Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Umfrage

Wissenstest Februar 2017
  • Wie viele deutsche Staatsbürger leben ständig in Kaliningrad?

Alle Umfragen

Militär schafft Ordnung in Kaliningrad

Fr, 06 Jan 2017 ... mit deutschem Akzent


Militär schafft Ordnung in Kaliningrad

Über einen Tag war Russland von seiner Exklave Kaliningrad abgeschnitten. Kaliningrad hatte sich transporttechnisch im Luftverkehr selber blockiert und den Flugverkehr lahmgelegt. Erst ein Eingreifen des Militärs beendete den Notstand. Die Frage nach Verantwortlichkeiten und Verantwortlichen wird laut.

Der Kaliningrader Airport war rund 30 Stunden blockiert. Grund war ein gebrochenes Vorderrad eines Airbusses A 321, der bei der Landung über die Landebahn hinausschoss und erst auf dem anschließenden Acker zum Stehen, oder besser zum Liegen kam. Über die Einzelheiten berichteten wir in einem Beitrag vom gestrigen Tag.

 
Über einen Tag konnte das Flugzeug nicht geborgen werden, da es keine Spezialtechnik hierfür gab. Heutige Sprecher erzählten von Versäumnissen der ehemaligen Besitzer des Airports, die nicht in Spezialtechnik investieren wollten. Andere berichteten, dass es viele Airports gibt, die über keinerlei Spezialtechnik verfügen. Aber wenn man schon nicht investieren will oder kann, so könnte man doch zumindest in Friedenszeiten einen Notfallplan erarbeiten und mit Firmen Verträge abschließen, die über die notwendige Technik verfügen, die man im „Krieg“ zu Hilfe rufen kann. Aber anscheinend war noch nicht einmal Geld für den Kauf von Papier in Kaliningrad vorhanden, auf denen man diesen Notfallplan und einen Servicevertrag drucken kann. Da die russische Untersuchungskommission ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat, wird man wohl auch sicher schnell feststellen, wer wen über Unzulänglichkeiten informiert hat und wer wie reagiert oder nicht reagiert hat. Fest steht aber schon jetzt: das zivile Kaliningrad hat versagt. Erst durch das Eingreifen des russischen Militärs, welches auf Bitten des jungen Gouverneurs Anton Alichanow Spezialtechnik schickte, war es möglich, das Flugzeug auf einen sicheren Stellplatz zu schleppen und den Flugplatz für den Flugverkehr wieder freizugeben.
 
Natürlich gibt es konkrete Verantwortliche in den Strukturen des Kaliningrader Airports, begonnen beim Dispatcher, über den Generaldirektor, bis hin zum Eigentümer. Diese haben versagt. Vielleicht sollte man diesen Airport den Militärs übergeben, damit das Versagen aufhört?
 

Foto: Interview „Kaliningrad-Domizil“ mit dem Generaldirektor des Airports Kaliningrad
 
Es gibt aber auch Verantwortliche in der Kaliningrader Regierung. Aus Zukanow-Zeiten hat sich der Vizegouverneur Alexander Rolbinow in die Alichanow-Regierung gerettet. Er ist für die Infrastruktur des Kaliningrader Gebietes verantwortlich. Wenn man ihn schon aus irgendwelchen Gründen nicht ablösen kann (er soll viele Fäden im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Händen halten), sollte man ihm vielleicht einen Militär als Aufsichtsperson zur Seite stellen. Und in seiner Unterstellung hat dieser Vizegouverneur eine Ministerin für Infrastruktur. Der Name Elena Djatlowa ist mir persönlich noch in sehr guter Erinnerung. Ich hatte mit ihr vor wenigen Jahren ein Treffen, als sie noch für die Ausschreibungsagentur in der Regierung verantwortlich war. Sie erzählte mir, wie korruptionssicher das ganze „Zukanow-System“ ist und das Bestechung einfach nicht möglich ist. Ich habe dies mit Interesse zur Kenntnis genommen und habe mit Erstaunen gesehen, wie wenige Zeit später der größte Korruptionsskandal des Kaliningrader Gebietes aufgedeckt wurde. Der größte Korruptionär war der Stellvertreter dieser Dame, die danach versetzt wurde: Sie wurde Ministerin. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass Frau Djatlowa ebenfalls zu den engsten Vertrauten von Zukanow gehörte.
 
Foto: Tragen Entscheidungsträger in der Kaliningrader Regierung nur ihr Gehalt nach Hause oder tragen sie auch Verantwortung?
 
Der Gouverneur Alichanow wurde in den vergangenen Wochen von der Medien-Opposition ziemlich scharf angegangen, weil er nicht entschieden genug in der Kaliningrader Regierung aufräumt und die „Besdjelniki“ (die Untätigen) nicht entfernt. Entfernen kann man aber nur, wenn Ersatz vorhanden ist – so zumindest die Standardsituation in Friedenszeiten. Aber wir haben Krieg in Kaliningrad, die Zeit zur Vorbereitung bis zur Weltmeisterschaft läuft uns weg und ich stelle mir vor, dass während der Weltmeisterschaft das Vorderrad eines Flugzeuges bricht …
 
Vielleicht richtet es in Kriegszeiten weniger Schaden an, Arbeitsplätze nicht zu besetzen (man spart zumindest Gehälter), als auf den Stühlen Leute sitzen zu haben, die durch ihre Inkompetenz oder ihre Unlust Probleme zu lösen, den Notstand auslösen? Vielleicht sollte man sich ein Beispiel an der russischen Zentralbank nehmen. Frau Elvira Nabiullina, Leiterin der russischen Zentralbank, erst vor wenigen Tagen zur besten Bankerin in Europa gekürt, räumt seit Mitte 2013 radikal im russischen Bankensystem auf. Entweder werden Banken liquidiert oder, wo noch ein kleines Fünkchen Hoffnung besteht, wird eine Zwangsverwaltung eingesetzt. Nun will ich nicht schon wieder nach dem russischen Militär rufen, welches sich auf Ministersessel in der Dmitri-Donskowo Nr. 1 setzen soll, aber es muss etwas geschehen.
 
Foto: Facebook-Information von Veronika Nikolajewa am Donnerstag um 14.00 Uhr
 
Am Donnerstagmorgen um 06:00 Uhr Kaliningrader Zeit (in Moskau war es schon 07:00 Uhr – ein Zeichen, dass uns Moskau immer ein Stück voraus ist), konnte der zivile Gouverneur Anton Alichanow berichten: „Alles normal, die ersten drei Flüge Aeroflot Richtung Moskau werden vorbereitet.“ Wenn sich dieses „alles normal“ nur auf die drei Flüge bezog, so ist das wohl i.O. Aber ansonsten bleibt wohl nach dem Aufräumen auf dem Rollfeld des Airports noch viel andere Aufräumarbeit an anderen Stellen zu leisten, damit man wirklich sagen kann „alles in Ordnung.“
 
 
Das russische Militär hat die gestellte Aufgabe erfüllt und den Airport wieder einsatzbereit gemacht. Vor einem halben Jahr hatte man aber auch festgestellt, dass es Unordnung und nur bedingte Einsatzbereitschaft in der Ostseeflotte gibt. Die Führung der Flotte wurde abgelöst und nach einem halben Jahr war die Flotte wieder „voll einsatzbereit“. Das provoziert zu dem Spruch, mit Blick auf die Kaliningrader Regierung: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
 
Reklame

Airport, Kaliningrad

   Kommentare ( 3 )

boromeus Veröffentlicht: 5. Januar 2017 21:51:56

Nicht auszudenken, wenn der Vorgang zum Inferno geworden wäre.Unfälle geschehen ,das ist so.Was aber erschreckend ist ,dass sich keiner verantwortlich fühlt,dass keine Notfallpläne und Equipment gibt,oder eben Vertragspartner, die einspringen können.Das Nachsehen hat der Kunde.Zahl und halte die Klappe.Sei froh dass wir dich befördern.Weiß man in der Führung, wer diesen Flughafen am Leben hält?Wer die Arbeitsplätze finanziert?Jagt diejenigen von Hof ,die in ihrem Job so agieren.Der Eindruck der hier entsteht:Man will alles,nur tun will man nicht ganz viel dafür.Und das funktioniert nicht.
Der Kaliningrader Flughafen?Eine Provinzposse .Meilenweit von internationalen Standards entfernt.Wie sagte vor Monaten ein Leser."Wenn ihr es nicht hinbekommt,
einstampfen und 'ne Hühnerfarm von machen."So jedenfalls wird das nichts.

kgd .ru Veröffentlicht: 5. Januar 2017 23:00:05

Da könnten sich die "Verantwortlichen" einmal bei den Organisatoren von Mega-Großveranstaltungen wie z.B. im Wintersport oder bei den Notfallkoordinatoren im Eisenbahnbetrieb umsehen. Dort gibt es bis ins kleinste Detail Notfallpläne und für alle möglichen außergewöhnlichen Ereignisse ist man vorbereitet, kann dadurch die Behinderungen und Schäden so gering wie möglich halten und stets rasch und richtig reagieren. Dort sind eben nur kompedente Leute mit langjähriger Erfahrung, Rückgrat und der Bereitschaft, wirklich Verantwortung dafür zu übernehmen, am Werk. Wer dazu nicht taugt, ist schnell weg und wird nicht lange durchgefüttert. In Kaliningrad genügt es schon mit genug Geld oder durch viele Freunde zu Macht und Positionen zu gelangen. Die Fähigkeit zur vorgesehenen Funktion scheint leider oft nicht gegeben zu sein...

griepswoolder Veröffentlicht: 7. Januar 2017 00:04:06

Betrifft Lob für die Zentralbank-Leiterin: Normalerweise freut man sich natürlich über Lob. Allerdings sollte man doch darauf achten, von wem und wofür man gelobt wird. Man sollte sich daran erinnern, das man Jelzin damals auch vom Westen aus lobte. Das Ergebnis im Bezug auf die Wirtschaft ist ja bekannt. Es mag sicherlich in Ordnung sein, das das Bankensystem in Ordnung gebracht wurde, so das das Geld der kleinen Leute sicherer wird. Andererseits ist die Zentralbank - sofern meine Informationen stimmen - immer noch »unabhängig«, ist also keine echte Staatsbank, die den Interessen des Landes verpflichtet ist. Zum Beispiel sollen die hohen Zinsen für einheimische Firmen ja ein Problem sein, wie ich mal las. In Russland ist es teuer an Wirtschaftskredite heranzukommen, im Westen nicht, aber da kommen die russischen Firmen wegen den Sanktionen wohl kaum noch heran. Ob sich da inzwischen schon etwas geändert hat, weiß ich natürlich nicht.

Damit könnte es somit auch zusammenhängen, wenn der Flughafenbetreiber unvollständig ausgerüstet ist. Umsonst wird man solche Technik wohl auch in Russland nicht bekommen. Der Staat müßte den privaten Betreibern von wichtigen Verkehrsgesellschaften da auch irgendwie helfen. Sei es auch nur technische Hilfe. Auch nicht nur darauf warten, sondern auch kontrollieren, ob der Flughafen mit allem notwendigen und wichtigen ausgestattet ist.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 7. Januar 2017 09:20:06

... die russische Zentralbank ist, wie jede andere Zentralbank in anderen Ländern, unabhängig. Sie arbeitet mit der Regierung zusammen, untersteht ihr aber nicht. Der Präsident reguliert für die Zentralbank die Personalpolitik.Ich glaube nicht, dass wir heute noch eine Situation haben, wo sich derartige Persönlichkeiten durch westliche Lobe beeindrucken lassen - schon gar nicht auf "Jelzin"-Niveau. Die hohen Zinsen sind eine Folge der verkehrten Finanz- und Wirtschaftspolitik der Vergangenheit. Ehe dieses Problem reguliert ist, werden noch einige Jahre vergehen. Der Leitzins der Zentralbank ist nun schon stabil bei 10 Prozent und eine weitere Senkung ist in Aussicht gestellt.

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an