Sie über die „schleichende Germanisierung“ der russischen Exklave an der Ostsee gehört?

Harry Murray: Geehrter Andrej, lassen Sie mich zur Beantwortung Ihrer Frage etwas ausholen. Ich hoffe Sie wissen, dass Deutschland seit fast 70 Jahren ohne Verfassung lebt. Sie wird durch das sogenannte Grundgesetz ersetzt, das 1949 mit dem Zusatz „zeitweilig, bis zur Wiedervereinigung des Landes“, angenommen wurde. Im vergangenen Monat beging Deutschland nun schon das 27. Mal den Tag der Wiedervereinigung, aber es gibt immer noch keine Verfassung. Und diese Situation passt zum politischen Establishment der BRD.

Andrej Wypolsow: Warum hat sich das politische System des Landes in diesen fast drei Jahrzehnten nicht entscheidend verändert?

Harry Murray: Meiner Meinung nach ist die Antwort einfach und beängstigend: weil noch nicht alle Länder wieder „Heim ins Reich“ gekehrt sind. Deutschland ist noch nicht konzeptionell vereint. Und im Zusammenhang damit, spielt das Kaliningrader Gebiet eine wichtige Rolle.

Also, am Ende des Ersten Weltkrieges, erhielt Frankreich Elsass-Lothringen, Polen erhielt Teile Pommerns, Westpreußen, Oberschlesien, Dänemark zog in Nordschleswig ein, Litauen bekam das Memelgebiet, die Tschechoslowakei das Sudetenland. Es wurde die freie Stadt Danzig gegründet und das Saarland wurde unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt. Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, begann man an der Rückgabe all dieser Gebiete zu arbeiten. Alles wurde zurückgegeben. Nach der Niederlage des verbrecherischen Dritten Reiches im Zweiten Weltkrieg, verlor Deutschland noch mehr. Ein halbes Jahrhundert später, mit der Gründung der Europäischen Union, in der Deutschland eine dominierende Rolle spielt, tauchen wieder Anzeichen der „Heim-ins-Reich“-Politik auf. Und das Thema Kaliningrad, als eines der verlorenen Territorien von „Groß-Deutschland“, spielt hierbei eine herausragende Rolle.

Andrej Wypolsow: Dieses Thema wurde erstmals nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufgegriffen?

 

Foto: Von Königsberg sind im heutigen Kaliningrad nur noch Kanaldeckel übriggeblieben
 
Harry Murray: Sogar noch etwas früher. Während der Sowjetzeit wurde die Frage der Rückgabe des Kaliningrader Gebiets an die DDR nicht diskutiert. Obwohl die UdSSR, wie sie sagen, "quasi" mit der Deutschen Demokratischen Republik befreundet war, dachte die deutsche Seite nicht einmal im Traum daran, ein solches Thema zu diskutieren. Aber als in den späten 80er Jahren die wirtschaftliche Situation in der UdSSR stark erschüttert wurde und die Kontakte Westdeutschlands mit dem Osten zu wachsen begannen, begann das Thema auf die Tagesordnung zu kommen. Aber ich glaube nicht, dass es sich um ernsthafte Absichten handelte, Kaliningrad zurück zu erhalten, vielmehr vielleicht nur ein vorsichtiges Vortasten. Die Aufgabe bestand darin, die russische Reaktion auf derartige Schritte zu sehen. Erinnern Sie sich, vor einigen Jahren gab es in der Presse Veröffentlichungen zu angeblich geheimen Schriftverkehr, in dem die sowjetische Führung der deutschen Seite selber angeboten haben soll, über die Möglichkeit einer Rückgabe des Kaliningrader Gebiets an Deutschland nachzudenken. Zum gleichen Zeitpunkt begannen Veröffentlichungen von Bundeswehroffizieren in den Medien, die zum Inhalt hatten, dass, wenn sich die Wehrmacht und die Führung der Wehrmacht während der Okkupation der Sowjetunion anders verhalten hätten, dass Königsberger Gebiet heute noch zu Deutschland gehören könnte.
 
Andrej Wypolsow: Warum haben Bonn und Berlin in den 90er Jahren Ihrer Meinung nach Gorbatschow nicht gezwungen, indem sie die Staatsschwäche der Sowjetunion nutzten, der Rückgabe des Kaliningrader Gebiets zuzustimmen, wenn nicht an Deutschland, dann doch zumindest dort einen „internationalen Status“ einzuführen?
 
Harry Murray: Im Allgemeinen hat sich Deutschland derartiger abrupter Schritte enthalten. Man war sich wohl aus der Vergangenheit bewusst, dass Russland ein wenig berechenbares Land ist. Aber es gab auch andere Gründe hierfür.
 
Andrej Wypolsow: Was waren das für Gründe?
 
Harry Murray: Tatsache ist, dass, als Westdeutschland die DDR zurückerhielt – ich betone, es war keine Wiedervereinigung, sondern die Übernahme eines Staates durch einen anderen Staat – man sich wohl der großen finanziellen Belastung nicht vollumfänglich bewusst war.  Westdeutschland glaubte nicht, dass diese "Vereinigung" so enorme Kosten mit sich bringen würde. Und sobald Deutschland die Einvernahme der DDR verdaut hatte, wurden weitere revanchistische Gefühle und der Wunsch zu einer Nachspeise „Königsberg“ schwächer. In der Presse tauchten astronomische Zahlen auf, zu den Kosten für eine Übernahme Kaliningrads – bis zu 100 Milliarden Euro und mehr. Und das sind sehr vorläufige Beträge. Für das damalige und für das heutige Deutschland ist das eine nicht zu tragende Last. Aber das heißt nicht, dass dieser Betrag morgen für Deutschland auch noch unerschwinglich sein wird. Deutschland beobachtet seit den 90er Jahren sehr genau die wirtschaftliche und politische Situation in der Region Kaliningrad, und legt in der Region den Samen aus für das Heranwachsen von „Agenten des Wandels“ ...
 


 

Foto: Die deutsche Seite wurde zum 750. Jahrestag Kaliningrads aktiv
 
Andrej Wypolsow: Interessant ist jedoch, dass in den Null-Jahren des 21. Jahrhunderts das Thema „Heim-ins-Reich“ plötzlich von der Tagesordnung verschwunden war. Die Deutschen wiederholten damals mantrahaft, dass man an Kaliningrad kein politisches Interesse hätte ...
 
Harry Murray: Das ist richtig. Das Schweigen hatte seinen Grund – der Samen sollte keimen. Zur gleichen Zeit begann man mit der einheimischen Bevölkerung zu flirten. Es gab deutsche Fördergelder. Es gab einige deutschnahe NGOs. Gleichzeitig wurden die Beziehungen zu den Nachfahren, der in Ostpreußen lebenden Deutschen, aktiviert und gestärkt. Die Beziehungen zu Russland waren damals völlig normal und so war es einfach Programme zu starten, die auf den kulturellen Wurzeln der Vergangenheit und der Kontinuität der geschichtlichen Entwicklung beruhten.
 
Andrej Wypolsow: Kaliningrader Intellektuelle sind an diesem Prozess beteiligt, und bestehen hartnäckig darauf, dass es keine „Germanisierung“ gibt, sondern einen starken Wunsch sich mit der deutschen Geschichte Kaliningrads zu beschäftigen, um sich als Nachfolger dieser Geschichte fühlen zu können ...
 
Harry Murray: Solche Argumentationen sind naiv. Natürlich erinnert sich weder die deutsche Gesellschaft, noch das germanisierte Kaliningrader Gebiet daran, wie die damaligen Russen das Königsberger Gebiet geerbt hatten. Und Gott sei Dank hat das heutige Kaliningrad schon keine Ähnlichkeit mehr mit der Stadt des Friedrich. Es ist gut, dass es visuell eine russische Stadt ist und nicht mehr an die ostpreußische Richtung erinnert, von der die Deutschen, aber auch einige Kaliningrader, gerne nostalgisch schwärmen. Wenn dem nicht so wäre, würden sich nationalistische Ideen, mit einer Beimischung von faschistischem Gedankengut, viel schneller entwickeln.
 
Kehren wir zu den Null-Jahren zurück, so muss man sagen, dass Deutschland in keiner Weise irgendeinen politischen Druck ausgeübt hat. Man hatte nur gezeigt, dass man an engen kulturellen, sozialen und allgemein menschlichen Kontakten mit dem Kaliningrader Gebiet interessiert sei. Im Jahre 2004 begann das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad zu arbeiten, was unzweifelhaft der deutschen Seite die Möglichkeit gab, direkt und stark Einfluss auf die Situation im Gebiet zu nehmen. Die deutsche diplomatische Vertretung stellte irgend so etwas wie eine Beruhigungstablette dar. Sie zeigte den Kaliningradern nur die schönen und wunderbaren Bilder aus Deutschland – so, als wäre es die zweite Heimat für die Kaliningrader. Aber über die in Deutschland existierenden ernsthaften sozialen und politischen Probleme erfuhr niemand etwas in Kaliningrad. Viele Kaliningrader wissen nichts über die gegenwärtigen Probleme in Deutschland.
 

Andrej Wypolsow: Aber wie würden Sie die heutige Aufmerksamkeit Deutschlands für Kaliningrad beschreiben?

Harry Murray: Sagen wir es so – Deutschland ist zu einem Informationskrieg in Kaliningrad übergegangen. Diese Periode begann gleich nach den bekannten Ereignissen im Jahre 2013, wo Deutschland seinen herangewachsenen „Agenten für Veränderungen“ zu verstehen gegeben hat, dass man nun für die früher erhaltenen Gelder etwas tun muss. Im Ergebnis dessen begannen „unabhängige“ Menschenrechtler und Historiker das Boot ins Wasser zu lassen. Es fingen historische Gespräche über die Notwendigkeit der Umbenennung Kaliningrads in Königsberg an und es wurden unterschiedliche Petitionen gestartet. Das war die Zeit, wo an einem FSB-Gebäude eine deutsche Fahne gehisst wurde, als Symbol, dass jetzt der Informationskrieg begonnen hat – wir wissen, die Deutschen lieben Symbole.

Andrej Wypolsow: Sie glauben, das sind alles Glieder einer Kette?

Harry Murray: Ganz unstrittig. Hierzu müssen wir auch die Arbeit der deutschen Medien mit betrachten. Nehmen wir die „Deutsche Welle“, die nicht nur einmal Falschmeldungen verbreitete, die das Kaliningrader Gebiet betrafen. Unangenehme Momente im Leben der Kaliningrader nutzen die deutschen Medien sofort für propagandistische und provozierende Ziele. Merkwürdig dabei ist, dass eben diese Medien nicht über das gigantische Anwachsen des Antisemitismus in Deutschland berichten, dessen Ursache ganz bestimmt nicht bei den arabischen Migranten zu suchen ist, sondern bei den eigenen Beamten und der Polizei.

Warum berichtet die „Deutsche Welle“ nicht über die zunehmende Russenphobie, die in Deutschland zur Staatspolitik erklärt wurde? Ich habe nirgendwo Nachrichten gelesen, dass in Häusern, die der evangelischen Kirche in Köln gehören, unmenschliche Dinge gegen deren Bewohnern vor sich gehen - Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion.

Die „Deutsche Welle“ ignoriert unerhörte Vorgänge im Verhältnis zu den eigenen Rentnern. So verschweigt man eine Aufsehen erregende Angelegenheit einer 76jährigen Rentnerin, die schwerbehindert ist. Diese erhielt eine Strafe von 2.000 Euro, nur weil sie leere Flaschen am Hauptbahnhof gesammelt hat.

Warum hält es der wichtigste Nachrichtensender des Landes nicht für nötig, seinen Zuhörern mitzuteilen, dass die Verantwortlichen in Polen bereit sind, den obdachlosen Polen in Berlin zu helfen? Das ist eine Schande für ein Land, welches einen Haushaltsüberschuss von 18,3 Milliarden Euro zu verzeichnen hat.

Manchmal führt die innerredaktionelle Zensur der „Deutschen Welle“ einfach nur zu absurden Dingen. Im September trat die Fraktion der AfD im Bundestag mit der Initiative auf, die Zugverbindung zwischen Berlin und dem Kaliningrader Gebiet wiederaufzunehmen. Diese Zugverbindung funktionierte seit 2003 bis zu dem Zeitpunkt, wo der Zug Kiew-Berlin eingestellt wurde. Über diese Initiative wurde in polnischen und russischen Medien breit informiert. Viele deutsche Nichtregierungs-Blogger informierten ebenfalls. Und was macht die „Deutsche Welle“? Sie macht eigentlich nichts. Eine Radiostation, die so besorgt ist, um die Freiheit des Wortes in Russland, lässt mit keinem Laut etwas hören.  Finanziert wird die Deutsche Welle aus Zwangsgebühren, die jeder Deutsche zu bezahlen hat, auch wenn er keinen Fernseher hat oder kein Internet nutzt. Bürgern, die demonstrativ die Bezahlung dieser Gebühren für staatliche Propaganda verweigern, drohen erhebliche Strafen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder sogar Gefängnis. Es entsteht der Eindruck, als ob es der deutschen Regierung völlig egal ist, ob deutsche Fußball-Fans im kommenden Jahr bequem und ohne besondere Schwierigkeiten nach Kaliningrad reisen können – einer der Städte, wo die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgetragen wird.

Es ist also so, dass die Probleme Kaliningrads für die „Deutsche Welle“ wichtiger sind, als die Sorgen der eigenen Bevölkerung.

Als ich vor Kurzem in Kaliningrad war, war ich erstaunt, mit welchem Pomp die deutsche diplomatische Vertretung den „Tag der deutschen Wiedervereinigung“ gefeiert hat. Gefeiert wurde im Luxushotel „Radisson“. Ich verstehe schon, dass es sich hier um eine Repräsentation handelt, aber so einen Luxus, wie ihn sich Michael Banzhaf leistete, stimmt überhaupt nicht mit der Situation überein, wie sie in Deutschland herrscht. In Russland weiß man anscheinend einfach nicht, dass in Deutschland hunderttausende Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, 300.000 Familien leben schon seit vielen Jahren ohne Strom und jedes fünfte Kind in Deutschland erhält nicht genug zu essen. Die Schlangen, um kostenloses Essen zu erhalten, sind kilometerlang. Um das zu ändern ist natürlich kein Geld in Deutschland vorhanden.

Foto: Generalkonsul Deutschlands in Kaliningrad Michael Banzhaf
 
Andrej Wypolsow: Ich weiß, dass Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit, auch mit Kaliningrader Medien und Beamten gesprochen haben und verwundert waren, über die übertriebenen Vorstellungen, die über „alles Deutsche“ dort herrschten.
 
Harry Murray: Ja, wir haben einige Treffen mit Kaliningrader Medien gehabt. Und ehrlich gesagt, ich bin schockiert von diesen Gesprächen. Wir haben den Kaliningrader Medien vorgeschlagen, sich mit der Thematik „Deutschland“ zu beschäftigen, mit konkreten Problemen. Zum Beispiel mit dem Thema der Diskriminierung der Russlandaussiedler, konkret auch der, die aus dem Gebiet Kaliningrad kommen. Die Kaliningrader Redakteure haben in kategorischer Form abgelehnt, diese Themen aufzugreifen oder etwas in der Art in ihren Zeitungen zu veröffentlichen.
 
Andrej Wypolsow: Wie erklären Sie sich das?
 
Harry Murray: Die Ausreden waren die üblichen – das interessiert die Kaliningrader nicht. Aber es gab auch einige, die etwas mutiger waren und die uns sagten, dass man gemeinsame Projekte habe mit der deutschen Seite und wenn man solche Dinge veröffentliche, könnte es zu Unverständnis mit der deutschen Seite kommen und das hätte Auswirkungen auf die wirtschaftlichen und anderen Verhältnisse des Verlages. Es ist klar, dass nach solchen Äußerungen der Begriff „Germanisierung“ in meinem Kopf auftaucht.
 
Andrej Wypolsow: Treffen Sie in der deutschen Medienlandschaft, bei Bloggern und anderen Informationsquellen in Deutschland auf Andeutungen der Art, dass die deutsche Elite Königsberg vergessen hat?
 
Harry Murray: Es gibt ständige Erinnerungen an Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg von Seiten offizieller und nichtoffizieller Medien. Das Thema wird durch die Medien missioniert. Ein Beispiel ist mir in Erinnerung, wo in dem deutschen Forum „Gute Frage“ ein Thema eröffnet wurde: „Könnten die Verantwortlichen der BRD rein theoretisch das Kaliningrader Gebiet von Russland kaufen und aus diesem Gebiet zum Beispiel ein Protektorat machen, ähnlich wie Luxemburg“. Sehen Sie, was für eine „Gute Frage“!
 
Foto: Eine rein theoretische Frage eines Deutschen: Kann man Kaliningrad kaufen?
 
Andrej Wypolsow: Und wie haben die Forumsmitglieder reagiert?
 
Harry Murray: Die Meinungen waren unterschiedlich. Aber die Mehrheit der Mitglieder bekannte, dass Russland niemals freiwillig dieses Territorium zurückgeben wird und an diesen Gedanken sollte man sich gewöhnen.
 

Andrej Wypolsow: Sie haben ein paar Jahre in Straßburg gearbeitet, welches zum historischen Gebiet Elsass gehört und früher deutsches Gebiet war. Konnte man dort Versuche deutscher „Kultur-Revanche“ beobachten?

Harry Murray: Beginnen wir mit einer allgemeinen Betrachtung. Ungeachtet dessen, dass das Elsass schon 70 Jahre zu Frankreich gehört, betrachtet man diese Region als etwas Besonderes. Dort sprechen die Menschen Elsässisch und diese Sprache ist dem Deutschen sehr ähnlich. Dort sind Rechtsnormen erhalten geblieben, die denen im benachbarten Deutschland gleichen. In Straßburg sind sehr viele Posten beim Europäischen Gericht und im Europaparlament mit Aussiedlern aus Deutschland besetzt. Wenn man die ökonomische Lage beider Länder vergleicht, so kommt Frankreich schlechter weg, aber im Elsass steht es mit der Wirtschaft ähnlich wie in Deutschland. Im Großen und Ganzen ist das Elsass so eine Art Übungsplatz für Deutschland. Und wenn sich Deutschland mit Kaliningrad etwas übernommen hat – wie Sie sagten, so sehen wir im Elsass eine Revanche in ziemlich umfangreichen politischen Sinn.

Andrej Wypolsow: Berichten Sie weiter.

Harry Murray: Vor einigen Jahren ist im Elsass auf der politischen Bühne plötzlich eine ziemlich merkwürdige politische Kraft aufgetaucht – eine Regionalpartei mit dem Namen „Unser Land“. Es ist klar, dass man mit dieser Bezeichnung Deutschland meint. Die Anhänger dieser Partei sind gebürtige Elsässer. „Unser Land“ kann man also getrost als separatistisch bezeichnen.

Andrej Wypolsow: Warum?

Harry Murray: Weil sich bei den Forderungen von „Unser Land“ immer mehr der Gedanke aufdrängt, dass die Partei nicht die Interessen der Elsässer schützt, sondern die der Deutschen. Der Wind weht aus der deutschen Richtung. Sie fordern zum Beispiel, in den Schulen die Elsässer Sprache einzuführen. Aber die wohl wichtigste Forderung ist, faktisch die städtischen Strukturen mit der benachbarten Stadt Köln zu vereinen. Und ich habe immer mehr Zweifel, dass die Finanzierung der Partei „Unser Land“ von Frankreich aus erfolgt. Ich habe allen Grund anzunehmen, dass die Elsässer Separatisten Unterstützung aus Deutschland erhalten. Natürlich geschieht dies nicht offiziell, aber die Situation erinnert schon an das „Kochen auf kleiner Flamme“. Und für den Fall eines möglichen Konfliktes mit Paris, wird die Region ihre Unabhängigkeit fordern. Und ich glaube, dass Deutschland mit dem Kaliningrader Gebiet genauso „auf kleiner Flamme“ zubereitet. Somit werte Kaliningrader, immer schön Richtung Elsass schauen.

Andrej Wypolsow: Nach Ihren Vorstellungen, welches strategische Ziel verfolgt Deutschland in Kaliningrad?

Harry Murray: Zum ersten ist ersichtlich, dass Deutschland seine Expansion in Europa fortsetzt und es gibt keinerlei Signale, dass Deutschland damit aufhört. Zum zweiten, und das betrifft dann schon Kaliningrad, Deutschland setzt das aktive Monitoring der Situation im Kaliningrader Gebiet fort. Wie ich schon gesagt habe, wird die deutsche Seite weiterhin den Kessel heizen. Man wird die Propaganda und den Informationskrieg fortsetzen. Jede Neuigkeit, jede Reportage aus dem Kaliningrader Gebiet, die in Deutschland geschrieben wird, ist ein differenziertes Signal – „seht ihr, wie schlecht die dort ohne uns leben. Die Russen haben die Lage nicht im Griff“.

Andrej Wypolsow: Was raten Sie den Kaliningradern, wie kann man sich diesem Prozess der Umformatierung des Bewusstseins am besten widersetzen – insbesondere was die Gedankenkette der Jugend anbelangt, „Kaliningrad ist Königsberg und Königsberg ist Europa.“

Harry Murray: Das Hauptmittel ist die informelle Gegenwirkung. Die Aufklärung. Wenn sich ein bestimmter Teil der Kaliningrader Jugend für die Umbenennung der Stadt von Kaliningrad nach Königsberg ausspricht und damit wünscht, näher an Deutschland zu rücken, so scheint mir, dass sie einfach nicht informiert sind, was wirklich in Deutschland vor sich geht. Aber in diesem Land ist heute nicht alles zum Besten bestellt. Mit anderen Worten, um den Virus der Germanisierung abzuwehren, muss man im Kaliningrader Gebiet eine reale Informationsvermittlung über Deutschland organisieren. Es muss über Politik, Sozialökonomisches, Kulturelles usw. berichtet werden. Ich denke, es ist völlig normal, wenn über Probleme in Deutschland in Kaliningrad umfangreich berichtet wird. Wenn Deutschland ständig Russland kritisiert, hierbei auch Kaliningrad, warum sollen dann nicht auch Kaliningrader Medien über die Situation in Deutschland berichten? Es kann doch nicht sein, dass in Kaliningrad alles schlecht ist und in Deutschland ist alles gut. Eine derartige Informationsaufklärung wird wohl den Staub, den die deutsche Informationsmaschine aufgewirbelt hat, etwas zum Setzen bringen. Ich denke, genau das ist der Schlüssel, um informelle und politische Ruhe in die russische Exklave zubringen.

 

Foto: Kaliningrader Separatisten heute
 
Andrej Wypolsow: Was meinen Sie, soll Moskau sich in diesen Prozess einmischen? Oder ist das Thema Germanisierung für das föderale Zentrum zu unwichtig?
 
Harry Murray: Wieso ist das eine unwichtige Frage? Die Fragen der Kurilen, der Krim und Kaliningrads sind eng miteinander verbunden. Und die Analyse der Situation im Elsass zeigt uns doch, was passieren kann, wenn das Zentrum nicht reagiert. Wenn Moskau weiterhin die ideologischen Probleme ignoriert, so wird Kaliningrad natürlich politische Kräfte hervorbringen, die zuerst einen besonderen Status für das Gebiet innerhalb Russlands fordern. Klar, dass das nicht heute passiert und auch nicht morgen – alles hängt von der russischen Führung ab. Wenn Moskau die wirtschaftlichen Probleme Kaliningrads effektiv löst, so wird es nur eine marginale separatistische Bewegung geben, die keinerlei Einfluss auf politische Prozesse hat. Aber wir sollten pragmatisch sein, denn wenn Moskau die Kontrolle verliert, so werden in der Region die Separatisten sofort aktiv werden und eine Instabilität des Kaliningrader Gebietes ist garantiert.
 
Andrej Wypolsow: Könnten Sie den denkbar schlechtesten Verlauf der Dinge beschreiben, der vor sich gehen könnte, wenn das föderale Zentrum schläft?
 
Harry Murray: Man muss klar verstehen, dass die deutsche Elite niemals auf Kaliningrad verzichten wird. Die Deutschen habe da eine unendliche Geduld. Das Problem besteht aber eigentlich nicht darin, dass Russland das Kaliningrader Gebiet physisch verlieren könnte. Sondern es besteht darin, dass Kaliningrad weiterhin im Bestand Russlands existiert, aber im geistig-seelischen Sinne für Russland verloren ist. Die einheimische Bevölkerung ist immer mehr enttäuscht, dass sich das föderale Zentrum nicht um Kaliningrad kümmert und wird deshalb früher oder später die Politiker wählen, die antirussische Werte propagieren. Schon jetzt kann ich prognostizieren, dass Deutschland die Hilfe für diejenigen erhöhen wird, die Negatives verbreiten, Lügen und provozierende Angriffe gegen Russland organisieren. Man wird die Finanzhilfen für die Kollaborateure erhöhen, denen Geld wichtiger ist als die Heimat. Jede Unterlassung, jede nicht zu Ende geführte Berechnung, jeder verkehrte Schritt Moskaus, im Zusammenhang mit Kaliningrad, wird von der deutschen Seite erfasst, ausgewertet und gut aufbewahrt. Und die Anwendung jedweder Gewalt in der praktisch europäischen Region Russlands, wird die westliche Demokratie explosionsartig aktivieren. Das sehen wir gerade jetzt am Beispiel des Kaliningrader Abgeordneten Rudnikow, der der Erpressung beschuldigt wird und eine Aufenthaltsgenehmigung der USA besitzt – in der westlichen Presse ist er ein Held.
 
Das Gespräch führte Andrej Wypolsow, gemeinsam mit „Tschechien heute“
 

Übersetzung und graphische Gestaltung Uwe Niemeier

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Außenpolitik, Deutsches, Germanisierung

   Kommentare ( 22 )

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 21. Dezember 2017 19:41:07

Wem nützt am Ende das Ergebnisse dieser Verdächtigungen und welchem Ziel dienen sie? Wie längst bekannt versuchen die USA seit dem ersten Weltkrieg zu verhindern, dass Deutschland und Russland eine Enge gemeinsame wirtschaftlich und politische Zusammenarbeit erlangen, den Russland und Deutschland gemeinsam haben das Potintial eine Wirtschaftsmacht zu gründen, die der amerikanischen zur echten Konkurrenz werden kann; soweit jedenfall die amerikanische Annahme des STRATFOR Think-Tanks. Jede Störung der Beziehungen Deutschlands zu Russland oder umgekehrt entspricht amerikanische Interessen.

Da darf dann auch die Frage interessant werden, wer in Russland und/oder Deutschland ein Interesse an der Störung der Beziehungen beider Länder hat.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 04:09:06

Karsten-Wilhelm Paulsen
Veröffentlicht: 21. Dezember 2017 19:41:07
"Da darf dann auch die Frage interessant werden, wer in Russland und/oder Deutschland ein Interesse an der Störung der Beziehungen beider Länder hat."

Ach, so schwer ist doch die Antwort gar nicht. Die haben Sie doch schon zur Hälfte selbst gegeben. Da die USA das größte Interesse daran hat, daß es zu keinen guten engen partnerschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und persönlichen Verbindungen zwischen D und UdSSR/RF kommt, hat man schon rechtzeitig die separatistisch gegründete BRD militärisch in die Nato und wirtschaftlich in die EWG eingebunden. Die weithin verkündete Souveränität der jungen BRD wurde durch die Geheimverträge, unterzeichnet von Adenauer und auch heute noch gültig, ausgehebelt. Und die noch heutigen Kollaborateure sind die Bilderberger und und die Transatlantiker.
Und das Starmedium dazu ist der Springerverlag, dessen Mitarbeiter quasi einen US-Treuevertrag unterschreiben müssen.

Hauke Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 11:29:23

Ich habe selten so viel Dummes gelesen wie die Äußerungen des Herrn Muray.
Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

Uwe Kettmann Kettmann Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 13:25:59

So viel Blödsinn auf einmal. Fragen Sie heute in Deutschland bis 60 Jahre alte Einwohner::
Wo lag Ostpreußen ?
Wo liegt das Kaliningrader Gebiet ?
Ist Ihnen bekannt, dass 600 km von Berlin Rußland beginnt ?
Null Ahnung !! Königsberger Klopse dürften bekannt sein:-)
Welcher Enkel mit ostpreußischen Vorfahren möchte in die Heimat der Grosseltern übersiedeln ?
Ich wünsche mir für die Exklave mehr Autonomie.
Es ist heute Heimat der Ostpreußen und Heimat der russ. Bevölkerung. Nur mit Kalinin komme ich persönlich nicht klar.
Ich fahre gern dort hin und als Historiker benutze ich ohne Probleme die alten Ortsnamen. Eine Visaerleichterung wäre wünschenswert. Nette russ. Zoll und Grenzbeamte. Nur die poln. EU-Zöllner sind schwierig

Uwe Kettmann Kettmann Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 13:29:43

Nachtrag 750 Jahre Kaliningrad ist natürlich auch nicht korrekt. 750 Jahre Königsberg wäre auch falsch gewesen. 750 Jahre Königsberg-Kaliningrad .... ? . Deutsche Medien haben darüber nie berichtet.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 16:12:04

... doch, es wurde berichtet, aber im wesentlichen negativ. Der Feiertag "750" wurde dann wohl offiziell als "750jähriges Stadtjubiläum" bezeichnet.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 15:05:50

Der Herr Muray scheint auch so ein Einmann Unternehmen wie die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" zu sein. Im Internet existiert der Mann prsaktisch überhaupt nicht. Da bin ich selbst mit meiner kleinen Existenz "berühmter".

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 15:43:20

Da ich mit meiner Internetrecherche weder die Person Muray, noch die aufgeführten Organisationen und schon garnicht die Person Muray im Zusammenhang mit irgendeiner Internationalen Organisation finde, scheint mir weder die Person noch einige der aufgeführten Institute zu existieren. Überhaupt ist immer Vorsicht geoten, wenn sich irgendwas reisserisch mit "International" etikketiert, da ist oft nicht mehr als warme Luft drin.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 16:08:19

... hier die email-Adresse der Pressestelle dieser Organisation. Man hat mir geschrieben, dass alle Zweifler sich an die Pressestelle wenden können. Teilen Sie mir mal bei passender Gelegenheit mit, ob und welche Antwort Sie auf welche Fragen erhalten haben. Ich verspreche, Ihre Informationen hier zu veröffentlichen: abasonic@gmail.com

Frank Werner Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 16:21:55

Einfach unterirdisch. Wie kann man solchen Unsinn (der "Reichsbürger") wiedergeben. Man muss solchem Unsinn keine Plattform bieten und man muss nicht jedem Schwachsinn hinterrennen. So etwas ist nicht ernstzumehmen im Sinne einer Tatsache. Ernstnehmen im Sinne das solch und anderer Schwachsinn um sich greift leider schon ...

ru-moto Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 17:17:40

22.12.2017 - [Ist Deutschland an einer Destabilisierung von Ex-Ostpreußen interessiert?]

Statt dieser Überschrift könnte auch durchaus eine ohne "ist" am Anfang und einem Ausrufungszeichen, statt dem Fragezeichen am Ende, stehen. Dass dann unter "Deutschland" nicht die Deutschen, sondern vielmehr die heutigen Kollaborateure (MSM, Transatlantiker, Bilderberger, nato) stehen, erklärt sich von selbst.

Ich finde diesen einzigartigen Beitrag informativ und direkt erfrischend für Meinungsuchende und -findende. Die Reaktionen darauf zeigen, wie verschieden die Ansichten darüber sind. Jedenfalls erscheind der "Rote Faden" deutlich hell genug beleuchtet zu sein, um Manches besser verstehen zu können, so man dazu bereit/reif ist...

"Schwachsinn, Blödsinn" hin oder her - "Wahrheit" kann gut tun oder auch nicht, kommt eben darauf an, wessen Propaganda man mehr glaubt oder aufgesessen ist. Es lohnt sich darüber nachzudenken und seine Meinung zu hinterfragen.

PS: Harry Murray schreibt man 4 "r"

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 18:06:32

... Die russische Überschrift über den Artikel ist genau so, wie Sie es vorgeschlagen haben, nur ich habe die Überschrift meiner Veröffentlichung so abgewandelt, dass es sich wie eine Fragestellung meinerseits liest ... der russische Autor stellt keine Frage, er stellt fest!

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 17:22:35

Vielen Dank für die E-Mail Adresse, das beweist allerdings nichts. Über diesen Mann ist im Internet nichts zu finden, das heisst er hat auch noch nie etwas getan oder gesagt was von öffentlichem Interesse wäre. Vor allem werde ich so einem bedeutungslosen Spinner nicht die Gelegenheit geben, seinen Quatsch auch noch vor mir auszubreiten.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 18:03:37

... es gibt von ihm Veröffentlichungen. Und natürlich sagt eine email-Adresse gar nichts. Aber Sie können über die email-Adresse feststellen, wie bekannt, wie wichtig, wie unbekannt, wie unwichtig dieser Präsident ist. Wenn Sie sie nicht nutzen, ... na, dann eben nicht.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 20:34:09

Hier gehen aber die Wogen hoch. Meiner Ansicht nach fehlt bei diesen Aussagen zu den "Großdeutschen" Ambitionen der Faden. Er spricht über KG. Das ist auch ohne seine Aussage erst einmal nachvollziehbar, warum der Westen, nicht nur D, dieses Gebiet der RF abspenstig machen wollen. Es liegt so weit im Westen, daß es militärisch dem Westen in einem Konflikt äußerst gefährlich werden kann und es verhindert, daß die Nato die Russen im Finnischen Meerbusen einsperren, demzufolge neutralisieren könnten. Das wäre der militärische Aspekt sehr kurzgefaßt. Zivil kann aber KG aber in Friedenszeiten ein Bindeglied sein.
Aber die "Großdeutsche" Theorie von Muray hat einen Haken. Kein Wort über den größten Happen, der wieder geholt werden müßte, was jetzt zu Polen gehört. Das war etwa ein Viertel des Deutschen Reiches. Das interessiert ihn offensichtlich nicht. Das wäre aber das Wesentliche. Das mit Elsaß-Lothringen ist doch bloß Spaß am Rande.

ru-moto Veröffentlicht: 22. Dezember 2017 21:55:16

...die E-Mail Adresse, beweist allerdings nichts... über diesen bedeutungslosen Spinner ist im Internet nichts zu finden... - [K-W Paulsen]

Sehr viele kennen diesen Mann mit seiner Meinung offensichtlich nicht. Das alleine wäre aber noch längst kein Grund (für mich), eine derartige Vorverurteilung abzugeben.
Wenn über bestimmte Personen im Internet nichts zu finden ist, gibt es meist mehrere Ursachen und könnte dies auch beabsichtigt sein. Google z.B. manipuliert, "rangiert" gut, um nur eine zu nennen...

Um 2000 verwendete ich als Alpenbewohner einen billigen polnischen Server für eine Website sowie eine polnische E-Mail-Adresse. Eine E-Mail-Adresse sagt wahrlich nichts über den Standort oder den User aus, eher über jene Personen, die Fragen wie "Habt ihr schon Strom in Polen?" stellen (dt. Student).

Es gibt Grenzen des Ertragens! Zeigen wir daher keine noch so kleine Bereitschaft darüber, ob ein "Heim ins Reich" für Kaliningrad vielleicht wieder gesellschaftsfähig werden sollte...

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 23. Dezember 2017 11:59:33

"Er wurde im Alter von vierzehn Jahren .. geboren" - Wie mach man dass?;-)
Zum Thema:
Ich denke man muss unterscheiden: Da ist zum einen die ofizielle staatliche Politik. Auf dieser Ebene gibt es zur Zeit keine solchen Bestrebungen, ich denke, das kann man ganz klar sagen.
Aber es gibt auch Strukturen im Staat und Gesellschaft, die arbeiten an solchen Sachen. Das hat eine lange Tradition. Da gibt es sogenannte tiefenstaatliche Struckturen, die nach bestimmten Interessen sogenannte Vorfeldarbeit machen, lange bevor sie offizielle Politik werden. In Punkto KG heisst das, die dortige Gesellschaft wird so beackert, daß in ihr ein "Bedürfnis nach deutscher Einflussnahme" entsteht, das die offizielle Politik irgendwann "nicht mehr ignorieren" kann. Oder der Revanchismus wird irgendwann offiziell und kann dann auf die "Vorfeldarbeit" zurückgreifen, der Acker ist quasi bestellt, scheinbar wächst das "ganz von alleine" und "der Staat reagiert nur".

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 23. Dezember 2017 12:21:26

... natürlich muss es heißen, dass er mit 14 Jahren aus Moskau nach Deutschland übersiedelte. Ich habe die Grafik korrigiert. Vielen Dank für den aufmerksamen Hinweis ... passiert halt, wenn man acht Seiten in der Nacht übersetzt ...

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 23. Dezember 2017 12:03:34

Es ist gut, eine Sensibilität für diese Einflussnahme zu entwickel. Aber am Ende wichtiger ist, die eigene Gesellschaft zu entwickeln, Wohlstand und Teilhabe zu schaffen. Dann wird die "Deutschtümelei" eine Randerscheinung bleiben, die ehr Belustigung als Gefahr bedeutet.

Frank Werner Veröffentlicht: 25. Dezember 2017 22:31:10

@keisha vika nijntje/UEN
Vielleicht liegt es ja daran, dass das man die reale Existenz dieser Organisation bezweifeln kann bzw. stellt sich die Frage wer dahinter steht bzw. diese unterstützt. Eine Homepage ist nicht existent, der Herr ist auch nicht wirklich auffindbar, eine bisherige Arbeit (bis auf einen Fall 2014) nicht erkennbar ... Präsident von irgendwas kann sich jeder nennen, genauso wie "Experte" bei RT.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 25. Dezember 2017 22:56:58

... so ist es.

Nun steht aber die Frage, was dieser Artikel überhaupt soll? Er ist einfach eine Meinungsäußerung zu irgendwelchen, von diesem wenig bekannten "Präsidenten" und der unbekannten Menschenrechtsorganisation, vermuteten Dingen. Eben so, wie tausende von anderen Bürgern weltweit ihre Meinung zu irgendwelchen Dingen äußern. Interessant ist, dass in Russland über diesen Artikel wesentlich weniger emotional diskutiert wird. Und das dieser Artikel auf meinem Portal, aber auch in Sozialmedien derart intensiv gelesen wird ... tja, das ist doch eine interessante Erkenntnis - oder?

Dietrich Völker Veröffentlicht: 26. Dezember 2017 13:32:40

Wer hat eigentlich das Interesse in der Russischen Föderation an solchen Hoaxes?
Allein schon interessant, wenn man sich versucht der Person Murray zu nähern. Europäisches Zentrum für Menschenrechte in Wien? Herr Google hat da nicht sehr viel, schon gar nichts offizielles. Dafür einen Artikel auf "pravda.ru" , die sich dieses Ladens annimmt. Eine Adresse in Wien, dafür eine Telefonnummer mit Landeskenner aus Frankreich. So, wie dieser Herr Murray beschrieben wird, findet er siich mit dieser Schreibweise auch nirgendwo.
Ich habe das Gefühl, dass auch hier einem Phantom hinterhergelaufen wird. Das Sommerloch kommt doch erst noch.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 26. Dezember 2017 14:22:46

... viele Leute stellen Informationen ins Netz und die kennt auch keiner. Und es wird darüber diskutiert. Und dieser "Präsident" hat es auch getan - er ist eben ein unbekannter Präsident, aber die Deutschen haben sich so richtig schön echauffiert... interessante Reaktion, finde ich. In den russischen Medien ist es bedeutend ruhiger ...

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 27. Dezember 2017 01:09:07

Inzwischen hat jemand, unter dem Deckmantel einer gefälschten E-mail Adresse, versucht dieses "Interview" an die ZEIT und an den WDR zu senden. Die E-Mail Adressen wurde aus einem meiner Accounts kopiert und fälschlicherweise als Absender angegeben.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 27. Dezember 2017 09:35:31

na, übertreiben Sie hier nicht ein wenig?

Frank Werner Veröffentlicht: 29. Dezember 2017 23:13:57

@UEN
Es ist ja nicht eben eine Meinungsäußerung von irgendjemand. Der unbedarfte Leser (und davon gibt es sicher viele) wird mit dem Titel eines Präsidenten einer angeblichen europäischen Organisation etwas Bedeutendes und offizielles, somit seriöses suggeriert. Aber nichts von dem trifft zu, Es ist weder offiziell, noch bedeutend, noch seriös. Durch das Aufgreifen einer Argumentationskette nach Reichsbürgergustus deplatziert sich diese "Quelle" weiter. Kein seriöser Journalist würde dieses "Interview" so wiedergeben. Es ist vielmehr ein Paradebeispiel für eine wohl platzierte Verschwörungstheorie zur Befriedigung diverser Paranoia.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 30. Dezember 2017 21:49:46

Nun habt Euch mal nicht so wegen des Herrn Harry Muray. So viel Wind hat der doch gar nicht verdient. Oder doch?
Da gibt es doch in Old England einen mehrfachfach vorbestraften syrischen Ladeninhaber, der Snacks und sowas verkauft. Er ist quasi ein Einmannbetrieb, nennt sich aber Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Und dieser Ramin (Deckname) wird von allen einschlägigen Systemmedien der westlichen Hemisphäre als - DIE - Informationsquelle angesehen, natürlich die mit den autentischen Meldungen über die dortigen Verhältnisse in diesem sogenannten Bürgerkriegsland.
Hoffentlich schreibe ich jetzt nichts Falsches. Aber es könnte doch sein, daß dieser Herr Muray auch gerne etwas Wichtiges anderen mitteilen will, ob es nun so ganz stimmt oder nicht. Bei dem Ramin z . B. stimmte so vieles nicht, was dann die Qualitätsmedien des Westens aber ungeprüft übernahmen und mit mit großen Lettern oder empörten Worten weiter verbreiteten.

Frank Werner Veröffentlicht: 30. Dezember 2017 22:57:59

@Radeberger
Ein typisches Ablenkungsmanöver. Wie man die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte einschätzt, hat nichts mit dem Fall zu tun. Außerdem ein ebenso typischer Äpfel-Birnen-Vergleich. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte besteht aus einem Netzwerk und von den "Systemedien" werden deren Informationen mit denen aus anderen Quellen abgeglichen. Sei es drum - Syrien ist Kriegsgebiet, jeder vor Ort und seine Familie ist an Leib und Leben gefährdet, insbesondere wenn er Informationen nach außen gibt. Das wollen Sie doch nicht ernsthaft mit einer Arbeit in Europa vergleichen. Da benötigt man Tarnadressen, leere Homepages, israelische Mail-Adressen, "Zusammenarbeit" mit ähnlich obskuren Organisationen nur, wenn man aus Trollhausen kommt und die eigentlichen Ambitionen tarnen möchte.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 2. Januar 2018 22:25:55

Frank Werner
Veröffentlicht: 30. Dezember 2017 22:57:59
"Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte besteht aus einem Netzwerk und von den "Systemedien" werden deren Informationen mit denen aus anderen Quellen abgeglichen."
Wenn es denn so wäre, dann wäre es ja gut und journalistisch. Aber offensichtlich ist es so nicht, sonst wären ja nicht so viele, wie sagt man auf neudeutsch - Fake neews - von den Systemmedien in Umlauf gebracht worden. Wobei bei diesen das offensichtliche Faulheits- und geistige Trägheitsprinzip die Oberhand hat. Hat erst einmal ein solches Medium so eine Meldung raus gehauen, dann wird sie doch in Bezug auf die Quelle erstes Medium wortwörtlich übernommen. Oder liegt es daran, daß viele der Medien, die das wörtlich übernommen haben, zum selben Konzern gehören, den Medienkonsumenten aber vorgaukeln, sie wären wer anderes, weil sie einen anderen Namen tragen?

Link Veröffentlicht: 9. Januar 2018 01:09:08

Ich habe die allergrößten Zweifel an der Darstellung von Herrn Muray aus einem einfachen Grund:
Was er zum Elsass sagt, kann ich als Betroffener beurteilen, und da liegt er so falsch, wie man nur falsch liegen kann:

Oui, nous partageons une conscience régionale, mais il est absolument incontestable que nous sommes et nous restons une partie de la République Francaise, une et indivisible. L´Alsace était une création de la France après 1648, et surtout après la Révolution.

Nichts desto trotz schätzen wir z.B. die Stadtbaukunst, die die Deutschen nach 1871 in Strassburg geschaffen haben, heute Teil des nationalen kulturellen Erbes Frankreichs.
Am guten Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ist das Elsass wegen ganz eigenen Vorteils brennend intéressiert.
Auch aus Luxembourg kann ich nicht hören, dass man sich dort als "deutsches Protektorat" empfindet.

Kaliningrad ist in einer etwas anderen Lage, weil es zwischen der Europäischen und der Eurasischen Union liegt.

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