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Kaliningrader KANT-Universität – Geburtsklinik für akademischen Separatismus und Verrat?

Mo, 17 Jul 2017 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrader KANT-Universität – Geburtsklinik für akademischen Separatismus und Verrat?

Extremismus, Separatismus und Germanisierung sind drei Begriffe, die in Kaliningrad in den letzten zwei Jahren mehr und mehr Raum in der gesellschaftlichen Diskussion einnehmen. Nun hat diese Diskussion auch die KANT-Universität, mit ihrem Rektor an der Spitze, erfasst. Im Rahmen der geplanten Bildungsreform in Russland, wird Kaliningrad mit seiner „Albertina“ wohl eine gewisse Rolle spielen.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …, dass ich so nachdenklich bin. Nachdenklich bin ich, weil ich versuche, die gesellschaftlichen Prozesse, die im Kaliningrader Gebiet vor sich gehen, zu analysieren, zu verstehen, einzuordnen und zu erahnen, welches Endziel zu erwarten ist. Natürlich kann man das Endziel ganz einfach definieren: „Ordnung und Sicherheit in der Exklave Kaliningrad auf der Grundlage der russischen Gesetzgebung.“ Gegenwärtig scheint es so zu sein, als ob man in Russland der Meinung ist, dass Kaliningrad nicht ganz den föderalen Vorstellungen über Ordnung und Sicherheit entspricht. Seit Mitte 2016 wurden deshalb umfangreiche Personalveränderungen in den föderalen Machtstrukturen in Kaliningrad vorgenommen. Es verbleiben nur noch wenige föderale Entscheidungsträger in Kaliningrad aus der Zeit der Zukanow-Regierung – obwohl vielleicht naiv gefragt werden kann, was eine Regionalregierung und dessen Leiter mit föderalen Machtstrukturen zu tun hat.

Grafik: Leiter föderaler Behörden im Kaliningrader Gebiet
 
Versuchen wir nun ein weiteres Puzzle in der Entwicklung der modernen Kaliningrader Gesellschaft für unsere ausländischen Leser einzuordnen und erklären, dass wir vermutlich vor einem Großreinemachen im Kaliningrader Bildungs- und Kultursektor stehen.
 
Stellen Sie sich vor, Sie schicken Ihre Kinder in Deutschland in eine deutsche Schule und deutsche Lehrer unterrichten dort das Unterrichtsfach "Deutschland". Und dann kommen Ihre Kinder nach Hause und erzählen Ihnen von den Siegen der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Was würden Sie wohl über eine derartige Schule, derartige Lehrer, derartige Schulbücher und ein derartiges Unterrichtsfach denken? Für Deutschland würde ich formulieren: Thema verfehlt, setzen, Note 5. Für das russische Kaliningrad habe ich formuliert:
 
Kaliningrader KANT-Universität – Geburtsklinik für akademischen Separatismus und Verrat?
 
Es geht darum, dass es in den Kaliningrader Schulen 6-11 ein Unterrichtsfach „Geschichte des westlichen Russlands“ gibt. Hier soll die Entwicklung des Gebietes Kaliningrad den Schülern nahegebracht werden. Die Geschichte des Kaliningrader Gebietes begann im Jahre 1946, davor gab es die Geschichte Ostpreußens, einem östlichen Teil Deutschlands. Natürlich gehört die Vermittlung von Grundkenntnissen über Ostpreußen mit in dieses Unterrichtsfach – in einem ausgewogenen Verhältnis. Wenn man über die Geschichte Ostpreußens lehren will, dann sollte man das Unterrichtsfach auch „Ostpreußen“ nennen. Aber lassen Sie uns schrittweise bei dem nicht ganz einfachen Thema, vorgehen.

Seit rund zwei Jahren durchlebt das Kaliningrader Gebiet eine gesellschaftliche Diskussion zur Germanisierung. Es hat den Anschein, als ob es in dieser Diskussion nur Extreme gibt: Ein Extrem behauptet, es gäbe keine Germanisierung und diese Diskussion wird künstlich herbeigeführt, um von anderen Problemen abzulenken. Das andere Extrem befürchtet, dass das Gebiet separatistische Tendenzen zeigt und aus dem Bestand der Russischen Föderation austreten könnte. Es gibt gegenwärtig anscheinend keinen kühlen Kopf, der in dieser Diskussion vermittelt. Unbestritten ist aber auch, dass es Extremismus-Gruppen und einzelne Extremisten gibt, die sich eine „Bunte Kaliningrader (Königsberger) Gesellschaft“ wünschen und hierbei nicht selten den Kollegen Immanuel Kant und seine klugen (philosophischen) Erkenntnisse zitieren, die allerdings für Otto-Normalverbraucher nicht immer verständlich sind. Hier hat der russische Sicherheitsdienst FSB vor einigen Wochen in Kaliningrad einen „vorläufigen Zwischenstrich“ gezogen, indem drei dieser Aktivisten verhaftet worden sind.

Foto (FB-Seite Zarenreich/Kaliningrad-Domizil): „Gott-Zar-Nation“ – „Königsberg ist Europa“ und der Himmel ist über Kant und die Moral in Kant.
 
Bereits vor einiger Zeit hat man begonnen, die Arbeit der föderalen Kant-Universität kritisch zu beleuchten. Immer wieder erschienen Artikel oder Kommentare in einschlägigen Medien. Und denen war u.a. zu entnehmen, dass man sich Sorgen macht, dass die Tätigkeit der Kant-Universität und das Engagement von Teilen des dortigen Lehrkörpers aus deutschen Quellen finanziert werden und Deutschland damit langfristige Ziele verfolge. Nachdenklich macht, dass alle verhafteten Extremisten der BARS-Organisation, aber auch viele Personen aus deren familiären und gesellschaftlichen Umfeld, Studenten der KANT-Universität waren und es tauchen Gedanken auf, ob diese Universität ihrem eigentlichen Lehrauftrag wirklich nachkommt, oder andere Interessen verfolgt. Wie kommt es, dass diese Leute ganz normale junge Leute waren, teilweise sogar Anhänger der „Putinschen Jugendbewegung“, und während des Studiums dann zu extremistischen Gedankenträgern mutierten?
 
So fand vor einer reichlichen Woche in den Räumlichkeiten der Kaliningrader Grenzverwaltung des russischen FSB (Russischer Sicherheitsdienst) eine Beratung statt. Teilnehmer waren gesellschaftliche Aktivisten, Historiker, ehemalige Militärs im Generalsrang und vermutlich wohl auch Angehörige anderer staatlicher Einrichtungen und Behörden.
 
Foto (http://kpi.fsb.ru/index.html): Institut der Grenztruppen in Kaliningrad
 
Gegenstand war die Lehrtätigkeit der Kant-Universität und die Qualität der Lehrmaterialien, die die Universität vor Jahren erarbeitet hat und die im Kaliningrader Schulsystem für die Ausbildung in den Klassen 6-11 genutzt werden.
 
Machen wir einen kleinen Ausflug in das russische Bildungssystem, bevor wir zum eigentlichen „hüpfenden Komma“ kommen.
 
In Russland sind die Schulen den Kommunen unterstellt. Dies war früher nicht so, da gab es ein einheitliches Bildungssystem in der Sowjetunion. Im Rahmen der großen Freiheit in den 90er Jahren, wurde das einheitliche Schulsystem liquidiert. Jede Schule erhielt die Möglichkeit, ihr eigenes Lehrprogramm zu gestalten. Es gab (und gibt) eine Unmenge von Schulbüchern – jeder der glaubte, etwas Kluges zu wissen, schrieb ein Buch und mit ein wenig Glück, wurde es zum Lehrbuch ernannt. Klar, dass wohl kaum jemand in der Lage war, alle diese Bücher auf Inhalt zu prüfen. Und wer wollte sich schon anmaßen, ein Urteil zu fällen, was richtig ist oder falsch – insbesondere, wenn es um gesellschaftspolitische Themen und nicht um Naturwissenschaften geht. Und so wurde Geschichte gelehrt, wie es der jeweilige Lehrkörper der jeweiligen Schule für richtig erachtete.
 
Am 7. Juli 2017 informierten wir in unserem Format „Russland-Kompakt“:
Screenshot: Meldung zur Bildungsreform in Russland durch „Kaliningrad-Domizil“
 
Auch die föderale Kant-Universität hat ein Geschichtslehrbuch erarbeitet, welches jetzt in die Kritik geraten ist. Insgesamt gibt es drei dieser Bücher für die Klassen 6-7, 8-9 und 10-11. Kurz zusammengefasst geht es in diesen Geschichtsbüchern um die Entwicklung von Ostpreußen, welches bekanntlich nur während des 7jährigen Krieges für vier Jahre zum Russischen Imperium gehörte.
 

Foto: Vier russische Gouverneure in vier Jahren russisches Generalgouvernement Königsberg
 
Die Geschichte des Kaliningrader Gebietes, die ja im Jahre 1946 begann, spielt in diesen Büchern kaum eine Rolle. Zumindest meinen die Kritiker, dass es kein ausgewogenes Verhältnis bei der Betrachtung der Geschichte gäbe und die Lehrbücher eine Germanisierungs-Aufforderung sind.
 
In der von mir zu Anfang des Artikels erwähnten Konferenz in den FSB-Räumlichkeiten wurde von der „… konzeptionellen Fehlerhaftigkeit, der moralisch-nationalistischen Minderwertigkeit und der Schädlichkeit des regionalen Schulkurses (-buches) „Geschichte des westlichen Russlands““ gesprochen. Die Anwesenden hatten sich versammelt, um ihr vernichtendes Urteil über das dreibändige Lehrbuch, welches unter Leitung des Rektors der Kant-Universität vor zehn Jahren erarbeitet worden war, öffentlich zu machen.
 
Screenshot: Titelaufmachung des „Offenen Briefes“ bei „WESTI“
 
Ich werde hier nicht seitenweise aus diesen Lehrbüchern zitieren, das haben die Kaliningrader Aktivisten getan, die sich um den Runden Tisch im FSB-Institut versammelt hatten. Ich zitiere nur kurz einige Meinungen dieser Anwesenden.
 
  • Daniel Aleksjuk, Student

Der Eid auf den Kurfürsten nimmt in dem Lehrbuch drei Seiten ein. Wozu müssen das russische Schüler wissen? Und überhaupt, die überwiegende Mehrzahl der Quellen (in diesem Buch) sind ausländische Quellen, meistens deutsche Quellen, deutsche Autoren. Selbst in dem Absatz über den Zweiten Weltkrieg werden Zitate von Ausländern gebracht und nicht von sowjetischen Leuten.

  • Michael Tscherenkow, Direktor Radiostation „Russki Krai“

Natürlich ist das eine Angelegenheit für den FSB und ich hoffe, dass sich die Organe der Staatssicherheit damit ernsthaft beschäftigen. Wir müssen die Frage stellen, ob Mitarbeiter der Kant-Universität dieses Geschichtsbuch vorsätzlich oder nicht vorsätzlich so erarbeitet haben. Persönlich glaube ich, dass dieses Buch eine Bildungsdiversion gegen unser Land ist. Der Staat hat ein Geschichtsbuch über das Westliche Russland bestellt. Und was hat er erhalten? Die Geschichte Ostpreußens als Teil Deutschlands. Der Staat ist betrogen worden.

  • Generalmajor a.D. Akbar Kajumow, Korrespondierendes Mitglied der Akademie für geopolitische Probleme

Was die Frage der Vorsätzlichkeit oder Nichtvorsätzlichkeit anbelangt. Ich bin im Jahre 2012 in das Kaliningrader Gebiet aus Tadschikistan übergesiedelt (Anm. UN: Er hat dort als Stellvertretender Chef des Hauptstabes der Streitkräfte der Republik Tadschikistan gedient) und kann einfach nicht aufhören mich über diese Nostalgie zum vergangenen Deutschland zu wundern. Ich würde es verstehen, wenn alle diese Leute irgendwelche verwandtschaftlichen Kontakte mit Deutschen hätten, mit denen, die 1947 ausgesiedelt worden sind. Aber wir sprechen hier von Kaliningradern, die zu solchen Leuten nicht die geringsten Beziehungen haben. Aber es zieht sie da hin. Für mich ist klar – diese Befürworter allen Deutschens machen das nur für Geld. Das sind gekaufte Leute… Der Feind hat eine mächtige Waffe – die Ideologie. Der Feind hat heute eine Bombe in die Hirne der Jugend in Form dieses Lehrbuches gelegt. Wir können nur schwer dagegen einwirken, aber wir müssen es. Wenn wir nicht einwirken, dann verlieren wir Russland Stück für Stück.

Belassen wir es bei diesen drei Zitaten.

Im Ergebnis dieser Konferenz (oder auch Runden Tisches), gab es eine Beschwerde (offenen Brief) an die föderale Bildungsministerin Olga Wasiljewa und den Gouverneur des Kaliningrader Gebietes Anton Alichanow mit der Bitte, dieses dreibändige Lehrbuch „Geschichte des westlichen Russlands“ sowie sämtliche methodischen Hinweise, die sich auf dieses Buch beziehen, auf den Index zu setzen und aus allen Bibliotheken zu entfernen. Eine zweite Bitte, so schreibt das Informationsportal „NewsBalt“, ging dahin zu prüfen, ob der Rektor der Kant-Universität Andrej Klemeschew, (Chefredakteur des Lehrbuches) geeignet ist, die Funktion des Rektors einer föderalen Universität auszufüllen.


Screenshot: NewsBalt informiert über Hauptthesen der Kritiker des Rektors der Kant-Universität
 
Schauen wir bei dieser Gelegenheit noch ganz kurz auf den Lebenslauf des jetzigen Rektors der föderalen KANT-Universität und machen uns danach noch einige Gedanken.
 

Foto: Auszüge aus dem Lebenslauf des Rektors der Kant-Universität
 
Er gehört also zum „Inventar“ und ähnelt in seinem Lebenslauf ein wenig dem deutschen Philosophen Immanuel Kant. Dieser hatte sich nie aus Königsberg herausbewegt und Andrej Klemeschew hat sich niemals aus der Universität herausbewegt (sinnbildlich). Und ich möchte die Aufmerksamkeit des Lesers noch darauf lenken, dass er seit 1998 Rektor der Universität ist. Er hat also die Möglichkeit erhalten, mit fast allen Kaliningrader Gouverneuren (mit Ausnahme des ersten Gouverneurs), gemeinsam die Entwicklung der Universität zu gestalten. Ich überlasse es dem Leser, hieraus weitere Schlüsse zu ziehen.
 

Seit ungefähr zwei Jahren beobachte ich, wie der Rektor Andrej Klemeschew immer mal wieder in der Kritik steht, habe diese aber nie überbewertet, da im wesentlichen nur Wladimir Nikolajewitsch Schulgin kritisierte.

Foto: Wladimir Nikolajewitsch Schulgin, schärfster Kritiker des Rektors der Kant-Universität
 
Schulgin war seit 1981 Lehrer an der Kant-Universität. Er ist also schon Lehrer gewesen, als der heutige Rektor im Jahre 1982 als Assistent an der Uni anfing zu arbeiten. Im Juni 2014 ist Schulgin entlassen worden – warum auch immer. Er selber begründete seine Entlassung in einem Interview mit „NewsBalt“ damit, dass eine Gruppe von Mitarbeitern der Universität, mit einer prodeutschen Einstellung, ihn aus dem Lehrkörper entfernen wollten, damit er ihre deutschorientierte Lehrtätigkeit nicht weiter störe. Seine Kritik an dem Rektor und der Arbeit der Universität habe ich somit immer in die Rubrik „beleidigter Ex-Mitarbeiter“ eingestuft und entsprechend vorsichtig bewertet, zumal seine Argumentation zu Fragen der Germanisierungsprozesse im Gebiet – nach meinem Geschmack – etwas schwer nachvollziehbar, zumindest jedoch nicht überzeugend waren.
 
Aber unter dem Offenen Brief an die föderale Bildungsministerin und den Kaliningrader Gouverneur steht nicht nur seine Unterschrift, sondern … oho, oho:
 
  1. Schulgin W.N., Doktor der Geschichtswissenschaften, Mitglied der Akademie für geopolitische Probleme Kaliningrad
  2. Kajumow A.N., Generalmajor der Reserve, Korrespondierendes Mitglied der Akademie für geopolitische Probleme Kaliningrad
  3. Iwanow E.F., Oberst, Korrespondierendes Mitglied der Akademie für geopolitische Probleme Kaliningrad
  4. Iwaschow L.G., Doktor für Geschichtswissenschaften, Generalobert, Präsident der Akademie für geopolitische Probleme Moskau
  5. Belalow W.A., Ingenieur-Technologe, Schriftsteller, Chefredakteur des Journals „Baltische Ewigkeit“, Experte, Kaliningrad
  6. Belousow A.A., Jurist, Schriftsteller, Kaliningrad
  7. Birjukow G.O., Kapitänleutnant der Reserve, Geistlicher der ROK, Nestorow im Kaliningrader Gebiet
  8. Bitsch G.P., Schriftsteller, Erster Stellvertreter des Vorsitzenden des Kaliningrader Gebietskomitees der Veteranen „Russischer Verband der Veteranen“, Kaliningrad
  9. Bubnow, Fähnrich der Reerve, Wachmann in der Jugendbibliothek W. Majakowski, Kaliningrad
  10. Wolkonskaja, Schriftsteller, Siedlung Schelesodoroschnoje, Kaliningrader Gebiet
  11. Iwkow W.N., Lehrer in Rente, Siedlung Schelesodoroschnoje, Kaliningrader Gebiet
  12. Klinzewitsch E.K., gesellschaftlicher Aktivist, Kaliningrad
  13. Kurkin W.M., Offizier außer Dienst, Geistlicher der ROK, Stadt Jantarny
  14. Makarow M.J., Leiter der Russischen Gemeinschaft des Kaliningrader Gebietes
  15. Nikolaitschik S.G., Schriftsteller, Mitglied des Schriftstellerverbandes Russlands, Kaliningrad
  16. Osipow D.T., Offizier der Reserve, Journalist, Orthodoxe Zeitung „Spas“, Kaliningrad
  17. Skobei N.G., gesellschaftlicher Aktivist, Kaliningrad
  18. Stepanowa O.G., Spezialist für Museumsexponate, Kaliningrad
  19. Fjodorow A.P., Künstler, Leiter einer Künstlervereinigung, Kaliningrad
  20. Scherenkow M.W., Direktor der Radiostation „Russki Krai“, Vorsitzender des „Kaliningrader patriotischen Forums“, Kaliningrad
  21. Schewzow D.L., Offizier der Reserve, Abgeordneter des Stadtrats von Gurewsk
  22. Schwezow M.W. gesellschaftlicher Aktivist, Gurewsk
  23. Jatschmenojow W.W. Lehrer an der Kaliningrader Technischen Universität, Kaliningrad

Und im letzten Absatz des Offenen Briefes, vor all diesen Unterschriften steht geschrieben.

Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, Maßnahmen einzuleiten:

Anm. UN: Der Begriff Lustration (lustrieren) wurde von den Verfassern des Offenen Briefes wortwörtlich verwendet. Der deutsche Duden definiert: kultische Reinigung vornehmen, feierliche kultische Reinigung durch Sühneopfer.
 
Sehr, sehr starke Worte – finden Sie nicht auch? Weiterhin sollten wir nicht vergessen, wo dieser Runde Tisch stattgefunden hat – nicht irgendwo in einem Office-Zentrum oder dem Konferenzraum eines Hotels. Nein, in den Räumlichkeiten des russischen Sicherheitsdienstes FSB, den heiligen Hallen des Instituts der Grenztruppen. 
 
Nachdenklich machen aber noch zwei weitere, nicht gerade unwesentliche Tatsachen.
 
Am 27.02.2016 hat der russische Premierminister Dmitri Medwedjew mit Erlass Nr. 314R Andrej Klemeschew für weitere fünf Jahre als Rektor der Universität bestätigt. Bis dato gab es also keinen Anlass, an der Zuverlässigkeit des Rektors zu zweifeln. Was ist aber seit diesem Zeitpunkt geschehen, dass sich im Verlaufe von nur einem Jahr derartige Dinge herausstellen bzw. öffentlich werden und derart an den Pranger gestellt werden? Immerhin hat Schulgin schon seit vielen Jahren auf die Zustände in der Universität aufmerksam gemacht. Warum ist er nicht erhört worden?
 
Und der zweite Punkt betrifft den russischen Präsidenten Putin, der am 15. Februar 2016, also wenige Tage vor dem Medwedjew-Erlass, den Rektor der Kant-Universität mit dem Orden „Für Verdienste vor dem Vaterland 2. Stufe“ auszeichnete. Wer hat dem Präsidenten Putin gesagt, dass dieser Mann Verdienste hat? Hat man den russischen Präsidenten nicht richtig informiert?
 
Nun, ich denke, wir stehen wirklich vor einem Reformprozess im russischen Bildungswesen, so wie er von der russischen Bildungsministerin angekündigt worden ist. Und im Rahmen der Übergabe der Schulen in die regionale Verantwortung, wird es sicher auch personelle Änderungen geben. Welche Auswirkungen diese Reform auf die Hochschulen und Universitäten hat – da müssen wir abwarten und uns überraschen lassen.  
 

 

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Bildung, Deutsches, Gesellschaft, Skandal

   Kommentare ( 6 )

Eckart Veröffentlicht: 17. Juli 2017 14:22:24

Der polnische Nationalist Josef Pilsudski hat den Begriff "Intermarium" geprägt. Der feuchte Traum dieses Mannes ist die Schaffung eines Gebietes, welches von der Ostsee bis zur Adria reichen, und unter polnischer Dominanz stehen soll.
Diese ideologische Ambition passt heute in die Bestrebungen der Westmächte und Nato Strategen. Aus diesem Grunde werden alle Hebel bemüht alle störende Faktoren zu beheben.

Die Gebiete Kaliningrad und auch Weißrussland stehen dabei der "Three Seas Initiative" als Störfaktoren im Wegen. - Bei der TSI Ambition will man sogar die Gebiete zwischen Ostssee, Schwarzes Meer und Levante zu einer Region verschmelzen.

Fast alle Staatsgebiete hat man im Zuge der Osterweiterung diesem Gebilde zugeführt. Nur bei der Ukraine und Jugoslawien man mit Gewalt nachgeholfen.

Kalingrad droht ideologisch zersetzt zu werden. Wer die Indoktrinierung der Jugend zulässt und inkonsequent gegen Korruption und Schlendrian vorgeht, muss sich am Ende nicht wundern.

Frank Werner Veröffentlicht: 17. Juli 2017 19:01:06

@Eckart
Ich gehe davon aus, dass sie auch einen Alu-Hut tragen ... und der nächste Schnupfen kommt bestimmt auch aus den USA oder der EU ...

.g Radeberger Veröffentlicht: 17. Juli 2017 19:27:34

Vor einiger Zeit las ich im Zusammenhang mit den ganzen Problemen mit den sogenannten "Reichsbürgern" und deren teilweisen skurilen Anschauungen (aber nicht alle) auch über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1973, daß das Deutsche Reich noch bestehe und mit der BRD bis auf Teile des Staatsgebiets und der Staatsgrenze identisch sei. Nun gibt es Leute, nicht nur Private, die daraus ableiten, daß zwar die ehemaligen deutschen "Ostgebiete", die jetzt auch vertraglich zu Polen gehören, nun erst einmal verloren wären. Aber das heutige Gebiet Kaliningrad nur unter sowjetisch/russischer Verwaltung stehen würde, da es für dieses Gebiet keinen sowjetisch/russischen-deutschen Vertrag über die Abtretung dieses Gebietes an UdSSR/RF gebe. Darauf bauen da einige irgendwelche Möglichkeiten, dieses Gebiet aus der RF heraus brechen zu können. Dazu gibt es unterschiedliche Varianten. Eine davon ist die Regermanisierung dieses Gebietes unter Beteiligung der russ. Bevölkerung. Verrückt??

.g Radeberger Veröffentlicht: 17. Juli 2017 19:57:08

Eckardt,
dieser nun schon ziemlich vollständige Kordon Sanitair ist faktisch die "Mauer", die im Auftrag und unter Mitwirkung der USA zwischen Deutschland und der Sowjetunion/Rußland errichtet wird. Es geht um die alte Angst der US-Eliten nun schon seit über 100 Jahren, daß es zwischen Deutschland und Rußland zu engen Kooperationen kommen könnte. Das würde natürlich auch Auswirkungen auf die Nachbarländer Deutschlands haben, die sich so einer Kooperation - von Lissabon bis Wladiwostock - anschließen würden. Damit wäre es mit einer Vorherrschaft der USA in der Welt vorbei.
Aber diesen Herrschaften überm großen Wasser machen jetzt die Vorstellungen und Aktivitäten Chinas mit der neuen Seidenstraße ziemliche Kopfschmerzen. Damit werden die Ambitionen der USA im arabischen und asiatischen Raum ziemlich gestört. Vor allem, weil China alle diese Länder nicht nur als Transitländer nutzen, sondern diese auch wirtschaftlich einbinden will.

Eckart Veröffentlicht: 17. Juli 2017 23:37:26

@ Frank Werner
Jeder kann geistig reich werden und auch sein, ob nun mit oder ohne Alu Helm, aber Unmenschen mit Stahlhelm auf dem Hohlkopf bleiben als Loser auf die sehr viel schlichteren Dinge beschränkt.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 17. Juli 2017 23:47:11

Ich kann mir schon vorstellen, dass die Universitätsleitung sich ein wenig zuviel um die ostpreussische Vergangenheit bemüht hat, hoffe aber das dies ohne viel federlesen korrigiert werden kann. Dafür unterliegen staatliche Universitäten eben der Aufsicht des Staates. Ebenfalls kann ich mir vorstellen, dass die Suppe in Moskau nicht so heiß gegessen wird, wie in Kalinigrad, zudem die aussenpolitischen Interessen in Bezug auf Deutschland in Moskau, trotz der gegenwärtigen Konflikte, eine größere Rolle spielen als in Kalinigrad selber.

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