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Kaliningrader schwarzer Freitag – wirklich „schwarz“? Teil III

Mi, 18 Dez 2013 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrader schwarzer Freitag – wirklich „schwarz“? Teil III

Die Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“ unternimmt den Versuch die Bankensituation in Russland im allgemeinen und die Ereignisse in Kaliningrad im Zusammenhang mit den Lizenzentzügen der letzten Tage zu analysieren. Wir unterteilen unsere Analyse in drei Teilen:

  • Teil I – Analyse des Bankensystems in Russland insgesamt
  • Teil II – Analyse der Bankensituation in Kaliningrad am konkreten Beispiel der Investbank
  • Teil III – Analyse der Bankensituation aus der Sicht der Anleger

Die Veröffentlichungen erfolgen am 16, 17. und 18. Dezember.

Weiterhin veröffentlichen wir ein Porträt der Leiterin der russischen Zentralbank.

Kommen wir nun zum dritten Teil unserer Analyse und stellen auch hier wieder zwei Fragen:

  1. War der Lizenzentzug für die Investbank vorhersehbar?  Wir glauben “JA“, aber …
  2. Kann sich ein Sparer vor Verlusten schützen? Wir wissen „JA“ – bedingungslos.

Für „Otto Normalverbraucher“ war der Lizenzentzug natürlich nicht vorhersehbar. Wer schaut schon jeden Tag in Analyseportale, pflegt Kontakte zum Bankensystem, unterhält sich mit Insidern und versteht es dann auch noch alle erhaltenen Informationen miteinander zu verknüpfen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen?

Aber es gibt so kleine Alarmzeichen, die auch „Otto-Normalsparer“ nachdenklich machen müssten.

Die „Investbank“ ist seit Jahren bekannt gute Zinsen zu zahlen. Im Valutabereich (Euro, USD) sind fünf Prozent normal und im Rubelbereich acht, neun Prozent. Bis Ende November 2013 konnte man schon relativ kleine Summen (5.000 Euro) für 5,25 Prozent im Eurobereich für ein Jahr anlegen. Und plötzlich gibt es Anfang Dezember ein Sonderangebot. Die Zinsen steigen sprunghaft auf 6,5 Prozent.

Werbegrafik: Anlagen in Valuta Euro, USD 6,5 Prozent

Sicherlich ist die „Investbank“ nicht zu einem Sozialunternehmen mutiert und wollte armen russischen Rentnern zu ein paar mehr Rubeln verhelfen. Wenn eine Bank mehr Zinsen zahlt, so hat sie einen Finanzbedarf und wenn sie viel mehr Zinsen zahlt, so hat sie einen noch größeren Finanzbedarf. Und dann muss man sich nur auf die Suche nach Informationen machen, wozu die Bank wohl plötzlich viel Geld benötigt. Und mit ein wenig Glück erhält man alle notwendigen Informationen und kann rechtzeitig reagieren.

Interessant, in Hinsicht auf „Signalaussendung“ ist auch, wenn eine Bank, die bisher eher zurückhaltend in den Massenmedien, auch reklamepolitisch aufgetreten ist, sich plötzlich in den Vordergrund schiebt. Nun kann dies daran liegen, dass diese Bank ihre Chance sieht, aus dem Lizenzentzug für sich neue Kunden zu gewinnen. Dann sollte man diese Kunden auch mit verständlichen Dingen reklamepolitisch ansprechen. Zum Beispiel könnte man mit kostenlosen Dienstleistungen werben oder besonders niedrigen Bankgebühren usw. Aber die „Energotransbank“, eine Kaliningrader Regionalbank mit bisher guter Reputation, ist plötzlich seit 11. Dezember auf vielen Portalen präsent.

Grafik: EnergoTransBank

Sie informiert darüber, dass sie der kommunalen Firma „Wärmeversorgung“ einen Kredit über 400 Mio. Rubel (8,9 Mio. Euro) mit einer Laufzeit von 34 Monaten gewährt hat. Und es wird extra betont, dass die Vertragsverhandlungen sehr schnell verlaufen sind. Nun kann man sich darüber freuen, dass endlich eine Bank dieser, kurz vor der Pleite stehenden, kommunalen Einrichtung einen Rettungskredit gewährt hat, man kann aber auch auf Gerüchte hören, die behaupten, dass auch dieser Bank die Lizenz entzogen wird. Welche konkreten Vorteile eine Kreditvergabe in dieser Situation der Bank bringt – da sind wir mit unseren Überlegungen noch zu keinem Resultat gekommen. Zumindest gibt es einen positiven Imageschub und vielleicht auch irgendwelche subjektiven Stützungen seitens der Kommune (sprich Stadt Kaliningrad).

Ein „Anleger“ in Russland (Kaliningrad) sollte freiwillig sich auf den Status „Sparer“ zurückziehen, also sich erinnern, dass er in Russland ist und er sich um viele Dinge selber kümmern muss, d.h. mit Informationen aus dem Bankensektor nicht so versorgt wird, wie er dies vielleicht aus Deutschland gewohnt ist. Er muss sich also um seine Anlagen, um sein Erspartes intensiver kümmern – von seinem hohen, reichen Ross runtersteigen. Wer dies nicht tut und sorglos in den Tag lebt und allgemeine Hinweise nicht beachtet, der wird eben bestraft – mit dem Verlust von mehr oder weniger mühselig Erspartem.

Foto: Das kann passieren …

Wie kann ich mich aber nun vor Verlusten schützen und trotzdem gutes Geld verdienen? Das ist relativ einfach und es gibt nur weniges, was zu beachten ist.

  • Arbeiten Sie nur mit Banken zusammen, die am Einlagensicherungssystem teilnehmen.
  • Legen Sie pro Person und pro Bank nur Geld bis zu einer Höhe von 700.000 Rubel (15.500 Euro) an.
  • Legen Sie Geld nur in Euro an, um das Kursrisiko auszuschließen.

Wenn Sie diese drei kleinen Dinge beachten, kann Ihnen nichts passieren, selbst wenn der Bank die Lizenz entzogen wird. Ihre Einlage, einschließlich Verzinsung erhalten Sie zurück, egal ob Sie Russe oder Ausländer, Resident oder Nichtresident sind.

Allerdings gibt es einen sehr bekannten Kaliningrader, der diese Dinge auch nicht beachtet hat. Der sogar, dass muss man wohl zu seiner Ehrenrettung sagen, den Äußerungen führender föderaler Persönlichkeiten aus dem Bankensektor Glauben geschenkt und sogar öffentlich erklärt hat, das niemand etwas zu befürchten hat …

Foto: Gouverneur Zukanov in einer sehr unangenehmen Situation

Und dann kam alles ganz anders und diese bekannte Person verlor, gemeinsam mit Angehörigen seiner Familie, eine sehr große Geldsumme die das …zigfache der Garantiesumme übersteigt. Es handelt sich um unseren Gouverneur Nikolai Zukanov. Normalerweise schweigt man ja über solche Dinge, aber das Internetportal kaliningrad.ru, ein dem Gouverneur nahestehendes Portal, informierte die Portalnutzer über das „Bankenopfer Zukanov“ (… ein Schelm der sich schlaues dabei denkt …). Verwunderlich ist auch, dass andere Portale, die dem Gouverneur sonst kritisch gegenüber stehen, diese Meldung nicht aufgreifen um auf diese Art und Weise eine gewisse „Schadenfreude“ zu vermitteln.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist Russland, nach unserer Meinung, für Ausländer die sich zeitweilig hier aufhalten (mindestens ein Jahr) eine attraktive und sichere Geldanlagemöglichkeit mit guten Verzinsungen, wenn die Ausländer die von uns gegebenen Ratschläge und Hinweise beachten. An dieser Meinung ändern auch die Ereignisse der letzten Tage nichts.

Wir haben Mitte vergangenen Jahres in Kaliningrad 63 Banken gehabt. Fast alle Banken rangierten unter den TOP-100 in der russischen Ratingliste. Heute haben wir noch 51 registrierte Banken in Kaliningrad. Also auch hier, regional begrenzt, sehen wir einen Schrumpfungsprozess – sicher zugunsten der Bankkunden.

Und um nun abschließend auf unsere fragende Überschrift zu antworten, ob der „schwarze Freitag“ wirklich so „schwarz“ war, so antworten wir mit „nein“. Es war vielleicht viel mehr ein weiterer Tag in eine weiße Bankenlandschaft in Russland.

  

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Banken, Finanzen, Föderales, Kaliningrad, Politik, Russland

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