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Kleine Ursache, noch unbekannte Wirkung. Diplomatische Fahrerflucht.

Mo, 03 Okt 2016 ... mit deutschem Akzent


Kleine Ursache, noch unbekannte Wirkung. Diplomatische Fahrerflucht.

Ende August passierte ein Verkehrsunfall in Kaliningrad. Ein kleiner Verkehrsunfall, der in Deutschland, vermutlich auch in Russland, zwischen den Beteiligten ohne Hinzuziehung der Polizei geregelt worden wäre. Dies war aber in diesem Fall nicht möglich, da der Unfallverursacher, ein deutscher Diplomat, sich durch Fahrerflucht der Klärung des Sachverhaltes entzog.

In der Überschrift zu diesem Artikel habe ich eine „noch unbekannte Wirkung“ genannt. Das ist natürlich Blödsinn, denn es wird keine nennenswerte Wirkung geben. Alla Iwanowa, die für Außenpolitik zuständige Ministerin der Kaliningrader Gebietsregierung, hat bei Facebook in der aufbrodelnden Diskussion um die „Verhaltensweisen der Fritzen“ schlicht gepostet:

Natürlich wird niemand die diplomatischen Beziehungen abbrechen und es wird auch keine anderen wesentlichen Auswirkungen geben, außer, dass der deutsche Generalkonsul temporär ein wenig mehr Arbeit haben wird und am heutigen Montag wohl ein paar weniger Gäste zum Festempfang kommen werden. Ansonsten wird Russland diese Angelegenheit einfach nur nutzen, um das Musterland der Demokratie und Unfehlbarkeit, den Oberlehrer der Welt, ein wenig vorzuführen.

Um was geht es?

Das regionale Informationsportal „KLOPS“, einer unserer Medienpartner, informierte am 25. August um 11.00 Uhr, das es am 25. August um 7:40 Uhr zu einem Verkehrsunfall auf der ul. Newskowo, unter Beteiligung eines Fahrzeuges mit einer deutschen Nummer gekommen ist. Der Unfallverursacher, das deutsche Fahrzeug, habe Fahrerflucht begangen. Das ist nichts Besonderes, Fahrerflucht kommt häufiger vor und die deutsche Nummer hat auch nicht unbedingt etwas zu sagen, denn es gibt viele Russlanddeutsche die in Deutschland wohnen und mit einem derartigen Fahrzeug ihre russischen Verwandten in Kaliningrad besuchen. Und die werden dann doch eigentlich in der öffentlichen Wahrnehmung mehr als Russen, denn als Deutsche gesehen.

Die Polizei fing an zu arbeiten und natürlich hat man innerhalb weniger Stunden gewusst, wem dieses Auto gehört. Es gehörte dem Deutschen Benjamin Goldberg. Und noch ein paar Momente später hat man gewusst, dass dieser Benjamin Goldberg Diplomat im deutschen Generalkonsulat in Kaliningrad ist. Und noch ein paar Sekunden später war auch bekannt, dass er Leiter des Sicherheitsdienstes des Generalkonsulates ist. Man hätte also spätestens in den Abendnachrichten oder aber wenigsten am kommenden Tag darüber in den Medien berichten können. Man hat aber nicht berichtet! Einen ganzen Monat hat man geschwiegen! Bis zum vergangenen Freitag. Bei mir landete die Meldung über einen befreundeten Journalisten am Vormittag auf den Tisch. Und bis zum frühen Nachmittag sorgten einschlägige russische Medien dafür, dass die Nachricht verbreitet wurde. Am späten Nachmittag wurde dann durch die föderale Nachrichtenagentur „REGNUM“ noch der Name des Flüchtlings nachgereicht. Das ganze passierte also nach Dienstschluss im deutschen Generalkonsulat (Freitag um 13.00 Uhr ist dort Schluss). Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine Publizierung, denn am Montag ist „Tag der deutschen Einheit“ und der Generalkonsul gibt im Bildungszentrum „Russisch-Deutsches-Haus“ einen Empfang für ausgewählte Gäste. Wirklich eine unangenehme Situation.

Am Freitagabend fand die russische Nachrichtenagentur „WESTI“ den deutschen Generalkonsul Dr. Michael Banzhaf auf einer Veranstaltung und stellte ihm eine Frage zu dem Vorfall (ab 0:19 in deutscher Sprache):

«Also zuerst muss ich mal wissen um was es überhaupt geht und bis dahin antworte ich gar nichts“, - so der Kurzkommentar des deutschen Generalkonsuls. Danach ließ er den russischen Journalisten stehen. Der war dann auch beleidigt, wie man in den Sozialmedien nachlesen konnte, denn er meint, dass sich der Generalkonsul für seine offensichtliche Lüge bei ihm entschuldigen müsste.

„Westi“ kommentiert in dem Beitrag: „Es sieht so aus, als ob Michael die Unwahrheit sagt.“

Dann schau´n wir mal, ob der deutsche Generalkonsul Dr. Michael Banzhaf die Wahrheit gesagt hat, als er meinte, nicht im Bilde zu sein.

Kurz nach dem Unfall hat Benjamin Goldberg, der Leiter des Sicherheitsdienstes des deutschen Generalkonsulats, fluchtartig Russland verlassen. Und das will niemand im deutschen Generalkonsulat bemerkt haben? Einen ganzen Monat hat niemand bemerkt, dass einer der wichtigsten Mitarbeiter fehlt? Wenn das in der deutschen Botschaft in Moskau passiert wäre, so hätte ich bei dem Riesenpersonalbestand dort noch Verständnis. Aber in dem Provinzkonsulat in Kaliningrad gibt es insgesamt nur neun deutsche Mitarbeiter. Es ist also schwer zu glauben, dass Herr Dr. Banzhaf nicht im Bilde war. Vermutlich war es so, dass man sich schon der stillen Hoffnung hingegeben hatte, dass die Unfallflucht nicht aufgeklärt werden konnte und die Frage des Journalisten, so kurz vor dem Feiertag, hat den deutschen Chefdiplomaten einfach nur zur falschen Zeit auf dem falschen Fuß getroffen. Tja, so sind die Russen – unberechenbar!

Machen wir uns noch ein paar andere Gedanken. Bei dem Unfall handelt es sich eigentlich um einen Bagatell-Unfall – meine ich. Es kamen keine Personen zu Schaden und der Sachschaden ist, nach deutschem Verständnis, lächerlich gering (der Besitzer des anderen Fahrzeuges sprach von 8.000 Rubel, die er bisher ausgegeben habe). Wieso begeht ein deutscher Diplomat, noch dazu ein Beamter des Bundeskriminalamtes, wegen einer derartigen Geringfügigkeit Fahrerflucht? Und er begeht nicht nur Fahrerflucht, sondern verlässt auch fluchtartig das Land! Warum? Hatte er Alkohol getrunken? Schwer zu glauben, denn der Unfall passierte morgens um 7.40 Uhr. Hatte er Restalkohol? Auch das wäre kein Grund für „Republikflucht“, schon gar nicht für einen derart geschulten Mann. Oder war da noch etwas anderes? Eigentlich ist im Generalkonsulat, wenn ich recht informiert bin, um 8.00 Uhr Dienstbeginn. Die ul. Newskowo ist dicht am Generalkonsulat. Aber wieso fährt der Beamte des Bundeskriminalamtes mit einem Zivilfahrzeug, ohne CD-Kennzeichen, um diese Zeit? Was hatte er zu befürchten, wenn die russische Polizei zur Unfallaufnahme kommt?

In Ermangelung ausreichender Informationen, bleibt mir nichts weiter übrig, als meiner Phantasie freien Lauf zu lassen, zu kalkulieren und zu analysieren. Ob ich richtig liege mit meinen Phantastereien werden die nächsten Stunden, vielleicht Tage zeigen, denn die russischen Medien, insbesondere der beleidigte Nikolai Dolgaschow haben versprochen „am Ball zu bleiben“.

Zum Schluss noch ein wenig Polemik.

Natürlich sind derartige Vorfälle immer unangenehm, für jedes Land. Auch den Russen passieren unangenehme Dinge im Ausland. Und die Staaten regeln das auch untereinander. Vor einigen Jahren hätte die Öffentlichkeit von irgendwelchen Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit Deutschland und Deutschen kein Sterbenswörtchen erfahren. Das war ein heiliges Thema, da dachten die Russen noch: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt …“. Da gab es (beispielsweise) vor einigen Jahren einen Vorfall mit „Jemandem“ aus dem deutschen Generalkonsulat. Die Person hatte das CD-Kennzeichen des Fahrzeuges verloren und versuchte per Korruption das Problem zu klären. Natürlich kam das raus, aber es wurde im Generalkonsulat intern geklärt und die Russen haben kein Wort darüber verloren.

Heute ist die Situation eine völlig andere. Waren bestimmte Dinge früher englische Erdnüsschen, so sind diese Dinge heute richtig dicke russische Kartoffeln. Die Zeit der bedingungslosen Liebe zu den Deutschen und das völlig sorgenfreie Leben der Deutschen in Kaliningrad ist vorbei.

Der Unfallgeschädigte hat sich natürlich auch geäußert. Waleri Jurschitz meinte:
 
„… ehrlich gesagt, hätte ich das nicht erwartet, dass Leute mit einem deutschen Autokennzeichen sich so verhalten. Zuerst dachte ich, es sei eine Transitnummer. Erst später habe ich erfahren, dass es eine echte deutsche Autonummer ist. Das Auto hat nicht angehalten, niemand ist ausgestiegen, das Auto ist einfach in Richtung Nekrasowo weitergefahren.“
 
Wie kommt denn der Mann nun zu seinem Geld für die Instandsetzung des Fahrzeuges? Für ihn sind 8.000 Rubel vermutlich ein Drittel seines Monatsgehaltes, für Benjamin, den Goldigen, nur englische Erdnüsschen. Und, als Vermieter von Immobilien mache ich mir auch Gedanken, was denn mit der Wohnung wird, die der Deutsche angemietet hat. Vermutlich wird er sich auf die Wiener Verträge berufen und der Besitzer darf auf die vereinbarte Miete verzichten und die Bezahlung der kommunalen Dienst- und Telefongebühren aus eigener Tasche vornehmen. Das Risiko sollte man kennen, wenn man vermietet.   
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Deutsches, Diplomaten, Generalkonsulat

   Kommentare ( 1 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 3. Oktober 2016 13:41:51

"Wie kommt denn der Mann nun zu seinem Geld für die Instandsetzung des Fahrzeuges? "

Ich vermute mal, daß der Herr Generalkonsul so frei sein wird, die Verbindlichkeit des Mitarbeiters des BKA und des B.. aus der deutschen Staatsschatulle zu begleichen. Denn der Goldige ist erst einmal auf beiden Positionen verbrannt und wird wohl in absehbarer (!) Zeit keinen Fuß mehr auf russisches Territorium setzen. Naja, in dem Neubau in Berlin wird er schon ein Plätzchen finden, wo er seine Erkenntnisse in Kaliningrad verwerten kann zum Wohle (nee, nee, nicht des deutschen Volkes) sondern der deutsch-amerikanischen Aufklärungs(?)einheiten.
Ein neues Nummerschild für sein Auto wird er wohl schon haben.

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