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Kein Denkmal für den besten Gouverneur des Kaliningrader Gebietes

Fr, 08 Feb 2019 ... mit deutschem Akzent


Kein Denkmal für den besten Gouverneur des Kaliningrader Gebietes
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Wie legt man fest, wer der beste Gouverneur des Gebietes ist? Bewertungen sind immer subjektiv und die Bevölkerung wird sich wohl nie hundertprozentig auf einen Kandidaten einigen können. Und so bleibt es bei Subjektivismus – auch in der Frage, ob jemand ein Denkmal verdient hat oder nicht.

In Russland gibt es das Wort «Памятник», Pamjatnik. Übersetzt wird es mit „Denkmal“ und bezeichnet genau das, was man auch in Deutschland darunter versteht. Aber wenn man in Deutschland jemand beerdigt, so stellt man auf dem Grab einen Grabstein auf. In Russland ist es aber auch ein Pamjatnik.

Und so ist man schon erschrocken, wenn im liberalen Kaliningrader Medium „newkaliningrad“ geschrieben wird, dass man in der Kreisstadt Gussew, dem historischen Gumbinnen, einem gewissen Nikolai Nikolajewitsch Zukanow ein Denkmal aufstellen will. Der erste Gedanke: „Was, ist der beste Gouverneur aller Kaliningrader Zeiten gestorben“?

Natürlich ist Nikolai Nikolajewitsch nicht gestorben. Er ist Jahrgang 1965 und hat somit noch viele Lebensjahre vor sich. Gegenwärtig befindet er sich als Bevollmächtigter Vertreter des russischen Präsidenten im Ural, einer Region, wo die Menschen, bedingt durch die kühle, frische Luft, langlebig sind.

Vorher war er aber im Zeitraum 2005-2010 Bürgermeister der Kreisstadt Gussew und hat dort, mit dem Geld von Georgi Boos, seinem politischen Ziehvater und damaligen Kaliningrader Gouverneur, einige Fassaden von Häusern instandgesetzt und damit viele nostalgische Deutsche begeistert, die die Stadt in diesem Zeitraum besucht haben.

Und er beerbte auch seinen Ziehvater im Amt des Gouverneurs. Dieser hatte wohl schon wenige Tage später, nach dem Amtsantritt von Zukanow im September 2010 bedauert, dass er Zukanow als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat, denn dieser zeigte sich wenig loyal und dankbar und diskreditierte seinen Ziehvater öffentlich.

Zukanow überlebte die erste Amtszeit mit vielen Skandalen, mit Korruptionsvorwürfen, mit moralischen Anschuldigungen seitens der Kaliningrader Gesellschaft und sogar einen föderalen Versuch, ihn vorzeitig abzulösen. Er überlebte, weil die Aktion „Ablösung“ wohl schlampig und ohne ausreichende föderale Rückendeckung vorbereitet worden war. Rund 50 Minister, die Zukanow in seiner Amtszeit aus dem Amt warf, hatten da weniger Glück und mussten sich ihre Diskreditierung gefallen lassen.

Und dann kam es zu Wahlen im September 2015 und Zukanow wurde wiedergewählt. Er ist der erste Gouverneur in der modernen Kaliningrader Geschichte, der eine zweite Amtszeit erhielt. Und somit kann er durchaus Anspruch auf den Titel „Bester Gouverneur aller Zeiten“ erheben, denn alle seine vier Vorgänger hatten nur eine Amtszeit.

Und somit muss man sich nicht wundern, wenn Gedanken auftauchen, diesem Gouverneur ein Denkmal zu setzen.

Juri Laktionow ist Kommunist und Mitarbeiter der Reklameabteilung von „Gusev online“. Bis Mitte 2018 war er Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Gussew.

Seit vielen Jahren zeigte er sich von Nikolai Nikolajewitsch und dessen Verdiensten, die er glaubt, besser als alle anderen zu kennen, begeistert und fordert immer wieder, seinem Helden ein Denkmal zu setzen.

Und da die Stadtverwaltung in Gussew jetzt gerade darüber debattiert, das Lenin-Denkmal in Gussew abzureißen, um es an anderer Stelle wieder aufzustellen, nutzte der Kommunist die Gelegenheit vorzuschlagen, dass Zukanow die Stelle des Kommunisten Lenin einnehmen sollte.

Der Kommunist Laktionow forderte die Gussewer auf, ihre Dankbarkeit zu zeigen, für die vielen positiven Veränderungen in der Stadt und mit einem derartigen Denkmal auch anderen Bürgermeistern ein Signal zu geben, wonach diese streben sollten.

Er kenne Zukanow besser als alle anderen, noch aus einer Zeit, wo die Partei „Einiges Russland“ nicht existierte. Zukanow sei ein ordentlicher Mensch mit vielen Verdiensten – so Laktionow.

Nun, nicht alle scheinen diese Meinung zu teilen, denn die Stadtverwaltung zeigte sich ein wenig genervt von den, seit Jahren bekannten Forderungen des Kommunisten nach einem Zukanow-Denkmal. Und Geld hat bisher auch noch niemand gespendet – trotz des Spendenaufrufs durch Laktionow bei „Gusev online“. Und sein Werbeartikel, den er als Mitarbeiter dieser Kommunalzeitung eingestellt hat, ist nun auch nicht mehr zugänglich.

Also kurz: Der beste Gouverneur aller Kaliningrader Zeiten wird kein Denkmal bekommen – zumindest nicht zu Lebzeiten und danach wohl auch nur auf einem ordentlichen Friedhof.

 

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Gesellschaft, Gouverneur

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