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Kusmitsch erklärt Erichowitsch, wie in Kaliningrad gehungert wird

Sa, 02 Feb 2019 ... mit deutschem Akzent


Kusmitsch erklärt Erichowitsch, wie in Kaliningrad gehungert wird
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Kusmitsch ist unser Hausmeister im Office von Kaliningrad-Domizil. Manchmal hat er Fragen und Erichowitsch versucht, diese zu beantworten. Aber manchmal hat auch Erichowitsch Fragen. Und es gibt zwei sichere Informationsquellen, wo sich Ausländer über Russland informieren können: Taxifahrer und Hausmeister.

Kusmitsch, Guten Tag,

Erichowitsch, здравия желаю, wünsche Gesundheit.

Kusmitsch, am Freitag habe ich auf meinem Portal einen Beitrag zum Lebensniveau in Kaliningrad veröffentlicht. Ich mache das regelmäßig und zweimal im Jahr werden die dort aufgeführten Preise aktuell ergänzt und man kann die Entwicklung der Preise vergleichen. Aber auch viele andere Dinge …

Erichowitsch, mach es kurz, ich habe nicht so viel Zeit, ich muss noch einkaufen gehen, unser Kühlschrank ist leer. Um was geht es denn?

Also Kusmitsch, da gibt es jemanden, der hat kommentiert, dass meine Zahlen nicht stimmen und alles in Kaliningrad so unheimlich teuer ist, dass es sich kaum einer leisten kann. Er hat geschrieben:

„Es ist für mich ein Wahnsinn unter welchen Bedingungen ein Großteil der russischen Bevölkerung regelrecht darben muss.“

Und er führte Brot an, welches seit Jahresanfang viel teurer geworden ist …

Also Erichowitsch, am besten ist, wenn Du gleich mal mit mir mitkommst, wenn ich einkaufen gehe und dann siehst Du alles und ich erkläre noch ein wenig.

Kusmitsch, tolle Idee. Wohin gehen wir? Zu Viktoria, dem Supermarkt hier gleich um die Ecke?

Ja Erichowitsch, wenn es da irgendwas nicht gibt oder viel zu teuer ist, dann haben wir noch 100 andere Supermärkte oder Kioske wo wir schauen können.

 

 

 

 

Siehst Du Erichowitsch, das ist der Supermarkt. Heute ist ja Samstag und auch erst Halbelf, deshalb ist der Markt noch leer. Die Supermärkte arbeiten ja bei uns alle so von 07-02.00 Uhr. Allerdings wird Alkohol erst ab 10 Uhr bis 22 Uhr verkauft.

Bezahlen kann man mit Bargeld, mit Kreditkarte, mit Telefon. Und, was prima ist, wenn man eine Kundenkarte hat, bekommt man gleich an der Kasse wieder Sconto gutgeschrieben. Also man hat sofort wieder Geld zurückbekommen. Deshalb findet man auch bei allen Waren mehrere Preise – also Preise für Kunden ohne und mit Kundenkarte.

Weißt du, Erichowitsch – ich muss ehrlich sagen, dass mir „Viktoria“ in der letzten Zeit schon nicht mehr so sehr gefällt. Die tun zu wenig für das Auge und die Märkte sehen alle noch so aus wie vor fünf oder zehn Jahren. Da gibt es andere Supermärkte, die sind da richtig toll.

Also hier ist der Bereich, wo es Sonderangebote gibt. Jeden Tag steht hier was anderes. Gleich am Eingang zum Verkaufsbereich.

Das hier ist der Tiefkühlbereich. Hier bekommt man alles, was gefroren ist: Eis, Gemüse, Fisch, Fleich, Halbfertigprodukte und natürlich auch zig Sorten leckere Pelmeni.

Die Gemüseabteilung, hier in diesem Viktoria, ist ein bisschen klein. Aber es gibt alles Notwendige an Obst und Gemüse. Sehr häufig auch hier Sonderangebote. Und es gibt unterschiedliche Qualitäten und natürlich auch unterschiedliche Preise.

Schau Erichowitsch, die Fleischabteilung ist immer ein Freude. Wenn ich mich da noch an unsere sozialistischen Zeiten in den 80er Jahren erinnere … da gab es so gut wie kein Fleisch und nur zwei Sorten Wurst. Das ist heute ganz anders. Und die Grundsorten Fleisch werden auch vom Staat subventioniert, damit die Preise stabil bleiben.

Oi Kusmitsch, schau mal, die Fischabteilung. Sieht ja lecker aus. Ich bin ja Fisch-Fan, kann aber leider selber nicht kochen.

Na Erichowitsch, dann sage ich mal meiner Frau Bescheid, die wird Dich dann mal einladen.

Danke, Kusmitsch, gerne.

Dann haben wir noch eine große Abteilung, wo viele Salate und Halbfertigprodukte frisch vor den Augen der Kunden hergestellt werden. Wer keine Zeit hat, kann hier sogar ein kleines Mittagessen im Stehen einnehmen.

Siehst Du, Erichowitsch, und schon sind wir in der Backwarenabteilung. Was glaubst Du, wieviel Brotsorten hier liegen?

Oi, Kusmitsch, lass mich mal schätzen … 50?

Naja, Erichowitsch, fast richtig. Es sind 89 Sorten. Allerdings ist das Personal noch beim auspacken und es kommen noch ein paar Sorten dazu.

Kusmitsch, Kusmitsch … schau mal, unser Leser hat doch recht. Er hat geschrieben, dass Brot jetzt 51 Rubel kostet.

Erichowitsch, nun mal nicht so hektisch. Natürlich kostet Brot 51 Rubel, es gibt sogar noch teurere Sorten, da sind dann Nüsse und Trockenobst drin. Aber Du musst auch schauen, wie groß das Brot ist. Und Du hast Alternativen … es gibt auch wesentlich billigeres Brot. Niemand zwingt Dich, Brot für 51 Rubel zu kaufen, wenn Du es Dir nicht leisten kannst.

So, Erichowitsch, lass uns mal schnell durch die Wurstabteilung gehen. Da hat gerade ein Stand zur Verkostung aufgemacht … ich habe einen kusmitschen Hunger … Du kannst ja schon mal ohne mich durch die Abteilung wandern.

Ja Erichowtisch, Käse haben wir sehr viel – eigentlich fast alles russische Produktion. Probleme gibt es noch mit dem Schimmelkäse. Der war aber nie so richtig traditionell gefragt in Russland und deshalb haben wir jetzt Probleme, den herzustellen, denn wegen der Sanktionen darf ein Käse importiert werden.

Nun Erichowitsch, ich denke, dass reicht für heute. Du siehst, bei uns hungert niemand und uns braucht auch niemand Fresspakete aus Deutschland zu schicken. Hier in Kaliningrad ist seit 1946 niemand mehr verhungert.

Aber Kusmitsch, können sich die Leute das denn auch alles leisten? Die Menschen sollen ja so wenig verdienen?

Erichowitsch, Du musst schon konkret fragen. Wenn Du einen Russen fragst, wie hoch sein Gehalt ist, dann sagt er Dir 10.000 Rubel. Aber dann musst Du ihn fragen, wieviel Geld er noch schwarz im Umschlag bekommt. Dann bekommst Du die Antwort 20.000. Und viele sagen Dir auch nicht, dass es noch Prämien und Einmalzahlungen gibt … Jammern gehört zum täglichen Leben bei den Russen, genau wie bei Euch Deutschen.

Weißt Du Erichowitsch, wenn es den Russen wirklich schlecht geht, wie es immer behauptet wird, dann steht die Frage, warum man ewig in der Schlange an der Kasse stehen muss, weil die Körbe so voll sind und das Kassieren so lange dauert. Und womit die Leute dann die Autos finanzieren, die vor dem Supermarkt stehen und mit welchem Geld sie sich die Eigentumswohnung gekauft haben …

Kusmitsch, interessant. Wie hast Du denn Dein Auto und Deine Eigentumswohnung bezahlt? Du bekommst ja auch von mir nur 25.000 Rubel …

Also Erichowitsch … erstens arbeite ich bei Dir nicht ganztags, habe also noch eine andere Arbeit … und alles andere … geht Dich nischt an …

… tschuldigung Kusmitsch, ich wollte nicht zu neugierig sein. Aber vielen Dank für die vielen Informationen und den gemeinsamen Einkauf.

ну ни за что, keine Ursache Erichowitsch.

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Alltägliches

   Kommentare ( 2 )

boromeus Veröffentlicht: 3. Februar 2019 14:03:48

Das kann ich so bestätigen.Viktoria wirkt langsam "altbacken"Keine wirklichen Veränderungen in den letzten 3 Jahren.Was mir gar nicht gefällt ist ,dass manchesmal nur noch 1 Kasse offen ist und den Rest versucht man umzulenken auf selbstzubedienenden Scannerkassen, an denen man dann nur noch mit Plastikkarte bezahlen kann.Dagegen ist dann ein vergleichbarer Sparmarkt eine echte Augenweide.Gut strukturiert,in der Produktauswahl n' Ticken umfangreicher .Auf dem Stand der Zeit und optisch ansprechender. Die werden ,wenn die so weitermachen auch im Bereich der Expansion, Viktoria weitere Marktanteile abjagen,wenn man man dort nicht langsam tätig wird.Was die Preisgestaltung angeht, ist Viktoria nicht unbedingt preiswert.Zumindestens in einigen Bereichen nicht.Aber jeder Kunde entscheidet natürlich selber ,wo er was beziehen und sein Geld lassen möchte.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 3. Februar 2019 15:22:05

... wenn "Viktoria" nichts unternimmt, um sich den aktuellen Markterfordernissen anzupassen, wird die Supermarktkette in spätestens drei Jahren das Schicksal der Supermarktkette "WESTER" teilen. Und ein weiteres Problem - meiner Ansicht nach - ist, dass es keine wirkliche Konkurrenz in Kaliningrad gibt und der Einzelhandel in den Händen einiger Weniger liegt und somit die Preise "abgestimmt" werden.

boromeus Veröffentlicht: 3. Februar 2019 16:07:46

Stimmt.Das, so denke ich ist das Problem schlechthin in vielen Bereichen.Noch können wenige den Markt diktieren.Entsteht aber erst eine marktregulierende gesunde und ausgewogene Konkurenz in allen Bereichen, reguliert Angebot und Nachfrage den Markt .Die Möglichkeit doch noch Oligarch zu werden ,wird dann erheblich schwieriger.Vielleicht bewegen sich dann auch die etwas schneller ,die heute noch glauben,dass der Kunde ausschliesslich derjenige ist ,der nur das Recht hat, den Apparat und den Lebensstiel des Anbieters zu finanzieren,und ansonsten eher wenig geschätzt und schon gar nicht hoffiert wird....

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