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Kaliningrad – Gefährliche Nutten und massenhaft Iskander

Di, 05 Dez 2017 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrad – Gefährliche Nutten und massenhaft Iskander

Kaliningrad scheint, nach den Vorstellungen britischer Medien, eine Ausgeburt der Negativ-Extreme zu sein. Diverse Zeitungen vermitteln ihren Lesern ein abschreckendes Bild der russischen Region, in der ihre Mannschaft zu den Weltmeisterschaften spielen soll. Schafft man es schon nicht, die Weltmeisterschaft zu boykottieren, so sollen wenigstens die Fans fernbleiben.

Am Montag brach eine Welle von Berichterstattungen und Empörung über die Kaliningrader Gesellschaft herein. Anlass waren Zeitungsberichte diverser britischer Medien über Kaliningrad. Am Freitag vergangener Woche war bekannt geworden, dass die englische Mannschaft ein Gruppenspiel in Kaliningrad austragen wird und die englischen Zeitungen begannen, ihre Leser mit „Koningsburg“ vertraut zu machen – also einer Stadt, die nicht existiert. Da man in den englischen Medien noch nicht mal in der Lage ist, den ehemaligen Namen der Stadt richtig zu schreiben, darf wohl auch angezweifelt werden, ob die Schreiberschar überhaupt jemals in der Stadt oder Region war, um sich von den wirklichen Zuständen zu überzeugen, oder ob man sich Filme aus dem Jahre 1944 angesehen hat, die englische Aufklärungsflugzeuge nach zwei mörderischen Bombenangriffen im August 1944 gedreht hatten.

Foto (Quelle unbekannt): Der Beitrag der Engländer zur Befreiung Deutschlands vom Faschismus
 
Es dauerte auch nicht lange, bis sich das russische Außenministerium zu Wort meldete und die Zeitungsberichte kommentierte. Die Vertretung des Außenministeriums in Kaliningrad reagierte auf die Veröffentlichungen von „The Independent“ mit den Worten:

„Lieber Independent, kommen Sie im Jahre 2018 nach Kaliningrad und schauen, ob es wirklich eine sowjetische Stadt ist. Und dann haben wir noch eine Frage: Wissen Sie wirklich nicht, wer die Stadt Königsberg (und nicht Koningsburg) im August 1944 bombardiert hat?“

Die englische Mannschaft wird am 28. Juni 2018 um 20.00 Uhr gegen die belgische Mannschaft antreten. Die englische Boulevardpresse nutzte die Gelegenheit, um den Lesern mitzuteilen, dass man in Kaliningrad billiges Bier, „Iskander“ und 5.000 Nutten vorfinden werde.

Die Zeitung „Daily Mail“ warnt die Fußballfans vor Russland, denn dort wird man auf ausgeprägten Nationalismus treffen, insbesondere, wenn man Lieder über das britische Imperium singt oder Putin beleidigt. Journalisten drohe dort die Autorität der Staatsmacht – so „Daily Mail“.

Deshalb sollten die britischen Fußball-Fans überlegen, wohin sie fahren – so der Leiter einer britischen Einheit der Fußball-Polizei im Vereinigten Königreich, Mark Roberts. In Russland habe man nach den Spielregeln des Gastgebers zu spielen. Wenn man das nicht berücksichtigt, braucht man sich über Folgen nicht zu wundern.

Journalisten der Zeitung „Independent“ bezeichneten Kaliningrad als „schrecklichen Ort“, wo der Geist der Freiheit eng mit sichtbarer Militarisierung einhergeht. Man empfahl den Lesern, mit Hilfe von Satelliten einfach mal nach Kaliningrad zu schauen und wird dort die „Iskander“ rumstehen sehen.

Also, wenn Sie mich fragen, mir ist unklar, warum man im Westen so auf die „Iskander“-Raketen schaut. Ich finde an denen nichts Besonderes. Gut, die können fast bis Berlin fliegen und Atomsprengköpfe tragen und decken den ganzen Luftraum über der Ostsee ab. Aber das ist doch nichts Besonderes – oder? Dabei hat Russland in Kaliningrad noch ganz andere Waffensysteme, die können die ganze Ostsee abdecken und wenn Russland es will, so wird kein einziges Boot irgendeinen dänischen Hafen verlassen können – also, wenn Sie mich fragen, das ist bemerkenswert.

Aber außer massenhaften „Iskander“-Raketen, soll Kaliningrad auch über Unmengen an Bar´s verfügen und die Jugend versucht in diesen Bar´s das westliche Flair zu inhalieren. Aber ansonsten sollen mögliche Besucher nicht glauben, dass man in dieser Stadt irgendetwas Europäisches finde, schon gar keine europäische Architektur. Man wird eine sowjetische Stadt sehen, denn das alte Königsberg (die Zeitung schrieb Koningsburg) wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Durch wen die Stadt zerstört wurde – darüber schwieg die Zeitung. Tja, wenn Sie mich fragen, wen interessieren schon die ollen Kamellen von damals?

Weiter schreibt die Zeitung, dass die Grenzen des Kaliningrader Gebietes früher offener waren als heute. Das hängt nun wiederum mit der Krim zusammen. Nun müssen die Eingeborenen … nein, wir wollen es nicht übertreiben, der Independent schrieb „Bewohner“, mit Schengen-Visa nach Polen, um dort bei IKEA und Lidl, billig die Waren zu kaufen, die man im sanktionsgeplagten Kaliningrad so schmerzlich vermisse.

Anscheinend sind die Briten nicht informiert darüber, dass nicht Russland die Grenzen dichter gemacht hat, sondern die Polen, denn Polen hatte einseitig die Vereinbarung über den kleinen visafreien Grenzverkehr aufgekündigt. Man hat Angst vor den Russen, die ohne Visa nach Polen in die grenznahen Kreise einreisen – so die damalige Begründung. Aber man hat keine Angst vor denselben Russen, die jetzt mit Schengenvisa nach ganz Polen fahren.

Den Lesern wird empfohlen, in Russland keine Gespräche über den Krieg zu beginnen, insbesondere, wenn man schon Alkohol getrunken habe. Und schon gar nicht solle man Zweifel an der führenden Rolle der Sowjetunion bei der Befreiung Europas vom Faschismus laut werden lassen. 

Die Zeitung „Daily Star“ sudelt sich in der Berichterstattung noch etwas tiefer. Hier bezeichnete man Kaliningrad als „Bordell“, vollgestopft mit Rauschgiftsüchtigen, Verbrechern und Nutten. In der Stadt blühe Menschenhandel und organisiertes Verbrechen. Man bezog sich auf Quellen eines Sex-Ratgebers und was dort geschrieben steht, kann die seriöse britische Presse natürlich ungeprüft nutzen. Und so tummeln sich auf den Kaliningrader Straßen mehr als fünftausend Nutten. Bier und Wodka sind dreimal billiger als in Moskau und die Kaliningrader Frauen sind ausgesprochene Schönheiten. Hm, also, wenn Sie mich fragen, der letzten Feststellung möchte ich durchaus zustimmen.

Die Zeitung „The Guardian“ nennt Kaliningrad eine „Geographische Anomalie“ – eine Exklave mit einer schrecklichen Atmosphäre. Allerdings sei sie europäischer als andere russische Städte. Aber die vielen kommunistischen Gebäude drücken sehr auf die Aura der alten preußischen Häuser. Und das Blatt meint zu wissen, dass es in Kaliningrad keine guten Hotels gibt. Die Fans werden an die Ostseeküste fahren müssen, dort gibt es Dörfer, die Unterkünfte anbieten. Also, wenn Sie mich fragen, ich weiß nicht, was diese Schreiberlinge unter „guten Hotels“ verstehen, aber „Radisson“ und „Ibis“ werden diese Erkenntnis des The Guardian“ wohl kaum für gut befinden.

Am Wochenende kehrte der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow von einer Dienstreise aus Moskau zurück. Am Flughafen in Kaliningrad traf er den Chef der Innenverwaltung des Kaliningrader Gebietes. Beide tauschten sich über die Auslosung der FIFA aus, die am Freitag stattgefunden hatte. Der Chef der Innenverwaltung – so erzählte Anton Andrejewitsch – zeigte sich gar nicht begeistert davon, dass die Engländer in Kaliningrad spielen. Aber warum ist er nicht begeistert? Wegen der zu erwartenden Gewalt, wegen der britischen Dummheit, wegen der Geschichtsignoranz, wegen der britischen Überheblichkeit … Also, wenn Sie mich fragen, ich bin jetzt auch nicht mehr begeistert von den Briten.

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Großbritannien, Kaliningrad, Massenmedien, Weltmeisterschaft

   Kommentare ( 4 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 02:55:41

Uwe, sie dürfen das mit Iskander nicht so eng sehen. Die haben bestimmt das gemeint:
"steht die junge Polizistin Chloé, die in die Guyanische Hauptstadt Cayenne versetzt wird. Hier soll sie mit ihrem widerspenstigen örtlichen Kollegen Dialo einen grausamen Ritualmord aufklären, dem ein französisches Ehepaar zum Opfer gefallen ist. Als auch noch deren Sohn spurlos verschwindet, fokussieren sich die Ermittlungen auf einen Kult rund um die Nachfahren afrikanischer Sklaven, die einen Waldgeist mit dem titelgebenden Namen „Iskander“ verehren. Zwischen den Zinnhüten der örtlichen Favelas, halluzinogenen Drogen und Voodooritualen dringen die beiden Cops zu einer Vergangenheit vor, die besser begraben geblieben wäre."
Scheinbar haben die britischen Schreiberlinge sich diese französische Miniserie erst mal ausgiebig zu Gemüte geführt und dazu die Bilder vom zerbombten Königsberg. Da war es eben mit der Beherrschung vorbei. Der Waldgeist Iskander in Kaliningrad- zum fürchten!

Georg Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 11:42:15

Die englischen Medien sollten sich lieber mal mit der Problematik der eigenen Hooligans auseinandersetzen und da gibt es sicherlich genug Dreck vor der eigenen Haustüre. Ebenso Kaliningrad als eine graue und triste Stadt zu bewerten halte ich für völlig verfehlt, da können doch die Briten selbst aus dem Vollen schöpfen und es gibt auf der Insel nichts Vorzeigbares, um eine britische Überheblichkeit an den Tag zu legen oder mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wahrscheinlich dient diese negative Aufmache nur dazu, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und ich denke Kaliningrad sollte diese Hetze eher gelassen entgegensehen, je weniger englische Fans kommen, umso besser. Was die Schönheit der Kaliningrader Frauen anbelangt, da stimme ich auch voll, zumal es mir gelungen ist, die Königin der schönsten Frauen aus dieser Stadt zu erobern.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 13:45:39

Georg
Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 11:42:15

Meiner Ansicht nach geht es doch darum, so viel wie möglich Fußball begeisterte Fans von einer Reise nach Kaliningrad und Rußland insgesamt abzuhalten. Es besteht doch die "enorme Gefahr", daß diese Touristen, dann wieder zu Hause, ganz andere Einschätzungen einmal öffentlich an die verlogene Presse und zum anderen im Familien- und Bekanntenkreis abgeben. Haben sich viele Fans von den "Meldungen" beindrucken lassen und sind nicht gekommen, kann die westliche Presse dann mit einem sieghaften Unterton berichten, daß die Weltmeisterschaft in Rußland auf wenig Interesse weltweit gestoßen sei und die Besucherzahlen mäßig gewesen seien. Dann noch ein paar lächerliche Spinnereien und ein paar nichtssagende Fotos und der Hetzbeitrag ist fertig.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 14:14:48

... tja, genau so ist es. Leider.

Georg Veröffentlicht: 5. Dezember 2017 14:46:45

Völlig richtig und es ist mir auch bewusst, dass seitens der britischen Presse der untaugliche Versuch gestartet wird, durch üble Nachrede die russische Gesellschaft, in diesem Fall Kaliningrad, zu diskredieren. Möglicherweise eine verspätete Rache für die blamable Vorführung in Marseille, wo ein paar hundert Russen mehrere tausend Engländer kräftig durch den Kakao zogen. Durch dieses Spektakel, ob Unrecht oder nicht, wurden die englischen Hooligans (vll. auch andere) doch sehr gedemütig und der Spott und die Schadenfreude waren grenzenlos!! Ich glaube nicht, dass die Hetze der Medien die Leute so stark beeinflusst und ich bin sicher, wer die WM besuchen will, wird sich nicht durch diese Zeitungsschmierer davon abhalten lassen

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