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Kaliningrad – bald Sonderwohnzone für Rentner?

Mo, 23 Dez 2013 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrad – bald Sonderwohnzone für Rentner?

Natürlich freut man sich zu lesen, wenn Kaliningrad im Zentrum positiver Aufmerksamkeit steht, wenn man liest, wie viele Besucher wir haben, wie viel Zugereiste, egal ob Russen oder ausländische Arbeitsmigranten bei uns arbeiten, leben und wohnen wollen. Und wir freuen uns natürlich auch über Touristen. Alle tragen zu einem interessanten Leben unserer Region bei, schaffen Werte, geben Geld aus, zahlen Steuern. Aber was ist mit den Rentnern? Rentner gibt es überall und auch die Zahl der Rentner nimmt in Kaliningrad zu – rein statistisch gesehen, wegen der größeren Lebenserwartung, die nach den letzten statistischen Angaben nun bei 70 Jahren liegt.  

Nun nimmt aber die Zahl der Rentner noch aus einem anderen Grund zu. Irgendwie – keine Ahnung warum – haben russische Rentner – nein, wir müssen das etwas korrekter formulieren – haben Russen im herannahenden Rentenalter Kaliningrad als „Lebensabend-Paradies“ erkannt und wollen hier wohnen und den letzten Lebensabschnitt am weißen Strand der Ostsee genießen. Zumindest muss man das glauben, wenn man einige Meldungen kennt.

So hat der Kaliningrader Bürgermeister Alexander Jaroschuk vergangene Woche verkündet: „… halb Russland kauft Wohnungen in Kaliningrad und will hier leben.“

Wir selber beschäftigen uns auch mit Immobilien, allerdings haben wir nur sehr bedingt mit An- und Verkauf zu tun, verfolgen aber den Markt aufmerksam. Und da tut sich eigentlich, nach unserem Befinden, relativ wenig. Der Mietmarkt ist ruhig und der Markt für Immobilien der gehobenen Preisklasse ist im Jahre 2013 auch nicht in Hektik verfallen. Aber gebaut wird jede Menge – das ist zu sehen. Anscheinend ist auch der Bedarf nicht „beliebig“, denn an vielen Neubauten hängen die Werbeschilder draußen, dass hier irgendetwas zu verkaufen ist. Und wenn man die ausgewiesene Telefonnummer anruft, dann erfährt man in der Regel, dass die am meisten gefragten Wohnungen, also Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen, schon alle verkauft sind. Aber größere Wohnungen – ja, da ist noch Auswahl.

Alexander Jaroschuk hat dafür eine Begründung. Er war vor ein paar Tagen in Moskau. Dort fand ein Seminar statt und es versammelten sich viele andere Bürgermeister von Gebietshauptstädten aus ganz Russland. Im Gespräch mit seinen Amtskollegen erfuhr er da Interessantes.

So erfuhr er, dass die anderen russischen Städte viel mehr Geld ausgeben für die Wohnungswirtschaft – gerechnet pro Quadratmeter Wohnfläche – als Kaliningrad. Kaliningrad gibt von allen Städten die geringste Summe aus. Und trotzdem scheint die Wohnsubstanz in Kaliningrad besser zu sein als im großen Russland. „Es gibt keine andere russische Stadt, die sich mit uns vergleichen könnte“, - so der Kaliningrader Bürgermeister. Wir sind also einzigartig – nun, wer will das bezweifeln?

Einzigartig ist Kaliningrad wohl auch darin, aus dem föderalen Haushalt Gelder zu erhalten. Also es fließt wohl mehr Geld aus dem föderalen Haushalt in das Gebiet zurück, als wir an den föderalen Haushalt überweisen – auch keine schlechte Sache. Alleine für die Straßeninstandsetzung hat Kaliningrad 10 Mrd. Rubel (222 Mio. Euro) aus dem föderalen Haushalt erhalten.

Und eben weil viel Geld vorhanden ist, kann auch vieles gemacht werden, was in anderen russischen Städten nicht möglich ist. Und das scheinen wohl die Russen zu bemerken, die nach Kaliningrad kommen um hier Urlaub zu machen oder sich auch ärztlich behandeln lassen wollen. Immerhin waren es im Jahr 2012 rund 400.000 Russen und im Jahre 2013 sollen es 450.000 Russen werden. Und an ärztlichen Überweisungen aus dem großen Russland (Moskau und St. Petersburg) hatten wir über 4.000 Patienten. Ein Großteil der Patienten kommt natürlich zum supermodernen Kaliningrader Herzzentrum – warum auch nicht.

Viele dieser Russen, die in Kaliningrad Immobilien kaufen, kommen aus Sibirien, dem Ural und anderen, weit im Osten gelegenen Regionen. Und anscheinend gibt es ein Ost-West-Gefälle im Lebensniveau. Kaliningrader Makler bestätigen, dass ein Großteil der Kunden, die in diesem Jahr Immobilien in Kaliningrad gekauft haben, eben aus diesen Gebieten kommt und auch wir haben es in unserer Firma gemerkt, dass es sowohl im privaten wie auch geschäftlichen Bereich eine Zuzugstendenz gibt. Zuerst machen die Leute hier ein paar Tage Urlaub, lernen die Region ein wenig kennen und dann fällen sie die Entscheidung, dass man im Rentenalter hier besser leben kann. Nun, rein von den klimatischen Bedingungen, im Vergleich zum russischen Osten, ist das sicherlich unbestritten, denn die Temperaturen im Winter sind in Kaliningrad immer „demokratisch“ zwischen minus 10 – 15 Grad und der Winter beginnt auch erst im Januar und ist Ende März auch schon wieder vergessen. Aber auch aus anderen Regionen kommen die Leute nach Kaliningrad. Und da man als Rentner an sich nicht mehr ganz so große Ansprüche hat, werden eben die kleineren Wohnungen gut verkauft.

Aber das Vergnügen in Kaliningrad seinen Lebensabend verbringen zu wollen, wird auch von Jahr zu Jahr teurer. Vergessen wir ganz einfach mal, dass im Zusammenhang mit der 2018 stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft die Spezialisten Preissteigerungen bei Immobilien um bis zu 50 Prozent vorhergesagt haben (wir glauben, dass diese Steigerung wohl eher zurückhaltend prognostiziert ist), wir bereits im Jahre 2013 rund 5,5 Prozent mehr für einen Quadratmeter bezahlen mussten, als noch im Jahr zuvor. Der Quadratmeter kostet nun durchschnittlich 50.200 Rubel (1.115 Euro). Der Preis für Wohnungen auf dem Zweitmarkt ist unwesentlich höher.

Aber was bringt uns der Zuzug zukünftiger Rentner nach Kaliningrad? Machen wir uns nichts vor, Rentner wollen ihren Lebensabend verdientermaßen genießen und werden keine Werte schaffen, werden nicht am Wertschöpfungsprozess beteiligt sein – sie sind Empfänger von Renten, die bekanntlich nicht sehr hoch sind und werden diese Renten hier in den Supermärkten für Brot und Butter ausgeben. Aber sie bevölkern auch die Gesundheitseinrichtungen und somit muss Kaliningrad hier mehr Geld für den Ausbau dieser Einrichtungen aufwenden. Und Wohnraum, den die Rentner hier kaufen, steht auch anderen nicht mehr zur Verfügung, die hier arbeiten wollen. Entweder wird der Wohnungsbau noch mehr angekurbelt oder es entsteht ein Defizit und dieses Defizit führt dann wiederum zu Preissteigerungen für die begehrten Quadratmeter.

Vor einigen Monaten gingen Meldungen durch die Kaliningrader Massenmedien, dass ein ausländischer Investor auf dem Kaliningrader Gebiet ein Rentnerparadies schaffen will. Im ersten Anlauf war dieser Investor bereit 800 Mio. Euro zu investieren und wenn sein Projekt erfolgreich läuft, wollte er weitere 500 Mio. Euro anlegen. Es sollten altersgerechte Wohnungen, Seniorenheime, Gesundheitseinrichtungen gebaut werden – sowohl für russische, wie auch für ausländische Rentner. Vermutlich analysiert man noch die Kaliningrader Bedingungen, denn es ist nichts mehr zu hören. Vielleicht ist der Gedanke der Schaffung eines solchen Seniorenzentrums in Kaliningrad doch nicht so gut – Geschäftsleute die Geld verdienen wollen haben ja eine Business-Denkweise, während Politiker eine politische Denkweise haben, die nicht immer realitätsnah ist.

Eine große Anzahl von Rentnern in Kaliningrad hebt natürlich auch das Durchschnittsalter an. Ist das gut für das Image von Kaliningrad? Wir wissen nicht, was man mit Kaliningrad vorhat, aber es gibt ein Programm für die strategische Entwicklung des Gebietes. Und ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass Russland ein Interesse hat Kaliningrad strategisch zum Rentnerparadies zu machen. In diesem Sinne bleibt also nur zu hoffen, dass die Makler und somit auch der Bürgermeister sich irren und die durch die „Außerirdischen“ gekauften Immobilien nicht dazu bestimmt sind ein Rentnerparadieses in Kaliningrad zu schaffen, sondern dazu bestimmt sind den Mietmarkt an Immobilien, insbesondere in Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu bereichern.

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Gesellschaft, Immobilien, Kaliningrad, Soziales

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