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Kaliningrader Träume-Puzzle

Di, 08 Jan 2019 ... mit deutschem Akzent


Kaliningrader Träume-Puzzle
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Ich weiß nicht was soll es bedeuten … Aber ein paar, mit Phantasie gewürzte Überlegungen, darf jeder gerne anstellen, wenn es um die Zukunft des Kaliningrader Gebietes geht. Beobachten wir einige Ereignisse der letzten zwei Jahre in Russland insgesamt und in Kaliningrad im Besonderen, so kann man schon zu interessanten Erkenntnissen kommen.

 

Gleich vorausgeschickt – „Kaliningrad-Domizil“ verfügt über keinerlei Insiderinformationen. Ich konsumiere einfach nur allgemein zugängliche Informationen und mache mir so meine Gedanken.

Im Jahre 2014 fanden die Olympischen Winterspiele in Sotchi statt. Viel wurde getan, um diesen Ort herzurichten. Die Winterspiele sind vorbei und Sotchi steht nach wie vor regelmäßig in den Schlagzeilen. Insbesondere wenn Putin mal wieder dort ist. Es werden Beratungen der Regierung durchgeführt, aber auch häufig Treffen mit ausländischen Politikern durchgeführt. Sogar Frau Merkel ist schon nach Sotchi gereist, obwohl die Entfernung bis dahin nicht gerade kurz ist – länger sogar, als bis nach Moskau.

Nun, nach Moskau, einem doch sehr symbolträchtigen Ort, insbesondere in der Politik, möchte nicht jeder reisen. Da ist es doch schön, wenn man eine alternative, eine sportliche Alternative hat.

Im tiefen Osten Russlands gibt es Wladiwostok. Hier wurde  auch in den letzten Jahren viel getan, um diese Hafenstadt zu entwickeln. Vor einigen Monaten wurde der Hafen zum Freihafen erklärt, es wurde das elektronische Visum für die Anliegerstaaten eingeführt und vor wenigen Tagen, kurz vor Jahresschluss, unterschrieb der russische Präsident Putin einen Ukas, wonach jetzt Wladiwostok die Hauptstadt des Verwaltungsbezirkes „Ferner Osten“ ist und damit Chabarowsk ablöst. Interessant wird es zu beobachten, ob es zukünftig hier zu internationalen Treffen kommt. Insbesondere die östlichen Nachbarn Russlands würden es wohl als angenehm empfinden, wenn sie zu Gesprächen mit Russland nicht nach Moskau müssten, sondern alle notwendige Infrastruktur in Wladiwostok vorhanden ist.

Somit haben wir also, neben der russischen Hauptstadt Moskau, noch zwei weitere Alternativen, um Treffen mit ausländischen Gästen durchzuführen: Mit Gästen aus südlichen Staaten in Sotchi, mit Gästen aus östlichen Staaten in Wladiwostok.

Und so steht die Frage, wohin zukünftig Gäste aus westlichen Staaten reisen, um sich mit russischen Entscheidungsträgern zu treffen. Tja, und da fällt dann sofort Kaliningrad auf, die geographisch westlichste Region Russlands, wo sich in den letzten Jahren einiges abspielt, was vermuten lässt, dass Russland sich entschlossen hat, Kaliningrad zu einem internationalen Kongress- und Finanzzentrum zu machen.

Rufen wir uns in Erinnerung, dass Kaliningrad eine sehr kleine Region ist. Auf 15.000 Quadratkilometern leben rund eine Million Menschen.

Und trotzdem Kaliningrad klein ist und eine höchstens drittrangige Fußball-Mannschaft hat, die gegenwärtig – mal so nebenbei erwähnt – völlig umgekrempelt wird, war Kaliningrad Ausrichterstadt der Fußball-Weltmeisterschaft. Man hat eine riesige versumpfte Insel trockengelegt und darauf ein Stadion gestellt. Und das alles für vier Spiele in der Vorrunde? Und danach? Für reine regionale Bedürfnisse, ist dieses Stadion zu groß und zu teuer. Aber vielleicht hatte man vor vielen Jahren schon andere Ideen?

Dann gibt es den Airport Chrabrowo. Wir kennen die traurige wechselhafte Geschichte dieses Airports und müssen hier nichts wiederholen. Nun ist er einigermaßen hergerichtet und die Landebahn ist so verlängert wurden, dass hier alle bekannten Flugzeugtypen der Welt starten und landen können. Wozu braucht ein Provinzflugplatz eine derartig lange Start- und Landebahn? Gibt es Überlegungen, dass hier irgendwann mal alle Flugzeuge dieser Welt landen sollen?

Dann gibt es einen weiteren Airport, einen militärischen. Er befindet sich irgendwo in der Nähe von Kaliningrad. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass dieser komplett instandgesetzt worden ist und über eine gleiche Start- und Landebahn verfügt, wie der Zivilairport Chrabrowo. Aber wozu? Die im Kaliningrader Gebiet stationierten Militärflugzeuge brauchen keine langen Start- und Landebahnen. Ein derartiger solider Ausbau militärischer Infrastrukturen in Kaliningrad macht, rein militärisch gesehen, für den Konfliktfall keinen Sinn, denn Kaliningrad wird das erste Opfer in einem zukünftigen Krieg sein und höchstens in den ersten Stunden eines Krieges eine Rolle spielen. Aber wenn es für Kaliningrad andere Planungen gibt, so macht der Ausbau dieses Airports schon Sinn – als Reserveairport für kompakt anreisende zivile Gäste aus dem Westen.

Dann wird zum 1. Juli das elektronische Visum für Kaliningrad eingeführt. Es ist kostenlos und kann kurzfristig, spätestens drei Tage vor Reiseantritt, per Internet beantragt werden. Man braucht keine Einladungen oder sonstigen Papierkram. Beste Voraussetzungen für Journalisten und sonstige Interessierte, um kurzfristig nach Kaliningrad zu reisen, falls hier internationale Gespräche stattfinden, die bis zur letzten Minute nicht öffentlich annonciert worden sind.

Aber Gespräche finden meistens an zwei, drei Tagen statt. Und es steht die Frage, was Russlands Präsident mit seinen internationalen Gästen in Kaliningrad am Abend macht.

Nun, gegenwärtig könnte er sie in den Kaliningrader Zoo einladen.

Alternativ wäre auch ein Besuch im DramTheater möglich.

Und kürzlich wurde ein kleines, aber feines Museum der sowjetischen Kindheit in der Kant-Universität eingerichtet. Auch das könnte man zeigen.

Aber vielleicht gibt es ja zukünftig andere Möglichkeiten?

Erinnern wir uns, dass Russlands Präsident Putin, der sich am heutigen 8. Januar in Kaliningrad aufhält, sich mit dem Bau eines großen Kulturzentrums auf der Oktoberinsel, gleich neben dem Stadion, beschäftigen wird. Hier werden 25 Mrd. Rubel investiert. Es werden Filialen des russischen Museums, der Tretjakow Galerie und der Ermitage eingerichtet. Hinzu kommen eine Filiale des Bolschoi-Theaters und eine Choreographenschule.

Gleich daneben befindet sich dann auch der Bereich der Offshore-Zone, für alle diejenigen, die sich nicht mit Politik, sondern Geldverdienen beschäftigen wollen.

Im Stadtzentrum selber wird ein Museumsquartal errichtet. Es besteht aus dem Meeresmuseum, welches gegenwärtig ein neues Hauptgebäude in Form einer Weltkugel erhält. Hinzu kommt die historische Festungsanlage „Friedrichsburg“ und die ehemalige „Königsberger Bernsteinmanufaktur“, die als Filiale des Bernsteinmuseums ausgebaut wird. Das Gebäude der ehemaligen Königsberger Börse wird zum Museum für Bildende Kunst. Gleich daneben ist der Kaliningrader Dom mit dem Kant-Grab, der Synagoge, die ebenfalls Kultur- und Museumseinrichtungen aufnehmen wird.

Und wir erinnern uns an die Privatinitiative eines Kaliningrader Unternehmers, im zweiten Bauabschnitt des Fischdorfes, also im Bestand des Museumsquartals, ein großes russisches Privatmuseum für russische Malerei zu errichten.

Es sei noch an die Glücksspielzone „Jantar“ im Norden des Kaliningrader Gebietes erinnert. Noch funktioniert sie nicht ideal und ist weit entfernt von dem eigentlich geplanten Zustand. Aber sie existiert und Leute gewinnen und verlieren hier Geld.

Also, es wird in den nächsten Jahren einiges gebaut, was eigentlich eine Provinz, mit einer Million Einwohnern, nicht braucht, auch wenn noch zwei Millionen Touristen im Jahr hinzukommen. Das Ganze macht nur Sinn, wenn es andere Pläne für Kaliningrad gibt.

Und wir schauen noch auf den Straßenbau. Wer in den letzten Monaten in Kaliningrad war, hat gesehen, wie die innerstädtischen Schnellstraßen ausgebaut werden, eigentlich sind es schon Autobahnen. Die Umgehungsstraße, rings ums Kaliningrad wird ausgebaut. Hinzu kommt ein Brücken-Großprojekt zur Querung im Bereich des Kanals im Westen Kaliningrads. Dieses Projekt schließt den Straßenring um Kaliningrad komplett und ermöglicht eine schnelle Fahrt von Süd nach Nord im Kaliningrader Gebiet. Und natürlich soll die sogenannte Ostsee-Autobahn weitergeführt werden.

Und sollte man Kaliningrad wirklich zu einem internationalen Zentrum der Russischen Föderation entwickeln, so lösen sich wohl auch die Probleme rings um alle möglichen Blockadediskussionen, die unsere Nachbarn von Zeit zu Zeit gerne aktivieren – ja nach politischer Wetterlage. Für mich schwer vorstellbar, dass Polen oder Litauen das Kaliningrader Gebiet blockieren und sich zu diesem Zeitpunkt Frau Merkel und Herr Trump mit Herrn Putin treffen, um den Frieden in der Welt zu besprechen und alle drei nicht wissen, warum plötzlich der Strom ausgeht und auch eine schnelle Abreise nicht möglich ist, weil der Luftraum gesperrt und die Landgrenzen geschlossen sind.

Soweit zu den Gedanken die ich mir mache, wenn man sonst nichts zu tun hat und versucht, in die Kaliningrader Zukunft zu schauen und das Kaliningrad-Puzzle zusammenzubauen. Schauen wir aber am 8. Januar auf die Gegenwart und auf Putin und hören genau zu, was er in Kaliningrad äußert – dann sind wir vielleicht nicht umfassend informiert, aber ein wenig klüger sind wir allemal.

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Föderales, Internationales, OffshoreZone, Oktoberinsel

   Kommentare ( 3 )

Frank Werner Veröffentlicht: 8. Januar 2019 14:54:45

@UEN
Also zum (überdimensionierten) Stadionbau. Da würde ich doch aus der Hüfte heraus sagen, dass das erstmal nichts zu bedeuten hat. Da muß man sich nur die Geschichte der Olympiaden und WMs weltweit anschauen, wieviel dort gebaut wird/wurde und bereits keine 5 oder 10 Jahre später wieder verfallen ist, weil sich niemand über die Folgenutzung/Folgekosten interessiert hat, sondern nur für die schönen Bilder der Grundsteinlegung/Eröffnung und die paar Tage Brot und Spiele. Wäre natürlich schön, wenn es nicht so wäre - aber da bin ich eher Pesimist und mit mir viele Andere - bei einer Abstimmung über z.B. eine Olympiade Rhein/Ruhr wäre ich auch ein entschiedener Gegner.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. Januar 2019 15:56:16

... dann hoffen wir doch einfach, dass Russland mit dem Stadionbau in Kaliningrad doch Weitsicht bewiesen hat ... und meine Phantasien vielleicht Realität werden.

boromeus Veröffentlicht: 8. Januar 2019 17:09:06

Das wären gute Nachrichten.KGD wäre dann innerhalb von 55-65 Min. aus Hamburg zu erreichen:Vielleicht,spinnen wir mal etwas weiter,vielleicht gibt es dann auch endlich eine internationale Flugverbindung ,die einem die 15 stündige "Rumpeltour "durch Polonia erspart.
Umgehungsstraßen ist das Thema.Dann kommt vielleicht endlich etwas mehr Ruhe in den Stadtkern und der permanente Geruch von verbranntem Motoröl gehört der Vergangenheit an.Vielleicht reicht es dann ebenfalls noch für ein paar mehr Ruheplätze und Cafes,wie am sog.Fischdorf,wo man sich niederlassen und den Ausblick genießen kann.Entlang des Pregels gibt es noch zuviel schnöden, grauen Beton.
VVO(Vladivotok) ist von Moskau exakt 8000 km und 9 Flugstunden entfernt.Was die Synchronisation der Flugzeiten angeht,schon fast nicht mehr an einem Tag mangels Anschlussflugplanung zu bewältigen.Fehlt eigentlich nur noch eines,das Wahrzeichen der Stadt schlechthin,aber bis dahin fließt ja noch Masse Wasser den Pregel hinunter.....

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 9. Januar 2019 16:39:43

Welches Unheil hat denn Hochwasser und Sturm im KG Oblast angerichtet?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 9. Januar 2019 16:43:53

... ein paar Bäume sind umgeknickt und die Promenade in Svetlogorsk ist teilweise zerstört worden.

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