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Korruption - die Gentlemen bitten zur Kasse

Do, 22 Nov 2012 ... mit deutschem Akzent


Korruption - die Gentlemen bitten zur Kasse

Korruption in Russland – eines der TOP-Themen bei Ausländern, insbesondere wenn diese niemals in Russland waren. Aber ich will nicht verniedlichen. Es gibt Korruption. Diese zu bekämpfen ist nicht einfach. Ein bekannter sowjet-kommunistischer Klassiker mit Todesjahr 1953 hatte einmal gesagt: „Ein Mensch, ein Problem – kein Mensch, kein Problem.“ Er hat auf diese Weise seine Probleme gelöst. Aber wir leben in einer moderneren Gesellschaft und brauchen andere Lösungen.

 

Und ich kann zwei, denkbar einfache Lösungen des Problems anbieten:

1. Bestechen Sie niemanden

2. Lassen Sie sich nicht bestechen.

Und wenn jeder diese beiden einfachen Prinzipien beachtet, ist die Korruption innerhalb von 24 Stunden tot. Ich selber, als Deutscher – glauben Sie es oder auch nicht – habe diese Prinzipien in den letzten 25 Jahren meines Lebens in Russland beachtet und ... es funktioniert.

Andrej Makarjewitsh, ein bekannter russischer Musiker, hat in einem offenen Brief an Putin im November, im Zusammenhang mit Korruption, von einer nationalen Katastrophe gesprochen. Und Putin hat ihm geantwortet: «Das Business selber provoziert durch seine Arbeits- und Verhaltensweise die Beamten dazu, sich zu korrumpieren.» Und der Musiker schlägt vor: «Lasst uns unsere Einstellung zueinander und miteinander ändern, gemeinsam mit Putin. Denn nicht er hat die Beamten angewiesen uns zu rupfen, zu stehlen und den Abgeordneten befohlen den Dummkopf zu spielen.»

Letztendlich ist alles eine Frage der Moral und wie die Gesellschaft bereit ist, sich moralisch neu zu orientieren. Ich bin aber auch Realist und mit den Worten von W.J. Reus (1959-2006) einverstanden: «Man kann Bestechung und Korruption wohl niemals ganz besiegen. Aber man kann – wie in einem Teich – den Wasserstand so niedrig halten, dass den Fröschen die Lust am Quaken vergeht.»

Moral legt jeder für sich selber fest. Die Umsetzung eigener Moralvorstellungen fällt einem in seinem eigenen Land – zwangsweise - leichter. Dort kennt man seine Nachbarn, die Geschäftsstrukturen, die staatlichen Einrichtungen, die Gesetze – kurz die gesamte Kulturbreite. Man empfindet einen gewissen Moraldruck, den Zwang nicht aufzufallen. Im Ausland, in einem Land dessen Sprache man nicht versteht, ist die Verlockung wesentlich größer, gegen eigene Moralvorstellungen zu verstoßen – eben nur, um das Problem möglichst schnell zu lösen. Und, man ist weit weg von dem Land, wo auf einem geschaut wird – wegen der Moral. Und die Versuchung, einige Dinge in einem fremden Land „nicht ganz so eng zu sehen“ ist größer. Und genau an dieser Stelle möchte ich ansetzen. Ich habe ein Informationsmaterial zum Thema «Korruption und Moral» erarbeitet. Im nachfolgenden zitiere ich auszugsweise, um das BLOG-Thema nicht zu weit auszudehnen. Gerne bin ich bereit Ihnen das Material gegen die übliche Gebühr (Tasse Kaffee komplett) per email zu übersenden. Eine Bitte: Versuchen Sie nicht mich zu bestechen um das Material völlig kostenlos zu bekommen. Ich bin unbestechlich.

Korruption gibt es in zwei Richtungen. Einerseits durch Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen die auf Sie und Ihre Tätigkeit Einfluss nehmen, mit dem Ziel der persönlichen Vorteilsnahme. Andererseits aber gibt es Ausländer, die versuchen, durch Bestechung von Beamten, sich einseitig Vorteile zu verschaffen, schneller zum angestrebten Ziel zu kommen. Ich rate davon ab.

Sie kennen weder die Strukturen, noch den konkret angesprochenen Mitarbeiter, noch das dazugehörige Umfeld. Es wird – ungeachtet aller negativen Meldungen in den westlichen Massenmedien – bereits viel zur Korruptionsbekämpfung in Russland unternommen. Und Sie treffen schon auf eine Vielzahl von Verwaltungsmitarbeitern, die nicht bereit sind sich bestechen zu lassen, oder die einfach Angst haben. Man kennt Sie nicht und kann Sie nicht einschätzen. Diskretion ist bei Korruption oberstes Gebot. Wer gibt dem Mitarbeiter eine Garantie zu Ihrer Verschwiegenheit. Ausländer prahlen gerne mit ihren Beziehungen und Möglichkeiten. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass Sie an einen Provokateur geraten, der sich von Ihnen bestechen lässt und vor der Tür warten dann schon die ermittelnden Beamten. Vergessen Sie nicht, dass Sie vermutlich Konkurrenten haben – auch in Russland. Und auch diese werden keine Chance auslassen, um Sie zu kompromittieren. Und nur wer saubere Hände hat, kann in Russland ruhig schlafen und so agieren, wie er es für richtig hält. Haben Sie Mitwisser sind Sie immer erpressbar.

Lassen Sie sich auch nicht von Ihren Mitarbeitern, deutschen oder russischen, zur Korruption überreden. Auch ein Mitarbeiter kann illoyal sein, kann im Auftrage Ihrer Konkurrenz arbeiten oder will sich nur das Leben einfacher gestalten. Er selber müsste sich vielleicht über längere Zeit mit der Lösung einer Aufgabe quälen. Aber mit Ihrem Geld und auf Ihr Risiko kann er die Problemlösung beschleunigen. Das Risiko ist ihm egal – er ist nur Mitarbeiter und Verantwortung tragen Sie. Und Sie sind unerfahren in Russland und schon beginnt die berühmte Mühle zu mahlen. Tun Sie sich dies nicht an. Erarbeiten Sie von Anfang an einen Verhaltenscodex für sich und alle Mitarbeiter Ihrer Firma und setzen diesen „gnadenlos“ um. Entlassen Sie jeden Mitarbeiter, ohne Rücksicht auf bisherige Verdienste, wenn dieser gegen diesen Ehrencodex und das Loyalitätsprinzip verstößt. Schaffen Sie sich nicht ein ewiges Problem – es wird teuer für Sie.

Korruption entsteht immer dann, wenn Sie sich erpressbar machen. Erpressbar wird man dann, wenn Fehler passiert sind und sie diese „billig“ lösen wollen. Somit beginnt die Korruption für mich – als das beste dafür geeignete Beispiel – beim Straßenverkehr.

In Deutschland unvorstellbar einem Polizisten Schmiergeld anzubieten. In Russland üblich. Sicherlich haben die russischen Polizisten die Möglichkeit sie über viele Stunden festzuhalten, um den Sachverhalt zu klären. Sie haben die Straßenverkehrsordnung verletzt, oder haben irgendwelche Dokumente vergessen – wer hat also die Startschuld? Sie! Und sie sind sehr schnell bereit zu zahlen. Und das wissen die Polizisten und nutzen dies schamlos aus – zumal die Schmiergeldsummen, die die Polizei fordert, ziemlich gering sind – aber trotzdem, Sie zahlen und fördern somit die Korruption unter den Polizeiangehörigen. Wenn sich alle dagegen wehren und die Polizisten merken, dass es „gefährlich“ wird sich mit Leuten anzulegen die im Nummernschild ein «D» haben – dann ist diese Art Korruption innerhalb eines Jahres ausgerottet.

Ein Beispiel aus dem Geschäftsleben. Ich habe nie Schmiergeld gezahlt und werde nie Schmiergeld zahlen, weil ich damit mein Problem nicht löse, sondern mir ein ständiges Problem schaffe. Wieso? Stellen Sie sich vor, es findet eine Kontrolle in Ihrer Firma statt. Die Aufgabe jeder Kontrolle besteht darin, Fehler zu finden und man wird Fehler finden. Der Beamte wird diesen Fehler bis zum äußersten dramatisieren und versuchen, Sie mit allen nur möglichen Konsequenzen in einen Schockzustand zu versetzen. Er gibt aber auch zu verstehen, dass man das Problem „auch anders lösen kann.“ Und Sie sind bereit zu zahlen. Er merkt, dass Sie Angst haben und das schafft beste Grundlagen für seine zukünftige „Tätigkeit“. Die Summe, die Sie ihm jetzt gezahlt haben, reicht genau sechs Monate. Dann braucht er neues Geld. Und es erfolgt die nächste Kontrolle. Und wieder zahlen Sie, und zahlen und zahlen – und wenn Sie nicht gestorben sind, so zahlen Sie noch heute.

Und glauben Sie mir, die Abstände zwischen den Kontrollen werden immer kürzer. Dazu hat der Beamte auch noch andere Bekannte, in anderen Kontrollorganen und alle benötigen einen kleinen Nebenverdienst. Und da gibt es dann Tipps „unter Freunden“. Man teilt sich gegenseitig mit, wer bereit ist zu zahlen. Also eine Schraube ohne Ende. Wenn aber der Beamte merkt, dass er kein Geld bekommt, dass er Sie nicht erschrecken kann, dass Sie keine Angst haben … wozu soll er dann nochmals kommen und sich abmühen, wenn es ihm persönlich vielleicht nur Ärger bringt aber keinen finanziellen Vorteil.

Wieso Ärger? Ganz einfach. Er findet einen Mangel und droht Ihnen mit Konsequenzen, sowohl finanziellen wie auch administrativen. Fordern Sie ihn auf, ein offizielles Protokoll zu erstellen, wo er alles das niederschreibt, was er  Ihnen vorwirft und was er von Ihnen fordert. Teilen Sie ihm mit, dass dieses Protokoll Anlass sein wird, dass Sie die Behörde verklagen werden, verklagen zum Ergebnis des Kontrollfaktes einerseits und zur Höhe der verhängten Strafe andererseits. Sagen Sie ihm dies, bevor er anfängt das Protokoll zu schreiben. Und danach handeln Sie aber auch. Verklagen Sie die Behörde. Wenn das Urteil zu Ihren Gunsten ausfällt hat der Beamte anschließend ein Problem. Fällt es nicht zu Ihren Gunsten aus, gehen Sie in die nächste Instanz. Es gefällt keiner staatlichen Organisation verklagt zu werden und glauben Sie mir, man wird sich an Sie erinnern – diesmal allerdings im positiven: „Mit dem ist nicht gut Kirschen essen …“ Sie glauben mir nicht? Doch, Sie können mir glauben...

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass Sie auf „harte Brocken“ stoßen können, auf Beamte, die bereit sind zu riskieren, die glauben einen Stand in der Verwaltung zu haben, die glauben unersetzlich zu sein. Dann kann es passieren, dass es zu einem langwierigen, schwierigen, nervenaufreibenden, teuren Schlagabtausch kommt. Wenn Sie sich darüber im vornherein klar sind und diese Möglichkeit in Ihrer geschäftlichen Planung berücksichtigen – dann überstehen Sie auch diese Situation. Und glauben Sie mir, mit einer guten taktischen Vorgehensweise gehen Sie als bekannte Persönlichkeit aus dieser Angelegenheit hervor und niemand wird zukünftig Lust haben, Sie unlauter anzufassen.

Wichtig ist, meiner Meinung nach, rechtzeitig die staatlichen Organisationen, deren Abteilungen und die für Sie zuständigen Personen zu kennen. Beachten Sie, dass auch die staatlichen Strukturen in Führungsebenen gegliedert sind: Das niedrigste Kontrollorgan ist auf Stadtbezirksebene, danach auf Stadtebene, danach auf Kreisebene, danach auf Gebietsebene. Mit großer Wahrscheinlich kennen sich die Mitarbeiter dieser Führungsebenen untereinander und «kooperieren». Deshalb ist die Kenntnis dieser Strukturen und möglicher Kontakte untereinander wichtig. Ich verstehe schon, dass all diese Dinge für einen in Russland Unerfahrenen sehr schwierig umzusetzen sind. Aber ohne dem geht es nicht. Wenn Sie es nicht verstehen, Ihr eigenes Informations- und Frühwarnsystem aufzubauen, werden Sie mit den Konsequenzen leben müssen.

Wir empfehlen außerdem, rechtzeitig Businesskontakte zu schaffen, Kontakte zu anderen Geschäftsleuten, zu Businessorganisationen und Wirtschaftsvereinigungen. Pflegen Sie Kontakte und tauschen Sie untereinander Informationen aus. Hier trifft der Spruch zu: «Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.»

Ich persönlich träume davon, eine Businessorganisation in Kaliningrad zu schaffen, in der sich Geschäftsleute vereinigen, mit dem Ziel „Saubere Hände“ zu haben und zu behalten. Und wenn die Leute, die sich in Kaliningrad mit Korruption ein zusätzliches Einkommen verschaffen merken, dass diese Organisation Einfluss hat und diesen nutzt zur Durchsetzung einer sauberen Business- und Gesellschaftskultur, wird sich das ganz schnell auf die Lösung des Korruptionsproblems in Kaliningrad im Allgemeinen und bei den Mitgliedern dieser Organisation im Besonderen, auswirken. Warum sollte Kaliningrad nicht die erste korruptionsfreie Zone in Russland sein?

Uwe Niemeier

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Gesetz, Kaliningrad, Korruption

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