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Kaliningrad und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018

Mo, 02 Dez 2013 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrad und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018

Der Monat November ist nun auch geschafft und es verbleiben nur noch wenige Tage, bis wir uns wieder an eine neue Jahreszahl gewöhnen müssen. 2013 war irgendwie kein so richtig interessantes Jahr – finde ich. Lag es an der Zahl „13“ oder hatten wir als Informationsagentur einfach nur zu hohe Erwartungen, die dann nicht erfüllt wurden?

Nun, zumindest eine unserer Erwartungen wurde im November nicht erfüllt: die geringe Beteiligung an unserer Portalumfrage im November. Wir wollten von unseren Lesern wissen:

„Kaliningrad ist Ausrichterstadt der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Wussten Sie das? Ja/Nein.“

Vielleicht liegt es daran, das 2018 noch viele Jahre entfernt ist, jetzt erst einmal die Olympischen Spiele in Sotchi anstehen und dann die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Auf alle Fälle war die Teilnahme mit einem einfachen „klick“, ohne Registrierung, an unserer Portalumfrage doch zurückhaltend. Insgesamt nahmen 71 Portalnutzer teil. Das sind 1,8 Prozent aller Portalnutzer für den Zeitraum der Umfrage. Davon wussten 50 das Kaliningrad Ausrichterstadt ist und 21 wussten dies nicht. Immerhin einem Anteil von 30 Prozent war der Umstand, dass Kaliningrad Ausrichterstadt ist, unbekannt. Eine bemerkenswerte Prozentzahl. Wenn wir davon ausgehen, dass unser Portal ein kleines Regionalportal mit einem ziemlich eindeutig definierten Leserkreis ist, so wird sicherlich die Anzahl der „unwissenden Deutschen“ insgesamt noch viel größer sein. Und wenn noch nicht einmal bekannt ist, dass Kaliningrad die Fußball-Weltmeisterschaft mit drei Spielen ausrichtet – von welchem anderen Bekanntheitsgrad Kaliningrads lohnt es sich dann noch zu sprechen? Irgendwo haben wir hier wohl Nachholbedarf.

Schade aber auch, dass nur 1,8 Prozent unserer Portalnutzer den Umfrage-“Klick“ gewagt und uns in unserer Neugierde unterstützt haben, während 98,2 Prozent aller Portalbesucher nur unsere kostenlosen Informationsangebote nutzten. Vielleicht beteiligen sich aber an unserer, seit gestern geschalteten, neuen Portalumfrage einige Leser mehr.

Nun wollen wir hier an dieser Stelle keine Leserschelte betreiben, aber da wir kurz vor Weihnachten stehen, darf man Wünsche äußern und auf unserer Wunschliste für Weihnachten steht ganz oben, dass wir das Informationsportal weiter entwickeln wollen – und zwar gemeinsam mit Ihnen.

Aber kehren wir zurück zur Fußball-Weltmeisterschaft und zu Kaliningrad.

Das Russland Ausrichterland für die WM2018 wird, das war seit Anfang 2012 klar. Das Kaliningrad Ausrichterstadt wird, neben zehn weiteren russischen Städten, war seit September 2012 klar. Und da man davon ausgegangen war, dass Kaliningrad Ausrichterstadt wird, hat man auch beizeiten angefangen sich Gedanken zu machen.

Natürlich wird ein neues Stadion benötigt, neue Trainingszentren, Hotels, neue Straßen … Und natürlich müssen viele Dinge neu oder besser organisiert werden. Es geht um den Öffentlichen Personennahverkehr, den Airport, die Abfertigung an der Grenze, das Visaregime – um nur einiges zu nennen. Es wurde viel in den Massenmedien geschrieben und es wurden Finanzberechnungen gemacht und ich dachte, dass man nach der Bekanntgabe der Städteauswahl für die WM2018, Ende September 2012 nun spätestens im Oktober 2012 richtig loslegt. Da nicht so richtig etwas passierte, vertröstete ich mich mit meinen Erwartungen auf das Jahr 2013. Wenn es um rein Organisatorisches geht, dann kann man auch damit 2017 erst anfangen. Aber es geht ja um den Bau eines Stadions für 45.000 Zuschauer und das braucht doch Zeit. Und Verantwortliche Leute in Kaliningrad, mit denen ich sprechen konnte, versicherten mir schon im Brustton der Überzeugung, dass das Stadion nie und nimmer fertig wird, selbst wenn man am nächsten Tag mit dem Bau beginnen würde. Seit diesem Gespräch sind nun auch schon wieder drei Monate vergangen. Und was ist passiert? Eigentlich nichts, außer ein paar Kleinigkeiten:

Zum einen war der Kaliningrader Gouverneur in Moskau und redete dort mit Wladimir Wladimirowitsch. Eigentlich sollte es ein Gespräch zum „Milchkrieg“ mit Litauen werden, aber zum Schluss traute er sich noch die Frage nach der Fußball-Weltmeisterschaft zu stellen. Denn es hielten sich hartnäckig Gerüchte, dass Kaliningrad vielleicht doch noch ausgeschlossen wird. Aber Putin bestätigte definitiv die Teilnahme Kaliningrads und betonte zur Frage des umstrittenen Stadions in Kaliningrad: „… also das Stadion, dass baut ihr dort, wo es die Bevölkerung will und in Abstimmung mit der Zentralregierung“.

Zuerst hatte ich den Satz als Ganzes gelesen und mir keine weiteren Gedanken gemacht. Aber etwas später habe ich dann schon verstanden, dass Putin genau weiß was er sagt – selbst bei solchen „Kleinigkeiten“ wie dem zweiten Teil des Satzes.

Wenige Tage später kam dann der föderale Sportminister Mutko zu uns nach Kaliningrad. Er überschüttete die Stadt, das Gebiet und alle Verantwortlichen mit Komplimenten (was schon mal misstrauisch macht) und erklärte auch, dass der Standort für das Stadion gut ausgewählt ist, ungeachtet der äußerst ungünstigen Bodenbeschaffenheit. Und dann kam das Wichtigste – womit vielleicht die Kaliningrader Verantwortlichen nicht gerechnet hatten. Die gesamte Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 wird zentral organisiert. Was bedeutet das?

Das föderale Sportministerium ist für die Vorbereitung verantwortlich. Als unterstützendes Strukturelement, insbesondere für Baumaßnahmen, wird eine neue Struktur beim Sportministerium geschaffen. Über diese Struktur laufen alle Planungen, alle Ausschreibungen, alle Rechnungen, alle Finanzen. Und damit auch mit den schon vorhandenen Immobilien „sinnvoll“ gearbeitet wird, wird per Gesetz Kaliningrad verpflichtet, das Grundstück auf der „Insel“ mit allem was schon darauf steht, in föderale Verantwortung zu überführen. Die gesamte Dokumentation für den Bau des Stadions, die bereits fertig ist, ist ebenfalls kostenlos an das föderale Zentrum zu leiten. Und die Firma „Mostowik“, eine bekannte russische Baufirma, die sich die Kaliningrader Verantwortlichen für die Projektierung und den Bau des Stadions ausgewählt hatten (und die sich in einer Bankrott-Phase befindet … was aber keinen Einfluss hat auf die weitere Arbeit am Stadionprojekt – so die Worte der Verantwortlichen), hat ebenfalls alles an das Sportministerium abzugeben.

Nun, man kann sich sicher vorstellen, was nach Bekanntwerden dieser Neufestlegungen in den Köpfen derer vorging, die gehofft hatten, nicht nur mit dem Bau des Stadions, den auf der „Insel“ befindlichen Grundstücken und den noch zu errichtenden infrastrukturbegleitenden Bauten Geld zu verdienen. Man wollte viel Geld verdienen und nun wird man bestenfalls Geld verdienen.

Der Gouverneur N. Zukanov begrüßte natürlich die föderale Entscheidung mit überschwenglichen Worten und ergänzte aber, dass die Stadt selbstverständlich auch ihren Beitrag leisten wird – immerhin hat man ja Verantwortung.

Warum das föderale Zentrum entschieden hat alles an sich zu ziehen ist eigentlich mehr oder weniger klar. Einerseits gibt es Erfahrungen aus Sotchi. Da will man sicherlich die Entwicklung der Baukosten sich nicht mehr dem „Zufall“ überlassen und andererseits hat auch das föderale Zentrum ausreichend Firmen, denen es vertraut und die man sicher besser kennt als irgendwelche Provinzfirmen mit Provinzkontakten. Und da der Löwenanteil der Gelder für die Vorbereitung und Durchführung der WM2018 aus föderalen Töpfen kommt, so ist es mehr als nur verständlich, dass man dort auch wissen will „wo das Geld bleibt.“

Nun ist seit einigen Wochen ein wenig Ruhe eingezogen um die Bauten zur Fußball-WM. Warum auch nicht – es ist noch viel Zeit bis dahin. Man muss ja nicht sagen „Fünf Jahre“, „60 Monate“ hört sich da viel beruhigender an.

Und außerdem gibt es noch andere, nicht weniger interessante Immobilienprojekte. Eine Herzensangelegenheit vieler Kaliningrader. Deshalb nennt sich das Projekt auch sicherlich „Herz der Stadt“. Hier geht es um das Stadtzentrum, welches bis 2020, ebenfalls mit vielen Milliarden föderaler Gelder nach mehr oder weniger historischem Vorbild wieder errichtet werden soll. Hier sind noch keine föderalen Entscheidungen getroffen worden – obwohl, hier eine föderale Finanzierung, föderale Kontrolle a la WM2018 einzuführen wird wohl doch etwas schwieriger, denn es handelt sich um eine reine Gebietsangelegenheit ohne föderale Maßstäbe – außer bei den Finanzen und den Kosten für dieses Projekt … die haben schon föderale Dimensionen. Und auch die Gehälter, die sich die hiesigen Mitarbeiter für dieses Projekt schon genehmigt haben, haben föderale Dimensionen. Nach uns vorliegenden Informationen bleibt da schon gar nichts mehr übrig für die Bauten an sich …

Aber warten wir es ab. Noch sind wir in der Vorbereitungsphase, laden viele Architekten ein, die noch nie in Kaliningrad waren, aber schon nach wenigen Stunden Anwesenheit eine Meinung haben. Und wir planen schon wieder sieben Millionen Touristen für Kaliningrad. Ich meine, spätestens diese sieben Millionen Touristen werden uns Kaliningradern sagen, was wir für ein gesundes Herz tun müssen.

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Föderales, Fussball-WM, Gebietsregierung, Gouverneur, Kaliningrad

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