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Russische Millionäre und ihr Geld im Ausland

Mi, 31 Okt 2018 ... mit deutschem Akzent


Russische Millionäre und ihr Geld im Ausland
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Es ist allgemein bekannt, dass Russland in den 90er Jahren zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten avancierte. Und hier lag es eindeutig vor den USA, denn in Russland wurde in dieser Zeit alles „privatisiert“, im negativsten Sinne des Wortes, was man nur irgendwie privatisieren – andere sagen auch „stehlen“ – konnte, was nicht niet- und nagelfest war.

 

Und so wurden in dieser Zeit viele Milliardäre und noch mehr Millionäre geboren.

Diese standen vor einem Problem. Wohin mit dem ganzen Geld?

Man häufte so viel Geld an, dass man es einfach nicht mehr ausgeben konnte, selbst bei maximaler Luxusentfaltung. Aber natürlich gab es auch ein gewisses Sicherheitsdenken und man musste ein paar Rückstellungen machen, für den Fall, dass es mal nicht mehr so einfach ist, Geld zu verdienen.

Ein Normalbürger gibt dieses Geld einer Bank. Dort ist es relativ sicher. In Russland war dies aber nicht möglich – aus mehreren Gründen.

Zum einen gab es keine sicheren Banken. Ein Großteil der Banken, die damals gegründet wurden, waren kriminelle Banken, die nur dazu dienten, ihrem Besitzer es zu ermöglichen, eigene unternehmerische Interessen, außerhalb des Bankengeschäftes, zu ermöglichen.

Zum weiteren gab es keinen Einlagensicherungsfond, der zumindest einen Teil der Bankeinlagen gerettet hätte. Und der Fond, der dann unter Putin geschaffen wurde, war in der ersten Summe so gering, dass er nur die Rentenersparnisse der Babuschka schützte und der jetzt existierende Einlagensicherungsfond mit 1,4 Mio. Rubel ist auch nur für „Iwan-Normalverbraucher“ geeignet.

Und zum anderen bestand immer die Möglichkeit, dass der Staat Untersuchungen gegen den Milliardär, Millionär einleitet und die Gelder beschlagnahmt. Man hätte also nicht nur Leben oder Freiheit verloren, sondern auch noch sein schwer geklautes Geld.

Und somit war es logisch, dass man auf die enorme Verzinsung von Geldanlagen im damaligen Russland verzichtete und sein Geld lieber ins Ausland verbrachte und dort auf westlichen, wesentlich sicheren Banken anlegte und die geringen Zinsen in Kauf nahm. Lieber den Elefanten in der Hand, als die Fliege auf dem Dach … so lautet wohl ein Sprichwort.

Nun gibt es aber eine andere Politik im russischen Land. Es zieht Ordnung ein. Es könnte schneller Ordnung einziehen, wenn sich Putin endlich wirklich als Diktator zeigen und auch ein, zwei Jahre so handeln würde. Aber dem ist leider nicht so und somit gehen gewisse Prozesse eben auf rechtlicher Grundlage vonstatten – mit anderen Worten: mühselig.

So läuft seit Mitte 2013 der Bankendisziplinierungsprozess. Über 400 Banken haben seitdem ihre Lizenz verloren. Alleine im abgelaufenen Oktober 2018 haben neun Banken ihre Lizenz eingebüßt – eine absolute Rekordanzahl seit Beginn des Säuberungsprozesses.

Und es ist wirklich abzusehen, dass bis 2020 das russische Bankensystem sauber ist. Das Kontrollsystem der Zentralbank wird weiter ausgebaut und danach dürfte es wohl kaum noch zu einem Bankenkrach oder Lizenzentzug kommen.

Nur bis dahin ist es eben so, dass niemand weiß, in welchem Zustand sich seine Bank befindet, ob die Lizenz entzogen wird oder nicht. Und somit, wenn man denn klug ist und die gesetzlichen Festlegungen kennt und beachtet, legt man bei einer Bank eben nur eine Geldsumme an, die durch den Einlagensicherungsfond abgedeckt ist – also 1,4 Mio. Rubel oder 20.000 Euro.

Nun haben aber die russischen Milliardäre und Millionäre einige Millionen und Milliarden mehr. Was also tun?

Man könnte natürlich den gesamten Reichtum auf die noch existierenden rund 600 Banken aufteilen. Ein sehr mühseliges Geschäft. Macht natürlich keiner. Und selbst wenn es jemand machen würde, so würden immer noch viele Millionen und Milliarden Euro oder USD übrigbleiben. Man müsste die also unter dem Kopfkissen lagern. Macht auch niemand.

Und so ist es nicht verwunderlich, wenn die russischen Milliardäre und Millionäre, ungeachtet aller angebotenen Kapitalamnestien – ich glaube es waren insgesamt vier – immer noch zwei Drittel ihrer Barvermögen auf ausländischen Banken lagern und anscheinend die westlichen Sanktionen weniger fürchten, als das immer noch labile russische Bankensystem.

Untersuchungen von „Privat Banking in Russland 2018“ der Firma „Frank RG“ hat ergeben, dass reiche Russen über insgesamt 455 Milliarden USD an Barvermögen verfügen. Davon befinden sich 315 Milliarden im Ausland. Es gibt mehr als 30.000 Russen, die mindestens eine Million USD in Form von Bargeld oder Wertpapieren haben.

Was gibt es also für eine Lösung?

Eine Ideallösung wird es nicht geben, wird es nie geben. Und es wird immer Russen geben, die das Ausland als Finanzlagerort vorziehen.

Die Zentralbank sollte so schnell wie möglich die Säuberung der noch verbliebenen Banken abschließen – persönlich gehe ich davon aus, dass es wohl noch rund 100 Banken treffen wird, die ihre Lizenz in den kommenden 24 Monaten verlieren werden.

Und danach hindert doch nichts mehr daran, den jetzt existierenden Einlagensicherungsfond von 1,4 Mio. Rubel auf 14 Mio. Rubel anzuheben. Es ist ja nicht mehr zu erwarten, dass es zu Lizenzentzügen kommt und somit ist diese Einlagensicherungssumme auch mehr virtuell zu betrachten – also ähnlich wie in Deutschland, wo es auch zu keinem großen Bankencrash mehr kommt bzw. nur in sehr seltenen Fällen und mit dem Einlagenfond von – wenn ich richtig informiert bin, 100.000 Euro, doch die Mehrzahl der Anleger immer auf der sicheren Bank … äh, Seite sind.

Diese Sicherheit würde mit Sicherheit viel Kapital aus dem Ausland und unter dem Kopfkissen hervorlocken – Kapital, mit dem die russischen Banken der russischen Wirtschaft, den großen und kleinen Unternehmern viel Gutes antun könnten.

 

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Banken, Zentralbank

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