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Rating kommt von „Raten“? Endlich ein reales Rating?

Mo, 03 Feb 2014 ... mit deutschem Akzent


Rating kommt von „Raten“? Endlich ein reales Rating?
In den letzten Monaten sind Ratings in Russland und Kaliningrad sehr modern und beliebt geworden. Das Problem war und ist, dass Ratings verschiedener Agenturen zu ähnlichen Themen oftmals völlig andere Resultate brachten.
 
Man konnte bei diesen Ratings den Eindruck gewinnen, als ob die Befragung in unterschiedlichen Kontinenten unseres Erdballs zu Problemen in Russland durchgeführt worden sind und nicht in einer Stadt bzw. einem Land unter der eigenen Bevölkerung.
 
Nun ist klar, dass jedes Rating natürlich in erster Linie das Ziel verfolgt, die Bevölkerung mit Ziffern über Fakten zu informieren. Man publiziert Meinungsäußerungen die auf der Straße, für die Befragten unerwartet, innerhalb weniger Minuten aufgenommen werden, nach bestimmten „innerbetrieblichen“ Richtlinien ausgewertet und dann dem Rest des Landes als „Wahrheit“ präsentiert werden. Und dann beginnt bei den Lesern dieses Ratings ein eigener Prozess der Meinungsbildung. Entweder bestätigt das Rating die schon vorhandene Meinung oder man passt sich der Meinung an oder, wenn man sich mit dem Thema vorher nie befasst hat, dann ist dies die beste Möglichkeit eine Meinung „verbrauchsfertig“ zu erhalten und sie gleich den Nachbarn oder Arbeitskollegen als Wahrheit und Meinung des Volkes zu erzählen: „… weißt du übrigens …“
 
In den örtlichen Medien wurden in den letzten 24 Monaten – mit steigender Tendenz – Ratings zu folgenden Themen veröffentlicht:
  • Rating zum Gouverneur,
  • Rating zum Bürgermeister,
  • Rating zur sozialpolitischen Stabilität der Region,
  • Rating zur Anziehungskraft der Region für Touristen,
  • Rating zur Wirtschaftskraft der Region.
Und es gibt regionale (Kaliningrader) Ratingagenturen, es gibt Agenturen der Nord-West-Verwaltungsregion (St. Petersburg) und es gibt föderale Ratingagenturen. Neben der Veröffentlichung von Umfrageergebnissen, lassen Agenturen dann auch „genannte“ oder „ungenannte“, gewöhnlich gut informierte Quellen zu Wort kommen, die entweder „Insider“ sind, oder der Regierung (föderalen oder regionalen) nahe stehen. Die Agenturen haben also Kontakte in „Strukturen“ und erhalten von dort zusätzliche Informationen und Kommentare. Und so liegt die Vermutung nahe, dass man gut miteinander kooperiert und somit die Umfrageergebnisse „dem Bedarf angepasst werden“ (können). Ich sage damit nicht, dass in Russland Umfragen gefälscht werden, denn ich habe dafür keine Beweise. Aber trotzdem steht die Frage, warum die Umfrageergebnisse so unterschiedlich sind, oder Umfragen Resultate liefern, die sich sehr stark von den Ergebnissen unterscheiden, die in der vergangenen Umfrage zur selben Frage erzielt wurden. Ist die Bevölkerung wirklich so schwankend in den Ansichten und Meinungen?
 
Ich persönlich habe vor rund einem Jahr an einer Umfrage zum Thema „Korruption“ teilgenommen. Zum Glück war die Umfrage nicht auf der Straße, sondern man kam zu mir ins Office und befragte mich im Verlaufe von rund zwei Stunden. Es waren auch keine Aushilfskräfte oder Studenten die zu mir kamen. Im Ergebnis des Besuches war ich mir nicht so sicher, ob meine Antworten auch richtig verarbeitet werden konnten – kurz: ich hatte ein unsicheres, ja fast unangenehmes Gefühl und vergaß die Umfrage einfach. Sie war nicht wertvoll.
 
Es bleibt dem „Normalverbraucher“ also nichts weiter übrig als zu schauen, welche Agentur sich zu Wort meldet, wem sie nahesteht und ein wenig auch sich in der politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Landschaft auszukennen, um das Rating richtig verstehen zu können.
 
Unsere Informationsagentur hat in den letzten Monaten auch die Ergebnisse einer ganzen Reihe von Ratings veröffentlicht. Zum Glück nicht alle Ratings. Wir werden zukünftig noch weniger Ratings, insbesondere politische, veröffentlichen – denn zum jetzigen Zeitpunkt gibt es, so behaupte ich einfach mal – keine objektiven, politisch nicht beeinflussten, Meinungsumfragen. Dass solche Ratings prinzipiell notwendig sind, daran besteht kein Zweifel. Aber die Qualität der Arbeit der Ratingagenturen scheint sehr niedrig zu sein und es fehlt den Neustartern wohl einfach nur an Erfahrungswerten, wie man qualitative Arbeit abliefert und vielleicht spielt auch der Begriff „Moral“ nicht immer eine Rolle in der Arbeit solcher Agenturen.
 
Aber Russland entwickelt sich und es wird auch das Netz der soliden Ratingagenturen entwickelt. Vielleicht ist schon der Anfang gemacht. Natürlich sind die Agenturen "Levada-Zentrum“ und «WZIOM“ (ВЦИОМ) bekannt und etabliert. Jetzt ist ein weiterer „Teilnehmer am Markt“ öffentlich geworden:
„Fond für die Entwicklung der Zivilgesellschaft“ (http://civilfund.ru).
 
Mein erster Eindruck ist, dass dieser Fond dem föderalen Zentrum nahe steht. Wenn dem so ist, so würde ich davon ausgehen, dass die Umfragen und deren Ergebnis-Veröffentlichungen im Interesse des föderalen Zentrums sind. Das ist schon mal eine nicht ganz unwichtige Erkenntnis, aus der man zukünftig jede Menge Informationen und Schlussfolgerungen ableiten kann.
 
Dieser Fond hat nun die Ergebnisse der ersten polit-soziologischen Analyse veröffentlicht und dies zu einem Thema, welches wirklich wichtig ist: Rating der russischen Gouverneure. Und anscheinend sind die Bewertungskriterien wissenschaftlich erarbeitet worden und bilden nun die Grundlage für eine Notenvergabe an die Leiter der 83 Subjekte der Russischen Föderation.
 
Für das erste Gouverneursrating dieses Fonds, welches nun regelmäßig wiederholt werden soll,  waren ausschlaggebend:
  • die wirtschaftliche Lage des Gebietes (Subjektes) der Russischen Föderation,
  • Einschätzung regionaler und föderaler Massenmedien zur Person,
  • Meinungen von Gesellschaftsexperten,
  • das Verhältnis zwischen finanziellen Einnahmen und Ausgaben der Bevölkerung.
Um das Rating in der Sachlichkeit und Objektivität möglichst breit anzulegen, wurden eine Vielzahl anderer Quellen mit genutzt:
  • Fond der öffentlichen Meinung,
  • Föderaler Statistikdienst,
  • Nationaler Monitoringdienst.
Die Leiter/Gouverneure wurden in vier Gruppen eingeteilt:
  • Sehr hohes Rating,
  • Hohes Rating,
  • Durchschnittliches Rating,
  • Niedriges Rating.
In der ersten Gruppe befindet sich der Leiter des „Autonomen Bezirkes Jamalo-Nenezki“, Dmitri Kobylkin. Den letzten Platz belegte der Chef des Kurganer Gebietes, Oleg Bogomolow. In der letzten Gruppe befinden sich noch weitere 11 Gouverneure.
In der Gruppe „Durchschnitt“ befinden sich 26 Gouverneure. Der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes, Nikolai Zukanov befindet sich ebenfalls in dieser Gruppe, allerdings mit einer Punktezahl die, nach Meinung der Zeitung „Iswestija“, sehr an der Grenze zur Gruppe „Niedriges Rating“ liegt. In dieser Gruppe, so ist der Meldung von „Iswestija“ zu entnehmen, befinden sich all die Gouverneure, die entweder Vertreter der Opposition sind oder früher waren. Wie das zu werten ist, wird die Zukunft im Zeitraum ab dem 23. Februar bis Mitte Juli 2014 zeigen (Zeitraum nach dem Ende der Olympiade bis zum Termin, an dem die Teilnehmer an den planmäßigen und möglichen vorgezogenen Gouverneurs-Neuwahlen bekannt werden).
 
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Föderales, Gesellschaft, Rating

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