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Russische Medien orakeln über das politische AUS für Zukanow

So, 07 Jul 2019 ... mit deutschem Akzent


Russische Medien orakeln über das politische AUS für Zukanow
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Kein Anschluss unter dieser Nummer – so war am Freitag, kurz zusammengefasst, die Situation in der Vertretung des russischen Präsidenten für den Uraler föderalen Verwaltungsbezirk. Die Vertretung lebt im Schockzustand und antwortet auf keinerlei Fragen oder Anrufe.

Alexander Worobjow, engster Vertrauter und Wegbegleiter des Ex-Gouverneurs von Kaliningrad Nikolai Zukanow, wurde wegen Verdacht des Landesverrats verhaftet und wenige Stunden später, durch Beschluss des Haftrichters, in Untersuchungshaft genommen.

Der Verhaftete hatte Zugang zu Dokumenten und Vorgängen mit dem Sicherheitsvermerk „Geheim“. Wie russische Medien berichten, arbeitete Worobjow direkt in Moskau, in der Vertretung der Vertretung.

Aus dem professionellen Lebenslauf von Worobjow ist zu ersehen, dass er sich im Jahre 2005 in Warschau aufgehalten hatte, um an der dortigen Nationalen Schule für staatliche Verwaltung zu studieren. Das lässt die Vermutung aufkommen, dass polnische Organe diese Zeit genutzt haben, um ihn anzuwerben. Bei seiner Verhaftung trug Worobjow einen polnischen Pass mit sich. Alleine diese Tatsache stellt eine Gesetzesverletzung dar, denn russische Bürger mit einer weiteren Staatsbürgerschaft dürfen nicht in staatlichen Funktionen arbeiten und schon gar nicht Zugriff zu Dokumenten mit Geheimhaltungsgrad haben.

Augenzeugen berichten, dass in der Vertretung des Präsidenten in Jekaterinenburg Panikzustände herrschen sollen. Keines der dort vorhandenen Telefone antwortet auf Anrufe. Bisher ist auch nicht bekannt, wo sich Nikolai Zukanow befindet. Die letzte Information über die Arbeit von Zukanow ist mit dem 20. Juni 2019 auf der Internetseite der Vertretung datiert.

Seit vielen Jahren befinden sich Kaliningrader Medien auf den Fersen von Nikolai Zukanow und deckten viele Skandale und moralische Bedenklichkeiten auf. Es gelang jedoch nie, aus welchen Gründen auch immer, den Mann politisch zu Fall zu bringen. Erst Mitte 2016 setzte der russische Präsident einen Schlusspunkt und versetzte Zukanow nach St. Petersburg und gab damit das Signal für einen politischen Neuanfang im Kaliningrader Gebiet. Da Zukanow auch auf seinem Posten als Vertreter des Präsidenten im Nord-West-Verwaltungsbezirk Einfluss auf das Kaliningrader Gebiet hatte, machte sich eine weitere Versetzung notwendig, um diesen Einfluss zu verhindern. Und so wurde er nach Moskau, direkt in die Administration des russischen Präsidenten versetzt. Einige Monate wurde dort gesucht, mit welchen Aufgaben man ihn betrauen könnte. Und kaum dass man ein paar Aufgaben gefunden hatte, wurde der Posten des Bevollmächtigten Vertreters des Uraler föderalen Verwaltungsbezirkes frei und Putin sandte ihn nach Jekaterinenburg.

Nun glauben politische Beobachter an das bevorstehende politische AUS für Zukanow. Zitiert wird die Meinung des Direktors des Zentrums für politische Untersuchungen der Finanzuniversität bei der russischen Regierung Pawel Salin.

„Natürlich, das ist ein gewaltiger Schlag gegen Zukanow, der wohl schlimmste Fleck auf seiner Weste. Das ist ein beispielloser Vorfall, insbesondere, weil seine rechte Hand des Landesverrats beschuldigt wird und nicht der Korruption. Die gesamte politische Laufbahn Worobjows des letzten Jahrzehnts ist eng verbunden mit Zukanow. Die Folgen für den Bevollmächtigten Vertreter können sehr ernst werden. Wenn man Entscheidungen dieser Art trifft, werden natürlich auch alle möglichen daraus resultierenden weiteren Folgen berücksichtigt“, - so Salin.

Andere Kommentatoren aus politischen Behörden befürchten einen Abfluss von wichtigen Staatsgeheimnissen in den Westen, da Worobjow Kenntnisse von vielen, nicht öffentlichen, politischen Vorgängen hatte.

Nikolai Dolgaschow, ehemaliger Generaldirektor von WESTI-Kaliningrad glaubt, dass Worobjow wohl weniger über wirkliche Staatsgeheimnisse wusste, als vielmehr die Funktion eines Einflussagenten des Westens zu erfüllen hatte. Seine Aufgabe bestand darin, mit westlichen Ideen die Entscheidungen der Kaliningrader Regierung zu beeinflussen. Eine dieser Aufgaben könnte darin bestanden haben, die Germanisierung des Kaliningrader Gebietes zu fördern. Als Erfolg seiner Arbeit könnte gewertet werden, dass Zukanow ein Restaurierungsvertreter war und sich sogar einer Umbenennung der Stadt nicht verschlossen hatte.

Weiterhin bestand wohl die Aufgabe von Worobjow darin, weitere Kaliningrader, insbesondere Politiker und Beamte der Zukanow-Regierung, für eine Zusammenarbeit mit dem Westen zu gewinnen. Erinnert wird in Kaliningrader Medien, dass der bekannte Kaliningrader Ex-Abgeordnete Rudnikow seine Aufenthaltsgenehmigung für die USA verschwiegen hat.

Und es steht die Frage, ob Worobjow wirklich eng mit Zukanow befreundet war oder sich nur in sein Vertrauen geschlichen hat, um zu den benötigten Informationen zu kommen. Und es ist klar, dass die Masse der Informationen, die vermutlich Richtung Westen geflossen sind, aus dem Gebiet Kaliningrad stammen.

Und, wenn Worobjow anfängt, auf Fragen seiner Vernehmer beim russischen Sicherheitsdienst FSB zu antworten, wird er sicherlich auch viele andere Dinge preisgeben, die ihm aus der unmittelbaren Zusammenarbeit mit Zukanow bekannt sind. Auf mögliche Folgen warten jetzt schon viele in der Kaliningrader Gesellschaft, die mit dem Thema „Zukanow“ noch nicht abgeschlossen haben.

Interessant sind auch Informationen aus Jekaterinenburg selber, wo seit einiger Zeit Gerüchte laufen, dass Zukanow Ambitionen auf das Amt des Gouverneurs des Swerdlower Gebietes zeigte. Diese Pläne dürften nun wohl nicht mehr aktuell sein – so ein Journalist des Informationsportales „Znak.com“.

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