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Nordstream-2 – es bleibt spannend

Sa, 22 Dez 2018 ... mit deutschem Akzent


Nordstream-2 – es bleibt spannend
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Vor wenigen Tagen konnte man den Eindruck gewinnen, als ob alle Entscheidungen zu Nordstream-2 gefallen sind und dem Bau und der Nutzungsüberführung nichts mehr im Wege steht. Nun werden wohl die Karten neu gemischt und ich frage mich: Wann wird es kalt in Deutschland?

Der amerikanische Außenminister Robert Palladino hat Deutschland geraten, mal ein wenig auf seine vielen Nachbarn zu hören, die alle vor dem Bau der Nordstream-2 warnen. Er meinte vermutlich Litauen, Lettland, Estland und Polen. Diese Staaten sind der Ansicht, dass der Bau dieser Leitung ihre Sicherheit bedroht und deshalb wollen sie die Leitung nicht.

Am 12. Dezember hatten die Abgeordneten des Europaparlaments eine Resolution angenommen, die davon spricht, dass Nordstream-2 die europäische Energiesicherheit bedroht. Und in dem Dokument wird unterstrichen, dass die Ukraine eine Schlüsselrolle in der Versorgung Europas mit Energie darstelle.

Und ich habe nun mal versucht für mich zu verstehen, worin denn nun eigentlich die Gefahr liegt, wenn diese Leitung gebaut wird, insbesondere unter dem Aspekt, dass es doch schon Nordstream-1 gibt und diese Leitung anscheinend keine Gefahr für Europa darstellt.

Schauen wir zuerst auf eine sehr einfache Karte. Hier ist zu sehen, wie russisches Gas – es soll ja weltweit das Billigste sein – von Russland nach Westeuropa kommt. Wir sehen, dass Nordstream-1 und Nordstream-2 die Länder Estland, Lettland und Litauen überhaupt nicht berühren. Ich verstehe somit nicht, wieso diese Leitung überhaupt von irgendeinem positiven oder negativen Interesse für diese drei Staaten sein können – sie haben doch damit überhaupt nichts zu tun.

Dann schauen wir Richtung Polen und sehen, dass eine Leitung durch Polen Richtung Deutschland läuft. Und Polen bekommt für den Transit Geld. Wenn plötzlich kein Gas mehr durch diese Leitung Richtung Deutschland fließt, sondern dieses Gas, unabhängig von den Launen des Transitlandes Polen, durch die Nordstream-2 Leitung fließt, dann bekommt Polen kein Geld mehr. Somit ist klar, warum Polen gegen Nordstream-2 ist – wejens dem schnöden Mammon.

Und dann gibt es weiter südlich noch zwei weitere Leitungen von Russland über das Transitland Ukraine nach Westeuropa. Hier haben wir genau das gleiche Problem. Die Ukraine ist hunderte Kilometer von Nordstream-2 entfernt. Physisch stellt also diese Leitung gar kein Risiko dar. Aber es geht ums Geld, ums Transitgeld, welches die Ukraine befürchtet zu verlieren, wenn Nordstream-2 in Nutzung überführt wird. Und somit ist Deutschland anscheinend bereit zu frieren, damit die Ukrainer Geld verdienen. Das nenne ich echte Solidarität.

Und fürchtet die Ukraine zu Recht, dass Russland den Durchleitungshahn zudreht und diese beiden Leitungen nicht mehr nutzen will? Ich glaube ja. Russland behauptet zwar das Gegenteil, dass man weiterhin Gas durch die Ukraine leiten wird, aber es steht die Frage, ob die Ukraine das russische Gas auch weiter nach Westeuropa leitet. Was Russland will ist das eine, was die Ukraine macht, etwas ganz anderes.

Mich wundert immer wieder, über was für ein kurzes Gedächtnis die Westeuropäer verfügen. Erinnern wir uns doch nur mal an das Jahr 2014/2015. Die Lage in der Ukraine war katastrophal und der Winter sehr kalt. Trotzdem die Ukraine riesige Schulden für russische Gaslieferungen angehäuft hatte, lieferte Russland weiter, wenn auch gedrosselt. Und, damit die Ukrainer nicht erfrieren, hat die Ukraine einfach das Gas abgezapft, was eigentlich für Westeuropa bestimmt war. Westeuropa wiederum beschwerte sich, dass Russland kein Gas liefere, obwohl, da bin ich mir völlig sicher, alle wussten, dass die Ukraine den Transit behindert und für sich Gas abzweigt.

Nordstream-2 soll nun verhindern, dass die Ukraine sowohl Russland wie auch Westeuropa unter Druck setzen kann. Und natürlich will die Ukraine verhindern, dass ihr dieses Druckmittel weggenommen wird und vor allem aber verliert man natürlich viel Geld durch den Wegfall der Transitgebühren. Das dürfte die Lage in der Ukraine weiter zuspitzen.

Nun steht die Frage, wie es weitergeht. Gehen wir mal vom Normalfall aus. Der besteht darin, dass sich Deutschland den amerikanischen Interessen unterordnet – also auf den Bau von Nordstream-2 verzichtet. Dann kann Russland einen möglichen Lieferausfall, verursacht durch die Ukraine, logistisch nicht mehr kompensieren, denn die bisherigen Leitungen haben nur eine bestimmte Kapazität. Dann wird es wohl kalt in Deutschland.

Allerdings gibt es wohl doch noch einen Ausweg. Russland baut gemeinsam mit der Türkei die sogenannte Türkenlinie. Die besteht aus zwei Linien. Wenn Sie so wollen, liebe Zuschauer, ist das die Nordstream – bloß eben im Süden. Eine Linie ist für die Lieferungen direkt für die Türkei, für den Eigenverbrauch bestimmt. Die zweite Linie führt weiter nach Griechenland. Und dann würde ja die Möglichkeit bestehen, dass Deutschland russisches Gas in Griechenland, welches im Transit durch die Türkei geströmt ist, einkauft. Es wird zwar ein wenig teurer, aber die Deutschen haben´s ja. Aber wenn die Türken bockig sind und kein Gas für Deutschland durchlassen, dann wird es kalt in Deutschland. Aber dann helfen sicherlich die USA, damit es nicht zu heißen Wintern im kalten Deutschland kommt.

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Deutsches, Energiesicherheit, Energiewirtschaft, Türkei, Ukraine

   Kommentare ( 1 )

Frank Werner Veröffentlicht: 22. Dezember 2018 18:51:14

@UEN
Da kann man trefflich streiten. Aber Polen baut eine zusätzliche Leitung direkt nach Norwegen und die Ukraine kann auch von Westeuropa aus versorgt werden. Die Situation ist nicht mehr vergleichbar mit der von vor einigen Jahren. Das Gas ist jetzt fast beliebig über das europäische Netz verteilbar. Und es sind nun schon mehrere Flüßggasterminals in Betrieb und zusätzliche in Planung.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Dezember 2018 19:37:33

... das finde ich toll. Wenn alles so flexibel ist, dann sollte man wirklich auf das russische Gas verzichten. Wozu der ganze Aufwand? Deutschland sollte sich dann wirklich auf seine verlässlichen westlichen Partner verlassen und nicht auf das sanktionsgeplagte Russland.

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