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Kaliningrader Stagnationssymbol erhält alte Zweckbestimmung

Mo, 08 Okt 2018 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrader Stagnationssymbol erhält alte Zweckbestimmung
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Am Wochenende hat sich der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow über Twitter … äh, nein … Anton Alichanow twittert nicht, er instagrammert … gemeldet. Er zeigt sich hier wie ein echter Russe (wie auch sonst). In zehn Zeilen zeigt er seine Begeisterung über das Festival „Sport + Music“, welches erfolgreich am Wochenende auf dem Platz vor dem Haus der Räte stattgefunden hat und verkündete, dass man an der Entwicklung dieses Formats interessiert ist und bat seine „Verfolger“, Vorschläge zu unterbreiten.

Und wie üblich in Gesprächen mit Russen, kommt das Allerwichtigste ganz zum Schluss. Mit genau 100 Zeichen teilt er mit:

„Wir planen das Haus der Räte zu kaufen, als Eigentum des Kaliningrader Gebietes und wollen im kommenden Jahr mit der Restaurierung beginnen.“

Und auf die Frage eines seiner „Verfolger“, was er mit dem Haus machen will, schreibt er:

„Wir werden alle unsere Beamten da reinsetzen.“

Tja, und damit hat er den Gedanken aufgegriffen, den andere schon hatten, als sie den Bau dieses Hauses planten. Dort sollte schon immer die Gebiets- und Parteiführung rein. Deshalb auch die zwei Säulen des Gebäudes – eine Säule für die Parteiführung und eine für die Gebietsverwaltung.

Das weitere Schicksal kennen wir. Der Bau zog sich ein wenig hin und dann ging das Geld aus. Und als dann Geld wieder da war, war die Partei nicht mehr da und überhaupt hatte man dann andere Sorgen, als den Beamten ein bequemes Arbeitsumfeld zu schaffen und der Bevölkerung durch ein zentrales Verwaltungsobjekt das Leben zu vereinfachen. Damals ging es ums Geld verdienen und alles andere war unwichtig. Irgendwann hatte man erkannt, dass natürlich dieses Gebäude mal wertvoll werden könnte und es wurde zum Spekulations- und Skandalobjekt.

Seit Anton Alichanow das Ruder in Kaliningrad in der Hand hält, wird zwar weiter spekuliert, allerdings mehr mental, im Sinne des Verwendungszwecks.

Nun scheint endlich die einzig vernünftige Idee geboren zu sein, denn dieses riesige Gebäude zu einem Museum, zu einem Hotel oder zu einem Einkaufszentrum zu machen ist zwar möglich, aber wirtschaftlich wohl kaum interessant – denn es steht im Stadtzentrum der russischen Stadt Kaliningrad und nicht im Stadtzentrum von Moskau oder St. Petersburg.

Gegenwärtig ist die Lage so, dass das Hauptgebäude der Kaliningrader Gebietsregierung sich in der Dmitri Donskowo 1 befindet. Und dann gibt es noch eine Reihe anderer Gebäude für Ministerien und Verwaltungsstrukturen – verstreut in der ganzen Stadt.

Ähnlich sieht es mit der Kaliningrader Stadtverwaltung aus.

Und die Stadt verfügt, trotz aller Baumaßnahmen der Vergangenheit, wohl nicht über ein ausreichend großes Angebot an Konferenz- und Versammlungsräumen unterschiedlicher Größe.

Das alles kann man da unterbringen und trotzdem bleibt wohl genügend Platz, um auch noch Restaurants und Kultureinrichtungen hier eine Chance zu geben.

Gegenwärtig gehört der Gebietsregierung 30 Prozent des Gebäudes. Und 70 Prozent gehören einer Privatfirma. Wer hinter dieser Privatfirma steht, ist unbekannt – also offiziell unbekannt. Gerüchte gibt es genügend.

Und das Informationsportal „newkaliningrad“ stellt die Frage, woher man wohl das Geld nehmen will, um diese 70 Prozent zu kaufen. Wir sprechen hier über viele Millionen Euro (von Dollar sprechen wir nicht mehr in Russland, seit vor einigen Tagen das Kommando „Faß“ aus Moskau gegeben wurde).

Aber mir scheint die Finanzierung kein großes Problem zu sein, denn wenn alle Beamten der Kaliningrader Gebietsregierung und vielleicht sogar noch der Kaliningrader Stadtverwaltung in dieses Gebäude umziehen, so werden doch jede Menge erstklassiger Immobilien frei und die bringen so viel Geld ein, dass man davon problemlos das „Haus der Stagnation“ kaufen und instandsetzen kann. Und es bleiben auch noch einige Rubel übrig, um es zu „obmywatschen“.

Tja, bis zum nächsten Jahr, dem versprochenen Termin für den Beginn der Instandsetzung oder dem Ende der Stagnation, verbleiben nur noch drei Monate. Haben wir 30 Jahre gewartet, schaffen wir diese drei Monate auch noch.

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Gebietsregierung, Gouverneur, Immobilien

   Kommentare ( 4 )

boromeus Veröffentlicht: 8. Oktober 2018 14:22:05

Ja,bleibt zu hoffen, dass den Worten,die so oft ge- und versprochen wurden,auch erkennbare Taten folgen.Geredet wurde ja mehr als genug über das Thema.Wenn man bedenkt,dass man vor noch nicht allzu langer Zeit, noch nicht einmal genau wusste,wer denn die anderen Eigentümer des Gebäudes sind,ist das ja schon bemerkenswert.Was die Nutzung als zentrale Anlaufstelle für Bürger angeht ,ist das eine sehr gute Idee.Ich musste erst in der letzten Woche erfahren,wie dezentral entsprechende Verwaltungen in der Stadt gestreut sind.Da mag sich der Einheimische vielleicht noch auskennen.Ich als Ausländer nicht.Von daher macht eine Zusammenlegung der wichtigsten Dienststellen und Ämter für die Bürger auch Sinn.Platz ist ja reichlich vorhanden.Und das was an Immobilien frei wird,lässt sich sicherlich gewinnbringend veräussern.So jedenfalls der theoretischen Ansatz.Oder heißt es dann vielleicht doch bald wieder:
"Wir wollten das Beste ,aber es kam wieder einmal völlig anders".....

Frank Werner Veröffentlicht: 8. Oktober 2018 21:00:29

Gerade auf den Kalender geschaut, nein, 1. April ist nicht. Spätestens wenn die ersten realen Kostenschätzungen für eine Sanierung auf dem Tisch liegen, wird sich die Sache wohl erledigen. Aber vorher erhält der private Investor bestimmt ein Angebot, welches er nicht ablehnen kann und wird, danach gehört der Schrott dann zu 100% der Stadt. Nastrovje!

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. Oktober 2018 21:18:01

... nun, ich dachte, dass ich die Frage der Finanzierung verständlich erklärt hatte. Verkauft wird das Gebäude der Kaliningrader Gebietsregierung und das Gebäude der Kaliningrader Stadtverwaltung. Beide Gebäude sind zusammen in etwa so groß wie das Haus der Räte und liegen natürlich in erstklassigen Lagen. Entweder werden die beiden Gebäude direkt verkauft und mit den Verkaufserlösen wird das Haus der Räte rekonstruiert oder es erfolgt ein Tausch mit Wertausgleich. Es wird also eigentlich überhaupt kein Geld benötigt.

Frank Werner Veröffentlicht: 9. Oktober 2018 07:28:24

@UEN
Ich schaue nochmal, noch immer nicht 1.4. Erstmal kann ich die alten Gebäude nicht verkaufen, bevor das HdR bezugsfertig ist. Vielleicht kann ich schon - aber solche Aktionen gehen in der Regel schief. Ich tippe mal auf folgendes Szenario: HdR wird weit über (Rest-)Wert erworben (privater Investor freut sich, Nastrovje), alte Objekte werden unter Wert verkauft (privater Investor freut sich. Nastrovje). Es wird mit der Sanierung des HdR begonnen oder nicht - auf jeden Fall wird viel, viel Geld fließen, sei es auch nur für die Planung (Nastrovje). Nichts oder nicht viel passiert. Es wird festgestellt, dass HdR nicht sanierbar ist oder das es viel, viel zu teuer ist. Die Stadt mietet die alten Gebäude zurück - natürlich für viel, viel Geld (Nastrovje). Die Wahrscheinichkeit dafür liegt aus meiner Sicht bei deutlich über 50%. Sollte das HdR tatsächlich saniert werden (und zwar richtig, nicht nur nach Baumeister Potemkin), dann hat Kalingrad seine Elbphilharmonie - vom Kostenverhältnis

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 9. Oktober 2018 07:42:16

... ach so, ich hatte noch vergessen zu erwähnen, dass gegenwärtig mehrere Expertengruppen daran arbeiten, den Sanierungsaufwand und den damit verbundenen Kostenumfang festzustellen. Danach wird man dann mit Vorschlägen an mögliche Interessenten herantreten. Das bei jeder Expertise es "unbekannte Faktoren" gibt, ist klar. Das kann Kaliningrad dann gut sehen an dem von Ihnen genannten Beispiel, am Beispiel des Berliner Airports usw. Deutschland hat ja viele Objekte, an deren Fehlplanungen sich Kaliningrad orientieren kann, um Fehler zu vermeiden.

Frank Werner Veröffentlicht: 9. Oktober 2018 19:45:18

@UEN
Da bin sicher nicht nur ich gespannt. Aber ein solches Gebäude, geplant in den 70igern, fit zu machen für die Anforderungen 2020+x ist schlicht nicht wirtschaftlich darstellbar (selbst wenn Asbest für Russen "unschädlich" ist). Von daher freue ich mich auf die veröffentlichten Zahlen und auf die (höchstwahrscheinlich unveränderte) Realität 2020+x.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 9. Oktober 2018 20:06:37

... ja, warten wir ab. Wichtig ist, dass irgendwie Bewegung in das Stagnationsobjekt kommt, denn als Denkmal für den unvollendeten Sozialismus ist es auch nicht so richtig geeignet.

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