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Rette was du kannst. Es geht um Geld.

Mo, 08 Okt 2018 ... mit deutschem Akzent


Rette was du kannst. Es geht um Geld.
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Mitte 2013 wurde Elvira Nabiullina als neue Leiterin der Zentralbank berufen. Ihr Ziel seit diesem Zeitpunkt: die Säuberung des russischen Bankensektors von kriminellen und unprofessionellen Banken. Und dies ist ihr bisher in über 400 Fällen gut gelungen.

Die russische Bevölkerung hat sich daran gewöhnt, dass monatlich irgendwelchen Banken die Lizenzen entzogen werden. Und wer sein Geld klug angelegt hat, kann trotzdem beruhigt schlafen, denn die Anlagen werden in voller Höhe, einschließlich Verzinsung erstattet – jedoch nicht mehr als 1,4 Mio. Rubel. Und wer eben nur diese Summe angelegt hat, hat nichts zu befürchten.

In der Vergangenheit, als die Säuberungswelle erst begann, waren die Russen sorgloser und viele haben viel, sehr viel Geld verloren. Auch staatliche Einrichtungen, so u.a. die Kaliningrader Gebietsregierung, haben viel Geld verloren, bis auch diese Frage reguliert wurde – d.h. bei welchen Banken Regierungsstrukturen Gelder anlegen dürfen.

Und es gab natürlich auch schlaue Anleger, die meinten, kurz vor Lizenzentzug noch Operationen durchführen zu können, um die Anlagesumme zu splitten, damit keine Verluste eintreten. Und so wurden drei, zwei, ein Tag vor dem Lizenzentzug neue Konten eröffnet, die auf den Namen von Mama, Papa, Frau, Kind, Oma, Opa, Onkel, Tante liefen und Gelder vom bedrohten Konto auf diese Konten überwiesen. An sich überhaupt nichts verwerfliches, denn jeder kann frei über sein Geld in Russland verfügen.

Das fand die Zentralbank überhaupt nicht komisch, ja sogar moralisch verwerflich und erreichte in einer Vielzahl von derartigen Fällen, teilweise durch Gerichtsbeschluss, dass derartige Splittungen als ungesetzlich deklariert wurden sind, rückgängig gemacht wurden und somit das Geld den Bach runterging.

Die Zentralbank kann man verstehen, wenn man Mitarbeiter der Zentralbank ist, denn es ging um sehr viele Milliarden Rubel, die der Einlagensicherungsfond nicht ausbezahlen brauchte.

Aber die Anleger interessieren nicht die Sorgen der Zentralbank. Und da der Staat mächtiger ist als irgendein russischer oder ausländischer Anleger, musste man sich fügen.

Dabei vergaß aber die Zentralbank nicht, dass es auch Kreditnehmer bei den Banken gab, die die Lizenz verloren haben. Und natürlich mussten die Kreditsummen vollständig erstattet werden. Hier gab es keine Regelung der Art wie: „… der Kredit ist vollständig zu erstatten, aber nicht mehr als 1,4 Mio. Rubel“ … nein, hier will der Staat alles sehen.

Wenn aber der Staat es versteht, seine Interessen zu schützen, so muss man sich nicht wundern, wenn der russische Bürger dies auch tut.

Im vergangenen Jahr verlor die Bank „Jugra“ – eine sehr große russische Bank, ihre Lizenz. Es wurde noch ein wenig vor Gericht gestritten, aber es blieb bei der Entscheidung.

Und jetzt informierte die Zentralbank, dass man bemerke, dass eine ganze Reihe von Kreditnehmern dieser Bank, bankrott für ihre Firmen anmelden. Und wer bankrott ist, kann natürlich auch keinen Kredit zurückzahlen. Natürlich muss man aufpassen, dass in der bankrotten Firma trotzdem nicht zu viele Aktiva vorhanden sind, die dann von der Zentralbank übernommen werden – also Maschinen, Geräte, Fahrzeuge, Gebäude.

Bei der Aufnahme der Kredite mussten ja Bürgschaften hinterlegt werden, die im Falle der Nichtrückzahlung der Kredite in das Eigentum der Jugra-Bank übergehen … Aber das werden natürlich die schlauen Russen alles bedacht haben, als sie bankrott angemeldet haben.

Wie die Zentralbank informiert, hatte die Bank „Jugra“ Kredite im Gesamtumfang von 267 Milliarden Rubel ausgereicht. 29 Firmen, mit einem Gesamtkreditvolumen von rund 145 Mrd. Rubel, sind bereits im Stadium der Liquidierung.

Mit anderen Worten, der russische Verbraucher, der russische Kreditnehmer, der russische Bankkunde macht nun mit der russischen Zentralbank das, was die russische Zentralbank mit ihm macht – tja, Leben ist eben Geben und Nehmen, auch in Russland.

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Banken, Finanzen, Zentralbank

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