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Privatinitiative „Heim ins Reich“? Eine Nostalgiereise in die 90er Jahre

Mi, 15 Mai 2019 ... mit deutschem Akzent


Privatinitiative „Heim ins Reich“? Eine Nostalgiereise in die 90er Jahre
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Sie erinnern sich an die 90er Jahre? Die Ostzone wurde heim ins Reich geholt und die sowjetischen Okkupanten, vertraglich nett formuliert, aus dem Land komplimentiert. So wie die Russen sich zurückzogen, rückten Deutsche nach – bis hin in das ehemalige Ostpreußen, welches zeitlich von den Russen verwaltet wird.

Was gibt es nicht alles für Gerüchte über angebliche Gespräche zwischen Gorbatschow und Kohl, oder Genscher oder wie die damaligen Akteure alle hießen. Irgendwelche geheimnisvollen sowjetischen Generäle sollen Postbote gespielt haben beim Austausch von Briefen zum Rückkauf Ostpreußens von den Russen. Irgendwelche Fernschreiben oder Faxe soll es geben. Sogar der Spiegel soll mal etwas berichtet haben. Und natürlich ist damit der Beweis erbracht – die Russen wollten Ostpreußen loswerden. Nur die verräterische Bundesregierung – so kommentieren nicht gerade wenige Ostpreußen-Fans, hat alle Vorschläge zurückgewiesen.

Und wenn wir einfach mal davon ausgehen, dass das alles stimmt, was da so im Internet verbreitet wird, so kann es sich bei dem, Anfang der 90er Jahre gestarteten Versuch eines Herrn Dietmar Munier, nur um eine Privatinitiative zur Heimholung Ostpreußens in das Reich handeln.

Wer war dieser Dietmar Munier? Ich kenne ihn persönlich natürlich nicht und habe mich einfach mal im Internet ein wenig kundig gemacht.

Warum ich diesen Ausflug in den braunen Sumpf mache, erkläre ich Ihnen am Ende des Beitrages.

Herr Munier ist Jahrgang 1954, also ein Jahr älter als ich. Die Erziehung im Elternhaus bei uns Beiden, kann man nur mit „Tag und Nacht“ oder besser „Braun und Rot“ bezeichnen.

1969, also mit 15 Jahren, trat Munier der „Gemeinschaft Junges Ostpreußen“ bei, der damaligen Jugendorganisation der Landsmannschaften Ostpreußen. Von dieser Jugendorganisation hat sich, wenn ich denn richtig informiert bin, die Landsmannschaft getrennt. Sie soll wohl doch zu sehr Rechts gewesen sein – mit anderen Worten: ein wenig Rechts ist durchaus akzeptabel.

1971 schloss sich Munier den Jungen Nationaldemokraten an, der Jugendorganisation der NPD und bekleidete einige führende Positionen. Ende der 70er Jahre war er in führenden Funktionen beim Bund Heimattreuer Jugend – einer Organisation mit einem interessanten Abkürzungskürzel: „BHJ“

 

Soweit zur Vorrede.

Im Rahmen des Rückzugs der Roten Armee aus der „Ostzone“, Anfang der 90er Jahre, heftete sich Munier gleich an deren Fersen. 1991 gründete er die „Aktion Deutsches Königsberg“ und ein Jahr später, im Jahre 1992 den „Kulturverein Trakehnen“. Dieser Kulturverein wurde im Jahre 1993 in den „Schulverein der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V.“ überführt.

Die „Guten Deutschen“ kümmerten sich also mit Kultur und Bildung um das ehemalige deutsche Gebiet Ostpreußen, welches in den letzten Jahrzehnten doch durch die Russen so runtergewirtschaftet worden war.

Ein weiteres Jahr später, also 1993, wurde die „GST“ gegründet, also nicht die „Gesellschaft für Sport und Technik“, wie sie in der sowjetischen Besatzungszone, sprich DDR, existierte, sondern die „Gesellschaft für Siedlungsförderung in Trakehnen m.b.H.“

Ziel dieser Gesellschaft war es, ein Deutsches Dorf im Kaliningrader Gebiet, bzw. wie man sich natürlich damals schon ausdrückte, Königsberger Gebiet, zu errichten. Weiterhin sollten Grundstücke aufgekauft werden, um die Grundlagen für eine deutsche Neubesiedlung der ehemaligen Ostgebiete zu schaffen. Ein Zwischenschritt hierbei sollte die Ansiedlung Russlanddeutscher im „Königsberger Gebiet“ sein. Mit dieser Ansiedlung wollte Munier neue Fakten für eine deutsche Perspektive in der Provinz Ostpreußen schaffen.

Gebaut wurden zwei Dörfer. In diesen Dörfern wurde, durch den schon erwähnten Schulverein, eine Schule gegründet, in der die Kinder in deutscher Sprache unterrichtet wurden. Drei Lehrer, bekannt durch ihre nationalsozialistische Einstellung, unterrichteten dort:

  • Richard Edmonds, Gründungsmitglied der rechtsextremen British National Party (BNP)
  • Herbert Fritz, Autor bei der Nationalzeitung und Referent der den Nationalsozialismus rechtfertigenden Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AfP)
  • Götz Eberbach, Referent der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS (HIAG)

Die russische Seite zeigte unendliche Geduld mit diesen „Guten Deutschen“. In den wilden 90er Jahren war vieles möglich und damals glaubten die Russen auch noch an das Gute im deutschen Menschen. Aber irgendwie kam das Fass dann wohl doch zum überlaufen und im Jahre 1996 verhängten die russischen Behörden ein lebenslanges Einreiseverbot für Dietmar Munier.

Warum erzähle ich Ihnen dies alles? Nun, weil ich befürchte, dass sich Geschichte wiederholt. Es gibt den Verein „Deutsch-Russisches-Friedenswerk“, gegründet durch zwei Deutsche. Diese sind seit rund drei Jahren im Kaliningrader Gebiet, oder, wie die beiden Herren es formulieren: im Königsberger Gebiet, aktiv. Auf ihrer Internetseite werben sie um Deutsche, die mit Deutschland unzufrieden sind und eine neue Heimat, eine deutsche Heimat suchen. Und man schlägt diesen Deutschen Siedlungsgebiet vor.

Ich zitiere: ….

Und das kommt mir bekannt vor. Es erinnert mich an die Zeiten der 90er Jahre, insbesondere, wenn man sich mit den Akteuren und deren Vergangenheit vertraut macht.

Jetzt ist ein deutscher Reisebus unterwegs, wenn ich richtig informiert bin, vollbesetzt mit Deutschen, die Grund und Boden im Königsberger Gebiet erwerben und in ein neues Klein-Deutschland investieren sollen, vielleicht aber auch wollen.

Ich würde es bedauerlich finden, wenn diese Deutschen unkritisch den Darlegungen und Versprechungen der Königsberg-Akteure folgen. Geld ist schwer verdient, aber leicht verloren.

Tschüss und Poka aus Kaliningrad

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   Kommentare ( 2 )

Hauke Veröffentlicht: 15. Mai 2019 15:15:00

Mal abgesehen davon dass, wie es scheint, ein paar Besserwessis unterwegs sind,
worum sollen im Kaliningrader Gebiet keine Deutschen leben?
Hier leben doch auch Russen.
Die haben Ihre eigenen Geschäfte und Gaststätten, ihre eigenen Vereine und Kulureinrichtungen.
Und Niemand kommt auf die Idee dass es Putins 5. Kolonne ist.
Und noch ein Satz zur Verwendung der alten deutschen Namen.
Ich verwende die auch.
Denn Napoleon hat sich mit den Zaren und den preußischen König nicht in Sowjets getroffen,
sondern in Tilsit und der Fluss auf dem das Treffen stadtfand hieß nicht Nehmen sondern Memel.
Und Trakehner wurden in Trakehnen gezüchtet und nicht in Jasnaja Poljana.
Finde ich übrigens sehr schade dass man das Gestüt nicht erhalten hat.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 15. Mai 2019 16:22:24

Selbstverständlich hat sich Napoleon mit dem russischen Zar in Tilsit auf der Memel getroffen und natürlich haben die sowjetischen Truppen nicht Kaliningrad sondern Königsberg erobert. Aber Sie können ja mal versuchen, ein Ticket nach Tilsit zu lösen oder ein Visum für Königsberg zu erhalten. Wenn es Ihnen gelingt, übernehme ich die Kosten und Sie bekommen noch ein vernünftiges Taschengeld von mir dazu.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 15. Mai 2019 21:47:32

Diese Masche mit dem Ankauf von Grund und Boden ist ja nicht neu. Der wurde vor rund hundert Jahren schon praktiziert. Bloß daß damals die Gründe bereits 3000 Jahre angeblich zurück lagen. So wird es jedenfalls behauptet und beschrieben. Und damals wie auch jetzt benehmen diese Leute sich so, wie die, vor denen sie einstmals geflüchtet sind.
Und jetzt ist das Gleiche nochmals versucht worden. Vor einigen Jahren, wo man mit der Anmietung einer Wohnung in einem alten sehr schönen Haus in einer sehr schönen Straße mit noch mehr sehr schönen Häusern einer sehr alten und sehr schönen Stadt begann und dann, bevor es beendet wurde, fast die ganzen schönen alten Häuser mit fast allen Wohnungen dieser Mischboge im weitesten Sinne gehörten.
Nun haben sich wohl Leute diese Masche abgeschaut und aus der teutschen Hilfsheimat West aufgemacht, um den seit vielen Generationen den angeblich ihnen gehörenden Grund und Boden durch Kauf den Russen wieder zu entreißen. Wenn man denn einmal da ist, dann ..

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